Gendergerechte Sprache

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Arno Abendschön
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (04.08.2022, 17:53)
Das war eine deiner typischen Antworten, Hannelore - sie substanzarm zu nennen, wäre noch geschmeichelt. Ich könnte ebenso gut mit meinem Zimmerbesen eine Diskussion führen wollen. Du bist nicht gewillt und vielleicht auch unfähig, dich tatsächlich mit dem Stand von Wissenschaft und öffentlicher Debatte auseinanderzusetzen.

Kehren wir zum Thema zurück, und zwar zu Peter Eisenbergs These vom Gendern als Instrument in einem Geschlechtermachtkampf. Was man dagegen einwenden könnte, ist die große Zahl von Frauen, die sich öffentlich gegen das Gendern ausgesprochen haben, gerade solche mit speziellem beruflichem Hintergrund, darunter auch jüngere. Mag sein, dass Eisenberg vor allem jene schmale Schicht von Frauen im Blick hat, die Schlüsselpositionen in den Medien oder der Verwaltung innehaben. Ein Paradebeispiel dafür war die Ministerin a.D. Anne Spiegel. Ohne die Flut im Ahrtal wäre sie im Amt und in ihrem Sinne tätig geblieben. Es scheint also außerordentlicher Ereignisse zu bedürfen, damit solche Karrieren vorzeitig enden und ihre Schattenseiten einmal ins Licht der Öffentlichkeit geraten. Insgesamt finde ich Eisenbergs These dennoch etwas einseitig und der Komplexität des Phänomens nicht ganz gerecht werdend.
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Monika K.
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Re: Gendergerechte Sprache

von Monika K. (05.08.2022, 20:55)
Arno Abendschön hat geschrieben:
Kehren wir zum Thema zurück,


Gern. Das Thema das Threads war aber nicht eine willkürliche Sammlung von fremden Meinungsäußerungen, die dir in den Kram passen, sondern die Frage: "Wie haltet ihr es mit gendergerechter Sprache?" Die ist von deiner Seite längst beantwortet, sodass mir nicht ganz klar ist, was du hier die ganze Zeit eigentlich treibst, außer in einem unmoderierten und so gut wie gar nicht besuchten Forum einen Thread zu kapern und dir seit Monaten in unregelmäßigen Abständen selbst recht zu geben. :lol:

Amüsierte Grüße
Monika
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (05.08.2022, 21:57)
Monika scheint entgangen zu sein, in welchem Ausmaß hier Leserinteresse und -zugriff besteht. Oder ist es genau das, was sie in Wirklichkeit stört? Kulturpolitisch ist das Thema eines der gegenwärtig bedeutenderen und allein schon rein praktisch für jeden Autor relevant.

Was meine Aktivität hier angeht, so trage ich Nachrichten zu neuen Entwicklungen, Forschungsergebnissen usw. zusammen und ergänze sie gewöhnlich mit Anmerkungen oder Bewertungen. Ja, was in jüngster Zeit von den Linguisten Ewa Trutkowski und Helmut Weiß als Studie vorgelegt wurde, das halte ich weiterhin für mindestens erwähnenswert.

Zum jüngsten Ablauf hier: Ich habe jeweils nicht von mir aus die Diskussion wieder aufgenommen. In dem einen Fall habe ich auf eine Meinungsäußerung von Triskilia reagiert, in dem anderen Fall hat zunächst Hannelore Goos von einer interessanten Entwicklung bei der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft berichtet und ich habe daraufhin zu der Frage recherchiert, wie das Meinungsbild unter deutschen Linguisten insgesamt tatsächlich ist.

Monika verzerrt auf die von ihr gewohnte Weise diesen Ablauf, indem sie einen unsachlichen persönlichen Angriff startet. Für die Frage, wie man es als Autor mit gendergerechter Sprache hält, sind die Entwicklungen in der Forschung und in den Medien sowie die Akzeptanz in der Bevölkerung sehr wohl von Bedeutung. Wir schreiben doch gewöhnlich nicht für uns selbst oder nur eine kleine Clique.
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mtg
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Re: Gendergerechte Sprache

von mtg (06.08.2022, 09:03)
Arno Abendschön hat geschrieben:
Monika scheint entgangen zu sein, in welchem Ausmaß hier Leserinteresse und -zugriff besteht.

Arno Abendschön scheint entgangen zu sein, dass das »Ausmaß« des Zugriffs zu 99,9% aus Amüsement über die Komödie »Arno Abendschön führt Selbstgespräche« besteht. Tragisch ist nur, dass er selbst nicht merkt, dass er inhaltlich schon lange auf dem intellektuellen Sterbebett liegt. Aber jeder macht sich sein Leben ja selbst schön, gell Arno? :wink:

Nebenbei bemerkt: Es fällt auf, dass Du Dich grundsätzlich über die Form eines Themas auslässt, Dich aber nie mit seinem Inhalt, seiner Begründung, seiner Herkunft befasst – ebensowenig, wie Du an einer Diskussion interessiert bist. Du willst mit Gewalt Deinen Standpunkt durchsetzen, wirfst aber anderen vor, dass sie Dir ihre Meinung überstülpen wollen. Das ist eine absichtliche Verächtlichmachung des/der Gegenüber(s), die in diesem Land z. B. früher von der NSDAP oder heute von der AfD als Mittel zum Zweck eingesetzt wird. Leider (zum Glück) bist Du auch darin nicht sehr geschickt. Kein Wunder, dass Du in Foren – ich verweise auf einen Deiner anderen Einträge – nicht (mehr) gerne gesehen bist. In Deinem Leben gibt es halt nur Dich, Dich und Dich …

Und nun wieder zurück ins wahre Leben.

Falls jetzt wieder irgendwelche »typisch«-Tiraden kommen – lass es sein. Niemand nimmt Dich ernst. Du solltest auch damit aufhören!

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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (06.08.2022, 11:48)
Es ist zwecklos, auf die Anwürfe von mtg einzugehen. Das ist dieselbe Schmutzkampagne, dasselbe persönliche Verächtlichmachen wie früher, wenn ich in einer Sachdiskussion anderer Auffassung war als er. Da ist blanker Hass am Werk.

Nur für die übrigen Mitleser: Es lohnt sich, die jetzige Diskussion von Anfang an durchzugehen. Dann wird deutlich, wie differenziert Diskussion und Meinungsbild tatsächlich waren. Übereinstimmung konstatiere ich zum Beispiel mit den Beiträgen von Siegfried, Klaus H., Franz Hose, Margret, Patrick Wunsch und zum großen Teil auch Westfriend. Klar, ich habe hier die meiste Zeit und Energie investiert und eben deshalb soll ich jetzt isoliert und persönlich "fertiggemacht" werden. Da wird deutlich, welcher Ungeist auf der Gegenseite am Werk ist.

Die gesellschaftliche Debatte wird natürlich weitergehen. Wie es in den Zwangsbeglückungsanstalten öffentlichen Rechts tatsächlich zugeht, macht jetzt gerade die Affäre Patricia Schlesinger deutlich. Die Fassade dort: Einsatz für angeblich oder tatsächlich benachteiligte Gruppen, dahinter unverschämte Selbstbereicherung derjenigen ganz oben. Schlesinger wird genauso abtreten wie Anne Spiegel. Es scheint schon etwas dran zu sein an der Machtthese von Peter Eisenberg. Der Mann war übrigens Mitgründer und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft. Der RBB war hier ja auch schon mal Thema (vgl. meinen Beitrag vom 19.3.21).
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (06.08.2022, 16:52)
Die Auffassung, Gendern setze sich im Lauf des Generationswechsels ohnehin durch - oben hat Hannelore im Fall des Linguisten Peter Eisenberg ja zartfühlend die biologische Lösung des Problems angedeutet -, sie ist so illusionär wie alle Erwartungen in dieser Richtung. Hier ein Indiz:

https://www.bz-berlin.de/deutschland/ba ... er-sendung

Mit Zwang lässt sich vorübergehend Konformität herstellen (Studium, bestimmte Arbeitsplätze). Dennoch bleibt diese Kunstsprache, da nicht organisch entstanden und mit offensichtlich schweren Fehlern behaftet, ein Fremdkörper, den die gewachsene Sprache auf Dauer nicht akzeptieren wird.

Mein Rat an alle Autoren: Fallt nicht auf die Mär von der rosigen Zukunft des Gendern herein, ihr schadet euch und euren Texten auf Dauer damit beträchtlich. Diese Mär ist auch nur Propaganda.
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Hannelore Goos
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Re: Gendergerechte Sprache

von Hannelore Goos (11.08.2022, 07:19)
Hier hast du die Meinung der Mehrzahl der Linguisten (die ich schon kannte, weil ein anderer Linguist sie woanders auch schon so ausgedrückt hat:


https://zeitung.faz.net/fas/feuilleton/ ... ca33c9dd3b
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (12.08.2022, 21:45)
Frau Nübling, von der FAZ interviewt, versucht, ihre Position zu verteidigen. Besonders geschickt oder überzeugend ist sie dabei nicht. Selbst mir als einem Laien fällt sogleich offenkundig Unrichtiges auf. Sie sagt z.B.:

Gender als soziale Kategorie zeigt sich etwa darin, dass abwertende Bezeichnungen für homosexuelle Männer nicht, wie für männliche Personenbezeichnungen üblich, im Maskulinum stehen, sondern im Femininum, wie „die Schwuchtel“, „die Tunte“.

Das ist offenkundig falsch. Wahrscheinlich gibt es für die Personengruppe, der ich selbst angehöre, mehr abwertende Bezeichnungen im Maskulinum als im Femininum, wie z.B. Schwanzlutscher, Arschficker, warme Brüder, Päderast (lange für männliche Homosexuelle in Gebrauch) usw. Und gerade das einfache "der Schwule" war die längste Zeit rein negativ gemeint, bis es die Betroffenen selbst in Gebrauch nahmen und die Bewertung umkehrten. Auf Schulhöfen und generell unter jungen Menschen oder solchen von geringer Bildung ist es nach wie vor ein Schimpfwort, das verletzen soll, und das Maskulinum ist viel häufiger zu hören oder etwa in Schmierereien auf Wänden anzutreffen.

Frau Nübling betreibt Dünnbrettbohrerei. Ganz übel aber wird es, wenn sie am Schluss die realen Verhältnisse ins Gegenteil verkehrt:

Viele bringen sich in eine Opferposition, behaupten, ihnen würde eine neue Sprache vorgeschrieben. Niemand schreibt ihnen etwas vor, niemand muss seine Sprache ändern.

Als ob sich die Zustände an den Hochschulen und in vielen anderen Institutionen nicht inzwischen herumgesprochen hätten! Da wird ganz klar Zwang ausgeübt, seit einer Reihe von Jahren schon. Ich kenne selbst solche Beispiele aus der Berliner Humboldt-Universität: Wissenschaftliche Arbeiten werden von Professorinnen ohne Gendern nicht akzeptiert. Wenn Frau Nübling das wegzulügen versucht, macht sie sich insgesamt unglaubwürdig.

Was den ÖRR angeht, so wirft der Fall Schlesinger ja gerade ein grelles Schlaglicht auf die Szene: allumfassende Selbstherrlichkeit, bei der materiellen Selbstbedienung wie bei der durchgehenden Indoktrination der Zuhörer, die diese mehrheitlich nicht wollen, aber dafür zahlen und bei der Nutzung auch in Kauf nehmen müssen. Auch das ist Zwang, und zwar ein besonders perfider.
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Siegfried
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Re: Gendergerechte Sprache

von Siegfried (17.08.2022, 18:35)
Ich halte es bei der gendergerechten Sprache mit dem Vorschlag der FDP (auch wenn ich ansonsten kein Freund der FDP bin):

Um den Mangel an Fachpersonal zu beseitigen, ist eine ausreichende Zuwanderung auch und vor allem aus dem Nicht-EU-Raum notwendig. Die zugewanderten Menschen müssen vor allem eine Hürde überwinden: das Erlernen der deutschen Sprache. Selbst Menschen, die seit -zig Jahren in Deutschland leben und arbeiten, haben weiterhin Probleme mit der deutschen Sprache (in Schrift und Wort). Aber das trifft teilweise auch für bestimmte Kreise der "Bio-Deutschen" zu.

Nun wird die deutsche Sprache durch die Forderungen des Genderns immer komplizierter. Egal ob man mit Sternchen schreibt oder mit Unterstrich, ob man das Partizip Präsens substantiviert oder die Nutzung bestimmter Wörter kurzerhand untersagt - Deutsch wird komplizierter.

Nun schlägt die FDP vor, diese Hürde der deutschen Gendersprache - oder des Erlernens der deutschen Sprache an sich - zu umgehen, indem man Englisch als zweite Amtsprache in Deutschland einführt. Viele Unternehmen, insbesondere Großunternehmen, die weltweit agieren, haben Englisch bereits als "Firmensprache" eingeführt. Aktiengesellschaften führen ihre Hauptversammlungen mittlerweile in Englisch durch. Auch wenn das teilweise arges Pidgin-Englisch ist. Unbestätigten Gerüchten zufolge auch, weil man sich das Gendern ("liebe Aktionär*innen") mit den üblichen Fettnäpfchen ersparen will.

Noch wehren wir uns gegen die zweite Amtsprache Englisch. Auffallend ist aber, dass immer mehr englische Ausdrücke gerade da benutzt werden, wo das Gendern zu Problemen führt: Eine "Mannschaft", die nur aus Frauen besteht, kann es nach Genderrichtlinie nicht geben. Das vom Duden propagierte "Frauschaft" will sich selbst in Genderkreisen nicht durchsetzen. Daher werden solche Sportgruppen nahezu durchgehend als "Team" bezeichnet. "Mannschaft" würde ja zum Aufschrei führen.

Besonders heikel wird es allerdings, wenn selbst englischsprachige Fachausdrücke durchs Gendern müssen. Jetzt gibt es bereits "User*innen" und "Owner*innen" (Fachbegriffe aus der IT-Branche - aber noch heißt es nicht "Ich bin ein*e Star*in, holt mich hier raus!").

Ist Gendern also bereits ein Thema von gestern? Kommt als Ersatz die zweite Amtssprache Englisch, wo mit "driver" sowohl der männliche als auch der weibliche Autofahrer bezeichnet wird? Ist "Leser*in" zukünftig nur "reader"? Wird "Autor*in" einfach als "author" bezeichnet?

Ich bekomme echt Laune, den FDP-Vorschlag zu unterstützen und das gegenderte Deutsch aufs Abstellgleis zu schieben! :lol:

https://www.faz.net/aktuell/politik/inl ... 47934.html
file:///C:/Users/49151/Downloads/HV_Magazin_Recht_2015%20HCE.pdf
https://www.dw.com/de/herausforderung-e ... /a-1805008
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (19.08.2022, 22:39)
Auf die fürs Deutsche sich verschlechternde Konkurrenzsituation habe ich hier vor eineinviertel Jahren schon mal hingewiesen. Ich wiederhole mich:

Vergegenwärtigen wir uns dazu die internationale Situation des Deutschen. Seine Bedeutung schwindet seit Jahrzehnten weltweit langsam. Dieser Prozess dürfte sich fortsetzen bei starker Zunahme der Weltbevölkerung und Rückgang der Zahl deutscher Muttersprachler. In einer solchen Großwetterlage die eigene Sprache und ihre Stellung gegenüber konkurrierenden Kultursprachen durch mutwillige Reformen mit hohem Spaltungspotential zusätzlich zu schwächen, wovon zeugt das? Von großer Ignoranz. Es ist schwer zu begreifen, wie Schriftsteller, Journalisten, Verantwortliche in Ämtern, Medien, an Universitäten so töricht sein können, ihre eigene Position als Sprachproduzenten wegen einer linguistischen Fata Morgana mittel- und langfristig zu untergraben.

Man kann hier die gleiche Neigung zur Selbstbeschädigung wahrnehmen wie bei einigen anderen existenziell bedeutenden Themen. Da wo Stellschrauben betätigt werden, herrscht heute wohl oft die irrige Überzeugung, mit einem dicken Brett vor dem Kopf käme man gut durch eine Wand. Wir haben in Deutschland inzwischen nicht nur ein großes Problem mit dem Handwerkernachwuchs - auch die Elitenbildung funktioniert nicht mehr richtig. Die Einblicke in den Saustall an der Berliner Masurenallee - RBB genannt - werfen ein grelles Schlaglicht auf die Verhältnisse, die von Inkompetenz und zügelloser Selbstbedienungsmentalität geprägt sind. Und was geschieht im Sendealltag? Je schockierender die Enthüllungen, desto fanatischer wenden jetzt die Reporter und Redakteure die Genderei an. Als ob das eine Kompensation für den Verlust von Glaubwürdigkeit und eine Absicherung bedrohter beruflicher Existenz wäre. Tatsächlich entfremden sie damit die Mehrheit ihrer Zuschauer und Zuhörer noch mehr dem ÖRR.
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Christian79_dzf
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Re: Gendergerechte Sprache

von Christian79_dzf (27.08.2022, 14:00)
Die Diskussion als solche spaltet - und wird das in Zukunft sicher weiter tun. Daher zum ursprünglichen Thema, wie ich das als Autor handhabe, wozu ich gern ein paar Zeilen schreiben möchte …

Es fängt bei mir schon beim Titel an: Da kommt nun „Fahnder/innen“ statt wie früher „Fahnder“ (2007-2009) vor. Da hielt ich es angesichts der starken Frauenrolle und der Zeit heute für inkonsequent, hätte ich es nicht getan: Das Duo ist ein absolut gleichberechtigtes Pärchen. Wie soll ich das sonst kenntlich machen, wenn mir das wichtig ist?

Im Skript kommen z.B. Fahrer:innen vor, die bei einem Unfall am Anfang des Staus aus den Autos aussteigen oder Schüler:innen, die trotz eingeschalteter Sirene den Überweg an einer Ampel überwiegend hastig-schnell und vereinzelt langsam-gemächlich freimachen
Das Buch ist in der Ich-Form geschrieben und es ist unrealistisch, in der Situation genau die Summe der Geschlechter durchzuzählen und Diverse zu identifizieren. Wenn durch diese Darstellung jedoch alle inkludiert werden, find ich persönlich das okay. Ich akzeptiere das voll und ganz, dass es das so gibt. Falls es mir an einer andern Stelle einmal unbeabsichtigt durchgegangen ist, es so handzuhaben, bitte ich dieses zu entschuldigen

Bei wörtlicher Rede erlaubt sich nur die jüngste Kollegin, bei Pflegeakten von Patient:innen zu reden. Andererseits passiert es derselben Kollegin - als es nur um Mitarbeiterinnen geht - von „Mitarbeitern“ zu sprechen. Wenn wir reden, gehen uns tausende Dinge durch den Kopf, da passiert das. Es ist realistisch, dass das passiert. Manchen Charakteren würde es dafür im Traum nie einfallen zu gendern, diese kommen in deutlich größerer Anzahl vor. Es ist so, wie es in der Realität (heute) ist
Wer das Buch (2022 veröffentlicht) genau liest, wird jedoch merken, dass dieser Fall Januar/Februar 2020 spielt (erste Corona-Fälle), die Diskussion da ggf noch nicht die Dimension erreichte, wie zum Beginn dieses Threads, d.h. in wörtlicher Rede kommt es so gut wie gar nicht vor - das wird eher „zukünftig“ ein Thema werden, wie die verschiedenen Charaktere dieses (dann wohl auch sehr verschieden) handhaben werden - einfach ein Spiegelbild der Gesellschaft. Es gibt dazu sehr verschiedene Meinungen, und das soll sich widerspiegeln

Als Autor überlasse ich es verschiedenen Protagonisten, Meinungen dazu einzustreuen, quasi, um auf das Thema (und weitere) als solches hinzuweisen. So bezeichnet sich z.B. die Chefin als keine „Freundin von Sternchen und Doppelpunkten in Worten“, schränkt aber quasi diplomatisch auch ein: „Das wirkt - noch? - befremdlich.“ Das Thema wird nicht von vorne bis hinten durchdiskutiert, ich liefere nur Denkanstöße. So wie die Partnerin einmal äußert, dass eine Frau nicht dadurch stark sei, dass sie besonders derbe Worte in den Mund nähme - als Statement gegen die ausufernde Verwendung von „Fäkalsprache“, die ihr - aber ehrlich gesagt auch mir - zuwider ist

Abschließend möchte ich noch sagen: Ein Buch hat eine Handlung, die gefällt oder nicht - oder ist durchschnittlich. Es hat Protagonisten, die sind authentisch oder überzeichnet, die haben ansprechende oder abstoßende Eigenschaften, man kann sich mit ihnen identifizieren oder nicht. Ein Schreibstil gefällt oder nicht. Ein vorkommender Dialekt gefällt oder stößt ab. Optisch gefällt das Cover oder nicht. Der Umschlagtext weckt entweder Neugier oder ist langweilig. Ich habe mich (wie 2007 bereits) für eine Serien-Staffel mit acht Fällen entschieden statt einem Roman, manche mögen dieses „Neue“ / „Ungewohnte“, andere lehnen es ab und akzeptieren nur Romane. Zuguterletzt: Der Titel gefällt oder nicht … und es ist legitim, dass es verschiedene Meinungen zu all diesen Punkten (und weiteren, nicht genannten) gibt

Es gibt also tausende Dinge, zu denen man bei einem Buch eine Meinung haben kann - ABER: Was ich nicht mögen würde, ist, wenn ein Titel (genauer gesagt, darauf möchte ich hinaus, ein Gender-Titel) allein dafür sorgen würde, dass ein Buch generell (sein ganzer Inhalt, die vielen Protagonisten etc) von vorn herein automatisch schlecht ist. Nur wegen dem Titel? Das wär mir zu oberflächlich!

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Siegfried
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Re: Gendergerechte Sprache

von Siegfried (04.09.2022, 00:33)
Christian79_dzf hat geschrieben:
Nur wegen dem Titel? Das wär mir zu oberflächlich!


Was hältst du dann von so etwas:

"Der/die IT-Expert*in ist ein*e qualifizierte*r Fachexperte*in. Das kann sowohl ein*e User*in als auch der/die Owner*in der Software sein."

Oder wenn jemand im Buch sagt:

"Der Name der/des Absender*in*s ist uns (m/w/d) nicht bekannt."

Oder eine Situationsbeschreibung:

"Wir (m/w/d) standen auf der anderen Straßenseite, als die Tür der Bank sich öffnete und drei Bankräuber*innen herausstürmten. Eine*r trug blaue Jeans und so eine Motorradfahrer*innenhaube. Der/die Zweite hatte definitiv schwarze Haare, die er/sie als Zopf nach hinten gebunden hatte. Von dem/der Dritten kann ich nur sagen, dass er/sie das rechte Bein nachzog. Er/sie war offenbar verletzt. Am Straßenrand stand ein roter Pkw mit eine*r*m Autofahrenden am Steuer. Die drei Verbrecher*innen rannten zu dem Auto. Kaum waren die Bankräuber*innen eingestiegen, fuhr der/die Autofahrende mit quietschenden Reifen davon."

Anleitung zum korrekten Schreiben:

"Jede*r Deutsch-Lehrer*in, jede*r Schriftsteller*in, jede*r Scrabble-Spieler*in hat den Duden neben sich liegen."

Oder eine Streitszene:

"Diese gott*göttinverdammten Politiker*innen sind doch nichts weiter als Arschkriecher*innen! Das sind doch alles Vollidiot*innen! Die betrachten uns alle als blöde Untertan*innen! Da muss sich was ändern. Auf die Straße! Auch wenn wir alle als Terrorist*innen bezeichnet werden."

Zum Abschluss:

"Ich bin auf dem Einwohner*innenmeldeamt gelandet und habe das Gefühl, unter Nationalsozialist*innen gefallen zu sein. Sie wollen doch tatsächlich, dass ich meine Nachbar*innenschaft ausspähe. Ich bis doch kein*e Spio... äh ... keine auskundschaftende Person!"

Ja, lasst uns Bücher schreiben, die vollständig durchgegendert sind. Kein*e Ausländer*in thumbbup will dann noch die deutsche Sprache erlernen. Aber wir, wir werden auf der Insel der Glückseligen leben! Oder Englisch sprechen. :lol:
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Re: Gendergerechte Sprache

von Arno Abendschön (04.09.2022, 21:23)
Siegfrieds zahlreiche Beispiele belegen, dass sich die Gender-Methode nicht als Systematik eignet, da sie in der Praxis (fließende Rede oder laufender Text) nie lange durchzuhalten ist. Eine Sprachreform, die jedoch im Detail aus praktischen oder anderen Gründen gar nicht konsequent angewandt werden kann, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die Anwendung bleibt, wie jede Erfahrung zeigt, ins Belieben gestellt oder dem Zufall überlassen. Dadurch entstehen buntscheckige Muster, die den Leser oder Hörer durch ihren Variantenreichtum vom sachlichen Inhalt der Rede oder des Textes ablenken. Es drängt sich zwangsläufig der Eindruck eines Subtextes auf, auch wenn dieser oft gar nicht vorliegt. Statt sich ganz auf den Inhalt zu konzentrieren, fragt sich der Leser oder Hörer bald: Warum vermeidet der Autor in der ersten Hälfte seiner langen Periode das generische Maskulinum und verwendet es in der zweiten Hälfte dann doch wieder, was will er uns mit diesen Nuancen sagen? Möglicherweise dies oder das oder er war unkonzentriert oder er hat beim ersten Mal nur seine Pflichtübung absolviert.

Fazit: Eine wirklich konsequente Anwendung des Genderns macht Texte unlesbar, eine nur partielle installiert eine zweite Bedeutungsebene, die ebenso auf Kosten des Textverständnisses geht.
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Hannelore Goos
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Re: Gendergerechte Sprache

von Hannelore Goos (05.09.2022, 11:43)
Wie schön, dass die Herren sich einig sind

cheezygrin cheezygrin cheezygrin
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Re: Gendergerechte Sprache

von Siegfried (06.09.2022, 00:38)
Hannelore Goos hat geschrieben:
Wie schön, dass die Herren sich einig sind

cheezygrin cheezygrin cheezygrin


Ich bin mir ganz und gar nicht einig. Ich bekommen nur spitze Ohren wie ein Vulkanier (courtesy by Star Trek), wenn ich in den Fernsehnachrichten einen Satz höre wie:

"Die Soldaten beschossen Zivilisten und Zivilistinnen." (Quelle: Heute, Hauptnachrichtensendung des ZDF)

In diesem Moment frage ich mich, warum bei "Zivilisten" gegendert wurde, bei den "Soldaten" hingegen nicht. Hätte es nicht heißen müssen:

"Die Soldaten und Soldatinnen beschossen Zivilisten und Zivilistinnen"?

Das Problem ist nicht das Gendern - das Problem ist, dass es nicht konsequent durchgezogen wird, wenn es in der Öffentlichkeit benutzt wird.

Außerdem ist unschwer zu erkennen, dass beim Gendern im Singular die deutsche Sprache ausgesprochen sperrig ist. Wer also für das Gendern ist, soll es tun. Dann aber bitte in vollem Umfang und nicht dieses halbgare Zeug.

Also: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin oder Ihren Apotheker oder Ihre Apothekerin".

Wie gesagt, ich bin mir ganz und gar nicht einig.
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