Packende Dialoge Tipps gesucht

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Reitschel
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Packende Dialoge Tipps gesucht

von Reitschel (27.10.2021, 16:20)
Hallo zusammen,

Ich habe schon jahrelang eine Buchidee im Kopf. Seit einigen Wochen habe ich mich nun endlich an dieses Projekt gewagt und bin voll motiviert. Anfänge zu schreiben, lagen mir schon immer und auch wie die Geschichte ausgehen wird, habe ich schon tausendmal in meinem Kopf durchgespielt.

Jetzt stehe ich aber bereits vor einem kleinen Problem(chen)...Es handelt sich um einen Zwischenteil, in dem die Gruppe aus vier Erwachsenen, darunter auch die Protagonistin, mehrere Tage durch ein Gebirge wandern müssen, bis sie ihr Ziel erreichen. Die Protagonistin lernt einen Mann dieser Gruppe unterwegs immer besser kennen, sprich, sie sollte danach grosse Empathie für ihn empfinden. Das ist wichtig für den weiteren geplanten Verlauf der Geschichte. Ich werde die Wandertage grob umschreiben, aber einen bestimmten Abend herausnehmen, an dem die zwei einen längeren Austausch haben werden.
Da es mein erstes Buch ist und ich im Schreiben von längeren und ausführlicheren Dialogen noch nicht sehr geübt bin, wende ich mich an euch :)

Meine Frage:
-Wie kann ich ein packendes Gespräch entstehen lassen, ohne dass es diesen Ping-Pong-Effekt gibt und ständig 'sagte' oder 'erwiderte' vorkommt?

Wahrscheinlich ist das eine lächerliche Einsteigerfrage, aber hey, jeder fängt mal klein an :)

Ich danke euch auf jeden Fall für eure wertvollen Tipps!

Liebe Grüsse, Rahel

PS: Meine Geschichte ist aus der Ich-Perspektive geschrieben. Falls das relevant zu wissen sein müsste.

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Monika K.
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Re: Packende Dialoge Tipps gesucht

von Monika K. (27.10.2021, 16:36)
Reitschel hat geschrieben:
Wie kann ich ein packendes Gespräch entstehen lassen, ohne dass es diesen Ping-Pong-Effekt gibt und ständig 'sagte' oder 'erwiderte' vorkommt?


Mir ist nicht klar, was du mit Ping-Pong-Effekt meinst. Wenn sich zwei Personen unterhalten, sprechen sie im Idealfall abwechselnd.

Ich setze bei jedem Sprecherwechsel einen Zeilenumbruch und lasse die Leute nebenher etwas tun, damit man daran erkennen kann, wer gerade spricht. Das ist bei zwei Personen auch nicht ständig erforderlich. Beispiel:

"Was machst du am Wochenende?" Egon nahm einen Schluck Bier.
"Keine Ahnung. Hast du eine Idee?"
"Wir könnten zum Base-Jumping."
Ich blickte ihn entgeistert an. "Meine Lebensmüdigkeit hält sich für so was zu stark in Grenzen."
"Okay. Dann lass uns eben Halma spielen."

Damit eine Dialog nicht zu lang wird, kann man zwischendurch (wenn die Erzählperspektive es zulässt) Gedanken einbauen. Bei einer Ich-Erzählung natürlich nur die der erzählenden Figur.

Viele Grüße
Monika
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(Übersetzung: Besser ein weiser Narr, als ein närrischer Weiser.)

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Emil
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Re: Packende Dialoge Tipps gesucht

von Emil (27.10.2021, 16:53)
"Große Empathie" (oder gar romantische Liebe) zwischen zwei Personen, entwickelt sich meiner Meinung nach am intensivsten über Handlungen, als bloß über ein langes Gespräch. Darüber würde ich mal nachdenken.

Reitschel
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Re: Packende Dialoge Tipps gesucht

von Reitschel (27.10.2021, 17:00)
Monika K. hat geschrieben:
Reitschel hat geschrieben:
Wie kann ich ein packendes Gespräch entstehen lassen, ohne dass es diesen Ping-Pong-Effekt gibt und ständig 'sagte' oder 'erwiderte' vorkommt?


Mir ist nicht klar, was du mit Ping-Pong-Effekt meinst. Wenn sich zwei Personen unterhalten, sprechen sie im Idealfall abwechselnd.

Ich setze bei jedem Sprecherwechsel einen Zeilenumbruch und lasse die Leute nebenher etwas tun, damit man daran erkennen kann, wer gerade spricht. Das ist bei zwei Personen auch nicht ständig erforderlich. Beispiel:

"Was machst du am Wochenende?" Egon nahm einen Schluck Bier.
"Keine Ahnung. Hast du eine Idee?"
"Wir könnten zum Base-Jumping."
Ich blickte ihn entgeistert an. "Meine Lebensmüdigkeit hält sich für so was zu stark in Grenzen."
"Okay. Dann lass uns eben Halma spielen."

Damit eine Dialog nicht zu lang wird, kann man zwischendurch (wenn die Erzählperspektive es zulässt) Gedanken einbauen. Bei einer Ich-Erzählung natürlich nur die der erzählenden Figur.

Viele Grüße
Monika


Hallo Monika,

Mit Ping-Pong-Effekt meinte ich lediglich, dass das Gespräch nicht aus kurzen ständig abwechselnden Sätzen besteht. Ich spreche einen Satz. Dann er. Dann wieder ich.

Dein Tipp mit den Gedankengängen der Protagonistin ist sehr hilfreich, vielen Dank.

Liebe Grüsse, Rahel
Zuletzt geändert von Reitschel am 27.10.2021, 17:05, insgesamt 1-mal geändert.

Reitschel
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Re: Packende Dialoge Tipps gesucht

von Reitschel (27.10.2021, 17:05)
Emil hat geschrieben:
"Große Empathie" (oder gar romantische Liebe) zwischen zwei Personen, entwickelt sich meiner Meinung nach am intensivsten über Handlungen, als bloß über ein langes Gespräch. Darüber würde ich mal nachdenken.



Hallo Emil,

ja da gebe ich Dir vollkommen recht. Werde mir nochmals Gedanken darüber machen, wie ich die Szene am besten gestalte. Vielleicht muss es an jenem Abend auch kein Gespräch sein, sondern ein Zwischenfall...Ich werde sehen :)
Dir auf jeden Fall vielen Dank für den Gedankenanstoss.

Liebe Grüsse, Rahel

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H.Radmann
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Re: Packende Dialoge Tipps gesucht

von H.Radmann (27.10.2021, 21:47)
[b][b]Hallo zusammen im Thread,

Gedankeneinschübe oder gelegentliche Sprecherverben-Anhänge sind ein gutes Mittel für lebendige Dialoge. Sie können auch dazu dienen, dem Leser die Aktionen der Protas vor dem geistigen Auge besser entstehen zu lassen.

Ich selbst mag Sprecherverben-Sätze allerdings nicht so, z.B.: "...antwortete sie." oder "Daraufhin meinte sie lakonisch: "Dies und das..."

Zur Zeit schreibe ich an einem neuen Roman und dachte, das dieses Beispiel, wie ich es gerne mache, hilfreich sein könnte. Ein kleiner Dialog, wo sich ein Konflikt zwischen zwei Charakteren anbahnt.
Wie viele Figuren unterhalten sich hier?

- - -

Die Zunge lockerte sich mit fortschreitender Stunde und Kezia platzte mit der Botschaft heraus, dass sie wieder ein Kind erwartet. Ihr Gerald glotzte erst wie ein vom Lehrer beim Abschreiben überraschter Schuljunge, um dann mit japsenden Freudenschreien seine Kezia mit Lobeshymnen zu überhäufen und sie durch seine Umarmungen beinahe zu erdrücken. Hiraya beobachtete mit zusammengezogenen Augen jede Geste von Dolores, die auffällig viel trank und immer forscher mit ihren Gesprächsthemen wurde, bis es Hiraya darauf ankommen ließ.
„Ate Dolores, ich möchte etwas von dir wissen.“
„Natürlich, meine Kleine.“
„Ich bin nicht deine „Kleine“.“
Dolores hat sofort bemerkt, dass sie in ein Fettnäpfchen getreten ist, schluckt und dreht ihren Kopf schielend zu Rodrigo.
„Entschuldige Inday.“
„Was war denn deine Arbeit, bevor du hierhergekommen bist?“
„Ich war zwei Jahre auf Boracay.“
„Was hast du überhaupt gemacht? Gibt doch Unmenge Touristen auf Boracay. Warst du in einem Haushalt?“
„Nein.“
Sie will augenscheinlich nicht mit der Sprache rausrücken, beginnt vom Trubel und den Reisenden auf der Insel zu erzählen und erwähnt dabei eine Live-Band, die immer in einer Strandbar aufgetreten sei. Hirayas Augen lassen sie keine Sekunde los und Dolores hat keinen Mut mehr, noch einen Schluck aus dem Rumglas zu nehmen.
„Du magst Musik?“
„Natürlich. Du doch sicher auch. Wenn ich dich immer mit deinem Kopfhörer sehe.“
„Du hast in einer Bar gearbeitet, stimmt´s?“
„Hiraya! Frag nicht so viel.“
Sie blickt ihrem Vater an, dem diese Konversation peinlich ist, und lächelt dabei so unglaublich süß.
„Kind, in einer Bar zu arbeiten ist nichts Schlechtes.“
„Kommt doch drauf an, in welcher Abteilung man arbeitet. In der Küche? Am Tresen? Mit der Schürze? Oder vielleicht in einem rosafarbenen Zimmer im ersten Stock?“
Dolores zieht die Augen zusammen und bemüht sich, ihr Lächeln nicht zu verlieren.
„In dieser Bar gab es keine rosa Zimmer. Und auch keine roten Lampen. Ich war Barkeeperin und arbeitete am Frühstücksbuffet.“
„Talaga? (Wirklich). Man konnte auch dort frühstücken?“
„Es gab die besten Spiegeleier mit „Chicken Tosino“ bei uns. Versprochen.“
„Klasse, Ate Dolores. Ist bestimmt schade, dass du die Arbeit nicht mehr hast. Lag wohl an deinen Spiegeleiern.“
„Hiraya! Genug jetzt!“
„Es ist schon okay, Inday Kezia.“
Dolores lächelt steif und zeigt doch eine bemerkenswerte Haltung. Aber innerlich hat sie einen Balisong-Dolch gezückt und würde ihn Hiraya am liebsten an den frechen Hals halten. Hiraya wird mit vorwurfsvollen Blicken rund um den Tisch geradezu bombardiert, doch besonders ihr Vater schweigt betreten. Seine Unsicherheit ist für das Mädchen schon ein Indiz, dass er für seine Haushälterin mehr empfindet als angebrachte Freundlichkeit. Er kann seine Tochter nicht vor allen scharf zurechtweisen, denn damit wäre die Beweislage noch eindeutiger.
„Ich wollte etwas anderes machen. War eben stressig jeden Tag mit all den Gästen.“
Kezia reichte es. Sie übernahm die Konversation, drehte das Thema um und schielte immer wieder wachsam wie ein Luchs zu ihrer kleinen Schwester, die den Rest des Abends ruhig blieb, an den schon kalten, aber knusprig gegrillten Speckstücken knabberte und Dolores immer wieder grinsend beobachtete.


- - -

Vielleicht hilft es ein wenig, die Frage dieses Threads hilfreich zu ergänzen.

Liebe Grüße und einen schönen Abend Euch.

Reitschel
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Re: Packende Dialoge Tipps gesucht

von Reitschel (27.10.2021, 22:52)
Vielen Dank für Deine Hilfe und die Leseprobe. Obwohl ich die Geschichte nicht kenne und auch nicht mit den Personen vertraut bin, konnte ich mir in diesem kurzen Abschnitt bereits ein gutes Bild von der Umgebung und den Charakteren machen. Viel Erfolg mit dem Buch :)

Liebe Grüsse, Rahel

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Emil
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Re: Packende Dialoge Tipps gesucht

von Emil (27.10.2021, 22:57)
H.Radmann hat geschrieben:
Die Zunge lockerte sich mit fortschreitender Stunde und Kezia platzte mit der Botschaft heraus, dass sie wieder ein Kind erwartet. Ihr Gerald glotzte erst wie ein vom Lehrer beim Abschreiben überraschter Schuljunge, um dann mit japsenden Freudenschreien seine Kezia mit Lobeshymnen zu überhäufen und sie durch seine Umarmungen beinahe zu erdrücken. Hiraya beobachtete mit zusammengezogenen Augen jede Geste von Dolores, die auffällig viel trank und immer forscher mit ihren Gesprächsthemen wurde, bis es Hiraya darauf ankommen ließ.
„Ate Dolores, ich möchte etwas von dir wissen.“
„Natürlich, meine Kleine.“
„Ich bin nicht deine „Kleine“.“
Dolores hat sofort bemerkt, dass sie in ein Fettnäpfchen getreten ist, schluckt und dreht ihren Kopf schielend zu Rodrigo.
„Entschuldige Inday.“
„Was war denn deine Arbeit, bevor du hierhergekommen bist?“
„Ich war zwei Jahre auf Boracay.“
„Was hast du überhaupt gemacht? Gibt doch Unmenge Touristen auf Boracay. Warst du in einem Haushalt?“
„Nein.“
Sie will augenscheinlich nicht mit der Sprache rausrücken, beginnt vom Trubel und den Reisenden auf der Insel zu erzählen und erwähnt dabei eine Live-Band, die immer in einer Strandbar aufgetreten sei. Hirayas Augen lassen sie keine Sekunde los und Dolores hat keinen Mut mehr, noch einen Schluck aus dem Rumglas zu nehmen.
„Du magst Musik?“
„Natürlich. Du doch sicher auch. Wenn ich dich immer mit deinem Kopfhörer sehe.“
„Du hast in einer Bar gearbeitet, stimmt´s?“
„Hiraya! Frag nicht so viel.“
Sie blickt ihrem Vater an, dem diese Konversation peinlich ist, und lächelt dabei so unglaublich süß.
„Kind, in einer Bar zu arbeiten ist nichts Schlechtes.“
„Kommt doch drauf an, in welcher Abteilung man arbeitet. In der Küche? Am Tresen? Mit der Schürze? Oder vielleicht in einem rosafarbenen Zimmer im ersten Stock?“
Dolores zieht die Augen zusammen und bemüht sich, ihr Lächeln nicht zu verlieren.
„In dieser Bar gab es keine rosa Zimmer. Und auch keine roten Lampen. Ich war Barkeeperin und arbeitete am Frühstücksbuffet.“
„Talaga? (Wirklich). Man konnte auch dort frühstücken?“
„Es gab die besten Spiegeleier mit „Chicken Tosino“ bei uns. Versprochen.“
„Klasse, Ate Dolores. Ist bestimmt schade, dass du die Arbeit nicht mehr hast. Lag wohl an deinen Spiegeleiern.“
„Hiraya! Genug jetzt!“
„Es ist schon okay, Inday Kezia.“
Dolores lächelt steif und zeigt doch eine bemerkenswerte Haltung. Aber innerlich hat sie einen Balisong-Dolch gezückt und würde ihn Hiraya am liebsten an den frechen Hals halten. Hiraya wird mit vorwurfsvollen Blicken rund um den Tisch geradezu bombardiert, doch besonders ihr Vater schweigt betreten. Seine Unsicherheit ist für das Mädchen schon ein Indiz, dass er für seine Haushälterin mehr empfindet als angebrachte Freundlichkeit. Er kann seine Tochter nicht vor allen scharf zurechtweisen, denn damit wäre die Beweislage noch eindeutiger.
„Ich wollte etwas anderes machen. War eben stressig jeden Tag mit all den Gästen.“
Kezia reichte es. Sie übernahm die Konversation, drehte das Thema um und schielte immer wieder wachsam wie ein Luchs zu ihrer kleinen Schwester, die den Rest des Abends ruhig blieb, an den schon kalten, aber knusprig gegrillten Speckstücken knabberte und Dolores immer wieder grinsend beobachtete.


Ich gebe jetzt mal ungefragt meine Meinung ab. Bitte nicht als Kritik oder bösen Willen sehen. Ist nur Feedback von mir als absoluten Laien:

1. Die Anrede über Namen in den Dialogen etwas reduzieren. Das kommt mMn sonst weniger realistisch.

2. So gut es geht nur handlungstragende Wortwechsel nutzen. Dabei auch mal mehr Mut zur Lücke.
Heißt in diesem Fall statt:
„Ate Dolores, ich möchte etwas von dir wissen.“
„Natürlich, meine Kleine.“
„Ich bin nicht deine „Kleine“.“
Dolores hat sofort bemerkt, dass sie in ein Fettnäpfchen getreten ist, schluckt und dreht ihren Kopf schielend zu Rodrigo.
„Entschuldige Inday.“
„Was war denn deine Arbeit, bevor du hierhergekommen bist?“

einfach nur
"Ate Dolores, was hast du gearbeitet, bevor du hierhergekommen bist?"


3. Und wenn man in einer wörtlichen Rede etwas mit Anführungszeichen "zitieren" oder hervorheben oder betonen will, macht man das mit diesen einfachen Anführungsstrichen. Beispiel: "Du kannst dir deine 'Anführungsstriche' schenken, Alter!"

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Monika K.
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Re: Packende Dialoge Tipps gesucht

von Monika K. (28.10.2021, 08:34)
Hallo H.Radmann,

mir fällt bei deinem Text auf, dass du außerhalb der direkten Rede, in der die Protas bekanntlich reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, drei verschiedene Zeiten verwendest:
Präteritum (Die Zunge lockerte sich mit fortschreitender Stunde)
Perfekt (Dolores hat sofort bemerkt)
Präsens (Sie will augenscheinlich nicht mit der Sprache rausrücken)

Es gibt anscheinend Schreibratgeber, die an spannenden Stellen einen Wechsel von Präteritum zu Präsens gutheißen, weil dadurch wir Leser*innen näher am Geschehen sind. Doch dabei denke ich eher an eine gefährliche Situation, bei der wir mitfiebern, als an ein Gespräch.
Auch ist Perfekt korrekt, wenn du im Präsens schreibst und Vergangenes schilderst. (Vergleiche Plusquamperfekt, wenn du im Präteritum schreibst.) Doch bei einem kurzzeitigen Wechsel von Präteritum zu Präsens und zurück zu Präteritum, wie du ihn in diesem Abschnitt vornimmst, würde ich auf Perfekt verzichten.

Doch das nur am Rande. Hier geht es um direkte Rede, und ich möchte nicht den Thread kapern.

Viele Grüße
Monika
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(Übersetzung: Besser ein weiser Narr, als ein närrischer Weiser.)

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H.Radmann
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Re: Packende Dialoge Tipps gesucht

von H.Radmann (28.10.2021, 11:32)
Hallo Emil, hallo Monika,

Vielen Dank für die Anmerkungen und auch, wie ich es empfinde, hilfreichen Erklärungen. Mich freut es, dass ihr euch mit der Textprobe auseinander gesetzt habt. Der Thread-Ersteller hat hoffentlich auch etwas davon, unsere Diskussion mitzuverfolgen, weil es ja um Dialoge und Spannung dabei geht.

Das Buch ist erst zu 60% fertig, Lektorat steht ja natürlich noch aus.

Meine ersten Romane habe ich in der Gegenwartsform geschrieben, dass ist herausfordernd, auch wenn ich schon Bücher dieser Art gelesen habe.

Hier ist es anders, ich verwende die "klassische" Vergangenheitsform. Aber es ist wahr, das ich bei Dialogen tatsächlich wie hier "springe". Ich dachte mir dabei, das die Gesamthandlung wie bei Filmsequenzen den Leser in momentane Gespräche, Konflikte etc. so einführt, das er "live" mit fiebert. Präteritum - Präsens Vorgehensweise, darüber hatte ich in der Tat schon Ausführungen studiert.

Hier ist das "letzte Wort" noch nicht gesprochen, ob ich es nicht doch ändere. Ich muss erst mit der ganzen Geschichte fertig werden, bis jetzt gefällt mir die Vorgehensweise noch sehr. Aber der Leser muss es gut finden.

Fand ich prima, was ihr geschrieben habt. Danke nochmals. Es geht ja auch um grammatikalische "Disziplin", und die ist nicht unbedeutend, gelinde ausgedrückt.

Hans

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Re: Packende Dialoge Tipps gesucht

von Reitschel (28.10.2021, 12:48)
Ich empfinde diesen detaillierten Austausch sehr hilfreich. Vielen Dank für eure Inputs thumbbup

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Schattenkind
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Re: Packende Dialoge Tipps gesucht

von Schattenkind (13.11.2021, 01:11)
Reitschel hat geschrieben:
-Wie kann ich ein packendes Gespräch entstehen lassen, ohne dass es diesen Ping-Pong-Effekt gibt und ständig 'sagte' oder 'erwiderte' vorkommt?



Du kannst den Leser:innen zutrauen, dass sie dem Gespräch folgen können, auch ohne Inquit. Das ist häufig total unnötig.
Wenn das deine ersten Dialoge sind, dann schreib die einfach runter, wie's so aus dir rausflowt, dann ist zumindest schon mal drin, was rein soll. Bei der Überarbeitung gehst du dann an den Ton, den genauen Wortlaut, achte drauf, jedem MC seine eigene Stimme zu geben. Ich finde Dialoge können Gefühle sehr gut transportieren, mindestens genauso gut, wie Handlungen. Sie müssen halt gut sein :wink: Ich erfreue mich an guten Dialogen :D Wichtig beim Überarbeiten: les dir die Dialoge laut vor, oder hau die in ne TTS-App und lass es dir vorlesen. Das geht find ich recht gut.
Schöne Grüße,

Schattenkind

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Re: Packende Dialoge Tipps gesucht

von H.Radmann (18.11.2021, 15:39)
Dem stimme ich zu,

Man kann sogar mehrere unterschiedlich Personen 'reden' lassen, ohne Sprecherverben. Ist das geschickt mit kleinen Erzähleinschüben versehen, kann der Leser ohne Probleme folgen. Ich finde das als Leser selbst viel spannender, möchte ich ja mein Kopfkino auch selbst erleben.

Das Vorlesen lassen mit einer Synthesizer Stimme ist auch prima fürs erste eigene Korrektorat. Weil mir die MS Stimmen aber holperig sind (vor allem bei manchen Namen oder Begriffen aus dem Handlungsort der Geschichte völlig falsch 'gelesen'), habe ich mir die Stimme 'Marlene' besorgt. Den Hersteller findet man schnell durch Googeln. Die erkennt Fragezeichen, betont richtig, klingt angenehm und schafft sogar viele der Begriffe, die im Land meiner Geschichten vorkommen, recht gut. Kostet aber.

book:

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Re: Packende Dialoge Tipps gesucht

von DuaneHanson (19.11.2021, 06:34)
Ich finde Marlene immer noch zu schlecht, um dafür fast hundert Euro auszugeben und bei mir sitzt das Geld eigentlich locker. Aber ich würde nach zwei Minuten den Rechner an die Wand werfen. Geht leider gar nicht.
Ich lese selbst vor, meiner Freundin oder meiner Geliebten oder jemandem, der kurz davorsteht. Das schult für Lesungen! Und man merkt noch viel besser die Stellen, an denen es holpert. Ich lese gleich aus dem Schreibprogramm vor, damit ich sofort verbessern oder ändern kann.

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