Gendergerechte Sprache

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mtg
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Re: Gendergerechte Sprache

von mtg (07.03.2021, 14:19)
Nur mal so: 7. März 2021

Das Angebot beinhaltet einen allgemeinen Rabatt von € 3,00 pro Bestellung. Eine Rückfrage an den Absender ist natürlich rausgegangen …
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Arno Abendschön
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (08.03.2021, 10:03)
Zur Bereicherung der wie gewohnt ebenso fruchtbaren wie lebhaften Debatte ein Blick über die Palisade:

https://arnewb.medium.com/ideologischer ... 766f620b94
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Volker Meyer
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Re: Gendergerechte Sprache

von Volker Meyer (11.03.2021, 12:48)
Mir persönlich ist völlig egal ob ein Buch gendergerecht verfasst wurde oder nicht. Der Autor oder die Autorin ist selbst verantwortlich und entscheidet auch selbst was er/sie für gut lesbar oder nötig hält. Ich bin allerdings überzeugt davon, dass sprachliche Entwicklung niemals aufgehalten werden kann. Sprachliche Entwicklung kann aber auch nicht wirksam von kleineren Gruppen einer ganzen Sprachgruppe aufgezwungen werden. Das funktioniert anders, wenn eine größere Gruppe eine absolute Gendernotwendigkeit sieht und dies auch umgangssprachlich anwendet wird sich diese Sprachentwicklung durchsetzen, findet diese Bewegung keinen Rückhalt bei der Mehrheit der Sprecher einer Sprache, wird sie scheitern oder es entwickelt sich eine eigene Schriftsprache, die mit dem gesprochenen Wortschatz wenig zu tun hat. Letzteres wäre eine Katastrophe und trat in Teilen Europas schon einmal ein, als für geschriebene Werke weiter die (vulgär)-lateinische Schriftsprache für Bücher und Urkunden verwendet wurde, die mit den gesprochenen Sprachen irgendwann nichts mehr zu tun hatte, nicht mal mit den daraus entwickelten romanischen Sprachen. Folge war, nur wenige konnten überhaupt Texte lesen und verstehen und mussten dazu sogar erst mal eine alte Sprache neu erlernen. Die Nachteile liegen auf der Hand.
Ich glaube allerdings, dass die sprachliche Entwicklung sich an der Genderdiskussion weder aufreiben noch langfristig stören wird, egal in welche Richtung der Pendel nun ausschlagen wird.

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Siegfried
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Re: Gendergerechte Sprache

von Siegfried (12.03.2021, 21:30)
Volker Meyer hat geschrieben:
Ich glaube allerdings, dass die sprachliche Entwicklung sich an der Genderdiskussion weder aufreiben noch langfristig stören wird, egal in welche Richtung der Pendel nun ausschlagen wird.


Ich befürchte eine ganz andere Entwicklung. Eigentlich ist die gemeinsame Sprache die stärkste Verbindung innerhalb einer Gemeinschaft. Genau diese identitätsstiftende Kraft geht durch die aktuelle Diskussion verloren. Meiner ganz persönlichen Meinung nach wird es am Ende einen Gesellschaftsteil - relativ klein - geben, der die genderkorrekten Formulierungen benutzt. Der andere Teil - weitaus die Mehrheit - wird weiterhin so sprechen und schreiben wie bisher . und man interessiert sich herzlich wenig für die Probleme des 27. Geschlechts. Beide Gruppen distanzieren sich voneinander. Die Elite schaut mit Abscheu auf "die da unten, die noch nicht einmal die Sprache der Gleichberechtigung beherrschen", während die Masse auf die Elite blickt und sie für "völlig abgehoben und weit weg vom echten Leben" bezeichnet. Der gesellschaftliche Konflikt ist damit bereits vorprogrammiert. Mit dem vermutlichen Ergebnis, dass die Gesellschaft zerbricht.
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Margret
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Re: Gendergerechte Sprache

von Margret (13.03.2021, 00:13)
Das ganze sprachliche Gendergesimse dient doch nur als Nebenschauplatz, damit sich nicht mit den tatsächlichen Problemen, der Diskriminierung der Frauen in Beruferin, Wirtschafterin und Gesellschafterin beschäftigt werden muss. Und die Damen haben nichts eiligeres zu tun, als auf diesen Zug aufzuspringen.

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Siegfried
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Re: Gendergerechte Sprache

von Siegfried (13.03.2021, 15:22)
Margret hat geschrieben:
Das ganze sprachliche Gendergesimse dient doch nur als Nebenschauplatz, damit sich nicht mit den tatsächlichen Problemen, der Diskriminierung der Frauen in Beruferin, Wirtschafterin und Gesellschafterin beschäftigt werden muss. Und die Damen haben nichts eiligeres zu tun, als auf diesen Zug aufzuspringen.


Es gibt - meiner ganz bescheidenen Meinung nach - zwei Gruppen in dieser Angelegenheit:
- Die eine will soziale Ungerechtigtkeiten direkt beseitigen, indem sie Sozialpolitik betreibt
- Die andere willen die Sprache, also die Symptome verändern (Identitätspolitik), um dann als Folge daraus die sozialen Ungerechtigkeiten zu eliminieren.

Aktuell gibt es mindestens eine (ehemals) große Partei, die daran zerbrechen könnte. Die fetzen sich aktuell wie die Kesselflicker.

Beste Grüße
Siegfried
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westfriend
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Re: Gendergerechte Sprache

von westfriend (15.03.2021, 12:16)
Margret hat geschrieben:
Das ganze sprachliche Gendergesimse dient doch nur als Nebenschauplatz, damit sich nicht mit den tatsächlichen Problemen, der Diskriminierung der Frauen in Beruferin, Wirtschafterin und Gesellschafterin beschäftigt werden muss. Und die Damen haben nichts eiligeres zu tun, als auf diesen Zug aufzuspringen.


Das ist auch mein Eindruck.

Aktuell gibt es die Debatte um den Pflegetarifvertrag, aus dem sich sowohl Caritas als auch Diakonie ausklinken wollen. Angestrebt (!!!) ist ein Pflegemindestlohn von 15 Euro für eine examinierte Pflegekraft. Das ergibt nach 42 Berufsjahren vollzeit Beschäftigung eine Altersversorgung auf Grundrentenniveau. Schlimmer dran sind die Caremigrantinnen, überwiegend Osteuropäerinnen, die zu noch niedrigeren Löhnen die Altenpflege in vielen Familien - und auch damit so manche besser dotierte Karriere - überhaupt erst ermöglichen. Gleiches gilt für Haushaltshilfen, AuPairs u.a., die zu über 80% schwarz beschäftigt werden, damit keine SV haben und auch keine Altersversorgung aufbauen können. Man sollte mal über die Verdrängungsmechanismen reden, die auch widerum Frauen betreffen.

Ich höre da nichts von seiten der Gender- und FeministInnenfront. Es müsste ein Aufschrei durch das Land toben. Diese Berufe werden überwiegend von Frauen ausgeübt, aber die schlechte Bezahlung betrifft ebenso die Männer. Dort haben die Menschen Jobs und keine Karriere. Damit sind sie uninteressant und ein paygap entweder gar nicht vorhanden oder aber irrelevant. Bezüglich des EarningsGap könnten aber über 70% der Ungerechtigkeiten sofort behoben werden. Es fehlt aber der öffentliche Druck.

Wer immer diese Debatte zum jetzigen Zeitpunkt losgetreten hat, verfolgt eigene Ziele damit und spricht nicht stellvertretend für die Menschen, die tatsächlich den Laden hier am Laufen halten.

Das soll nicht heißen, dass eine Weiterentwicklung der Sprache unnötig ist. Manche der Kritikpunkte sind sicherlich angebracht und man sollte daran arbeiten. Siehe z.B. den Negerkönig in Astrid Lindgren's Pippi Langstrumpf. Die Autorin hätte bestimmt nichts dagegen gehabt, dass ihre Kinderbücher mit dem "Südseekönig" so angepasst werden, dass jedes Kind der Welt Freude daran hat, ihre Bücher zu lesen. Manch anderes wirkt dagegen lächerlich. Wenn also von Herr-schen gesprochen wird, um zu belegen, dass Mann Frau unterdrückt, dann lohnt ein Blick in anders sprachige Länder, wo man aus govern oder dominer oder regnare nichts dergleichen herauslesen kann. Gleiches gilt für englischsprachige Wortkreationen, wo sich angeblich aus History His-Story herleiten lässt, was im Deutschen mit der Geschichte nicht mehr funktioniert, ebesowenig wie mit storia.

Arno Abendschön
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (19.03.2021, 18:07)
Im Zusammenhang mit der laufenden Diskussion hier noch zwei Materialien:

a) meine E-Mail an den RBB vom 15.3.21

b) die Antwort des Senders vom 19.3.21

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit zwölf Jahren bin ich Stamm-Zuschauer der „Abendschau“ und habe in dieser langen Zeit nur wenige Sendungen verpasst. Das Magazin hat mir als Informationsquelle durchaus zugesagt. Ich werde die Sendung in Zukunft aufgrund der stark veränderten Sprache meiden.

Das Gendern überlagert mehr und mehr den Informationsgehalt der Beiträge. Addiert man allein die inflationär angehängten weiblichen Endungen mit entsprechender Wiederholung („Bürger und Bürgerinnen, Wähler und Wählerinnen“ usw.), kommt man pro Sendung gewiss auf zwei verlorene Sendeminuten. Als Zuschauer ertappe ich mich oft dabei, statt auf die Sachinformation auf die Sprachform zu achten. Das Gendern kann ja aus Gründen der Praktikabilität nicht konsequent durchgehalten werden und so ist es aufschlussreich, wann darauf verzichtet wird: in der Regel bei eher negativ besetzten Begriffen, z.B. bei „Täter“ oder bei „Steuerzahler“. So interessant solche Beobachtungen sind, sie lenken regelmäßig von der Sache ab.

Ihre Interviews verkommen inzwischen oft zu schlechtem Kabarett. Häufig verschlucken die Interviewten die weibliche Endung, deuten sie nur an. Dann hört man, auch aus Senatoren- oder Bürgermeistermund: „Bürger- und Bürger, Wähler- und Wähler“ usw. Noch fataler ist der Eindruck, wenn der Gesprächspartner sich übergewissenhaft und sehr verkrampft bemüht, nur nichts falsch zu machen. Dann rattert dieselbe Formel (z.B. „Schülerinnen und Schüler“) nicht selten fünfmal in weniger als sechzig Sekunden herunter - ermüdend. Mein Fazit dann: Hier wird überwiegend leeres Stroh gedroschen.

Vollkommen unverzeihlich finde ich es, wenn professionelle Journalisten beim Gendern bewusst grammatisch falsches Deutsch verwenden. Wie oft gebrauchen Ihre Redakteure das substantivierte Partizip II entgegen seiner klaren Bestimmung. Die deutsche Sprache unterscheidet nicht zufällig und willkürlich zwischen Mitarbeitern und Mitarbeitenden usw. Diesen Bedeutungsunterschied einzuebnen, heißt: aktiv Sprachverarmung zu betreiben.

Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Sie verärgern gegenwärtig viele Ihrer treuesten Zuschauer und vertreiben nicht wenige von ihnen. Ich werde zukünftig lokale Informationen allein aus der Presse beziehen. Über Gedrucktes lässt sich leichter hinweglesen und ein einzelner Artikel im Internet lässt sich bei Missfallen schneller wegklicken als ein TV-Programm wechseln.

Mit freundlichen Grüßen


Sehr geehrter Herr ***,

vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihre kritischen Zeilen zur Umsetzung gendergerechter Sprache.

Der Diskurs um gendergerechte Sprache findet selbstverständlich auch bei uns im rbb statt.
Aus Sicht des rbb - und damit sendungsübergreifend - kann ich Ihnen mitteilen, dass sich der rbb viele Gedanken zur geschlechtergerechten Sprache macht. In den Nachrichten sprechen wir das Gender-Sternchen bei unserm Hörfunksender "Fritz" seit dem 1. September 2020 und auch bei "radioeins" können Sie hin und wieder "Hörer*innen" hören.
Es gibt im rbb ein breites Bewusstsein für das Thema, aber absichtlich keine senderweite Leitlinie. Denn wir machen Programm für ganz unterschiedliche Zielgruppen, die naturgemäß auch unterschiedliche Zugänge zu diesem Thema haben. Einzelne Redaktionen nutzen das Gender-Sternchen, das sogenannte Binnen-I sehr wohl, auch im geschriebenen Wort, bei anderen ist dann eher von „Hörerinnen und Hörern“ oder „Zuschauerinnen und Zuschauer“ die Rede. Je nach Redaktion wird dies unterschiedlich umgesetzt. Insgesamt lässt sich im rbb eine grundsätzliche Bewegung hin zu geschlechtergerechter Sprache feststellen.
Sprache ist im Wandel und so ist es nur folgerichtig, dass sich auch der rbb dieser Diskussion nicht verwehrt. Dabei steht bei uns an erster und oberster Stelle, dass unser Publikum uns versteht. Das bedeutet, dass wir immer wieder über die leserfreundlichste und akustisch am besten verständlichste Art diskutieren.
Insbesondere in den vergangenen Wochen haben wir uns vermehrt in unserem Programm mit dem Thema der gendergerechten Sprache befasst und den Diskurs sowohl im Fernsehen, als auch im Hörfunk abgebildet. Insbesondere in den sozialen Medien sind daraus sehr intensive und vielfältige Diskussionen entstanden.
Wir scheuen keinesfalls den Austausch mit unserem Publikum. Alle Publikumsrückmeldungen – so auch Ihre – werden von uns gelesen und intern ausgewertet und besprochen.

Freundliche Grüße

Ria Neidenbach
Service-Redaktion


Mein Fazit: Auf konkrete Kritikpunkte wird hier nicht eingegangen, sondern nur ein wortreich vernebelnder Standardtext übermittelt.
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Klaus.H
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Re: Gendergerechte Sprache

von Klaus.H (19.03.2021, 21:41)
ähnliches wortreiches Bla bla bekommt man auch bei anderer Gelegenheit.

Das Problem ist: Ein Zeitungs-Abo z.B. kann ich kündigen, die erkennen dann die Ablehnung konkret. die Zwangsgebühren der GEZ muss man bezahlen ob man will oder nicht! Also können die auch machen was sie wollen, auch am Zuschauer/Zuhörer vorbei!

Empfehlenswert heute ein Artikel in der FAZ: Generation beleidigt. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/buchkritik-zu-caroline-fourests-generation-beleidigt-17248164.html
Gruß Klaus
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Siegfried
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Re: Gendergerechte Sprache

von Siegfried (20.03.2021, 10:37)
Arno Abendschön hat geschrieben:
Mein Fazit: Auf konkrete Kritikpunkte wird hier nicht eingegangen, sondern nur ein wortreich vernebelnder Standardtext übermittelt.


In der heutigen Wochenendausgabe der lokalen Tageszeitung findet sich ein Artikel mit der Überschrift "Aus für das generische Maskulinum". Einer Professorin für Public Relations wurden eine Reihe von Fragen gestellt, wie sich die zukünftige Sprache darstellen wird - Hauptzielrichtung war dabei der Sprachgebrauch in Unternehmen.

Kernantwort war, dass sämtliche Berufsbezeichnungen in einer männlichen und weiblichen Form existieren werden. Dies ist aus meiner Sicht nachvollziehbar. Hingegen gehe ich mit der in der Überschrift genannten Aussage "Aus für das generische Maskulinum" nicht konform. Ich habe der Zeitung daher einen Leserbrief geschrieben mit einer Handvoll Fragen:

Wenn es einen Arzt (Mann) und eine Ärztin (Frau) gibt, wer steckt dann in einem Arztkittel? Nur Männer? Oder tragen Ärztinnen die Kittel ihrer Berufskollegen?

Arbeiten Ärztinnen in einer Arztpraxis (Arbeitsplatz von Männern) oder in einer Ärztinpraxis?

Wenn es einen Piloten (Mann) und eine Pilotin (Frau) gibt, benötigt die Frau dann einen Pilotinnenschein?

Sind Schlagzeilen wie "Massenkarambolage auf der A2: Drei Personen schwer, acht Personen leicht verletzt" zukünftig noch korrekt? Das Wort "Person" ist ein generisches Femininum - wurden also nur Frauen verletzt?

Ist eine Meldung "Unmenschliche Zustände im Seniorenheim Kleinkleckersdorf" zukünftig irritierend? "Unmenschlich" können nur Männer sein (weil "der Mensch"), für Frauen kennt der neueste Duden das Wort "die Menschin", was bedeutet, dass Frauen keine Menschen mehr sind (mit allen Ableitungen davon). Und leben im Seniorenheim tatsächlich nur alte Männer? Denn Frauen sind ja bekanntlich Seniorinnen.

Eine genderkorrekte Sprache ist sehr viel komplizierter als dieses einfache ":in".

Soweit mein Brief an die Redaktion. Ich bin mir sehr sicher, keine Antwort darauf zu bekommen. Zum falsch benutzten Partizip ("die Studierenden") verweise ich nur auf zwei Beispiele:

die toten Autofahrenden
die abwesenden Arbeitenden

Zombies auf deutschen Straßen und Geisterwesen am Arbeitsplatz. Sieht so die Zukunft aus?

Beste Grüße
Siegfried
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Re: Gendergerechte Sprache

von westfriend (20.03.2021, 13:52)
Klaus.H hat geschrieben:
ähnliches wortreiches Bla bla bekommt man auch bei anderer Gelegenheit.

Das Problem ist: Ein Zeitungs-Abo z.B. kann ich kündigen, die erkennen dann die Ablehnung konkret. die Zwangsgebühren der GEZ muss man bezahlen ob man will oder nicht! Also können die auch machen was sie wollen, auch am Zuschauer/Zuhörer vorbei!

Empfehlenswert heute ein Artikel in der FAZ: Generation beleidigt. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/buchkritik-zu-caroline-fourests-generation-beleidigt-17248164.html


Vielen Dank für den Link. Der Artikel spricht mir aus der Seele, obwohl die FAZ nicht unbedingt mein bevorzugtes Medium ist.

Aber das Buch werde ich mir besorgen.

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Klaus.H
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Re: Gendergerechte Sprache

von Klaus.H (20.03.2021, 15:45)
tja, vielfalt ist immer besser als Einfalt, besonders bei Information, ich schau gerne mal übern Gartenzaun . . .
Gruß Klaus
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Arno Abendschön
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (20.03.2021, 17:17)
Siegfried berührt mit seiner Anfrage eines der Hauptprobleme bei dem ins Auge gefassten Sprachumbau: die im Deutschen sehr häufigen zusammengesetzen Wörter. Damit wird die Dimension klar, um die es ginge.

In dem folgenden Link kommt eine besonders betroffene junge Frau zu Wort. Sie ist Volontärin beim Bayerischen Rundfunk und hat mit ihrer unverblümten Meinung schon einiges Aufsehen erregt.

https://meedia.de/2021/03/15/julia-ruhs ... s-gendern/
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Hannelore Goos
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Re: Gendergerechte Sprache

von Hannelore Goos (26.03.2021, 14:24)
Es gibt auch andere Vorschläge:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/en ... _id=492876


Das Autory
Gendern nein: Bloß weil sich jetzt auch Männer als Bundeskanzlerin bewerben, muss man doch nicht das Wort ändern! :twisted:

Arno Abendschön
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (31.03.2021, 21:57)
Hannelore, ich bemühe mich, diese Variante lustig zu finden, es gelingt mir nur nicht. Früher sagte man: Wirf mir mal eine Straßenbahn ins Kreuz, damit ich lachen kann ...

Mal was Ernsthaftes zum Thema:

Eine Grundregel guten Schreibens wie Redens ist die, den jeweiligen Sachverhalt so genau wie möglich auszudrücken. Bieten sich mehrere Begriffe an, liegt es nahe, den treffendsten zu verwenden. Es erscheint zunächst paradox, dass die Gendersprache sich gerade hier versündigt, sie, die doch angeblich der Vielfalt zu ihrem Recht verhelfen will. Um jedoch die von ihr erst geschaffenen Probleme zu bewältigen, neigt sie zunehmend dazu, konkrete Bezeichnungen für Gruppen von Individuen durch allgemeine Sammelbegriffe zu ersetzen. Man achte mal darauf, wie oft jetzt in deutschen Texten und Reden von „Menschen“ die Rede ist. Bürger? Einwohner? Passanten? Um sich die lästige Verdoppelung mit –innen zu ersparen, wird die Sprache radikal vereinfacht: Wir sind alle nur noch Menschen.

Ein anschauliches Beispiel dafür lieferte gerade die Verteidigungsministerin, heute dienstlich in Sachsen unterwegs. Es ging um die militärische Nachnutzung eines Tagebaus in der Lausitz. Kramp-Karrenbauer dazu: „Es kommen tausend Menschen nach Boxberg.“ Gemeint sind allerdings Soldaten, und da diese häufig Familienangehörige mitbringen, werden es am Ende weit mehr als eintausend sein. Gut für die Lausitz, schlecht für die Sprache. Und wir haben eine Verteidigungsministerin, die in der Öffentlichkeit das Wort Soldaten lieber vermeidet.

In den MDR-Fernsehnachrichten um 19.30 Uhr war korrekt von Soldaten die Rede. In der Online-Version wird daraus dann „1000 Angehörige der Bundeswehr“. Das ist holprige Sprache und sachlich wiederum ungenau. Denn zu dem Truppenverband von eintausend Soldaten dürften noch zivile Kräfte kommen, nicht nur aus der Region.

Die Gendersprache opfert hier die Möglichkeiten exakter, differenzierender Bezeichnung. So kommt sie allerdings aus ihrer Sackgasse nicht heraus.
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