Warten auf den Himmel

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floatexpert
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Warten auf den Himmel

von floatexpert (28.03.2008, 19:23)
Die Dämmerung war herein gebrochen. Vereinzelte Nebelschwaden lagen über dem kleinen Dorf.
Magdalena saß in ihrem Schaukelstuhl, die alte rotgrün- karierte Wolldecke fest um die Beine gewickelt. Ihre Hände, faltig und mit Altersflecken übersät, lagen in ihrem Schoß. Der Blick ging durch das Fenster hinaus in die aufziehende Dunkelheit.
In einem unregelmäßigen Rhythmus bewegte Magdalena mit dem rechten Fuß den Schaukelstuhl.
Um diese Zeit kam Jonathan immer nach Hause. Sie stand in der Küche, richtete liebevoll das kalte Abendbrot für sie beide.
Bevor Jonathan zu ihr in die warme Küche kam, ging er geradewegs ins Bad. Magdalena musste ihn nicht sehen um genau zu wissen was er tat. Wie bei einem Ritual betrat er das Badezimmer, entledigte sich seiner Arbeitskleider, duschte sich und zog sich, die von ihr bereitgelegten Feierabendkleider, an. Besonders auf seine heiß geliebte Strickjacke legte er großen Wert. Erst dann trat er in die Küche, gab ihr einen Kuss auf den Nacken und setzte sich an den Tisch.
Während dem Essen erzählte jeder von seinen Tageserlebnissen.
Solange Magdalena das Geschirr abwusch, ging Jonathan schon ins Wohnzimmer, legte die müden Beine hoch und wartete auf sie.
Manchmal sahen sie sich einen Film an, aber meistens hielten sie sich an den Händen und redeten über Gott und die Welt.
Punkt Elf gingen sie ins Bett, schliefen dicht an dicht miteinander ein.
Vierzig Jahre das gleiche Ritual, selten gab es eine Abweichung, sie waren sich selbst genug. Zwei Seelen, die sich gesucht und gefunden hatten.
Kinder waren ihnen nicht vergönnt gewesen. Nach der ersten Trauer über diesen Umstand arrangierten sie sich mit der ungewollten Zweisamkeit.
Gemeinsam hatten sie viele Teile der Erde gesehen, Erlebnisse geteilt. Kinder fehlten ihnen nicht mehr.
Bis. Ja, bis Jonathan ging. Einfach so. Nicht mal verabschiedet hatte er sich.
Magdalena schwankte zwischen Wut und Trauer. Wie konnte er sie nur allein lassen?
Er war ihr Lebensinhalt gewesen. Die Zeit ohne ihn… sie wusste die Leere nicht zu füllen.
Es gab keine Kinder die sie besuchen kamen, sie brauchten, da waren in der schweren Zeit.
Magdalena war einsam. Verloren auf dieser Welt, in diesem Haus, in diesem Leben.
Magdalena wartete jeden Abend auf Jonathan. Irgendwann würde er kommen und sie mitnehmen. Dann wären sie endlich wieder vereint.
Vereint im Himmel.

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Irrlicht
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Re: Warten auf den Himmel

von Irrlicht (28.03.2008, 19:41)
floatexpert hat geschrieben:
In einem unregelmäßigen Rhythmus bewegte Magdalena mit dem rechten Fuß den Schaukelstuhl.
Um diese Zeit kam Jonathan immer nach Hause. Sie stand in der Küche, richtete liebevoll das kalte Abendbrot für sie beide.


Ich weiß nicht, ob Du überhaupt so dezidierte Kritik wünschst - wenn nicht, dann ignorier es einfach.

Über diese Stelle bin ich sofort gestolpert.
Wieso steht sie in der Küche, ich denk sie sitzt im Schaukelstuhl?!
Im dritten Anlauf wurde mir klar, dass an der Stelle der Rückblick beginnt - aber der oberflächliche Leser könnte an der Ungereimtheit scheitern.

floatexpert
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Re:

von floatexpert (28.03.2008, 22:10)
hallo irrlicht

natürlich erwünsche ich mir hier kritik cheezygrin

mhh..die besagte stelle*grübel, wie ich den zeitsprung bessser darstellen kann*..

Danke!

LG

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Judith
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Re:

von Judith (28.03.2008, 23:16)
Mhm, mit dem Zeitsprung habe ich auch ein Problem. Entweder muss der Anfang in einer anderen Zeit geschrieben werden, oder das Folgende. Aber beides im Imperfekt geht nicht.

Während dem Essen erzählte jeder... Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. zwinker::

Bis ... Ja, bis

Grüßle,
Judith
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Tommy
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Re:

von Tommy (03.04.2008, 11:31)
Was hältst du von folgender Lösung:

In einem unregelmäßigen Rhythmus bewegte Magdalena mit dem rechten Fuß den Schaukelstuhl. Um diese Zeit kam Jonathan immer nach Hause ...

Sie steht in der Küche, richtet liebevoll das kalte Abendbrot für sie beide. Bevor Jonathan zu ihr in die warme Küche kommt, geht er geradewegs ins Bad. Magdalena muss ihn nicht sehen, um genau zu wissen, was er tut. Wie bei einem Ritual betritt er das Badezimmer, entledigt sich seiner Arbeitskleider, duscht sich und zieht sich die von ihr bereitgelegten Feierabendkleider an. Besonders auf seine heiß geliebte Strickjacke legt er großen Wert. Erst dann betritt er die Küche, gibt ihr einen Kuss auf den Nacken und setzt sich an den Tisch. Während des Essens erzählt jeder von seinen Tageserlebnissen. Solange Magdalena das Geschirr abwäscht, geht Jonathan schon ins Wohnzimmer, legt die müden Beine hoch und wartet auf sie (...)

Jetzt war er fort. Einfach so. Nicht mal verabschiedet hatte er sich. Magdalena schwankte zwischen Wut und Trauer. (...)



Also, ein Wechsel ins sog. *historische Präsens*: das Vergangene wird in der Gegenwartsform erzählt und so als innerer Monolog kenntlich. Die drei Punkte unterstreichen noch zusätzlich, daß es sich um einen Gedankenstrom handelt. Ab "Jetzt war er fort" wechselst du wieder ins Imperfekt, und das bleibt dann auch bis zur Auflösung, dem Ende der Geschichte, so.

Wäre meine Idee dazu.

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