Songtext im Roman erlaubt?

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


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Dalma Lee
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Re:

von Dalma Lee (13.01.2009, 00:46)
Haifischfrau hat geschrieben:
Ich habe in "Wie eine Feder im Wind" ein Zitat aus dem kleinen Prinzen unter die Widmung gesetzt. Dazu habe ich vorher die Genehmigung des Verlags eingeholt, ich musste das Zitat genau benennen (exakte Textstellen), den
Verlag, bei dem ich veröffentliche (also bod), die Seitenzahl des Buches und die Auflage angeben; das Zitatrecht wurde mir gegen Zahlung eines Betrags und Einreichung eines Belegexemplars (fertiges Buch) eingeräumt.

Denselben Weg beschreite ich jetzt für mein neues Buch, für das als wissenschaftliches Werk andere Regeln gelten.

Gruß
Maryanne


Hui, gut dass ich in den Thread geschaut hab.
Das hieße ja im Klartext wenn ich z.B. ein Zitat von Kafka verwenden möchte, muss ich erst mal herausfinden wo es veröffentlicht wurde und dann den Verlag anschreiben?

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (13.01.2009, 13:56)
Ja Dalma genau so ist es! Bei wissenschaftlichen Publikationen gelten andere Regeln.

Gruß
Maryanne
NEU: Die Baumwollfarmerin. Roman

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Dalma Lee
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Re:

von Dalma Lee (14.01.2009, 17:15)
Haifischfrau hat geschrieben:
Ja Dalma genau so ist es! Bei wissenschaftlichen Publikationen gelten andere Regeln.

Gruß
Maryanne


Ah, mein Eintrag bezog sich nicht auf wissenschaftl. Arbeiten sondern auf Romane.
Gilt die Regel (Verlag anschreiben, eventuell Gebühren bezahlen) auch, sollte ich z.B. ein Zitat (1-2 Zeilen) von Rilke oder Kafka (oder was weiss ich) am Anfang meines Romanes setzen?

Carmina
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Re: Songtext im Roman erlaubt?

von Carmina (19.05.2018, 12:05)
Ihr Lieben,
vielen Dank für eure nützlichen Tipps. Der Thread ist ja schon etwas älter ... hat sich da zwischenzeitlich was geändert? Letztlich hilft nur der Gang zum Anwalt, um Sicherheit zu erlangen. Darf ich euch trotzdem um eure Einschätzung bei meinem Text bitten? Ich plane ohnehin eine Neuauflage, da könnte ich also nochmal drüber nachdenken, ob die Zitate wirklich sein müssen (ja! Müssen sie! Sonst ist doch die Stimmung ruiniert und überhaupt ... :) ) - zur Info: Lilu ist ein Succubus und hat lange in New York gelebt

Noch bevor er die Haustür seines Pfarrhauses öffnete, hörte er schon den ohrenbetörenden Lärm aus der Küche.
Lautstarke Popmusik, und mit Putzlappen und -eimer bewehrt, sein Hausdämon bei der Arbeit!
"Like a virgin!", krähte Lilu fröhlich den Hit von - hüstel – Madonna mit und schwang das Tuch über ihrem Kopf.
"Lilu!"
"Touched for the very first time!"
"Mach das leiser!"
"Like a vi-i-i-irgin ...", tänzelte sie um ihn herum.
"Leiser!"
"When your heart beats – next to mine!", schnappte sie sich seine Arme und wiegte auch ihn zur Musik.
(...)
Er grinste zufrieden. So ging das also, Dämonen zähmen!
Der in seiner Küche jedenfalls starrte ihn beleidigt an.
Derweil sang Madonna unbeirrt weiter - I'll be yours 'til the end of time, 'cause you made me feel, yeah you made me feel I've nothing to hide ...
Und weil sie beide recht gut Englisch verstanden, betrachteten sie einander plötzlich in einem ganz anderen Licht. Lilu gehörte für immer ihm, Ferdinand, weil sie vor ihm ihr Wesen nicht verbergen musste ...
"Tut mir leid, Lilu ...", murmelte er reumütig. Er hatte sie ja nicht verletzen wollen.
"Hm hm ...", akzeptierte sie genauso schuldbewusst seine Entschuldigung und wandte sich verlegen ihrer Arbeit zu.
"Lilu, alles okay?"
"You made me feel shiny and new ...", zitierte sie mit einem leicht vorwurfsvollen Unterton noch einmal den Song, der nun gottlob zuende war.
"Didn't know how lost I was until I found you ...", entgegnete Ferdinand gleichermaßen bewandert in der Lyrik der Popmusik der Achtzigerjahre.
Lilu warf ihm einen sehnsüchtigen Blick zu und lächelte im nächsten Moment glücklich.
"Ehrlich?"
"Naja ... irgendeinen Grund muss es ja haben, dass du zu mir gekommen bist ..."

Und? Was meint ihr? Was muss raus, was darf bleiben?

Franz Hose
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Re: Songtext im Roman erlaubt?

von Franz Hose (19.05.2018, 12:18)
Carmina hat geschrieben:
schnappte sie sich seine Arme und wiegte auch ihn zur Musik.
(...)


Wie sieht das aus, wenn sich jemand "Arme schnappt"? Steht der Andere dann ohne Arme da?

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MichaelHA
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Re: Songtext im Roman erlaubt?

von MichaelHA (19.05.2018, 13:49)
Ich habe in einem Gedicht eine Textzeile eines Liedes und den Titel eines anderen Liedes zitiert. Bislang hat sich noch niemand beschwert.

Beste Grüße

MichaelHA

Franz Hose
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Re: Songtext im Roman erlaubt?

von Franz Hose (19.05.2018, 14:12)
MichaelHA hat geschrieben:
Bislang hat sich noch niemand beschwert.


Weil es niemand las, nehme ich an ...

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MichaelHA
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Re: Songtext im Roman erlaubt?

von MichaelHA (21.05.2018, 14:13)
Franz Hose hat geschrieben:
Weil es niemand las, nehme ich an ...


Da wäre ich mir nicht so sicher. Zumindest bei BoD ist dieser Band tatsächlich als "Bestseller" notiert.

Beste Grüße

MichaelHA

hugo-wolff
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Re: Songtext im Roman erlaubt?

von hugo-wolff (21.05.2018, 22:32)
Als Amateur-Lyriker interessieren mich Bestseller-Gedichte schon immer ganz besonders.

Bitte Link zu dem Werk.

Hugo

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DuaneHanson
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Re: Songtext im Roman erlaubt?

von DuaneHanson (13.04.2020, 21:12)
Ich verstehe die Frage nicht.

Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist. Zulässig ist dies insbesondere, wenn …

2. Stellen eines Werkes nach der Veröffentlichung in einem selbständigen Sprachwerk angeführt werden, …

Will sagen, es ist erlaubt, wenn dein Buch nicht nur aus einer Aneinandereihung von Liedtexten besteht. Und an all die Zum-Anwalt-Rater: Wir sind hier bei BOD. Das schert doch niemanden, wenn einer in einem Buch, was fünzigmal verkauft wird, ein Lied zitiert. Anwalt? Gehts noch?

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Siegfried
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Re: Songtext im Roman erlaubt?

von Siegfried (13.04.2020, 22:20)
DuaneHanson hat geschrieben:
Will sagen, es ist erlaubt, wenn dein Buch nicht nur aus einer Aneinandereihung von Liedtexten besteht. Und an all die Zum-Anwalt-Rater: Wir sind hier bei BOD. Das schert doch niemanden, wenn einer in einem Buch, was fünzigmal verkauft wird, ein Lied zitiert. Anwalt? Gehts noch?


Es geht um die Länge des Zitates. Ab einem bestimmten Umfang ist es kein Zitat mehr, sondern eine Kopie.

Und was die Anwälte angeht: Ich hatte mal das Vergnügen mit einem Abmahnanwalt. Es ging um einen Text, der nicht länger war als eine halbe DIN A4 Seite. Hat mich eine Menge Geld gekostet. Von daher kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass Anwälte nicht mit einem "Gehts noch" an die Seite zu schieben sind - auch wenn das Buch nur 50 mal verkauft werden sollte (bei meinem monierten Text waren es weniger Exemplare).

Aber jeder muss seine schlechten Erfahrungen selbst machen. Füge deinen Texten ruhigen Gewissens Vollzitate ein. Irgendwann wirst du unangenehme Post bekommen.

Alle anderen seien gewarnt!
Korrektorat: 1,- Euro zzgl. 19 % USt. pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Fienchen
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Re: Songtext im Roman erlaubt?

von Fienchen (10.11.2021, 07:44)
Guten Morgen zusammen,

in meinem Fall geht es nicht um einen Song-Text, sondern um ein Zitat von Hölderlin, aus seinem Buch Hyperion. Es ist ein Zweizeiler, den ich mal auf einer Aphorismen-Seite gefunden und mir abgespeichert habe, da er mir so gut gefiel.
Nun ist Hölderlin 1843 verstorben, die 70 Jahre Frist sind somit lange rum. Ich lese im Internet jedoch von allem etwas. Einerseits, dass der Text - in unveränderter Form - frei verwendet werden darf (unter Angabe der Urhebers und der Quelle), andere wiederum raten dazu, doch lieber beim Verlag anzufragen (zur Sicherheit?). Das Buch Hyperion wird nach wie vor gedruckt und verkauft.
Ich möchte den Spruch gerne in die Titelei aufnehmen, weil er gut zu meiner Geschichte passt, natürlich unter Angabe von Hölderlins Namen und dem Buch Hyperion.
Hat jemand von euch schon Erfahrungen damit? Hat jemand frei Zitate aus Werken verwendet, deren Autoren schon sehr lange tot sind?

Schönen Gruß
Monika

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Monika K.
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Re: Songtext im Roman erlaubt?

von Monika K. (10.11.2021, 08:03)
Fienchen hat geschrieben:
andere wiederum raten dazu, doch lieber beim Verlag anzufragen (zur Sicherheit?).

Kann es sein, dass sich diese Aussage auf jüngere Übersetzungen fremdsprachiger Zitate bezieht? Denn für die gilt ebenfalls das Urheberrecht. Anders kann ich mir diesen Ratschlag nicht erklären. Der Verlag macht letztendlich auch nichts anderes, als einen inzwischen gemeinfreien Text zu veröffentlichen. Damit erwirbt niemand das Urheberrecht. Weder er noch du.

Viele Grüße
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

(Übersetzung: Besser ein weiser Narr, als ein närrischer Weiser.)

Fienchen
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Re: Songtext im Roman erlaubt?

von Fienchen (10.11.2021, 08:47)
Guten Morgen Monika,

ja, das sehe ich eigentlich auch so. Ich habe ja noch ein wenig Zeit und überlege mir mal, ob ich den Verlag einfach mal anschreibe, der Sicherheit wegen.
Vielen Dank für deine Rückmeldung!

Schönen Gruß
Monika

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Volker Meyer
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Erfahrungsbericht aus meiner Praxis

von Volker Meyer (10.11.2021, 11:25)
Ich habe bisher nebenbei 3 Büchlein verfasst, die auf Bestellung, in sehr kleiner Auflage, direkt an die Auftraggeber gingen. Diese waren nie für den Handel bestimmt sondern zur privaten, unentgeltlichen Verteilung durch die Auftraggeber bestellt worden. Deswegen habe ich die als BoD-Fun Ausgaben drucken lassen.
In einem dieser Bücher ist auch der komplette Text eines Liedes abgedruckt.
Ich habe selbstverständlich die Rechteinhaber um Erlaubnis dazu gebeten und beschrieben wofür ich dies brauchen würde und in welcher geringen Auflage das Büchlein gedruckt werden würde.
Schon aus Höflichkeit, aber auch weil ich davon ausgehe, dass hier auch das Urheberrecht gilt.
Ich habe nicht nur innerhalb weniger Tage die Erlaubnis dafür bekommen, sondern es wurde mir sogar angeboten, mir die Notenzeilen dazu zukommen zu lassen. (Die ich allerdings gar nicht brauchte)
Es ist also nicht so unwahrscheinlich die Erlaubnis zum Abdruck zu bekommen, zumindest im Innland und bei geringen Auflagen und netten Rechteinhabern.
Und natürlich ist im Werk, im wahrsten Sinne des Wortes, vermerkt: "Mit freundlicher Genehmigung von ...".

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