Carmina burana und Alice Weidel als Schwan

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Arno Abendschön
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Carmina burana und Alice Weidel als Schwan

von Arno Abendschön (17.12.2020, 10:58)
Da habe ich mir doch neulich die Verfilmung von Orffs „Carmina Burana“ als DVD kommen lassen, von Ponnelle 1975 realisiert – großartig, fulminant. Ich muss es immer wieder ansehen und anhören. Das hat allerdings Folgen. Wache ich jetzt nachts auf, erklingen diese Melodien sogleich wie Ohrwürmer in meinem Kopf: zum Beispiel O Fortuna oder Swaz hie gat umbe ... Und gerade eben, bei meinem Nachmittagsnickerchen, habe ich sogar von diesem Stoff geträumt. Ich muss das jetzt aufschreiben, um mich von dem starken Eindruck zu befreien.

Diesmal war es Olim lacus colueram, der Schwan, der in der Küche gebraten wird und dazu ganz jämmerlich singt. Mir träumte, es sei Alice Weidel, die hier schmorte, in ein unförmiges Schwanenkostüm gezwängt und auf dem rotierenden Bratrost festgebunden. Ich war einer der Küchenjungen, die sie mit Fett beträufelten. Sie selbst sang den lateinischen Text und schrie dazwischen in hohem, schrillem Ton auf Deutsch. Es schien immer dasselbe und ich glaubte schließlich das zu verstehen: „Wer für Stopfleber die Freiheit aufgibt, wird beides verlieren, die Leber und das Gegacker.“ Für einen Schwan sonderbare Worte, über die ich jedoch träumend nicht lange nachsinnen konnte, denn Alice war jetzt durchgebraten und ich verwandelte mich im Nu in den Truchsess und ließ sie als Hauptgang auftragen.

Alice führte vor den Gästen an der langen Tafel ihren Klagegesang unbeirrt fort und der Chor respondierte: „Miser! Miser! Modo niger et ustus fortiter!“ Und dann wechselte sie wieder ins Neuhochdeutsche und artikulierte dabei sehr scharf: „Wer für Stopfleber die Freiheit aufgibt, wird beides verlieren, die Leber und das Gegacker.“ Aus der Tischgesellschaft trafen sie fragende Blicke und sie ergänzte weniger laut und ziemlich trocken: „Zitat von Thomas Alva Edison.“ Woraufhin einer der Speisenden einwarf: „Was hat denn der damit zu tun? Aber lasst uns jetzt anfangen …“ Sie zückten die langen Messer, um sich Stücke vom Fleisch der Alice herunterzusäbeln.

Ich war misstrauisch geworden: Stopfleber, Gegacker? Wenn sie nun gar kein Schwan war? Blitzschnell, wie das nur im Traum geschehen kann, löste sich mir das Rätsel. Die Weidel flog plötzlich von der Tafel auf und rauschte, arg ramponiert schon, über die Köpfe hinweg und zum Saalfenster hinaus. Man hörte nur noch eben als Begleitgesang: „… et ustus fortiter!“ Dann war sie außer Sichtweite. Aber das war doch kein Schwan gewesen, dünkte mich, sondern? Ein Storch vielleicht? Nein, auch kein Storch (Ciconia ciconia) … Es war unverkennbar – eine Gans.

Ich weiß, nur ein absurder Traum.
Geschichten werden niemals richtig erlebt, nur manchmal, sehr selten, richtig erzählt. (Alfred Polgar)

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Hannelore Goos
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Re: Carmina burana und Alice Weidel als Schwan

von Hannelore Goos (17.12.2020, 11:57)
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Gendern nein: Bloß weil sich jetzt auch Männer als Bundeskanzlerin bewerben, muss man doch nicht das Wort ändern! :twisted:

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