Die Welt als Wille und Vorstellung

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Monika K.
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Re: Die Welt als Wille und Vorstellung

von Monika K. (19.11.2020, 22:57)
Ich habe jetzt selbst einmal versucht, einen möglichen Kandidaten für den Titelinhaber zu ermitteln, bin jedoch nicht fündig geworden.
Zwei Punkte konnte ich klären:
Der Titel ist automatisch eine Marke. (Bezüglich Urheberrecht hatte ich also unrecht.)
Der Titelschutz endet mit Aufgabe der Marke. Doch bei dem Punkt fand ich bereits unterschiedliche Aussagen.
"wenn das Werk mehr als zwei Jahre lang vergriffen ist"
https://www.boersenblatt.net/titelschutz/faq
"soweit das Buch seit mehr als 5 Jahren vergriffen ist"
https://de.wikipedia.org/wiki/Titelschutz

Eines ist jedoch klar: Mit dem Nachdruck eines gemeinfreien Werks wird man nicht zum Titelinhaber, sondern darf ihn lediglich benutzen. Ein gewaltiger Unterschied.

Die Originalausgabe erschien 1819 im Bibliographischen Institut & F. A. Brockhaus in Leipzig.
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Welt_ ... orstellung
Wenn man die Firmengeschichte weiterverfolgt, tauchen mehrere Verlagsnamen auf. Wenn ich diese mit der Liste der momentan verfügbaren Werkausgaben vergleiche, finde ich keine Übereinstimmung. Ob damit der Titel aufgegeben ist, kann ich nicht sicher beurteilen. Dass er nicht aufgegeben ist, müssten jedoch diejenigen beweisen, die hier einen Fall fürs Gericht sehen.

Was ich nicht sicher beantworten kann: Wer ist eigentlich prinzipiell Titelinhaber? Der Autor oder sein ursprünglicher Verlag? Oder ist von Fall zu Fall beides möglich? Ich tippe in diesem konkreten Fall auf den ursprünglichen Verlag, mit dem der Autor einen Buchvertrag abgeschlossen hatte. Sicher bin ich mir jedoch nicht. (Nicht zu verwechseln mit all den Verlagen, die das gemeinfreie Werk nachdrucken.) Doch dessen Rechtsnachfolger scheint das Werk nicht mehr im Programm zu haben, oder übersehe ich eine Ausgabe?

Weiterhin bin ich der Ansicht, dass nicht ich den Gegenbeweis, sondern der Verfasser einer Tatsachenbehauptung den Beweis für seine Aussage erbringen muss. Mir das Stichwort "Titelschutz" an den Kopf zu werfen, reicht bei Weitem nicht aus. Es reizt mich lediglich dazu, mit "Maschendrahtzaun? Knallerbsenstrauch?" zu antworten.

Auch hier noch einmal der Disclaimer für die Abmahnanwälte: Ich bin keine Anwältin und erteile hier keine Rechtsberatung, sondern versuche lediglich als Laiin, die Wahrheit herauszufinden.

Meine persönliche Meinung zu dem hier vorliegenden Fall ist und war von Anfang an: Man sollte das nicht machen. Auch dann nicht, wenn's rechtlich einwandfrei ist.

Viele Grüße
Monika

edit:
Inzwischen weiß ich übrigens, wie es in der Praxis tatsächlich abläuft: BoD nimmt das betroffene Buch im Rahmen des Sonderkündigungsrechts vom Markt. Warum sollte auch jemand die Gerichte bemühen, wenn ein simpler Brief den gewünschten Effekt erzielt?
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

holz
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Re: Die Welt als Wille und Vorstellung

von holz (20.11.2020, 08:28)
siehe zum Thema auch
https://irights.info/wp-content/uploads ... tfaden.pdf
dort unter 3.5.1. Titelschutz (Seite 21-22)

"...Andererseits meint er [= BGH], dass der Nachdruck gemeinfreier Werke auch unter ihrem ursprünglichen Titel jedem gestattet sei..."

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Monika K.
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Re: Die Welt als Wille und Vorstellung

von Monika K. (20.11.2020, 08:53)
holz hat geschrieben:
siehe zum Thema auch
https://irights.info/wp-content/uploads ... tfaden.pdf
dort unter 3.5.1. Titelschutz (Seite 21-22)

"...Andererseits meint er [= BGH], dass der Nachdruck gemeinfreier Werke auch unter ihrem ursprünglichen Titel jedem gestattet sei..."

Vielen Dank für den Link! Der hilft mir sehr weiter.
Wie interpretierst du das? Kann ein Verlag, der ein gemeinfreies Werk nachdruckt, tatsächlich den Titelschutz für seine Ausgabe beanspruchen und zum Titelinhaber werden? Das geht nämlich weder aus meinem Link noch aus deinem ganz eindeutig hervor. Wer ist der Titelinhaber, der andere dazu auffordern kann, den Titel nicht mehr zu verwenden? (In der Regel landet man nicht vor Gericht.) Der ursprünglich vom Autor gewählte Verlag, der das Werk in x-ter Auflage druckt, oder sämtliche Verlage, die ein gemeinfreies Werk nachdrucken? Zu dem Punkt fand ich gestern nichts Eindeutiges, kann aber nicht ausschließen, es überlesen oder nicht verstanden zu haben. Es geht meiner Ansicht nach immer nur darum, ob der Titelinhaber anderen Verlagen verbieten kann, den Titel für einen Nachdruck zu verwenden. (Nein, kann er nicht prinzipiell.) Doch was passiert, wenn es nur noch Nachdrucke gibt? Sind dann alle ein Titelinhaber oder keiner?

Eigentlich rechne ich seit Tagen damit, dass Sancho Pansa das mal genauer erklärt, weil das Markenrecht doch sein Steckenpferd ist.

Viele Grüße
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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