Hier ist der Frank am Start

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H.Radmann
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Re: Hier ist der Frank am Start

von H.Radmann (22.09.2020, 16:49)
Ein schöner Diskussionspunkt.

Jetzt lerne ich gerade dabei. Drei Bücher habe ich bereits auf dem Markt, und stelle fest, das ich die Schneeflockenmethode offensichtlich zusammen mit Intuition aus dem Bauch während des Schreibens angewendet habe.
Bis jetzt habe ich aber gar nicht tiefer nachgeforscht, was genau die Schneeflockenmethode im Sinne der "reinen Lehre" eigentlich ist. Hoffentlich führt das nicht allzu sehr zum Schmunzeln bei den Profis.

Es macht Spaß, so vorzugehen, wie Monika es beschrieben hat:

Theoretische Vorkenntnisse übers Schreiben sind sicherlich hilfreich, doch die beste Theorie hilft nichts, wenn man in der Praxis keinen Roman zustande bringt. Hat man jedoch erst einmal den Dreh heraus, kann man sich bei den folgenden Werken immer mehr in die Materie einarbeiten, verschiedene Handlungsschemata und Schreibmethoden ausprobieren und seinen eigenen Weg finden.


Wichtig ist aber, dass die ganze zeitliche Handlung ohne Widersprüche ablaufen muss, dafür habe ich eine DIN A 4 Seite mit Kästchen verwendet, die nah an die Vorgaben der Schneeflocke herankommt.

Bei mir rannte der Gedankenfluss während des Schreibens oft so rasch, dass ich aufpassen musste, den logischen Faden nicht zu verlieren. Plastisches oder bildliches Vorstellungsvermögen war hier meine größte Hilfe.

Vielleicht freut sich der Threat-Starter über unser Thema.

Grüße

Hans

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Monika K.
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Re: Hier ist der Frank am Start

von Monika K. (22.09.2020, 17:37)
H.Radmann hat geschrieben:
Hoffentlich führt das nicht allzu sehr zum Schmunzeln bei den Profis.

Ich muss lediglich beim Wort "Profis" schmunzeln. Nach 13 1/2 Büchern und ein paar unveröffentlichten Manuskripten fühle ich mich aufgrund meiner Verkäufe noch immer als Amateurin. Echte Profis trifft man auf Facebook. Die haben keine Zeit für ein totes BoD-Forum. zwinker::

Viele Grüße
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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Frank Volm
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Re: Hier ist der Frank am Start

von Frank Volm (23.09.2020, 18:55)
Ich werde demnächst eine Zusammenfassung posten und Eure Fragen beantworten. Momentan bin ich etwas im Stress und werde erstmal ein paar Tage untertauchen. Die Pflicht ruft und die Tage haben trotzdem nur 24 Stunden :oops:

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Siegfried
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Re: Hier ist der Frank am Start

von Siegfried (23.09.2020, 20:50)
Monika K. hat geschrieben:
Ich selbst verwende übrigens eine Methode, die der Schneeflockenmethode sehr ähnlich ist. Plottest du? Wenn ja, wie gehst du vor?


Ich suche mir ein bestimmtes Thema, den Kern der Erzählung.
Beispiel: Was macht einen Menschen aus?

Aus dem Kern heraus entwickle ich eine These, die die Erzählung beweisen muss:
Durch den Einsatz von künstlichen Organen/Körperteilen nähern sich Mensch und Maschine immer mehr an.

Jetzt suche ich nach dem Ende der Geschichte, frei nach dem Motto: Was soll denn zum Schluss für eine Aussage herauskommen? - Am liebsten sind mir da immer kleine Schockelemente, die der Leser/die Leserin nicht unbedingt erwartet.

Wenn ich das habe, bastel ich mir mein Personal zusammen. Das ist auch abhängig vom Genre. Hier geht es um Science Fiction. Das Setting liefert mir Informationen zu meiner Hauptfigur.

Die Hauptfigur ist ein Commander, der seit Jahren Dienst bei der Interstellaren Raumflotte schiebt. Jetzt greife ich zum Fragebogen und entwickle Schritt für Schritt den Charakter (dieser Fragebogen ist so etwa 6 Seiten lang).

Nachdem ich jetzt genau weiß, wer meine Hauptfigur ist und was sie erreichen will bzw. wo die Schwachpunkte liegen, überlege ich mir die markanten Wendepunkte in der Geschichte: Der Held muss im Dienst verstümmelt werden, bekommt aber die Segnungen der modernen Medizin zu spüren (Körperextremitäten können nachgebaut werden, Organe werden maschinell erzeugt, Mikroorganismen werden in den Körper gebracht, um dort "aufzuräumen").

Nun brauche ich einen Gegenspieler. In diesem Fall nicht jemand, der gegen die Hauptfigur kämpft, sondern ihn in seinen Gedanken und moralischen Überlegungen spiegelt. Also einen Androiden. Dieser Android wird der Hauptfigur an die Seite gestellt (in der Geschichte übernimmt er die Rolle eines persönlichen Butlers oder so ähnlich).

Nachdem das alles aufgebaut ist, wird die Handlung nach dramaturgischen Gesichtspunkten entwickelt: Anfang mit Darstellung der Zerstörung der heilen Welt des Helden; Vorstellung des Gegenspielers, Verschlimmerung der Situation in mehreren Schritten, Krise als Höhepunkt, die finale Katastrophe, Rettung, das dramatische Ende.

Um die Geschichte interessant zu machen, wird sie in zwei Zeitebenen erzählt. Die Action findet sozusagen als Rückblick, als Erinnerung statt, die Diskussion zwischen Hauptfigur und Android in der Gegenwart mit Einheit von Raum und Zeit.

Synopsis:
Ein Commander gerät mit seinem Raumschiff in eine Schlacht. Sein Raumschiff wird kampfunfähig geschossen, der Commander schwer verletzt. Er verliert sein linkes Bein. Schnitt. Jahre später. Der Commander ist auf einer Raumstation für pensionierte Offiziere. Er stellt fest, dass er ein linkes Bein hat - aber ein nachgebautes. Der Androide kümmert sich um den Commander, auch seelisch-moralisch. Der Commander spürt sein eigenes Herz schlagen - ebenfalls falsch. Schnitt. Jahre zurück. Bei einer Rettungsaktion, bei der Siedler von einem Planeten geholt werden, infiziert sich der Commander mit einem Virus/Bakterium, das seine inneren Organe angreift (ähnlich Ebola). Mit knapper Not kommt der Commander in ein Lazarett, wo ihm die angegriffenen Organe entfernt und durch künstlich erzeugte Organe ersetzt werden. Schnitt. Wieder auf der Raumstation mit dem Androiden. Der Commander versucht zu klären, ob ein künstlich erzeugtes Herz einen Menschen "herzlich" erscheinen lassen kann. Der Androide schildert seine Position: Programmiert, um herzlich zu sein. Der Commander weist darauf hin, dass auch seine rechte Hand nicht echt ist - trotz aller Linien an den Fingerspitzen. Schnitt. Der Commander ist abgestellt für eine Reise eines hochrangigen Politikers im Wahlkampf. Bei einem Wahlauftritt des Politikers auf einem Planeten kommt es zu einem Anschlag. Eine Bombe wird geworfen. Der Commander entfernt die Bombe, verliert bei der Explosion aber seine rechte Hand. Auch die wird durch die moderne Medizin problemlos und täuschen echt ersetzt. Für seinen selbstlosen Einsatz wird der Commander vom Oberkommando mit einem Orden ausgezeichnet, im Rang befördert - und dann in den Ruhestand versetzt. Schnitt. Der Commander erklärt dem Androiden, was es für einen Menschen bedeutet, nicht mehr gebraucht zu werden. Und welche Gründe er hinter diesem Fakt vermutet: Er bestehe ja nur noch aus künstlichen Elementen. Als Folge schwerster Zweifel an sich selbst ("Wer bin ich eigentlich?") beschließt der Commander seinen Selbstmord. Er steigt ein letztes Mal in seinen Raumanzug, geht hinaus ins Weltall und öffnet den Verschluss seines Helmes. Alles wird schwarz. Schnitt. Es bleibt alles schwarz, aber der Commander hört Stimmen. Offenbar kümmert sich ein Arzt und eine Assistentin um ihn. Es stellt sich heraus, dass der Selbstmordversuch nicht geklappt hat. Der Androide hat den Commander in letzter Sekunde durch einen kleinen Schutzschirm gerettet. Allerdings ist der gesamte Körper des Commanders durch Vakuum und Temperatur zerstört. Der Schutzschirm hat nur das Gehirn des Commanders vor Schaden bewahrt. Der Arzt teilt dem Gehirn des Commanders mit, dass die neueste Technologie in der Medizin in der Lage sein, den Körper komplett neu aufzubauen. Der Commander ist entsetzt und im Sprachzentrum seines Gehirns werden massive Aktivitäten freigesetzt - was vom Arzt fälschlicherweise als positive Reaktion gewertet wird. Dann sagt der Arzt, dass der Commander Besuch hat, der ebenfalls mit ihm sprechen will (der Commander bzw. das Gehirn des Commanders kann durch entsprechende Sensoren, die in sein Gehirn gepflanzt worden sind, hören, was um ihn herum geschieht). Eine Stimme spricht zum Commander. Es ist die Stimme des Androiden. Der Androide begrüßt den Commander (bzw. das Gehirn) mit den Worten: "Hallo, mein Bruder!" Ende der Geschichte.

Ich habe mal versucht, diese Geschichte als Short Story zu verfassen. Das Ergebnis habe ich bei einem SF-Wettbewerb eingereicht. Die Story ist in engere Wahl gekommen, wurde aber letztlich nicht für eine Veröffentlichung berücksichtigt.

So in etwa gehe ich vor. Ich habe keine Ahnung, ob das eine "Methode" ist. Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, dass bestimmte Plots bestimmte Abläufe erforden. Ich habe ebenfalls im Laufe der Jahre gelernt, was eine dramaturgische Struktur ist. Ich versuche, mich beim Aufbau einer Geschichte an diese Dinge zu halten. Ob das immer klappt und ob das Ergebnis gut (d.h. lesbar) ist, kann ich nicht sagen. Ich habe auch viel, wirklich viel Schrott geschrieben. Der ist aber in den Tiefen meiner Festplatte sicher verwahrt!

Fröhliche Grüße

Siegfried
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Monika K.
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Re: Hier ist der Frank am Start

von Monika K. (23.09.2020, 21:52)
Vielen Dank für die unerwartet ausführliche Antwort und das anschauliche Beispiel, Siegfried! thumbbup

Mir fällt auf, dass du genau wie ich sehr früh das Ende festlegst. Bei Kurzgeschichten kann ich sogar salopp sagen, dass ich den Anfang und das Ende schreibe, und danach die Lücke dazwischen mit der Story fülle. Nur bei den Figuren gehe ich anders vor als du, was aber sicher am Genre liegt. Meine Figuren haben gute und schlechte Eigenschaften, und es gibt keinen klar definierten Antagonisten, wie er in deinem Genre jedoch von Haus aus dazugehört. Nebenfiguren werden bei mir zu Anfang nur grob umrissen und während des Schreibprozesses weiterentwickelt oder manchmal sogar erst mitten im Buch "dazuerfunden", weil ich merke, dass ich sie brauche. Meine Notizen wachsen also während des Schreibens, wohingegen deine offensichtlich bereits vorher fertiggestellt werden. Das sind die Kleinigkeiten, die jeder so machen sollte, wie er am besten klarkommt.

Meine Methode des Plottens habe ich ebenfalls selbst entwickelt, jedoch ohne darüber nachzudenken. Sie entstand sozusagen "aus dem Bauch heraus". Das hat in meinen Augen den Vorteil, dass man damit am besten klarkommt. Nur wenn man mit der Methode nicht zufrieden ist oder regelmäßig stecken bleibt, hilft es sehr, sich in Schreibratgebern nach Anleitungen fürs Plotten umzusehen. Doch auch dann würde ich mich nie sklavisch daran halten, sondern mir die Punkte herauspicken, die auf meiner Linie liegen. Die Parallelen zur Schneeflockenmethode entstanden bei mir also zufällig, und ich erkannte erst später, dass meine Vorgehensweise keinesfalls einzigartig kreativ ist.

Viele Grüße
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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