Warum genau das?

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Siegfried
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Re: Warum genau das?

von Siegfried (30.03.2021, 10:26)
Klaus.H hat geschrieben:
diese "Prüfstelle" würde mich auch mal interessieren!
Wer maßt sich soetwas an?
Haben wir schon das Orwellsche Wahrheitsministerium?


Die Kontaktstelle heißt
http://www.sensitivity-reading.de

Alle nachfolgenden Fragen beruhen auf Vorwürfen, die mir in dem Autorenzirkel zu meinem Plot gemacht wurden.

Die Antworten des sensitivity readings:

Werden Muslime durch diesen Plot so dargestellt, dass sie sich persönlich in ihren religiösen Gefühlen beleidigt fühlen?

- Ja. In ihrem Plot wird die Religion leider komplett radikalisiert,ein Vorurteil gegen das Muslime seit Jahren kämpfen und was natürlich leider durch extremismus von zB. dem IS immer schwieriger wird.



Im Plot taucht ein junger Algerier auf, der sich von einer radikal-islamischen Gruppe anwerben lässt, weil er dadurch eine finanzielle Absicherung seiner in Armut lebenden Familie erreicht (abgeleitet vom Verfahren der Hamas, die in Palästina so Mitglieder bekommt). DerAnschlag selbst orientiert sich am Attentäter vom 3.11.2015 am Stade de France



Respektiere ich durch die Darstellung des Aziz als Antagonisten die betroffenen Menschen nicht genug?

- Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Durch die Rolle eines Antagonisten sind die Linien zwischen dem Empfinden gegenüber eines fiktiven Charakters und dem damit verbundenen gesellschaftlich kritischen Bild gegenüber Muslimen, sowie Menschen mit Migrationshintergrund sehr schmal. Natürlich ist es in Ihrem Interesse einen möglichst detailreichen Antagonisten zu erschaffen, welcher natürlich zum Entstehen eines guten Buches in gewisserweiße essentiell ist, dennoch stehen Sie als Autor in gewisserweise auch in der Pflicht ein Buch zu verfassen, welches nicht dafür Sorgen sollte Hass oder Wut gegenüber einer Ethnie oder Menschen einer religiösen zugehörigkeit zu schüren, was meines Erachtens durch ihr Buch bestärkt werden würde.


Die Figur Aziz ist nur ausführendes Organ. Er wird fremdgesteuert, sowohl von der fundamental-islamischen Organisation als auch von einer Kraft, die ihrerseits wieder die Islamisten steuert.

Ist mir durch die Darstellung des Aziz die Gruppe der Muslime in Deutschland, in Europa, in der Welt egal?

- Nun, hier kann ich nicht sagen was Ihr persönliches Empfinden ist. Ich denke allerdings das Sie mit ihrem Buch viele Muslime kränken oder verletzen werde. Also stelle ich Ihnen die Frage , ist Ihnen das egal ? Denken Sie, dass sich Muslime oder Menschen mit Migrationshintergrund besänftigen lassen wenn es zusätzlich noch eine rechtsradikale Organisation geben wird oder eher gesagt dadurch beruhigt sind, weil es noch die rechtsradikalen gibt, Quasi einen weiteren Feind in Ihrem Buch ?


Kernfrage: Wie darf man eine Geschichte schreiben, die den islamistischen Terror berührt? Offenbar gar nicht - man könnte ja jemanden auf die Füße treten.



Darf ich überhaupt einen Muslim als Attentäter in einem Roman verwenden?

- Dürfen? Natürlich, davon kann sie keiner abhalten. Aber sollten sie das ? Vielleicht nicht. Wir leben zur Zeit in einem sehr politischen Wandel, was würde ihr Buch zu diesem Wandel oder zum Ansehen von Muslimen, Menschen mit Migrationshintergrund beitragen ? Leider kann ich Ihnen aus Erfahrung sagen, dass es in Dutschland genügend Menschen gibt die mich als Feindin ansehen, oder gar als Terroristin auf der Straße betitteln ( Wobei das noch die sanften Bezeichnungen sind ) . Und wieso ? Weil es leider wirklich durch extremistische Ansichten, verherrlichung von Gewalt und fehlinterpretationen des Qurans zu Terroristischen Anschlägen gekommen ist. Aber was dazu auch beiträgt sind Serien/Filme und Bücher in denen Muslime immer wieder als Feindbild dargestellt werden .



Schlussfolgerung: Finger weg von solchen Themen!

Anmerkung: Parallel zum Sensitivity Reading habe ich den Plot zwei Muslimen vorgelegt. Ein Mann Ende 30, türkischstämmig, konservative Weltanschauung (u. a. Anhänger von Erdogan). Eine Frau, Anfang 30, kurischer Abstammung; liberale Weltanschauung.

Beide haben unabhängig voneinander den Plot als nicht beleidigend oder sonstwie aggressiv angesehen. Die im Plot geschilderten Dinge sind geschehen und werden wieder geschehen. Die Anschläge vom Stade de France sind historisch. Sie haben beide nicht verstanden, warum eine solche Geschichte nicht erzählt werden soll.

Beste Grüße
Siegfried
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Monika K.
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Re: Warum genau das?

von Monika K. (30.03.2021, 11:42)
Vielen Dank für den Link. Den kann ich vielleicht auch einmal gebrauchen.

Da ich den Text/Plotentwurf nicht kenne und keine Expertin für dieses Gebiet bin, kann ich zu der Einschätzung überhaupt nichts sagen. Die Wortwahl empfinde ich als Hinweis auf eine differenzierte Betrachtung, kann mich jedoch auch täuschen. Als "Prüfstelle" würde ich diese Seite nicht bezeichnen, sondern eher als "Beratungsstelle für Autor*innen, die auf jeden Fall vermeiden wollen, unbewusst Vorurteile zu schüren oder Gefühle zu verletzen". Warum du deinen Text dort überhaupt vorlegst, ist mir ehrlich ein Rätsel, Siegfried, denn das Ergebnis sagt einem ja schon der gesunde Menschenverstand voraus. Das Geld hättest du dir sparen können. Bereits bei der Wahl deines Themas stand sicherlich nicht der Wunsch im Vordergrund, auf keinen Fall Gefühle zu verletzten, sondern aufzurütteln, vielleicht auch ein wenig zu provozieren und auf jeden Fall kontroverse Diskussionen anzuregen. Der Wunsch, das zusätzlich von dieser "Prüfstelle" absegnen zu lassen, ist in meinen Augen zwar verständlich, jedoch vermutlich zu viel verlangt.

Wie geht's weiter? Entweder "aufstehen, Krönchen zurechtrücken, weitergehen" und das Buch in der geplanten Form veröffentlichen, oder überlegen, ob kleine Änderungen am Plot eine Auswirkung auf den Gesamteindruck haben könnten. An dem Punkt würde ich mir die Frage stellen: Wer gehört zu meiner Zielgruppe? Würde das Buch einer Personengruppe gefallen, die ich selbst nicht ausstehen kann und deren Denkweise ich auf keinen Fall mit Futter versorgen möchte?

Eine Idee für eine Änderung hätte ich spontan: Man könnte eine zusätzliche Erzählebene einfügen. Ein Freund oder Bruder der Hauptperson könnte ihre Radikalisierung miterleben und daran zerbrechen. Dadurch bietet das Buch eine Figur, mit der man sich identifizieren kann. Eine Art Gegenpol. Zwei Menschen, die nach einem gemeinsamen Weg plötzlich zwei verschiedene Richtungen einschlagen. Gleichzeitig definiert das die Zielgruppe so, dass sich der rechte Rand vielleicht eher nicht angesprochen fühlen könnte.

Viele Grüße
Monika
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Klaus.H
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Re: Warum genau das?

von Klaus.H (31.03.2021, 17:39)
@ Siegfried
Danke für den Link.

Anhand der von Dir geposteten Beispiele ist mir klar was ich von dem Laden zu halten habe.
Gruß Klaus
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DuaneHanson
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Re: Warum genau das?

von DuaneHanson (06.05.2021, 07:21)
Sensivity Reading. Fett! Alter, die würden mich an meinen Eiern aufhängen. cheezygrin
Schade, dass es die zu Marcels Zeiten noch nicht gab. Dessen Meinung dazu hätte mich brennend interessiert.

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