Erotik oder Por... ?

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


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hawepe
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Re:

von hawepe (28.05.2008, 08:54)
Hallo Hans,

hwg (Moderator) hat geschrieben:
Und weil von BoD-Büchern, die wegen eines möglicher Weise "pronografischen" Inhalts keine Chance haben, auf den Ladentisch eines Buchhändlers zu kommen, die Rede ist - auch welches "brave" BoD-Buch hat denn überhaupt diese Chance?


Breit gestreut nicht, aber hier haben doch schon etliche, vor allem Autorinnen berichtet, dass direkt angesprochene Buchhaendler ihre Buecher ausgelegt haben.

Gravierender sind aber die Einschraenkungen im Internetverkauf. Amazon gibt sich z.B. mit solchen Titeln wegen des Aufwandes mit der Alterskontrolle nicht ab. Und ich kenne auch keinen anderen grossen Online-Haendler, der solche Buecher anbietet.

Beste Gruesse,

Heinz.

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PvO
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Re:

von PvO (28.05.2008, 08:54)
Es gibt ganz klare Grenzen. Verboten ist: Sado Masochismus, Sex in Verbindung mit Gewalt (strafbare Gewalthandlung), Sodomie, Sex mit Minderjährigen, Sex in Verbindung mit rassischtischen Äußerungen und Frauenfeindlichkeit. Natürlich gibt es da auch konkrete Paragraphen für.
In Deutschland gibt es mehrere Pornoverlage. Spontan könnte ich drei namentlich nennen. Mit einem Verleger konnte ich mich unterhalten. Es sei z.b. schwierig, einen Internethandel aufzubauen, weil der potentielle Käufer einen Altersnachweis erbringen muss. Das geht nur mit einer beglaubigten Kopie seines Ausweises. Natürlich gibt es noch weitere Daumenschrauben.
Bei meinen Roman "Eine Hure liebt man nicht", verweise ich drauf, dass er nicht für Minderjährige geeignet ist, wenn er denn bei mir gekauft wird.

frangsen
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Re:

von frangsen (28.05.2008, 09:11)
Das Risiko. wenn etwas als pornografisch anzusehen ist, liegt selbstverständlich darin, dass es nicht mehr normal über den Ladentisch gehen darf. Das Risiko liegt aber auch (und vor allem) darin, dass es strafbar ist, pornografische Schriften freizugänglich zu machen.

Eigentlich sagt Meiers Lexikon (s. obiger Link) "alles", zumindest, was zunächst (etwas abstrakt) maßgeblich ist.

VGe Frank

houdini
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Re:

von houdini (28.05.2008, 11:30)
Mal abgesehen von fragwürdigen Praktiken: Es ist doch aber auch ein Unterschied bei "normalen" Szenen wie die dann beschrieben werden.

Oder mal direkt: Da ist dann Frage ob man eher "Schwanz" oder
"sein harter Lustdolch" schreibt/ schreiben darf/muss.

Vermissen tu ich hier noch Beiträge der schreibenden Damen.
Danielle Behr z.B. ist hier doch auch vertreten?!

@PvO
Echt? Verlage die nicht freiverkäufliche Bücher verlegen? Das stelle ich mir als schwieriges Geschäft vor. Nenn doch mal welche, würde mich ja interessieren.

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (28.05.2008, 11:48)
Naja, man könnte die Sache auch von hinten angehen :shock:: cheezygrin :

Gerade wenn ein Buch ein bisschen "heikel" ist (nicht verboten) und Buchhändler sich ein wenig schämen, kann das eine perfekte Steilvorlage für eine Marketingstrategie sein.
Je "verbotener" und "gewagter" sich etwas anhört, desto "geiler" werden die Käufer darauf.
Allein der Werbeauspruch: "Den Buchhändlern ist "..." zu heiß!", weckt doch schon Interesse.

Möglicherweise ist die genaue Kenntnis über das, was sein darf und das, was nicht mehr sein darf, nicht nur rechtlich interessant, sondern auch werbetechnisch. Je knapper man an den Grenzen spielt, desto sabbernder die Zielgruppe (siehe eben "Feuchtgebiete". Das Buch soll zwar sch.... sein, aber es hat sich verkauft dozey: ).

Ob man soweit gehen will, sich soweit schriftstellerisch verbiegen will, ist natürlich eine andere Frage.
Es wäre aber mal ein interessanter Versuch.
Nur weil eine Moralvortsellung sagt: Darüber spricht man nicht, wäre es Grund genug, genau das zu tun.
Moral ist ohnehin ... seltsam? Wir haben zwar Moralvorstellungen, aber fast jeder wird doch zugeben, dass eine Überschreitung jener manchmal äußerst prickelnd ist :twisted:

Gruß
Hakket

BERGER
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Re:

von BERGER (28.05.2008, 14:57)
PvO hat geschrieben:
Es gibt ganz klare Grenzen. Verboten ist: Sado Masochismus, Sex in Verbindung mit Gewalt (strafbare Gewalthandlung), Sodomie, Sex mit Minderjährigen, Sex in Verbindung mit rassischtischen Äußerungen und Frauenfeindlichkeit.


in realen leben vielleicht, aber es ist ja nicht verboten, darüber zu schreiben! und sodomie ist auch nicht (mehr) verboten. und sm kann auch jeder machen, also wirklich. (wir sind hier ja nicht in den usa ...)

faldbakkens (höchst satirische) bücher sind beispielsweise voll mit rassistischen bemerkungen und wunderlichen sexualpraktiken. sogar verfassungsfeindliche symbole sind dort zu sehen! und trotzdem liegt es in den buchläden herum. so what? (in meiner lieblingsbuchhandlung steht ein extra regal bereit, das einiges an "schlüpfriger" literatur bietet ... oijoijoi!)

julia07
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Re:

von julia07 (01.06.2008, 11:45)
houdini hat geschrieben:
Vermissen tu ich hier noch Beiträge der schreibenden Damen.
Danielle Behr z.B. ist hier doch auch vertreten?! .

Als eine der betroffenen und hier anwesenden "Damen", möchte ich Dir antworten.

Als Erstes ein paar Worte zu "Feuchtgebiete":

Für mich hat das, was Charlotte Roche beschreibt, weder mit Pornografie und schon gar nicht mit Erotik zu tun, denn es ist eine mehr oder weniger geschmacklose Beschreibung unseres eigenen Körpers. Übrigens ist diese Art der Darstellung ja auch nicht ihre Erfindung, denn ich kann mich daran erinnern, einmal eine antiquarische Originalausgabe des 'Marquis de Sade' gelesen zu haben, in der auch derart unappetitlichen Beschreibungen (und Schlimmeres) enthalten waren. Ob man das nun als lesenswert bezeichnet oder nicht, mag jeder selbst entscheiden. Mir persönlich bringen solche literarischen Ergüsse jedenfalls keinen Gewinn, denn Lesen soll mir Freude bereiten, anstatt mich anzuekeln oder es soll mich belehren bzw. informieren. Belehrt hat mich dieses Buch allerdings wieder einmal darüber, wie die Mechanismen beim Geschäft mit dem Buchmarkt funktionieren.
Verwerflich finde ich 'Feuchtgebiete' jedenfalls nicht, eher absolut überflüssig. Richtig verwerflich daran finde ich aber, wie verlogen die Autorin zu ihrem Werk steht. Bei Harald Schmidt hat sie doch glatt beteuert, dass sie ganz erstaunt über den Erfolg sei (bis dato ca. 800 000 verkaufte Exemplare!). Sie sagte sinngemäß, dass sie niemals damit Geld verdienen wollte und sie das alles nur aus Jux geschrieben hätte - ja eigentlich hätte sie sich sogar dafür "geschämt" und an die Reaktion ihrer Familie gedacht. Sie wollte das ja nur für sich schreiben. Da kann ich nur sagen: Go home Charlotte! Selbst unserem deutschen Dirty Harry blieb dabei für ein paar Sekunden die Spucke weg. Wenn es denn so wäre, warum hat sie dann ganz bewusst ihren aus dem TV bekannten Namen dafür eingesetzt? Man kann wohl davon ausgehen, dass sie niemals so schnell so einen Erfolg gehabt hätte, hätte sie das Buch über ein nichtssagendes Pseudonym veröffentlicht. Für wie dumm hält die uns eigentlich?

Zum Unterschied Erotik/Pornografie:

Es gibt sehr wohl einen Unterschied und ganz sicher gibt es auch Tabus und gesetzliche Grenzen dazu, zumindest im Bereich des Jugendschutzes. Das ist dann aber auch schon die einzige, einigermaßen klar gesetzte Grenze, aber immerhin. Ansonsten sind die Grenzen eher moralischer Natur und da gehen die Meinungen eben sehr weit auseinander. Ich selbst war in Leipzig mehr als überrascht, als ein Mann(!) ein paar Stellen aus meinen erotischen Daydreams als 'eher pornografisch' bezeichnete. Das sehe ich überhaupt nicht so und ich bin schon sehr konservativ! Das ist auch der Grund, warum ich für meine öffentlich zugänglichen Leseproben nur harmlose Textpassagen ausgewählt habe. Inzwischen denke ich, dass das möglicherweise ein Fehler war.

Zum Wert von erotischer Literatur:

Erotik ist wunderbar, lebenswichtig, sehr sinnvoll und natürlich bin auch ich ein absoluter Fan davon, aber sie sollte (für mich) nicht zu platt beschrieben sein. Damit meine ich natürlich nicht die Inhalte, sondern die Art der Darstellung. Von diesem plumpen "Beine breit, Schwanz rein, schnell mal Rumjucken, Schwanz raus und ab durch die Mitte" halte ich nichts. Es darf ruhig ein wenig Handlung und vor allem eine ordentliche Portion Phantasie dabei sein.

LG,
Julia

hwg
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Re:

von hwg (02.06.2008, 07:29)
Pornografie ist ohnehin bloß ein Wort, das eben höchst unterschiedlich verwendet werden kann.

Jede "menschliche Regung" ist literaturfähig, es kommt auf das Können des Autors an. Und das "echte Abenteuer" spielt sich dann ohnehin im Kopf des Lesers ab.

Wozu ein Mensch in der Realität fähig sein kann, liest man, wenn man will, sowieso in den "Kriminalberichten" mehr oder minder genau und unterschiedlich "aufbereitet".

"Moralapostel" stoßen sich an Vielerlei, aufgeklärte Leute wissen, wie man mit "Pornografie" umgeht. Ich bin grundsätzlich gegen jederlei Verbote hinsichtlich schriftstellerischer und sonstiger künstlerischer Ausdrucksformen.

"Abstoßendes" wird, wie der Wort schon besagt, ohnehin - auch von Pubertierenden - als solches empfunden. Die "Lust" danach wird erst durch Verbote geweckt. Und junge Leute wissen über Sexualität oft viel mehr und praktizieren diese auch, als "Sittenwächter" es wahrhaben wollen.

Das zeigt sich u.a. auch am "Schutzalter", welches in vielen Staaten höchst unterschiedlich angesetzt ist. Es liegt zwischen 12 und 21 Jahren - eine Diskrepanz, die mit der Entwicklung des jungen Leute, was das höhere Alter betrifft, sicher längst nicht mehr Schritt hält.

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PvO
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Re:

von PvO (02.06.2008, 09:16)
in realen leben vielleicht, aber es ist ja nicht verboten, darüber zu schreiben! und sodomie ist auch nicht (mehr) verboten. und sm kann auch jeder machen, also wirklich. (wir sind hier ja nicht in den usa ...)

Mag alles sein, aber was willst du machen, wenn der Verleger ablehnt, dann nützen alle Argumente nichts.
Und was heißt: dürfen nicht frei verkauft werden? Bei B. Uhse und Orion liegen die Bücher rum.
Nenn doch mal welche, würde mich ja interessieren.
Mit zwei Verlegern konnte ich reden. Der eine war Zettner, wie auch sein Verlag heißt, der andere war Frank de la Porte. PIPER hatte damals mein Hurenroman empört abgelehnt. Zettner und de la Porte haben auch abgelehnt, weil er eben nicht pornographisch war und sie sich aber genau auf das Thema spezialisierten. De la Porte gefiel aber meinen Schreibstil und er schenkte mir daraufhin 4 Bücher seines Verlages, damit ich mir ansehen kann, wie er es haben will. Wenn ich ein Projekt anfangen wollte, sollte ich mich unbedingt bei ihm melden, aber vorher den Plot absprechen. Es ist nie so weit gekommen.

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