Rechtliche Frage zu (online-)Vorlesung

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


Oliver-Heigl
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Rechtliche Frage zu (online-)Vorlesung

von Oliver-Heigl (23.11.2022, 19:37)
Guten Abend, liebe Autorengemeinde.

Ich werde aus dem Vertragswek nicht so ganz schlau.
Wenn ich das richtig lese,räume ich BOD ja das Recht zur Veröffentlichung für print, E-Book, aber auch Vertonung etc.
Trete ich damit meine Rechte daran ab?
Weiter heißt es ja sinngemäß, dass Bühnenauftritte, also Lesungen, in jedem Fall zulässig sind. Wie verhält es sich nun, wenn:

a. ich eine solche Lesung nicht selber durchführe, sondern jemanden damit beauftrage? (Über Sinn oder Unsinn soll hier nicht weiter spekuliert werden)
b. ich eine Lesung vornehme, jemand anderes hiervon eine Ton-, oder Videoaufzeichnung anfertigt und auf You Tube o.Ä. hochlädt?
c. diese Aufnahmen ohne Publikum gemacht werden bzw die Lesung online abgehalten wird?

Grundsätzlich war BOD, so habe ich vielerorts gelesen, im Bezug auf Audioaufnahmen absolut schmerzbefreit, da selbst nicht im Portfolio. Ab Frühjahr 23 will BOD ja nun aber den Hörbuchsektor ebenfalls abgrasen und könnte da nun etwas kleinlicher werden.

Hintergrund meiner Überlegungen: Ich hatte an eine Lesung gedacht - ganz klassisch, mit gebuchtem Saal o.Ä. und ggf interessiertem Publikum und anschließender Signierstunde. Mangels brauchbarer/verfügbarer7bezahlbarer Lokalität, kam der Gedanke auf, diese Lesung könnte auch online stattfinden. Spricht etwas dagegen? Letztlich bleibt es ja wie eine klassische Lesung - es wird auszugsweise vorgelesen und das Publikum sitzt eben nicht im Saal, sondern vor dem PC. Oder befinde ich mich bereits hier auf dem Holzweg?

Diese Überlegungen teilte ich einem Bekannten mit, welcher wiederum einen recht passablen Draht zu einer einigermaßen bekannten You Tuberin hat. Die würde nun diese Lesung abhalten wollen. Sie ist davon überzeugt, dass das ihre Zuschauer interessiert - ich davon, dass ihre Reichweite für mich ein mega Sprungbrett darstellt.
Allerdings will ich weder sie noch mich in Schwierigkeiten bringen...

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Monika K.
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Re: Rechtliche Frage zu (online-)Vorlesung

von Monika K. (24.11.2022, 09:46)
Ich habe mir bei BoD per E-Mail die Erlaubnis eingeholt, Teile meiner Bücher (Kurzgeschichten oder Gedichte) als Tonaufnahme veröffentlichen zu dürfen. Die bekam ich zeitnah und ohne Diskussion.

Das hilft dir zwar nicht bei der Frage weiter, wie das jetzt bzw nächstes Jahr prinzipiell rechtlich aussieht, aber ich würde mich an deiner Stelle auch nicht auf die Aussagen Fremder in einem scheintoten Forum verlassen, sondern mir für ein konkretes Vorhaben vom Vertragspartner die Erlaubnis einholen. Die Antwort kann zwar jetzt im Weihnachtsgeschäft vermutlich etwas länger dauern, ist jedoch verbindlich, und du bist auf der sicheren Seite. Wichtig ist, dass du genaue Angaben zum Umfang (Ganzes Buch oder Teile davon?), zum Ort und zur Form der Veröffentlichung machst, um ein Nein zu vermeiden, das lediglich aus Zeitgründen eine lange Diskussion verhindern soll.

Viele Grüße
Monika
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(Übersetzung: Besser ein weiser Narr, als ein närrischer Weiser.)

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mtg
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Re: Rechtliche Frage zu (online-)Vorlesung

von mtg (24.11.2022, 10:06)
Ich weiß, ehrlich gesagt, nicht, wo hier das Problem ist. BoD lässt sich die Rechte für eine Veröffentlichung einräumen. Der Mitschnitt einer Veranstaltung, selbst wenn er »veröffentlicht« wird, ist aber keine Veröffentlichung im Sinne des Vertrags. Wäre das so, wäre es jede Lesung auch.

Wer keine Probleme hat, macht sich welche. Und damit bin ich wieder 'raus.

Oliver-Heigl
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Re: Rechtliche Frage zu (online-)Vorlesung

von Oliver-Heigl (25.11.2022, 21:46)
mtg hat geschrieben:
Ich weiß, ehrlich gesagt, nicht, wo hier das Problem ist. BoD lässt sich die Rechte für eine Veröffentlichung einräumen. Der Mitschnitt einer Veranstaltung, selbst wenn er »veröffentlicht« wird, ist aber keine Veröffentlichung im Sinne des Vertrags. Wäre das so, wäre es jede Lesung auch.

Wer keine Probleme hat, macht sich welche. Und damit bin ich wieder 'raus.


So einfach ist das eben nunmal nicht. Eine Lesung ist gem. Vertrag zulässig. Genauer gesagt wird von einem Bühnenauftritt gesprochen. Wenn jemand eine Video oder Audioaufnahme von dieser Lesung fertigt/veröffentlicht könnte das problematisch werden. Die rechtliche Definition von Veröffentlichung ist hier die Frage.
Auf YT beispielsweise gibt es insbesondere bei ASMR Videos häufiger Vorlesungen. Und eben genau wegen der Urheberrechtsgeschichte i.d.R. nur von Werken längst berblichener Autoren.

Oliver-Heigl
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Re: Rechtliche Frage zu (online-)Vorlesung

von Oliver-Heigl (25.11.2022, 21:50)
Monika K. hat geschrieben:
Ich habe mir bei BoD per E-Mail die Erlaubnis eingeholt, Teile meiner Bücher (Kurzgeschichten oder Gedichte) als Tonaufnahme veröffentlichen zu dürfen. Die bekam ich zeitnah und ohne Diskussion.

Das hilft dir zwar nicht bei der Frage weiter, wie das jetzt bzw nächstes Jahr prinzipiell rechtlich aussieht, aber ich würde mich an deiner Stelle auch nicht auf die Aussagen Fremder in einem scheintoten Forum verlassen, sondern mir für ein konkretes Vorhaben vom Vertragspartner die Erlaubnis einholen. Die Antwort kann zwar jetzt im Weihnachtsgeschäft vermutlich etwas länger dauern, ist jedoch verbindlich, und du bist auf der sicheren Seite. Wichtig ist, dass du genaue Angaben zum Umfang (Ganzes Buch oder Teile davon?), zum Ort und zur Form der Veröffentlichung machst, um ein Nein zu vermeiden, das lediglich aus Zeitgründen eine lange Diskussion verhindern soll.

Viele Grüße
Monika


Auf Antwort von BOD warte ich zu anderen Themen seit Wochen vergeblich. Wir sprachen bereits an anderer Stelle darüber.

Rein interessehalber: Was versuchst du mit dem Permanent-Hinweis, dass dieses Forum tot ist?

Ich erwarte hier selbstredend keine rechtsverbindliche Auskunft, hatte aber auf Hinweise/Denkanstöße gehofft, nach denen ich meine Recherche zu Gesetzestexten oder Urteilen ausrichten kann.

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mtg
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Re: Rechtliche Frage zu (online-)Vorlesung

von mtg (26.11.2022, 14:28)
Oliver-Heigl hat geschrieben:
So einfach ist das eben nunmal nicht.

Doch, ist es. »Veröffentlichungen« im Sinne des Vertrags sind Buch, E-Book oder Hörbuch (das ich mir z. B. habe freigeben lassen, da BoD es nicht im Angebot hatte). BoD hält die Veröffentlichungsrechte an den Titeln und nicht an deren Vermarktung.

Eine öffentliche Lesung ist eine Lesung – und als solches eine Marketingmaßnahme. Da ist es egal, ob das Publikum im Saal sitzt oder vor dem Monitor. YT-Lesungen hat es von Forenteilnehmern schon vor 15 Jahren gegeben … und wenn es der Bekanntmachung oder gar dem Verkauf von Büchern dient – warum sollte BoD etwas dagegen haben?

Jetzt bin ich aber wirklich 'raus.

Nachtrag:
Oliver-Heigl hat geschrieben:
Auf YT beispielsweise gibt es insbesondere bei ASMR Videos häufiger Vorlesungen. Und eben genau wegen der Urheberrechtsgeschichte i.d.R. nur von Werken längst berblichener Autoren.

Bitte bringe nichts durcheinander, das nicht zusammengehört … denn das ist etwas völlig anderes. Hier geht es um die Vermeidung von anfallenden Gebühren für die VG Wort beim Vortrag aus Werken fremder Autoren. Das muss nämlich angemeldet (und bezahlt) werden. Aus Deinem eigenen Buch kannst Du nach Herzenslust vorlesen (lassen), bis die Buchstaben aus den Seiten kullern …

Wolfsland
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Re: Rechtliche Frage zu (online-)Vorlesung

von Wolfsland (18.12.2022, 18:22)
Ich denke bei der Klausel geht es um Hörbücher. Jede Form der Werbung kann BOD ja nur recht sein.
Und auch bei Hörbüchern ist BOD sehr kooperativ, wenn man nur nachfrägt.
In kurz: Online-Lesung ist kein Problem. Wenn bei der Lesung aber das ganze Buchvorgelesen wird, dann ist es ein Hörbuc und du solltest Dir die Hörbuchrechte von BOD geben lassen.

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mtg
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Re: Rechtliche Frage zu (online-)Vorlesung

von mtg (22.12.2022, 12:00)
Wolfsland hat geschrieben:
Wenn bei der Lesung aber das ganze Buchvorgelesen wird, dann ist es ein Hörbuc und du solltest Dir die Hörbuchrechte von BOD geben lassen.


Wer bei einer Lesung das gesamte Buch vorliest, hat das Prinzip einer Lesung nicht verstanden ;-)

Das wird den TE nicht mehr interessieren. Aber sein Verhalten trägt eben dazu bei, dass das Forum nur noch wenig genutzt wird: Fragen stellen, Antworten in Frage stellen, falsche Schlüsse ziehen, sich nicht mehr melden … und erst recht nicht mal »Danke« o. ä. sagen … thumbdown:

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