Feedback zu Textidee / Roman / Krimi

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Stefan_Hei
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Feedback zu Textidee / Roman / Krimi

von Stefan_Hei (17.10.2021, 12:56)
Hallo zusammen,

vorab: Ich schreibe nur privat - meine Bücher sind Geschenke für Freunde und Familie.

Ich habe bereites zwei Bücher geschrieben und bin auch recht zufrieden damit. Das Feedback war ebenfalls größtenteils positiv.

Nun habe ich ein drittes (und letztes) Buch in der Pipeline.

Dieses ist soweit fertig, ich selbst bin aber etwas unsicher über den Verlauf im letzten Drittel.

Und zwar ist es so, dass der Mörder im Buch vorher nicht vorkommt. Dies ist anders als in meinen anderen Büchern, wo es sich um eine Person handelte, die ebenfalls vorher Teil der Geschichte war.

Eine Person hat das Buch bisher Korrektur gelesen und hat sich ebenfalls ein wenig daran gestört.

Daher würde ich gerne einmal eine Rückmeldung von euch haben:

--> Ist dies ein "No-Go" bzw. extrem untypisch, dass der Mörder ein Unbekannter ist, der erst am Ende der Geschichte identifiziert wird und vorab nicht als Person aufgetaucht ist, sondern eben nur als "gesuchter Mörder"?

--> Wie kann man eine solche Situation angehen, ohne dass es eben konstruiert erscheint?

--> Falls es unüblich ist: In meiner Story gibt es keine Person, auf die ich den Mord umschreiben könnte - wie handhabt es sich mit dem Versuch, einen Mörder nachträglich "reinzuschreiben"? Das ist eher nicht machbar, oder?

Vielleicht hatte schon einmal jemand von euch ein ähnliches Problem und kann berichten :)

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Monika K.
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Re: Feedback zu Textidee / Roman / Krimi

von Monika K. (18.10.2021, 07:30)
Stefan_Hei hat geschrieben:
Und zwar ist es so, dass der Mörder im Buch vorher nicht vorkommt. Dies ist anders als in meinen anderen Büchern, wo es sich um eine Person handelte, die ebenfalls vorher Teil der Geschichte war.

Eine Person hat das Buch bisher Korrektur gelesen und hat sich ebenfalls ein wenig daran gestört.

Daher würde ich gerne einmal eine Rückmeldung von euch haben:

--> Ist dies ein "No-Go" bzw. extrem untypisch, dass der Mörder ein Unbekannter ist, der erst am Ende der Geschichte identifiziert wird und vorab nicht als Person aufgetaucht ist, sondern eben nur als "gesuchter Mörder"?

--> Wie kann man eine solche Situation angehen, ohne dass es eben konstruiert erscheint?

--> Falls es unüblich ist: In meiner Story gibt es keine Person, auf die ich den Mord umschreiben könnte - wie handhabt es sich mit dem Versuch, einen Mörder nachträglich "reinzuschreiben"? Das ist eher nicht machbar, oder?

Vielleicht hatte schon einmal jemand von euch ein ähnliches Problem und kann berichten :)


Mich erinnert es spontan an die Komödie "Leiche zum Dessert", in der den Krimiautor*innen vorgeworfen wird, auf den letzten Seiten plötzlich Charaktere einzuführen.

Bei einem typischen Krimi rätseln viele Leser*innen gern mit, wer den Mord begangen hat. Wenn die Lösung darin besteht, dass es ein Außenstehender war, den man gar nicht verdächtigen konnte, ist das für viele unbefriedigend. Verboten ist es jedoch nicht. Ich kann mir vorstellen, dass es in einem Buch, das weniger Krimi, sondern psychologisches Lehrstück sein soll, funktionieren könnte, wenn die Geschichte entsprechend aufgebaut ist, dass in einer Gemeinschaft bereits vor dem Mord Misstrauen (gegenseitig oder gegen eine bestimmte Person) herrscht. Etwas, das in diese Richtung geht, habe ich tatsächlich einmal geschrieben, bezeichne es jedoch nicht explizit als Krimi. Bei mir fällt der Verdacht sofort auf eine Person, die daraufhin gemobbt wird. Die Auflösung besteht darin, dass das "Verbrechen" nicht in der Form stattgefunden hatte, wie die Dorfgemeinschaft vermutet, und ein Außenstehender die Hand im Spiel hatte. Es ist jedoch mehr ein Roman, dessen Genrezuordnung mir großes Kopfzerbrechen bereitete, und kein Krimi.

Trotzdem würde ich in deinem Fall dem Mörder eine winzige Nebenrolle im gesamten Buch zugestehen, weil im echten Leben Täter*innen normalerweise fast reflexartig außerhalb der Gemeinschaft vermutet werden. Niemand kann sich im ersten Moment vorstellen, dass hinter einem Verbrechen eine vertraute oder zumindest bekannte Person steckt, weil es das Grundvertrauen in das persönliche Umfeld erschüttert. Vermutlich macht es den Reiz eines Krimis aus, dass genau dies geschieht. Die Auflösung am Ende bringt dieses Vertrauen zurück. Eine Person wird verhaftet, der Rest der Gemeinschaft ist unschuldig und kann wieder Vertrauen aufbauen.

Zu meinem Vorschlag "winzige Nebenrolle für den Mörder": Sofern das in deinem Buch überhaupt machbar ist, würde ich nicht nur dem Mörder eine kleine, die Handlung zurückhaltend begleitende Rolle geben, sondern mindestens noch eine weitere, ebenso gestaltete "Nebenrolle" hinzufügen. Es ist nämlich typisch für viele Krimis, dass die Figuren, die am harmlosesten daherkommen und im Alltag übersehen oder mehr als "Statist*innen" wahrgenommen werden, am Ende schuldig sind. Wer also beim Lesen mitraten möchte, tippt sehr früh auf den harmlosen Nachbarn/Pfarrer/Kioskbesitzer/Kegelkumpel/Wirt, der einfach nur da ist und nicht viel zur Handlung beiträgt. Daher würde ich eine gewisse Auswahl an solchen Personen bieten.

Viel Erfolg!
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

(Übersetzung: Besser ein weiser Narr, als ein närrischer Weiser.)

Stefan_Hei
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Re: Feedback zu Textidee / Roman / Krimi

von Stefan_Hei (18.10.2021, 12:09)
Vielen Dank für die ausführliche Rückmeldung.

In meinen bisherigen Büchern waren es auch immer bekannte Personen, teilweise sogar Hauptpersonen, die eine große Rolle gespielt haben.

Was wäre die Empfehlung für "eine kleine Nebenrolle"? Reicht es, wenn es der Hotelmitarbeiter ist, der nur ein einziges Mal aufgetaucht ist? Das wäre zumindest noch leicht einzubringen.

Oder wäre es sinnvoller, hier jemanden zu wählen, der mehrmals auftaucht und von dem der Leser ein Bild vor Augen hat?

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Monika K.
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Re: Feedback zu Textidee / Roman / Krimi

von Monika K. (18.10.2021, 12:39)
Stefan_Hei hat geschrieben:
Vielen Dank für die ausführliche Rückmeldung.

In meinen bisherigen Büchern waren es auch immer bekannte Personen, teilweise sogar Hauptpersonen, die eine große Rolle gespielt haben.

Was wäre die Empfehlung für "eine kleine Nebenrolle"? Reicht es, wenn es der Hotelmitarbeiter ist, der nur ein einziges Mal aufgetaucht ist? Das wäre zumindest noch leicht einzubringen.

Oder wäre es sinnvoller, hier jemanden zu wählen, der mehrmals auftaucht und von dem der Leser ein Bild vor Augen hat?


Was reicht oder nicht reicht, können deine Testleser natürlich wesentlich besser einschätzen als ich, aber ein Hotelmitarbeiter ist nach meinem Bauchgefühl sicherlich sehr gut für die "Nebenrolle" geeignet. Wenn möglich würde ich ihn an mehreren Stellen auftreten und kurz irgendetwas Triviales machen lassen. Er könnte z.B. außerhalb des Hotels jemandem die Vorfahrt nehmen oder über die Straße laufen, sodass es beinahe zu einem Unfall kommt. Man macht eine Vollbremsung, erkennt ihn und vergisst den Vorfall. Hinterher stellt sich heraus, dass er es zur Tatzeit eilig gehabt hatte und unkonzentriert war. Irgendetwas Unauffälliges in der Art, was man als Leser*in überliest und sich erst am Ende als wichtig herausstellt.

Viele Grüße
Monika
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Schattenkind
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Re: Feedback zu Textidee / Roman / Krimi

von Schattenkind (18.10.2021, 16:26)
Stefan_Hei hat geschrieben:

Und zwar ist es so, dass der Mörder im Buch vorher nicht vorkommt. Dies ist anders als in meinen anderen Büchern, wo es sich um eine Person handelte, die ebenfalls vorher Teil der Geschichte war.

Eine Person hat das Buch bisher Korrektur gelesen und hat sich ebenfalls ein wenig daran gestört.

Daher würde ich gerne einmal eine Rückmeldung von euch haben:



Hallo,

ich bin kein Krimi-Leser, doch in manchen Serien und Filmen ist mir das schon untergekommen und ich fühl mich da jedes mal total verarscht, weil ich als Leser gar nicht die Chance habe durch das Kombinieren von kleinen Anspielungen und aufsammeln von "Brotkrumen", selbst herauszufinden, wer der/die Täter:in ist. Daher bin ich da echt kein Freund von, z.B. bei Pretty little Liars wurde die Person A.D, die die MCs über Jahre bedroht hat, als eine Person enttarnt, die zuvor nicht einmal in der Serie vorkam. Da war ich echt pissed!
Daher würde ich dir empfehlen, die Person auf irgendeine Weise in die Story einzubauen. Denn so ganz ohne fände ich das nicht so geil.

Ich denke schon, dass du den Mörder reinschreiben kannst, das wäre halt viel Arbeit. Leichter wäre es sicherlich, wenn du z.B. die Kapitelanfänge nutzt, um z.B. seine Gedanken zu zeigen, so ne Art Mini-Prologe, evtl. bekommst du dadurch ne Verbindung zum Leser und dann würde ich ihn noch ein paar Mal in ner Alltagssituation auftauchen lassen, die dem Leser die Möglichkeit gibt, ihn zu "enttarnen". Z.B. könntest du in den Gedanken am Anfang sagen, dass er voll auf Eichhörnchen steht und dann beobachtet ein paar Kapitel später der Polizist, wie so ein weirder Typ im Park Nüsse für Eichhörnchen deponiert... Something like that ;)
Zuletzt geändert von Schattenkind am 19.10.2021, 15:14, insgesamt 1-mal geändert.
Schöne Grüße,

Schattenkind

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Monika K.
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Re: Feedback zu Textidee / Roman / Krimi

von Monika K. (18.10.2021, 18:27)
Schattenkind hat geschrieben:
Z.B. könntest du in den Gedanken am Anfang sagen, dass er voll auf Eichhörnchen steht und dann beobachtet ein paar Kapitel später der Polizist, wie so ein weirder Typ im Park Nüsse für Eichhörnchen deponiert...

Gute Idee. Wenn man aus ihm ganz dezent einen Sympathieträger macht, gerät er auch nicht so leicht in Verdacht bei den Leser*innen.
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(Übersetzung: Besser ein weiser Narr, als ein närrischer Weiser.)

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