Buch ohne Recherche aus den Erinnerungen geschrieben

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


Stefan_Hei
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Buch ohne Recherche aus den Erinnerungen geschrieben

von Stefan_Hei (15.03.2021, 09:18)
Hallo zusammen,

ich habe nach meiner Trennung die Chance genutzt, endlich ein Buch zu schreiben.

Kein Meisterwerk, mehr für mich selber und vor allem "einfach runtergeschrieben", da es mir so gut getan hat.

Es ist auch ein recht kleines Buch von 150 Seiten - dennoch hat es mir sehr viel Spaß gemacht.

Ich hatte nicht vor, es zu veröffentlichen, sondern wollte es nur als BoD Fun für mich und als Dank für meine Freunde, die mir beigestanden habe, drucken lassen.

Die Rückmeldungen, die ich bisher erhalten habe, sind sehr positiv. Ich werde zwar dabei bleiben, dass ich es nicht veröffentliche, habe aber einige Fragen:

1) Ich habe das Buch aus meinen Erinnerungen geschrieben und einige Orte abgewandelt / räumlich verlegt / zum Ort hinzugefügt. Ist es irgendwie problematisch, wenn man echte Orte nimmt, sie für den Sinn der Story aber zum Beispiel auf die andere Seite des Dorfes legt?

2) Wenn ich über einen Ort schreibe und ihn "negativ" darstelle, also zum Beispiel ein Hotel als etwas altbacken und schlecht organisiert darstelle, obwohl es in Wirklichkeit komplett anders ist - wäre das dann negativ anzulasten? Sollte man den Namen definitiv verändern, auch wenn es in diesem Dorf nur ein einziges Hotel gibt und jeder wüsste, um welches Hotel es sich handelt?

Kann so etwas Probleme machen, auch wenn man in einem kurzen Hinweis im Buch erläutert, dass dies nur abgewandelt wurde und in Wahrheit anders ist?

Danke und liebe Grüße
Stefan

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Monika K.
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Re: Buch ohne Recherche aus den Erinnerungen geschrieben

von Monika K. (15.03.2021, 10:38)
Hallo Stefan,

wenn du ohnehin vieles veränderst, könntest du auch fiktive Orte verwenden. Damit wäre die Gefahr der Geschäftsschädigung unbescholtener Unternehmen automatisch vom Tisch.

Viele Grüße
Monika
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Stefan_Hei
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Re: Buch ohne Recherche aus den Erinnerungen geschrieben

von Stefan_Hei (15.03.2021, 11:04)
Danke, wie verhält es sich denn bei Orten, bei denen klar wäre, dass es sich um einen gewissen Ort handelt?

Beispiel: Zeltplatz in einem Ort. Dieser würde nicht beim Namen genannt, aber es gibt nur diesen einen Zeltplatz im Ort.

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Monika K.
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Re: Buch ohne Recherche aus den Erinnerungen geschrieben

von Monika K. (15.03.2021, 11:22)
Wenn du dem Dorf, dem Bach, dem Zeltplatz und dem Kiosk am Zeltplatz Fanatasienamen gibst, gibt es keinen Bezug mehr zu irgendwelchen realen Orten.

Viele Grüße
Monika
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Stefan_Hei
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Re: Buch ohne Recherche aus den Erinnerungen geschrieben

von Stefan_Hei (05.04.2021, 10:30)
Hallo zusammen,

da das Feedback für mein Buch recht positiv ist, überlege ich, es vielleicht doch zu veröffentlichen.

Vorab habe ich dazu noch einmal ein paar Fragen:

1) Es handelt sich um einen Mord in einer realen Höhle. Das ist wie bei einem Regionalkrimi. Ist dies in Ordnung und kann so stehen bleiben?

2) Es handelt sich um einen realen Ort. Darf ich den Namen so beibehalten? Ansonsten spreche ich von "Zeltplatz", "Hotel", "Bed&Breakfast". Einiges davon gibt es nur einmal in dem Dorf. Daher könnte man davon ausgehen, dass es sich darum handelt, aber hat keine absolute Gewissheit.

3) In welchem Maße darf ich reale Orte nennen? Es gibt so viele Regionalkrimis, die ja auch an realen Orten spielen.

4) Ich habe mein Buch mit einigen Fotos versehen (eigene Bilder, unter anderem von der Höhle, auch auf dem Cover). Ist das in Ordnung? Auch für den Fall, dass ich den Ort ggf umbenennen würde? Jemand mit Ortskenntnis wüsste direkt, welche Höhle dies in Wirklichkeit ist. Auch Bilder von der Landschaft und ggf. von dem Ort (den ich dann anders nennen würde).

5) Beispiel: In einer kleinen Anekdote wird von einem Ausflug von John Lennon sowie einem Gedenkstein in dem Ort für ihn erzählt. Wenn ich den Ort umbenennen würde, wüsste man aber natürlich dennoch, um welchen Ort es sich handelt. Das wäre aber dennoch ausreichend mit einem Hinweis am Ende des Buches, dass alle Bezüge und Ähnlichkeiten zufällig sind?

Danke und liebe Grüße
Stefan

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Monika K.
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Re: Buch ohne Recherche aus den Erinnerungen geschrieben

von Monika K. (07.04.2021, 18:00)
Hallo Stefan,

wir scheinen aneinander vorbeizureden. Deshalb formuliere ich es noch einmal anders.
Die Antwort auf die Frage, was man darf und was man nicht darf, ist einfach: Man muss sich beim Schreiben (wie bei allen Dingen) an die Gesetze halten. Zum Beispiel Folgendes muss man strikt vermeiden: üble Nachrede, Verleumdung, Geschäftsschädigung, Beleidigung, Volksverhetzung.

Es gibt daher zwei Möglichkeiten:
1. Man verwendet ein real existierendes Setting und erfindet keine Details, die zu Rechtsstreitigkeiten führen können.
2. Man verwendet ausnahmslos ein rein fiktives Setting.

Für welche Möglichkeit man sich auch entscheidet: Man sollte sich konsequent daran halten.

Detailfragen können dir am besten Anwält*innen beantworten.

Natürlich gibt es noch eine dritte Möglichkeit: Man macht, was man will, und hofft, dass sich niemand beschwert.

Viele Grüße
Monika
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Stefan_Hei
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Re: Buch ohne Recherche aus den Erinnerungen geschrieben

von Stefan_Hei (08.04.2021, 11:46)
Hallo Monika,

danke für die erneute Antwort - ich glaube, wir reden nicht aneinander vorbei :)

Vermutlich sind das aber eben genau die Detailfragen.

Ich würde gerne den Ortsnamen und den Namen der Höhle beibehalten. Mir ging es nun darum, ob man es noch als üble Nachrede auslegen kann, wenn ich für Zeltplatz, Hotel, Supermarkt fiktive Namen nutze bzw. sie ohne Namen nenne und dann einer der Besitzer (natürlich ausgedachte Namen) der Mörder ist. Hintergrund der Frage ist halt, dass es Zeltplatz, Hotel und Supermarkt jeweils nur ein einziges Mal in diesem Dorf gibt. Ich würde zwar andere Namen dafür erfinden, aber ist das dann "fiktiv" genug?

Viele Grüße
Stefan

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DuaneHanson
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Re: Buch ohne Recherche aus den Erinnerungen geschrieben

von DuaneHanson (06.05.2021, 06:51)
Ja. Das ist üble Nachrede. Wenn es nur ein Hotel im Dorf gibt, und du machst es runter, dann steht da schwarz auf weiß, dass das Hotel Mist ist. Und der Besitzer kann dich wegen übler Nachrede verklagen. Da kannst du den Namen ändern, wie du willst. Wenn es nur einen Bäcker gibt und der ist der Mörder, dann gilt dasselbe. Du bringst dich in Teufels Küche!

Wo kein Kläger, da kein Richter. Aber das wäre mir in deinem geschilderten Fall zu heikel. Und wenn du deine Ex beleidigst, kannst du hundertmal ihren Namen ändern, sie kann dich ebenfalls verklagen. Das ist gar nicht mal so selten.

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Siegfried
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Re: Buch ohne Recherche aus den Erinnerungen geschrieben

von Siegfried (06.05.2021, 18:03)
DuaneHanson hat geschrieben:
Ja. Das ist üble Nachrede. Wenn es nur ein Hotel im Dorf gibt, und du machst es runter, dann steht da schwarz auf weiß, dass das Hotel Mist ist. Und der Besitzer kann dich wegen übler Nachrede verklagen. Da kannst du den Namen ändern, wie du willst. Wenn es nur einen Bäcker gibt und der ist der Mörder, dann gilt dasselbe. Du bringst dich in Teufels Küche!


Gibt es dafür Präzedenzfälle?

Irgendwie finde ich den Gedanken der Namensänderung schräg.

Grundidee: Mord auf der Wies'n.
Okay, Wies'n geht nicht, ist bekannt, Angst vor der Klage. Also ändern: Mord auf dem Oktoberfest Uih, Gefahr. Oktoberfest und dann noch in Verbindung mit München. Nein, weg damit. Kein Oktoberfest, sondern Aprilfest. Und nicht in München, sondern in Neu-Traubach (den Ort gibt es nicht, aber er hat das größte Aprilfest der Welt, ich bin mir da gaaaanz sicher!).

Der Mörder kommt aus Berlin-Dahlem ... äh ... geht nicht. Da droht die Klage vom Regierenden Bürgermeister, der nicht mag, dass Mörder immer aus Dahlem kommen. Also wird Grunden zur Bundeshauptstadt erklärt, mitsamt dem Stadtteil Unterwulsen (es gibt weder Grunden noch Unterwulsen - also keine Gefahr)

Der Mörder benutzt eine 9 mm Beretta ... Ob das nicht auch Ärger geben könnte? Vielleicht klagen ja die Italiener, weil der Mörder immer wieder eine ihrer Waffen einsetzt. Also ändern: Die 9 mm kommt von Fibario, einem fiktiven italienischen Waffenhersteller ... Ah, zu blöd ... da könnten die Italiener sauer sein und mich verklagen, weil immer wieder Italiener - als Personen oder als Gerätschaften - zum Töten von Menschen bemüht werden. Also sitzt die Firma Fibario im fiktiven Staat Mazzonien. Passt. Wenn da nur nicht die EU die Krise kriegt, weil Mazzonien in Europa liegt.

Genau so geht es endlos weiter. Wo übernachtet der Mörder? Fiktiver Ort, fiktives Hotel. Wo verzehrt der Mörder sein Gala-Menü? Fiktives Restaurant. Was für ein Auto fährt der Mörder? Vermutlich einen Kropa XLS 2.0 D. Mit Reifen von Tamburon (deren Spuren man am Tatort findet).

Und wenn man dann alles anonymisiert und unkenntlich gemacht hat, klebt man eine Sticker auf das Buch: Regional-Krimi.

Gefällt mir gut, diese endlose Angst vor dem Verklagt-werden. :cry:

Mein Vorschlag: Einfach mal bei im Handel erhältlichen Büchern nachschlagen. Da gibt es Ostfriesen-Krimis, Eifel-Krimis, Taunus-Krimis, Liebesgeschichten aus Südschweden oder aus Cornwall, Thriller mit Handlungsorten wie New York, London oder Rom. Da wird sogar - ungelogen - im Central Park, an der Tower Bridge oder auf der Piazza Navona gemeuchelt. Es soll sogar Autoren geben, die reale Figuren wie Winston Churchill, Kaiser Wilhelm II. oder Joseph Goebbels in ihren Romanen (oder Drehbüchern) auftreten lassen (ich denke mit Begeisterung an die Kinoszene in "Inglourious Basterds" von Tarantino).

So lange man nicht wirklich abgrundtief Böses oder Beleidigendes über einen Ort, eine Marke, einen Menschen schreibt - vor allem nicht als Fakt -, droht einem gar nichts. Aufgrund der Fernsehkrimis müsste München z. B. längst entvölkert sein. Hat der Münchener OB schon Klage eingereicht? Aufgrund des Buches "Illuminati" von Dan Brown gibt es in Rom geführte Touren durch die Kirchen, in denen die Kardinäle abgemurkst wurden. Wo ist die Klage der Katholischen Kirche?

Was zum Nachlesen:

https://hproentgen.wordpress.com/2017/0 ... nt-page-1/

https://www.selfpublisherbibel.de/wann- ... verwenden/


Seid mutig!

Siegfried
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Monika K.
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Re: Buch ohne Recherche aus den Erinnerungen geschrieben

von Monika K. (06.05.2021, 19:54)
Hallo Siegfried,

wenn du die Diskussion genauer verfolgst, wirst du feststellen, dass es nicht darum geht, wo ein eindeutig fiktives Element wie ein Mord stattfindet, sondern dass ein Hotel in einem kleinen Ort, in dem es nur ein einziges Hotel gibt, (vermutlich sehr realistisch) in schlechtem Licht dargestellt wird. Warum das so wichtig ist, dass dieses Detail nicht gestrichen oder zumindest stark abgemildert werden kann, kann ich nicht einschätzen. Doch das kann in bestimmten Fällen tatsächlich zu Problemen führen. Dabei geht es nicht ums Verklagen, sondern es reicht ein Schreiben an BoD, wo man sich nicht lange auf Schriftverkehr einlässt, sondern offenbar ein Buch vom Markt nimmt, bis solche Punkte geklärt sind, wie ich in einem anderen Zusammenhang aus zweiter Hand erfahren habe. Schließlich versichert man bei Vertragsabschluss, dass man keine Rechte verletzt.

Es ist immer einfach, vollmundig einen Freibrief auszustellen, wenn man selbst nicht betroffen ist. Wer sich öfter mit Autor*innen von Regionalkrimis austauscht, weiß, dass auch sie oft sehr vorsichtig mit konkreten Ortsangaben sind, um Ärger zu vermeiden. Übrigens existierte selbst "221B Baker Street" ursprünglich nicht. In meinen Augen ist es die eigentliche Kunst, realistisch wirkende Ortsangaben zu erfinden, die bei näherer Betrachtung gar nicht lokalisiert werden können. Nicht jeder hat das Glück eines Charles Dickens, nach dessen Schilderung der fürchterlichen Zustände in kleinen, billigen Internaten sich die Schulleiter stritten, wessen Schule die Ehre hatte, als Vorlage zu dienen.

Ich kann dieses Anspruchsdenken gegenüber BoD bzw. dem Rest der Welt nicht verstehen. Doch es scheint gerade sehr in Mode zu sein.

Viele Grüße
Monika
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Siegfried
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Re: Buch ohne Recherche aus den Erinnerungen geschrieben

von Siegfried (06.05.2021, 23:35)
Hallo, Stefan!

Stefan_Hei hat geschrieben:
1) Es handelt sich um einen Mord in einer realen Höhle. Das ist wie bei einem Regionalkrimi. Ist dies in Ordnung und kann so stehen bleiben?


Auf gar keinen Fall! Ich stelle mir vor, der Mord würde in der Barbarossa-Höhle im Kyffhäuser geschehen! Wenn dadurch die Touristenzahlen einbrechen, hast du echt Sch**** am Schuh. Und du weißt ja: Hast du Sch**** am Schuh, dann hast du Sch**** am Schuh! Also kein Mord in der Höhle, sondern Mord im Wald. Natürlich mit erfundenem Namen!

Stefan_Hei hat geschrieben:
2) Es handelt sich um einen realen Ort. Darf ich den Namen so beibehalten? Ansonsten spreche ich von "Zeltplatz", "Hotel", "Bed&Breakfast". Einiges davon gibt es nur einmal in dem Dorf. Daher könnte man davon ausgehen, dass es sich darum handelt, aber hat keine absolute Gewissheit.


Um Himmels Willen! Das gibt nur böses Blut. Wer durch solche Anzeichen genug Infos liefert für einen Rückschluss auf den Ort, kann gleich einpacken. Mir ist erst vor wenigen Wochen der Ratschlag gegeben worden, aus einem Thriller, der in Marokko, Frankreich und Deutschland spielt und bei dem es um einen parallel stattfindenden Terroranschlag geht, daraus einen Science Fiction in einer Galaxis weit, weit entfernt zu machen. Ein Anschlag im Olympiastadion Berlins, das geht gar nicht. Aber das K'zaa Zoohm Stadium in Ren'ho auf dem Planeten Nisaugka'a, das geht. Problemlos. Hat zwar keinerlei Gegenwartsbezug mehr, aber Klagen wird es auch nicht geben.

Stefan_Hei hat geschrieben:
3) In welchem Maße darf ich reale Orte nennen? Es gibt so viele Regionalkrimis, die ja auch an realen Orten spielen.


Gar nicht. In jedem Ort, den du nennst, sitzt bereits ein Abmahnanwalt mit gespitztem Bleistift. Also ab zur Science Fiction. Oder Fantasy. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, warum manche Autoren ihre Krimis in Ostfriesland, in Hamburg, Berlin oder München spielen lassen. Dieses Risiko!!!

Stefan_Hei hat geschrieben:
4) Ich habe mein Buch mit einigen Fotos versehen (eigene Bilder, unter anderem von der Höhle, auch auf dem Cover). Ist das in Ordnung? Auch für den Fall, dass ich den Ort ggf umbenennen würde? Jemand mit Ortskenntnis wüsste direkt, welche Höhle dies in Wirklichkeit ist. Auch Bilder von der Landschaft und ggf. von dem Ort (den ich dann anders nennen würde).


Nein, ist überhaupt nicht in Ordnung. Konkrete Bilder machen aus einer fiktiven Geschichte eine Dokumentation. Willst du vor Gericht landen? Das ist eine Steilvorlage für die Klagen. Such dir Fotos von künstlich generierten Landschaften und verleg deine Story in eine andere Galaxis.

Stefan_Hei hat geschrieben:
5) Beispiel: In einer kleinen Anekdote wird von einem Ausflug von John Lennon sowie einem Gedenkstein in dem Ort für ihn erzählt. Wenn ich den Ort umbenennen würde, wüsste man aber natürlich dennoch, um welchen Ort es sich handelt. Das wäre aber dennoch ausreichend mit einem Hinweis am Ende des Buches, dass alle Bezüge und Ähnlichkeiten zufällig sind?


Nö. Keinesfalls! Yoko Ono wartet nur darauf, dich zu verklagen, weil du Profit aus der Nennung von John Lennon ziehst. Also mach aus John Lennon unbedingt einen gewissen Stury Longhouse, dem größten Rockstar in der Shungal-Galaxie. Dessen Gedenksteine findet man auf 4.755 von 5.107 Planeten. Da gibt es keinen Rückschluss, welchen Planeten du gerade meinst. Und Hinweise, dass alle Ereignisse erfunden und Ähnlichkeiten mit echten Personen oder Orten rein zufällig sind, das schreibt doch jeder bessere Trivialautor ins Buchimpressum.

Also, wenn du jetzt so richtig Schiss bekommen hast, dann ... schreib einen Science Fiction. Oder einen Fantasy-Roman. Ist mir für mein Romankonzept auch nahegelegt worden. Neben vielen anderen, für mich nicht durchführbaren Ratschlägen. Von der aktuell beliebten Beschimpfung "Rass***" ganz zu schweigen.

Angst lähmt. Auch beim Schreiben. Oder verhindert es sogar. Das Leben ist leider voller Risiken. Wer das nicht möchte, muss eine Versicherung abschließen - und dann hoffen.

Mundus ad fortes pertinet! thanks: für's Zuhören ...

Siegfried
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Re: Buch ohne Recherche aus den Erinnerungen geschrieben

von Monika K. (07.05.2021, 12:31)
Okay, da es offenbar für einzelne Forenmitglieder eine unüberwindbare Hürde darstellt, die ursprüngliche Frage zu finden, die alle späteren Fragen nach sich zog, habe ich sie herausgepickt. Nichts zu danken. Gern geschehen. :lol:

Stefan_Hei hat geschrieben:
Wenn ich über einen Ort schreibe und ihn "negativ" darstelle, also zum Beispiel ein Hotel als etwas altbacken und schlecht organisiert darstelle, obwohl es in Wirklichkeit komplett anders ist - wäre das dann negativ anzulasten? Sollte man den Namen definitiv verändern, auch wenn es in diesem Dorf nur ein einziges Hotel gibt und jeder wüsste, um welches Hotel es sich handelt?


Was zum Nachlesen:
https://hproentgen.wordpress.com/2017/0 ... nt-page-1/
Besonders der Abschnitt "Vorsicht bei geschäftsschädigenden Behauptungen" ist sehr interessant.

Viele Grüße
Monika (die gern beim Thema bleibt)
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Re: Buch ohne Recherche aus den Erinnerungen geschrieben

von Siegfried (08.05.2021, 11:59)
Stefan_Hei hat geschrieben:

1) Ich habe das Buch aus meinen Erinnerungen geschrieben und einige Orte abgewandelt / räumlich verlegt / zum Ort hinzugefügt. Ist es irgendwie problematisch, wenn man echte Orte nimmt, sie für den Sinn der Story aber zum Beispiel auf die andere Seite des Dorfes legt?


Auf keinen Fall reale Orte benutzen! Es ist völlig egal, ob man einen kleinen Ort wie Gichenbach in seinem Roman benutzt oder Großstädte wie Hamburg oder Berlin. Es wird immer irgendjemanden geben, der sich ans Bein gepinkelt fühlt und dann erst Zeter und Mordio schreit und am Ende mit einem Rechtsanwalt droht.

Gleiches gilt für Mutter Krauses Kramladen, für den Schusterladen von Ottokar Schulze oder für Dagmar Müllers Pension zum Silberwald. Meiden! Meiden! Meiden! Das ist auch besser für den Schreibprozess, sonst sitzt man vor dem Computer und rutscht bei jedem Satz in Panikzustände und Angstattacken ab. Darf die Hauptfigur unter der Dusche einen Markenartikel verwenden? Besser umbenennen! Zieht er sich die Laufschuhe mit den drei Streifen an? Bloß nicht! Herzogenaurach hat sicher eine ganze Abteilung von Rechtsanwälten, die nur auf so etwas lauern. Steigt die Hauptfigur in ein Auto bayerischer Machart mit dem weiß-blauen Propeller als Logo? Niemals!

Wenn du jetzt schlaflose Nächte hast, dann verlagere deine Geschichte in ein fernes Weltall oder in die Fantasy-Welt. Komm dann aber bloß nicht mit der "Macht" oder irgendwelchen "Orks". Da gibt es nämlich auch gute Anwälte.

Daher: Geschichten mit Bezug auf die Realität unbedingt meiden! Nur noch SF / Fantasy schreiben. Oder das Schreiben einfach aufgeben.

Stefan_Hei hat geschrieben:
2) Wenn ich über einen Ort schreibe und ihn "negativ" darstelle, also zum Beispiel ein Hotel als etwas altbacken und schlecht organisiert darstelle, obwohl es in Wirklichkeit komplett anders ist - wäre das dann negativ anzulasten? Sollte man den Namen definitiv verändern, auch wenn es in diesem Dorf nur ein einziges Hotel gibt und jeder wüsste, um welches Hotel es sich handelt?


Erstmal: Was hindert dich, dem Ort ein zweites Hotel zu verpassen? Das tatsächliche Hotel wird positiv im Nebensatz erwähnt, das erfundene wird niedergemacht. Fertig.

Aber da das tatsächliche Hotel wirklich existiert, zudem noch in einem realen Ort, würde ich das ganz weglassen. Name, Aussehen, Lage verändern bringt nichts, solange du dich auf der Erde bewegst. Nicht tun. Nicht, nicht, nicht! Bringt Ärger und - wie wir sehen - Angstzustände. Jeden Morgen der Blick in den Briefkasten mit der Erwartung, ein Anwaltsschreiben vorzufinden - ist es das wert? Jeden Tag am PC die quälenden Gedanken, ob man gerade etwas schreibt, was zu einer Klage führt - wie bleibt man da kreativ? Und dann - nach Veröffentlichung - die Anfeindungen in den (a)sozialen Medien, man hätte einen rassistischen oder sexistischen oder genderfeindlichen oder gegen Markenrecht oder Persönlichkeitsrecht verstoßenden Text geschrieben - wie hält man das aus? Nein, sorry, Das Schreiben von Literatur mit Bezug zur Realität, zum realen Leben ist tot. Es regiert die Angst! Überall und grenzenlos. Schreib SF oder Fantasy. Ist gesünder!

Beste Grüße

Siegfried
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Re: Buch ohne Recherche aus den Erinnerungen geschrieben

von mtg (08.05.2021, 12:36)
Zwei Beispiele als Einwurf:

1) Hier wurde aus einem realen Fall eine nur leicht verfremdete Satire gemacht, in der sich alle Protagonisten wiederfanden – der reale Hintergrund wurde parallel publiziert – und die daher erfolgreich als Spiegel diente: Das schreckliche Mädchen

2) Die negativ konnotierte Realität kann natürlich auch Probleme erzeugen: »Esra« von Maxim Biller

Im ersten Fall konnten (und sollten) örtliche Verfremdungen die Realität nicht verschleiern, im zweiten Fall kann auch die subjektive Realität zu juristischen Folgen führen. Es gibt Fragen, die sollte man keinem Forum stellen – es sei denn, man möchte verunsichert werden.

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Re: Buch ohne Recherche aus den Erinnerungen geschrieben

von Siegfried (08.05.2021, 15:10)
mtg hat geschrieben:
es sei denn, man möchte verunsichert werden.

thanks: thumbbup thanks: thumbbup

Der Erste, der es verstanden hat! cheezygrin

Beste Grüße
Siegfried
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