Gendergerechte Sprache

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holz
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Re: Gendergerechte Sprache

von holz (26.05.2021, 13:32)
"...Bösewichtin, Gästin... stammt alles aus den Medien in letzter Zeit." (Tagesspiegel, Leserkommentar).

Hier irrt der/die/das Leser. Das Neue ist nur das vergessene Alte.
Keine Ahnung, warum sich der Duden für die "in"-Schreibung so feiert und dem Wälzer weitere 200 Seiten spendiert (eine festere Bindung wäre mir lieber gewesen).
War doch früher allgemein üblich, wie ein Blick in alte Zeitungen oder Grammatikbücher (17./18. Jh.) zeigt
(Binnen-I, Sternchen und Sprechpause lasse ich mal außer Betracht).
Bei J.C. Adelung "Versuch eines vollständigen grammatisch-kritischen Wörterbuches der Hochdeutschen Mundart" von 1775 widmen sich in Band 2 die Seiten 1380-1381 dem Stichwort "Inn" = "ein Suffixum weibliches Geschlechtes, welches solchen Hauptwörtern, welche eine männliche Person bezeichnen, angehängt wird, um daraus weibliche eben dieser Art zu bilden" (es folgen zahlreiche Beispiele und Erläuterungen).
Die belächelte Bösewichtin tauchte schon in Grimms Wörterbuch auf und selbst bei Familiennamen (siehe Kirchenbücher, z. B. Neuberin, Holzin) wurde den Frauen ein "in" (bzw. "inn") angefügt.
Bei Goethe gibt es die Engelinnen, Kameradinn, Zwerginn, bei Schiller Presserinn, bei Klopstock Hörerinn, bei Bürger Holdinn, bei Voß Peinigerinn und Quälerinn.
Im Untertitel der Zeitung "Die Postanstaltsbeamtin" (seit 1908) wimmelte es nur so von "innen" (Unabhängiges Organ der Postmeisterinnen, Postexpedientinnen, Postoffiziantinnen und Postaspirantinnen).
In anderen Sprachen sieht es etymologisch ähnlich aus, z.B. im Ungarischen, dort Endung "ne" (aus Nö Frau), z.B. csaszar - csaszarne (Kaiser-Kaiserinn).

Irgendwann scheint das "in" bzw. "inn" auf der Strecke geblieben zu sein , denn in der Zeitschrift "Deutscher Sprachwart" wurde 1876 angemerkt: "Wo aber bleibt das ewig Weibliche in der Sprache, wenn wir dem weiblichen Geschlechte die Bezeichnung des Weiblichen vorenthalten? Trotzdem uns die deutsche Sprache die Bezeichnung so kinderleicht macht, indem sie uns dazu die kleine Endsilbe "in" ("inn") darbietet, verzichten wir seit einigen Dezennien (ich weiß nicht , aus welcher sprachlichen Schrulle!) auf dieses einfache Merkmal."

Die Neuauflage vom IN treibt jetzt allerdings mitunter seltsame Blüten. Wie kürzlich in einer Wahlberichterstattung auf arte, als die Journalistin von der "Landesväterin" Malu Dreyer sprach.

zum Adelung
https://www.google.de/books/edition/Ver ... frontcover

Lesenswert auch (nach unten scrollen - Wie ist das grammatische Geschlecht entstanden?)
"Die wissenschaftliche Erforschung des deutschen und indogermanischen Genus­systems im Gegensatz zum ideologischen Gendersprech"
https://www.belleslettres.eu/content/de ... sprech.php

Arno Abendschön
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (26.05.2021, 17:23)
Hannelore, zwei Entgegnungen:

1. Neuhochdeutsch ist insofern keine dem Nynorsk vergleichbare Kunstsprache, als es im Wesentlichen dem schon bestehenden meißnischen Obersächsisch folgte. An dessen Dominanz entzündete sich jahrhundertelang viel Kritik. Ich erinnere mich an eine Stelle bei Goethe, wo er auch dagegen wettert. Wenn ich Zeit habe, suche ich sie mal.

2. Der Knacklaut ist, kaum zu glauben, ein weites Feld, wie der folgende Link zeigt. Man sieht, öffentlich-rechtliche Anstalten reagieren auf Kritik sehr unterschiedlich. Das ist einerseits ein gutes Zeichen (keine absolute Gleichschaltung), andererseits belegt es natürlich auch die allgemeine Konfusion. Bitte alles lesen, die Beschwerde wie die Antworten von ZDF und WDR.

https://uebermedien.de/dokumentation-de ... nd-im-wdr/


Fazit: Steter Beschwerdetropfen höhlt vielleicht doch den Stein.
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Monika K.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Monika K. (26.05.2021, 17:45)
Herzlichen Dank für den interessanten und lesenswerten Blick in die Vergangenheit, holz! thumbbup Er wäre ein schönes Schlusswort gewesen.

Viele Grüße
Monika
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Arno Abendschön
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (26.05.2021, 17:48)
So, das Goethe-Zitat aus "Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit" (Sechstes Buch):

"Jede Provinz liebt ihren Dialekt: denn er ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft. Mit welchem Eigensinn aber die meißnische Mundart die übrigen zu beherrschen, ja eine Zeitlang auszuschließen gewußt hat, ist jedermann bekannt. Wir haben viele Jahre unter diesem pedantischen Regimente gelitten, und nur durch vielfachen Widerstreit haben sich die sämtlichen Provinzen in ihre alten Rechte wieder eingesetzt." Bei den "alten Rechten" dürfte es sich indessen eher um Stilfragen gehandelt haben.

Es ist übrigens nichts Ungewöhnliches, dass sich aus dem Dialekt der wirtschaftlich stärksten Region eines Landes die für das ganze Sprachgebiet verbindliche Hochsprache entwickelt oder eben dieser Dialekt dazu gemacht wird. Das ist dann das Gegenmodell zu dem Verfahren, das die Väter der Nynorsk-Variante gewählt haben. Hoffentlich habe ich Hannelore überzeugen können.
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Hannelore Goos
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Re: Gendergerechte Sprache

von Hannelore Goos (26.05.2021, 19:05)
Arno Abendschön hat geschrieben:
Hoffentlich habe ich Hannelore überzeugen können.


Sicher nicht. Neuhochdeutsch wurde und wird dem seinen jeweiligen Dialekt sprechenden Menschen durch Literaturschaffende und Lehrpersonen aufoktroiert - frag mal Menschen aus Niederbayern, Schwaben, dem Rheinland . . . wie sie das Erlernen der "Schriftsprache" erlebt haben. Gerade für Bayrisch kann man das Ergebnis derartiger Zwangsmaßnahmen bei den Interviews unserer Skispringer lebendig erleben. Hochdeutsch ist keine "natürliche" Sprache und schon gar nicht ein gewachsenes Kulturgut.

Aber zur Abrundung der Diskussion noch einmal einen aktuellen inhaltlichen Diskurs:

https://www.quarks.de/gesellschaft/psyc ... was-nicht/

Hannelore
Gendern nein: Bloß weil sich jetzt auch Männer als Bundeskanzlerin bewerben, muss man doch nicht das Wort ändern! :twisted:

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Monika K.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Monika K. (26.05.2021, 20:52)
Vielen Dank für den interessanten Link, Hannelore. Bei diesem Satz musste ich schmunzeln: "Dort wurde 2015 das geschlechtsneutrale Pronomen “hen” eingeführt." Jetzt würde mich sehr interessieren, welche Auswirkungen das auf die schwedische Herzinfarktstatistik hatte. Doch im Ernst: Ich habe großen Respekt vor Menschen, die solche einschneidenden Veränderungen ihrer Muttersprache nicht nur akzeptieren, sondern auch mittragen. Mir würde eine vergleichbare Lösung in der Praxis sehr helfen. Ich bin beim Gendern zwar hochmotiviert, aber noch recht unerfahren.

Viele Grüße
Monika
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (26.05.2021, 21:47)
Hannelore, der Zwang zur Hochsprache ist unbestreitbar. Es ging zwischen uns zuletzt jedoch darum, ob Neuhochdeutsch eine Kunstsprache sei - das ist es nicht, da im Wesentlichen aus einem bestimmten Dialekt hergeleitet - und ob Nynorsk und Neuhochdeutsch in ihrer Entstehung vergleichbar seien - sind sie nicht, Ersteres ist am Schreibtisch kreiert, Letzteres aus einer gewachsenen Regionalsprache entstanden. Weiter: Nynorsk hat sich landesweit nicht durchgesetzt, Neuhochdeutsch schon. Woran liegt das wohl? Ich denke, an de Art der Entstehung. Das lässt mich vermuten, dass auch die Kopfgeburt deutsche Gendersprache ein ähnliches Schicksal wie Nynorsk erleiden wird.

Aus dem von dir verlinkten Artikel, den ich sehr lesenswert finde, picke ich mir jetzt mal nur diesen Satz heraus:

Was sich im Sprachgebrauch durchsetzen wird, entscheiden am Ende allerdings wir selbst – so ist es immer schon gewesen.

Schön wär's. Praktisch sieht es z.B. so aus: Mein Nachbar, Student an einer Berliner Uni, musste seine gesamte Abschlussarbeit neu schreiben, da nicht oder nicht genügend gegendert und seine Professorin so die Annahme verweigerte. Mit dem Sachthema hatte diese Frage nichts tun. Es ist eben nur der Wille der Lehrstuhlinhaberin, der hier entscheidet. Dieser vielfach festzustellende Zwang wird noch viel Reaktanz hervorrufen, mit offenem Ergebnis.
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Monika K.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Monika K. (26.05.2021, 22:59)
Arno Abendschön hat geschrieben:
Nynorsk hat sich landesweit nicht durchgesetzt,

Nein, natürlich nicht. Das sollte es nämlich nie. Das war weder ein Feldzug, noch ein Boxkampf zwischen Knud Knudsen und Ivar Aasen oder gar ein TV-Wettbewerb namens "Norwegen sucht die Superschriftsprache". Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Bokmål (bzw. die Vorgängerschriftsprache Riksmål) sollte ursprünglich landesweit eingesetzt werden und konnte sich nicht durchsetzen, weil die Bevölkerung im Westen eben nicht so saublöd war, sich eine Fremdsprache als Schriftsprache aufzwingen zu lassen, sondern sich lieber eine eigene schuf und aus Überzeugung verwendete. Dabei ging es relativ gleichberechtigt zu. Deshalb sind mehrere Dialekte und nicht nur einer die Grundlage. Meine Güte, wie schwer ist das zu verstehen? Informiere dich doch endlich mal über Bokmål, statt hier wild herumzufantasieren. Dann stellst du fest, dass das ebenfalls keine Hochsprache ist, die aus einem einzigen Dialekt entstand.

Zitat:
Bokmål wurde vor 1929 Riksmål („Reichssprache“) genannt. Aufgrund der gemeinsamen kulturellen Geschichte Dänemark-Norwegens und seines starken Rückhalts gerade in den großen Städten basiert das Bokmål sowohl auf dem Dänischen als auch auf gewissen urbanen Mundarten, insbesondere der südostnorwegischen von Oslo.
Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bokm%C3%A5l

Zitat:
Riksmål (deutsch „Reichssprache“) ist eine Sprachform der norwegischen Sprache. Sie wurde vom Philologen und Gymnasiallehrer Knud Knudsen im 19. Jahrhundert aus der dänisch-norwegischen literarischen Tradition entwickelt. Sie unterscheidet sich vom Dänischen durch einige Angleichungen an die norwegische Aussprache sowie zahlreiche Norwegismen im Wortschatz.
Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Riksm%C3%A5l

Arno, du kannst diesen Blödsinn über Norwegens stinknormale Schriftsprachen hier natürlich noch fünfzigmal wiederholen, aber dadurch wird er nicht wahr. Ich empfehle dir, den Unterschied zwischen geplanten Sprachen und Plansprachen zu recherchieren. Vorzugsweise nicht auf Telegram.

Die Idee, für zwei unterschiedliche Mundartfamilien zwei Schriftsprachen zu kreieren, war damals eine praktische Lösung, die den Kindern das Lernen erleichterte. (Damals gingen sie auf dem Land nur im Winter zur Schule und halfen im Sommer in der Landwirtschaft mit.) Aus heutiger Sicht wirkt es unpraktisch, weil wir inzwischen viel stärker vernetzt sind. Doch das ist kein Grund, Menschen zu verunglimpfen, die sich gegen einen Wechsel wehren. Sprache ist schließlich ein wichtiger Teil der kulturellen Identität. Nochmal: Niemand wird gezwungen, sich für Nynorsk zu entscheiden. Allerdings müssen sich alle Schüler bis zu einem gewissen Grad mit der jeweils anderen Schriftsprache vertraut machen. Das scheint gewissen (offenbar lernfaulen) rechtspopulistischen Kreisen, die keinen Respekt vor den Rechten von Minderheiten haben, nicht zu passen. Ich vermute aus der Ecke stammt deine ulkige Theorie über den Nynorsk-Zwang. Doch es ist ein Unterschied, ob man eine Fremdsprache als Nebenfach hat oder von der ersten Klasse an als Hauptfach.

Nynorsk ist jedenfalls ein Beispiel dafür, dass Menschen sich nicht zu etwas zwingen lassen, das sie nicht möchten und nicht gewöhnt sind: nämlich Bokmål. Wenn diese Einstellung deiner Meinung nach zum Niedergang verdammt ist, spricht das ganz eindeutig dafür, sich die genderneutrale Sprache schleunigst aufzwingen zu lassen. Eine andere Parallele zu dem Thema dieses Threads kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Daher meine Äußerung bezüglich Thread-Kaperung.

Bei deinen Beiträgen muss ich immer an den Spruch denken: You can take the boy out of the village, but you cannot take the village out of the boy.

Monika
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Arno Abendschön
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (27.05.2021, 18:00)
Monika, leider habe ich zzt. nicht genug Zeit und Kraft übrig, im Detail auf deine Ausführungen einzugehen, da ich einen Umzug vorbereiten muss. Deshalb nur drei kurze Feststellungen von mir zum Gesamtkomplex:

1. Über die Sprachentwicklung in Norwegen seit dem 19. Jahrhundert habe ich mir aus den von mir hier zitierten Quellen, insbesondere auch aus dem NZZ-Artikel, die von mir vertretene Meinung gebildet. Bei dieser bleibe ich zunächst auch. Sollte ich zwischendurch mehr Zeit haben und weiteres Material finden, wird es nachgereicht.

2. Dein Ton ist wie früher schon zum Teil gehässig. Ich werde mich ihm nicht anschließen.

3. Du arbeitest wieder, wie schon bei früheren Gelegenheiten, mit persönlichen Unterstellungen. Du kannst gar nicht wissen, ob ich außer den erwähnten Quellen noch andere benutzt habe - es war nicht der Fall. Wenn du es aber nicht wissen kannst, dann unterlass bitte, dem Mitleser eine bestimmte politische Verortung deines Kontrahenten zu suggerieren. Abgesehen davon, dass du mit diesen Andeutungen vollkommen falsch liegst, es ist in jedem Fall unsachlich und unfair. Es geht hier um ein Sachthema. Du scheinst sehr verunsichert zu sein, wenn du zu solchen Mitteln greifst.
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Arno Abendschön
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (27.05.2021, 18:48)
Fundsachen

1. Aus forum.norwegen-freunde.com: Da äussert sich ein "muheijo" am 25.5.17 wie folgt:

Politisches Statement:
- Zeigen, dass es Unsinn ist, 2 leicht unterschiedliche, aber eigentlich kompatible Schriftsprachen für ein Volk von ca. 4-5 Mio Einwohnern zu haben und gesetzlich auf Dauer durchzusetzen (...während z.B. der Trønder in seinem eigenen Dialekt auf FB schreibt ;) ). Eine Schriftsprache ist genug, Dialekte können gerne beibehalten werden.


2. Und nun noch Auszüge aus http://www.acta.sapientia.ro/acta-philo ... 123-12.pdf in einem längeren Text "Das Verhältnis zwischen den zwei norwegischen Sprachvarianten usw.", Verfasser Attila Kelemen:

Bokmål ist die Schriftsprache, die für beinahe 90 % der norwegischen Bevölke-rung als hovedmål ‘Hauptsprache’ dient . Sie entstand als Resultat der graduellen Norwegisierung der dänischen Schriftsprache . Wegen ihres Ursprungs im Dänischen ist sie von einigen eifrigen Anhängern des Nynorsk als unnorwegisch und unpatriotisch betrachtet worden.


Nach vielen Jahren målstrid ‘Sprachstreit’ hat man heutzutage einen relativen språkfred ‘Sprachfrieden’ und eine musterhafte sprachliche Toleranz.

Aber: All diese Fakten beweisen, dass es trotz der Gleichstellung in der Praxis eine Bokmål-Dominanz gibt. Um dies zu bekämpfen, hat Norsk Målungdom, die ‘Norwegische Sprachjugend’ versucht, das nationale Argument wieder zu beleben. Es wurde behauptet, dass Bokmål Identitätslosigkeit schaffe, und dass Norwegen seine Nationalsprache im Nynorsk habe. Norsk Målungdom betrachtete die Annäherung an Bokmål als eine politische Kapitulation.

3. Aus http://www.norwegenstube.de/ein-land-zw ... nd-nynorsk

Nynorsk – ein Kunstprodukt?

Früher Landsmål (also Landessprache) genannt, ähnelt das Nynorsk auch heute noch den meisten ländlichen Dialekten. In der Mitte des 19. Jahrhundert befand sich Norwegen auf dem Weg der Entdeckung seiner eigenen Nationalidentität. Für den norwegischen Sprachforscher und Dichter Ivar Aasen war klar, dass zu dieser neuen Nationalidentität auch eine neue Sprache gehörte. Er entwickelte aus verschiedenen ländlichen Dialekten vor allem Westnorwegens eine neue Sprache – das Nynorsk, Neu-Norwegisch. Eine Zeit lang erfreute sich diese entwickelte Sprachvariante vielen Anhängern, wurde allerdings schon immer eher in den ländlichen Regionen Norwegens genutzt. Heute wird Nynorsk von etwa 10 – 12% der norwegischen Bevölkerung gesprochen.


Das war das Ergebnis von nur 20 Minuten Recherche. Es lassen sich offenbar noch zahlreiche Belege dafür finden, dass ich mit meinen kritischen Anmerkungen nicht ganz falsch lag. Eine Propagandistin der deutschen Gendersprache versucht vergeblich, hier ein idyllisches Bild von Norwegens Sprachsituation zu malen.
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Monika K.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Monika K. (27.05.2021, 19:24)
Arno Abendschön hat geschrieben:
Du kannst gar nicht wissen, ob ich außer den erwähnten Quellen noch andere benutzt habe - es war nicht der Fall. Wenn du es aber nicht wissen kannst, dann unterlass bitte, dem Mitleser eine bestimmte politische Verortung deines Kontrahenten zu suggerieren. Abgesehen davon, dass du mit diesen Andeutungen vollkommen falsch liegst, es ist in jedem Fall unsachlich und unfair. Es geht hier um ein Sachthema. Du scheinst sehr verunsichert zu sein, wenn du zu solchen Mitteln greifst.


Den Eindruck wollte ich gar nicht vermitteln. Ich ging davon aus, dass du entweder etwas irgendwo aufgeschnappt und missverstanden hast, oder in gutem Glauben Unwahrheiten wiederholst, die jemand irgendwo geäußert hat. Eine konkrete Quelle hattest du zu Anfang nicht genannt und auch keine wirklich passende nachgereicht. Dass du dir das ganz allein ausgedacht hast, hielt ich nicht für möglich, muss ich aber jetzt offensichtlich annehmen.

Wenn du erst noch mühsam nach Quellen suchen musst, scheint deine Theorie bisher auf keinen zu basieren, sondern eher eine reine Gedankenspielerei oder gar Fantasie zu sein. Die kann man dir schlecht verbieten, solange du sie eindeutig als solche kennzeichnest. Doch du solltest sie nicht mit Behauptungen untermauern, die du uns als Fakten verkaufst. Die Fakten kann man sehr leicht finden und hier verlinken, ohne lange suchen zu müssen. Been there. Done that. Ich verglich zur Sicherheit sogar die deutsche mit der englischsprachigen Wikipedia. Ging ganz fix.

Meinetwegen musst du jedenfalls nicht weitersuchen. Doch du kannst nicht ernsthaft erwarten, dass ich schweigend zusehe, wie du hier aus einer Laune heraus eine Gruppe von Leuten verunglimpfst, die ich seit 25 Jahren während mehr als 20 Besuchen und in Form von privaten Kontakten übers Internet als überwiegend gastfreundlich, weltoffen, entgegenkommend und vor allem in ihrem beruflichen Alltag als ganz normale und moderne Menschen erleben durfte. Aus diesem Grund besuchte ich den Sprachkurs, um mir die Grundzüge einer ihrer Schriftsprachen anzueignen. Mir trotzdem pauschal jegliche Kompetenz abzusprechen, ohne einen Gegenbeweis anzutreten, zeugt von einer Arroganz, die ihresgleichen sucht. Beschäftige dich mit diesem Land, seiner Geschichte, seiner Kulturen, seiner Geografie und seiner Bevölkerung erst einmal so ausgiebig wie ich. Dann können wir uns gern auf Augenhöhe über irgendwelche Gedankenspiele austauschen. Vorzugsweise in einem Thread, in dem es nicht um das Thema geht, ob und wie man gendergerechte Sprache in der Belletristik konkret umsetzt.

Monika

edit: Deine Quelle im letzten Beitrag sehe ich mich noch an. Ich poste das hier erst einmal.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Monika K. (27.05.2021, 20:45)
Deine Fundsachen habe ich mir inzwischen durchgelesen. Auch sie belegen nicht deine Theorie von der Bevölkerung, die seit dem 19. Jahrhundert gegen ihren Willen von einer kleinen Gruppe gezwungen wird, eine Schriftsprache namens Nynorsk zu verwenden, und sich nun endlich von diesem schweren Joch befreien darf. Im Gegenteil: Es ist von vielen Anhängern die Rede. Zudem versuchtest du zu guter Letzt zu suggerieren, Nynorsk sei für ganz Norwegen vorgesehen gewesen. Dafür fehlt ebenfalls ein Beleg.

Für Meinungen und Gefühle von Fremden interessiere ich mich übrigens in diesem Zusammenhang nicht. Dass es zwischen Bevölkerungsgruppen neben Toleranz auch Reibereien gibt, bestreite ich gar nicht. Einen Bürgerkrieg erwähnen die Geschichtsbücher hingegen nicht. Die Lautstärke einer Gruppe sagt nichts über ihre Größe aus. Der Unterschied zwischen Fakten und Meinungen ist dir bekannt?

Es geht also um handfeste Belege für den Zwang (!) und zusätzlich gern auch für die Absicht, Nynorsk von staatlicher Seite als einheitliche Schriftsprache für ganz Norwegen durchzusetzen.

Arno Abendschön hat geschrieben:
Eine Propagandistin der deutschen Gendersprache versucht vergeblich, hier ein idyllisches Bild von Norwegens Sprachsituation zu malen.

Wer soll das sein? Ich? :lol: So viel zu deiner "Sachlichkeit". Ein Beleg für diese alberne Unterstellung fehlt natürlich mal wieder.
Die "Propagandistin" kann ich nämlich im Handumdrehen widerlegen:
Monika K. hat geschrieben:
Mein Missionseifer hält sich bei dem Thema daher auch stark in Grenzen.

Monika K. hat geschrieben:
Übrigens verstehe ich noch immer nicht, was das Ganze hier eigentlich überhaupt soll. Wer in seinen Sachbüchern nicht gendern will, lässt es einfach bleiben. Ein simples "Nö" zur ursprünglich hier gestellten Frage genügt. Wozu all die Links und nun auch noch krude Theorien über Norwegen?

Kann es sein, dass du meine Beiträge nur überfliegst? Oder kannst du die Äußerungen deiner Gesprächspartner*innen nicht mehr auseinanderhalten? :lol: Mir ist es echt wurscht, ob meine Mitmenschen gendern oder stattdessen lieber beim Schreiben mit den Ohren wackeln, sobald Frauen "mitgemeint" sein sollen.

Bezüglich "Akzeptanz" ein paar simple Zahlen:
10 bis 15 Prozent von knapp 5.400.000 Einwohnern sind etwa 540.000 bis 810.000 Menschen, die nach den letzten Schätzungen Nynorsk verwenden. Darunter übrigens neben einigen anderen Autor*innen auch Jon Fosse.
https://de.wikipedia.org/wiki/Jon_Fosse
Ein Beleg für deine Behauptung von dem Mangel an Akzeptanz fehlt daher auch noch. Wenn man diese Aussage aber mit deiner irrtümlichen Annahme, Nynorsk sei für ganz Norwegen vorgesehen gewesen, in Verbindung bringt, wird klar, dass du aus einem Missverständnis zu dieser Folgerung kamst. Du meinst die Akzeptanz in ganz Norwegen. Ich spreche von der Akzeptanz in der Region, für die Nynorsk ursprünglich geschaffen wurde. Den Punkt können wir also meinetwegen abhaken, sobald du deinen Irrtum einsiehst.

Der Vollständigkeit halber erwähne ich noch das Volk der Samen, das in Norwegen eigene Amtssprachen besitzt. Damit kenne ich mich jedoch nicht aus und kann nichts über Niedergang, Mangel an Akzeptanz oder eventuelle Expansionspläne für ganz Norwegen sagen.

Monika
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Arno Abendschön
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (27.05.2021, 22:37)
Monika, ich habe dir schon genügend Belege dafür präsentiert, dass Nynorsk eine Kreation des Nationalismus des 19. Jahrhunderts war, als Schriftsprache für ganz Norwegen konzipiert war und insofern kläglich gescheitert ist. Mir ist schon klar, warum du so allergisch gegen den Vergleich mit der jetzigen Gendersprache reagierst - die Parallelen sind unübersehbar, beides Kunstsprachen mit politischer Zielsetzung, die von der jeweiligen Bevölkerungsmehrheit nicht angenommen werden.

Falls ich weiteres Material finde, reiche ich es nach, dann kannst du dich wieder ereifern.

Für heute will ich noch Frau Wagenknecht zu Wort kommen lassen. Der im Focus abgedruckte Auszug passt sehr gut auf das, was hier mal wieder mehrfach versucht wurde, nicht nur mir gegenüber.

https://www.focus.de/kultur/gesellschaf ... 83120.html
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (27.05.2021, 23:02)
Nächster Fund zu Nynorsk:

https://www.gutefrage.net/frage/norsk-b ... terschied-

Was "verabing" erläutert, ist exakt dasselbe, was ich hier wiederholt dargelegt habe und was Monika verbissen zurückweist.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Monika K. (27.05.2021, 23:05)
Arno, das ist ein Missverständnis. Ich "ereifere" mich einzig und allein über die Verunglimpfung der Menschen, die heutzutage noch Nynorsk verwenden. Ihre Motive mit den Motiven der radikalen Gendersprachen-Eiferer zu vergleichen, ist in meinen Augen beleidigend - und zwar für die Norweger. Jetzt bist du baff, gell? Was du über Gendern denkst und schreibst, ist mir wirklich und ehrlich egal. Ich verstehe lediglich nicht, was die Grundsatzdiskussion mit der Eingangsfrage zu tun hat, aber so kennen und lieben wir den Autorenpool. :lol: Deshalb antwortete und antworte ich übrigens auf deine anderen Beiträge nicht. Von meiner Seite besteht diesbezüglich kein Diskussionsbedarf. Schreib doch einfach, wie du lustig bist. Mir gegenüber musst du dich nicht rechtfertigen oder deine Entscheidung wortreich begründen. Lass das Norwegenthema fallen, füll stattdessen in den nächsten Wochen und Monaten die nächsten 20 Seiten dieses Threads mit Links über Frau Wagenknecht & Co - und du hast deine Ruhe vor mir. Ernsthaft. Diese Haltung hatte ich übrigens auch damals bei den Endlosdiskussionen über die Neue Rechtschreibung. Mich stört es bis heute nicht, wenn jemand konsequent und fehlerfrei die alte Rechtschreibung benutzt. Ich benutze nach bestem Wissen die neue. Das nennt sich Toleranz.

Monika

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Ich schreibe jetzt mal (Überraschung!) etwas zum ursprünglichen Thema des Threads. Wir erinnern uns: Gendergerechte Sprache in der Belletrisik: ja/nein/wie?

Humorlose und/oder erbitterte Gegner des Genderns brauchen also gar nicht weiterzulesen.

Wie bereits erwähnt, will ich nicht missionieren, sondern mich lieber mit Leuten austauschen, die sich freiwillig näher damit beschäftigen und üben. Inzwischen ist in einem privaten Künstlerforum eine kleine Runde entstanden, die ergebnisoffen und kompromissbereit diskutiert und selbst verfasste Texte diesbezüglich gemeinsam lektoriert. Dabei stehen ganz grob umrissen die Fragen im Vordergrund: Wo ist gendergerechte Sprache erforderlich, und welche Vorgehensweise bietet sich in welchem Kontext an? Kurz: Wo und wie?

Zur Auflockerung erwähnte ich gestern das schwedische "hen" und machte den eindeutig nicht ernst gemeinten Vorschlag, es kurzerhand in die deutsche Sprache aufzunehmen, weil damit schlagartig einige Probleme in der Grammatik gelöst wären. Die zügellose Heiterkeit, mit der dieser Vorschlag quittiert wurde, fand zu meiner Überraschung ein jähes Ende, als ich im Überschwang einen draufsetzte und auf das Wort "Handy" verwies, das innerhalb kürzester Zeit einen wahren Siegeszug vollführt hatte und inzwischen (fast) nicht mehr wegzudenken ist, obwohl es (als Substantiv in diesem Kontext) eine künstliche Wortschöpfung und eigentlich völlig gaga ist. Es klingt sogar ähnlich wie "hen". Was spricht also dagegen? Inzwischen wird ernsthaft über die Idee diskutiert. :oops:
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