Beginn von "Das zweite Ende einer langen Geschichte&

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solastyear
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Beginn von "Das zweite Ende einer langen Geschichte&

von solastyear (24.03.2008, 10:24)
Das zweite Ende einer langen Geschichte

Eine Kurzgeschichte darüber, was passiert, wenn ein sich selbst als perfekt darstellender Mann seine "Perfektion" verliert..

Eigentlich hatte er nie den Traum des ewigen, glücklichen Lebens. Den Traum des in einer Zauberwelt stehenden sprudelnden Jungbrunnens, der ihn langsam, leise - ja, fast schon mit erschreckender Unbekümmertheit - auf Ewigkeit gesund sowie unsterblich werden ließ. Er hatte schließlich aus der Vergangenheit gelernt, früh erkannt, was es bedeutet, Mensch zu sein. Realistisch zu sein.

Doch jetzt, da er einfach nur so im Raum lag, sehnte er sich fast schon nach diesem eigentlich nicht vorhandenen Gefühl der Macht über Krankheiten und sogar den Tod. Er erhoffte sich, endlich diesem beruhigenden Feengesang lauschen zu können, den er mit dem Konsum des Brunnenwassers verband.

Platsch, der Wind trug ihm große Regentropfen heran, zog an seinem kleinen Hauptquartier inmitten der Stadt Bad Nauheim vorbei und riss ihn plötzlich aus seiner Welt. Ich sage bewusst nicht Traumwelt, denn mittlerweile lebte er fast schon nicht mehr in jener zu zwei Dritteln mit Wasser bedeckten Erde, die wir allzu gut kennen.
Er brauchte es einfach, brauchte diese Ablenkung - verdammt! Er musste dieses Elixier haben, das längst zu einem essenziellen Bestandteil seines träumerischen Alltags geworden war.

Seit Wochen hatte er sich heimlich von seinem Arzt Morell untersuchen lassen, welcher stets eine Röntgenaufnahme für dringend erforderlich hielt, von ihm aber zurückgewiesen wurde.
Was sollte er bloß damit? Hatte ein Quaksalber für Harn- sowie Geschlechtskrankheiten ihm zu sagen, was er tun sollte? Ihm, der führenden Kraft eines großen Systems?
Nein, nein, nein. Das Bild des gesunden Mannes würde er auch weiterhin an die Öffentlichkeit tragen! Vielleicht war diese Einstellung auch die Wurzel seines Übels - er wusste es nicht, wollte es auch gar nicht wissen. Er war zu schwach, um wirklich gegen seine Syndrome anzukämpfen, doch nicht zu schwach für die Agonie, die in zweierlei Hinsicht bevorstand. Er wollte stark sein, musste stark sein, denn er hatte schließlich seine äußere Haltung zu wahren!

Ein Zucken. Sein linker Arm machte sich selbstständig. Wiedermal. Ein weiteres Mal. Zum verfluchten tausendsten Mal! Angst, Wut, Verzweiflung - all das waren Gefühle, die seinem momentanen Zustand mit Leichtigkeit zuzuordnen waren. Bilder zogen an ihm vorbei - Krieg und Kampf, Niederlage und Neuanfang, wachsende Stärke und Sieg und dann dieser Anschlag.
Dieser hinterhältig geplante Anschlag. Selbst, wenn er scheinbar Glück und einen Schutzengel besaß, war ihm klar, dass doch erst mit jenem Attentat auf seine Person die wirklichen Schwierigkeiten entstanden, mit denen er nun zu kämpfen hatte. Er legte seinen rechten auf den gegenüberliegenden Arm, packte fest zu und verharrte in dieser Haltung, bis das nun nahezu unsichtbare Zucken verschwand. So, wie es immer war. Der immer gleich ablaufende Teufelskreis. Er konnte seine Krankheit lange verstecken, konnte sie meist vertuschen, aber es würde ihm nicht ewig möglich sein. Und was wäre dann? Was würde passieren, wenn ein sich selbst als perfekt darstellender Mann seine Perfektion verliert?
Er wusste es ganz genau, schließlich hatte er die Gesellschaft im Hier & Jetzt geprägt. Damals schwor sie ihm ewige Treue, doch er war ja überhaupt nicht mehr er selbst, war lediglich eine von Anfällen und Ängsten gesteuerte Hülle, die auf Besserung hoffte.


Ihr aber lernet, wie man sieht statt stiert
Und handelt, statt zu reden noch und noch
So was hätt einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
Dass keiner uns zu früh triumphiert
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!
- Bertolt Brecht - Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui
Zuletzt geändert von solastyear am 25.03.2008, 10:18, insgesamt 1-mal geändert.

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SandraR
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Re:

von SandraR (24.03.2008, 10:35)
Ich denke es ergeben sich einige Fragen:
Wer ist die Zielgruppe? Schachtelsätze sind ohne Frage aktraktiv, allerdings nur für eine Minderheit der Leser.
Die Frage wäre also, kann die Zielgruppe Schachtelsätzen etwas abgewinn oder sollte die Sprachform nicht einfacher gewählt werden?
Ich würde mal meinen, weder der Konjunktiv noch die Schachtelsätze sind für ein Massenpublikum akzeptabel. Geht es um Verkaufszahlen, dann vereinfachen, geht es um literarische Sprache, weiter machen aber einige Sätze umkehren.
Sandra
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solastyear
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Re:

von solastyear (24.03.2008, 10:38)
Nunja, das Thema ist wahrscheinlich sowieso nicht massentauglich, also von daher - wobei es das eigentlich auch keineswegs sein sollte. Es ging mir um das Schreiben an sich, ist ja quasi mein "Erstlingswerk".


Dank dir!

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SandraR
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Re:

von SandraR (25.03.2008, 05:18)
Warum denkst Du das Thema ist nicht Massentauglich? Warum soll es dies partou auch nicht sein?
Der kurze Auszug laesst doch einiges erwarten was die Tauglichkeit anbelangt cheezygrin .
Ich weiss nicht ob Georg Orwell sich fuer Massentauglich hielt. Auf Grund von Macht seine Krankheiten zu verstecken, haetten wir bei F. Mitterand und Deine Figur scheint mehr Macht zu haben.
Sandra
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HuWes
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Re: Beginn von "Das zweite Ende einer langen Geschichte

von HuWes (25.03.2008, 08:26)
solastyear hat geschrieben:
Seit Wochen hatte er sich heimlich von seinem Arzt Morell untersuchen lassen


"Arzt" und "Morell" - oha! War da nicht was?

http://de.wikipedia.org/wiki/Theo_Morell

solastyear
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Re: Beginn von "Das zweite Ende einer langen Geschichte

von solastyear (25.03.2008, 09:24)
HuWes hat geschrieben:
solastyear hat geschrieben:
Seit Wochen hatte er sich heimlich von seinem Arzt Morell untersuchen lassen


"Arzt" und "Morell" - oha! War da nicht was?

http://de.wikipedia.org/wiki/Theo_Morell

Richtig. Richtig. Bist der Erste, der es von alleine herausfand. thumbbup Nunja & genau deshalb ist es nicht für die Masse geschrieben.

Noch bisschen 'was zum Text: (nicht, dass man mir nun rechte Ansätze vorwirft)
Ich denke, durch die Wende am Ende und einigen Bemerkungen zwischen den Zeilen, wird der Leser früh genug darauf kommen, wer das ist, aber vorher muss die Bewertung kommen, der Leser muss eine objektive Meinung bekommen (die natürlich durch die Ausdrucksweise und Gefühlswelt [hoffentlich] in die "richtige" Richtung gelenkt wird) & danach wird er mit der Tatsache konfrontiert, dass dieser Mann eben der Mann ist, der er ist. Find' ich ganz "amüsant" dieses Spiel mit dem Leser. Und dessen Meinung.

"Das zweite ENDE einer langen Geschichte" soll einfach andeuten, dass diese Geschichte zwar - wie gesagt - historische Hintergründe besitzt, aber keineswegs so ausgehen wird, wie man es wegen des Allgemeinwissen über die Zeit des 2. Weltkrieges gewohnt ist. Es spielt auf den "zweiten Weg", ein mögliches, aber geschichtlich nicht entstandenes Ende an.

HuWes
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Re: Beginn von "Das zweite Ende einer langen Geschichte

von HuWes (25.03.2008, 10:01)
solastyear hat geschrieben:
Richtig. Richtig. Bist der Erste, der es von alleine herausfand.


Geht eben nichts über eine gesunde Halbbildung! cheezygrin

solastyear
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Re: Beginn von "Das zweite Ende einer langen Geschichte

von solastyear (25.03.2008, 10:01)
HuWes hat geschrieben:
solastyear hat geschrieben:
Richtig. Richtig. Bist der Erste, der es von alleine herausfand.


Geht eben nichts über eine gesunde Halbbildung! cheezygrin

Hehe. So ist das. cheezygrin

solastyear
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Re:

von solastyear (25.03.2008, 10:18)
neue version online. :) bitte um zahlreiche kritik!

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Birgit Fabich
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Re:

von Birgit Fabich (25.03.2008, 10:23)
Ich verstehe die Eingangsfrage nicht.
Wieso stellt sich Dir die Frage, ob Du weiterschreiben sollst oder nicht?
Hast Du genügend Ideen, um sie weiterzuschreiben, ist sie Deiner Meinung nach wert erzählt zu werden?
Willst Du im Vorfeld abklären, ob sich eine Leserschaft dafür findet?
Fragst Du erst, um im Nachherein sagen zu können: ihr habt aber gesagt...?

Jeder ist seines Glückes Schmied.

solastyear
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Re:

von solastyear (25.03.2008, 10:25)
Das "Weiterschreiben" war hier mehr auf die Frage bezogen, ob der Text in dieser Form in Ordnung sei & ich mich nun an das "Weiterschreiben" begeben könne. Ich betreibe hier keine Marktforschung. ;)

Naja, die Frage ist ja jetzt sowieso weg.

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Birgit Fabich
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Re:

von Birgit Fabich (25.03.2008, 10:35)
ups, dann habe ich zu lang für meine Antwort gebraucht,

ziehe es also zurück,
wie man es löschen kann weiß ich leider nicht
Gruß Birgit

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Re:

von solastyear (25.03.2008, 10:40)
Macht ja nichts. :) Irgendwelche Kritik zum Text?

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Birgit Fabich
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Re:

von Birgit Fabich (25.03.2008, 10:55)
Achso, es geht um den Text!?

Ich hatte ihn gelesen, nun steht ein anderer drin, bzw geändert. Ich bin wirklich zu langsam. Nachher stimmt meine Antwort wieder nicht mehr, weil es sich davor ändert, das finde ich eigentümlich...

Den Einleitungssatz brauche ich nicht, weil ich dann immer schon weiß worauf ich achten soll.
Ich finde es schöner einfach zu lesen und zu gucken, ob ich auf dieselbe Idee komme.

ein gut gestalteter innerer Monolog (zumindest die Fassung, die ich gelesen habe)

solastyear
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Re:

von solastyear (29.03.2008, 12:31)
dank dir!

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