Wieviel verdient man so als Schriftsteller?

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Zoba
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Re:

von Zoba (23.05.2008, 23:04)
Hi houdini,

kommt drauf an welche Bereiche bei den Medien. Es ist mal so und mal so, jene die nicht fest angestellt sind, haben stark variierende Einkünfte.

Was man jedenfalls im Auge behalten sollte, ist, daß alle irgendwann klein angefangen haben, ob nun ein King oder ein Spielberg. Und selbstverständlich gibt es auch völlig querpupsende "ernsthafte" Künstler, die dennoch ihr Auskommen haben. Ich liebe und bewundere beispielsweise Tomi Ungerer, der hat ganz einfach durchgehalten und stetig an sich gefeilt. Bequem war der nie und besonders dem Publikum in den Hintern gekrochen ist er auch nicht.

Im Gegensatz zu früher jedenfalls ist das Internet eine Riesenchance für sich selbst vermarktende Künstler, da haben es bereits die ersten "Stars" allein hierüber geschafft, auch in die "ernstzunehmende" Printfraktion mit Verlagsverträgen. Und es gibt immer wieder "Schläfer", die sogar im mittleren oder hohen Alter plötzlich bekannt und beliebt werden, oder überhaupt erst mit dem Schreiben, Malen oder Musizieren anfangen und das erfolgreich.

Ein Dick Francis ist sicher nicht - auflagenmäßig - mit Stephen King oder Rowling vergleichbar, er schreibt pro Jahr einen Roman und das seit er Mitte 30 ist, alle werden stetig neu aufgelegt. Der Mann lebt unter Garantie sehr gut von seinen Verkaufserlösen, er ist vielleicht kein mehrfacher Millionär, aber am Hungertuch nagt er sicher nicht. Ähnlich dürfte es mit vielen kontinuierlich schreibenden und beliebten Autoren aussehen und das sind schon ein paar mehr, als immer dargestellt.
Gruß,

Zoba

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Moskito
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Re:

von Moskito (24.05.2008, 02:15)
A.P hat geschrieben:
Hi!
Also erstmal vielen Dank für eure Antworten, die leider alle dasselbe aussagen.

Euren Aussagen zufolge ist es nahezu unmöglich, ein Buch zu veröffentlichen.


Nein. Es ist möglich. Aber nur, wenn es sich für den Verlag rechnet. Ein Buch ist für einen Verlag eine Investition eines fünfstelligen Euro-Betrages. Da muss die Kosten-Nutzen-Rechnung aufgehen.

A.P hat geschrieben:
Aber woher kommen dann die ganzen Romane in den großen Buchläden? In jeder Literatur-Fernsehsendung werden dauernd neue Schriftsteller vorgestellt, von denen ich bis dahin noch nie zuvor gehört hatte.


Was in den Buchläden gestapelt herumliegt, sind meistens Lizenzausgaben von ausländischen Autoren - oder von deutschen Autoren, die bereits einen entsprechenden Namen haben. Die restliche ca. 80.000 Buchtitel liegen mehr oder weniger wie Blei in den Regalen. Alles, was eine Auflage von 2.000 verkauften Exemplaren aufweist, ist bereits ein Erfolg.

A.P hat geschrieben:
Ja diese Autoren räumen sogar Preise ab. Julia Franck, wer hat von ihr zuvor gehört? Kaum jemand. Oder diese Feuchtgebiete-Tussi. Noch nie zuvor von ihr gehört, und plötzlich ist sie überall. Oder dieser Franzose mit seinem SS-Roman.


Ob Preisverleihungen gleichbedeutend sind mit hohen Verkaufszahlen, sei mal dahingestellt. Viele von diesen Preisträgern verschwinden genau so schnell in der Versenkung, wie sie aufgetaucht sind. Preisverleihungen sind sehr oft zeitgeistabhängig.

Um Büchr zu verkaufen, muss man bekannt sein. Wenn man nicht bekannt ist, muss man dafür sorgen, dass man bekannt wird. Am besten mit einem handfesten Skandal. Genau das hat Charlotte Roche mit ihrem "Feuchtgebiete"-Buch geschafft (das Buch selbst ist so was von langweilig und banal). Wenn du also dein Buch verkaufen willst, dann such dir ein Thema, das heute als Tabu gilt - und hau dann in deinem Roman kräftig auf die Sahne (ein Abläster-Buch über Mohammed hätte vermutlich gute Chancen auf einen Skandal).

A.P hat geschrieben:
Ich möchte ja nicht zuviel verraten, aber mein Roman ist mindestens so aufsehenserregend.


Wäre schlimm, wenn das nicht der Fall ist.
Nebenbei: Ein Autor bekommt 6 bis 8 Prozent vom Netto-Ladenverkaufspreis. Bei einem 12-Euro-Taschenbuch musst du schätzungsweise 60.000 Exemplare verkaufen, ehe du auf ein Einkommen von 20.000 Euro nach Steuern und Sozialabgaben kommst.

A.P hat geschrieben:
Mir ist schon klar, dass haufenweise schlechte Manuskripte auf den Tischen der Lektoren landen. Wen interessiert schon die 750. Variante von HdR? Niemanden! Wen interessiert schon der 5000. Arztroman? Niemanden! Wen interessiert schon der Vatikan und die Kreuzritter und irgendeine dämliche Verschörung? Niemanden! (mehr)


Wenn du gut bist und so 65 bis 70 Seiten pro Woche schreibst, kannst du mit dem 5000. Arztroman Geld verdienen. So ein Groschenroman bringt 500 bis 800 Euro.

A.P hat geschrieben:
Es geht um mein Buch, und das wird ein KNALLER!


Na, denn man los. Wie viele Verlage hast du bereits angeschrieben? Wie viele Standardabsagen hast du bekommen? Wie viele Literaturagenten hast du angesprochen und ihnen deinen Roman vorgelegt?

Entspricht dein Werk der Grundlagenbewertung eines Verlagslektors?
Ich zitiere mal die Lektorin Sylvia Englert:

Gibt es einen inneren oder äußeren Konflikt, der den Leser dazu bringt, weiterzulesen? Hat die Handlung Höhepunkte?

Sind die Dialoge interessant und lebendig? Sprechen Menschen wirklich so wie in Ihren Dialogen?

Benutzen Sie abgedroschene Ausdrücke und Vergleiche, schlecht konstruitere Schachtelsätze und Substantivierungen, bringen Sie statt dessen Sinneseindrücke und Atmosphäre rüber?

Haben Sie bei der Handlung und den Personen Klischess und Stereotype vermieden? Haben Ihre Figuren Tiefe, entwickeln sie sich im Verlauf des Textes, sind sie durch ihre Taten und das, was sie sagen, ausreichend charakterisiert?

Haben Sie alle wichtigen Fakten recherchiert? Besonders wichtig ist das natürlich bei historischen Romanen oder Milieuschilderungen, aber auch bei ganz gewöhnlichen Alltagsgeschichten.

Haben Sie die Regeln des Genres beachtet? Wenn Sie davon abweichen, sollten Sie das nur tun, um einen bestimmten Effekt zu erzielen. Beispielsweise für das Schreiben von Krimis gelten relativ viele ungeschriebene Gesetze, die Sie kennen sollten, da Sie die Erwartungen Ihrer Leser sonst wahrscheinlich enttäuschen. Der beste Weg, diese Konventionen kennenzulernen, ist, selbst möglichst viele Bücher dieses Genre zu lesen.


Und?

A.P hat geschrieben:
Kann es sein, dass ihr euch selbst schon aufgegeben habt?
Warum seid ihr so verbittert?


Gegenfrage: Wie viel hast du schon veröffentlicht und dafür Geld bekommen?

Grüße
M.

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SandraR
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Re:

von SandraR (24.05.2008, 06:24)
A.P. niemand hier ist verbittert. Du hast eine Frage gestellt und die Leute antworten dir wahrheitsgemaess.
Du kannst auch zB. beim Schweizer Schritstellerverband nachsehen, dort steht exakt das Selbe. 0.3 Prozent aller Autoren leben vom Schreiben. Waeren die Leute verbittert, wuerden sie Dir nicht antworten und sie wuerden nicht mehr schreiben.
Schreiben muss man, fuer die meisten ist es ein Beduerftniss und keine Geldquelle. Selbst wenn dein Buch von Heyne gedruckt wird, heisst dies nicht das man davon leben kann. Insofern die Menschen hier haben Dir ehrlich geantwortet. Waere dir wohler wenn sie luegen wuerden? :shock::
Sandra
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hwg
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Re:

von hwg (24.05.2008, 06:44)
Mit der von Moskito vorgenommenen Darstellung der Situation stimme ich grundsätzlich überein.

Viele "Nachwuchsautoren" wollen und können sich allerdings nicht mit den von anerkannten Verlagen "vorgeschriebenen" Usancen abfinden, pochen auf "künstlerische Eigenständigkeit", und wundern sich dann über den nicht eintretenden (finanziellen) Erfolg.

Der Hauptanteil meines Einkommens besteht aus Honoraren für Veröffentlichungen in Zeitschriften. Da ich für meine Unterhaltungsromane in gebundener Form mit dem Verlag ein
mir vernünftig erscheinendes Einmalhonorar pro Ausgabe ausverhandelt habe, bin ich von Auflagenzahlen "unabhängig". Und dem Verlag erscheint diese Lösung offenbar ebenfalls als sehr praktikabel, denn wir sind schon seit Jahrzehnten Partner.

Ich will keinesfalls die Bemühungen von Kollegen, welche auf andere Art den Weg zum Erfolg suchen, mit meinen Anmerkungen schmälern. Ich formuliere hier eben nur die Sicht aus meiner Perspektive als haupt- bzw. freiberuflicher Autor.

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Claire
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Re:

von Claire (24.05.2008, 07:55)
@ Hans

Viele "Nachwuchsautoren" wollen und können sich allerdings nicht mit den von anerkannten Verlagen "vorgeschriebenen" Usancen abfinden, pochen auf "künstlerische Eigenständigkeit", und wundern sich dann über den nicht eintretenden (finanziellen) Erfolg.


Du glaubst gar nicht, wie schnell ich mich hinsetzen und mein Manuskript überarbeiten würde, wenn ich nicht nur eine Standardabsage bekommen würde.
Vielleicht liegt hierin aber auch die Krux. Verlage haben Negativerfahrungen mit sich verweigernden Autoren gemacht und sind dann zum Standardabsageverfahren übergegangen. Wäre doch möglich, oder? :?
LG Claudia
Jede Katze ist ein kleiner Druide! Sie leben im Hier und Jetzt. Wir sollten uns ein Beispiel daran nehmen! Wir müssen ja nicht unbedingt schnurren.

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PvO
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Re:

von PvO (24.05.2008, 09:17)
Verlage haben Negativerfahrungen mit sich verweigernden Autoren gemacht und sind dann zum Standardabsageverfahren übergegangen. Wäre doch möglich, oder?

Zeit ist Geld. Bei der Flut von unverlangt eingehenden Manuskripten, haben die einfach nicht die Zeit und wahrscheinlich auch nicht die Lust, Absagen zu begründen. Die Leiterin Lektorat PIPER sagte einmal zu mir: Wir begründen Absagen nur, wenn uns das Manuskript interessiert. Auf dem ersten Blick klingt das widersprüchlich, ist es aber nicht. Ich bekam übrigens eine begründete Absage.
Der Verlag, bei dem ich unter Pseudonym unterschrieben habe, begründet jedes Manuskript. Der Lektor muss einen Fragebogen ausfüllen, der über 4 A4 Seiten geht. Teilweise braucht er nur anzukreuzen. Checkliste für Autoren, nennt sich das. Da bekommt man sehr detailliert aufgezeigt, was dem Lektor aufgefallen ist. Dieser Fragebogen bekommt der Verleger und der Autor. Egal, ob Zu- oder Absage. Bei mir war es beim ersten Manuskript eine Absage, aber ich konnte exakt nachvollziehen warum. Nachdem die Punkte abgearbeitet wurden, bekam ich dann die Zusage und den ersehnten Vertrag. Es wurden 3.000 Exemplare gedruckt und verkauft. Was draus geworden ist, steht unten.

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PvO
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Re:

von PvO (24.05.2008, 09:19)
Zitat einer Agentin: Ein Autor hat Mitspracherecht (ach ja, tatsächlich?). Besteht er aber auf zu viel Mitsprache, trennen wir uns.

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Zoba
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Re:

von Zoba (24.05.2008, 10:18)
Hi,

Zitat einer Agentin: Ein Autor hat Mitspracherecht (ach ja, tatsächlich?). Besteht er aber auf zu viel Mitsprache, trennen wir uns.


Was jedoch derartig spektakulär in die Hose gehen kann, daß auch so mancher Lektor/Verlag/Verleger sich davon nie wieder wirklich erholte. Man denke an "Das Parfum" und "Harry Potter".

Das Problem ist, daß weder Verlage noch Lektoren wirklich voraussagen können, was ein Best-/Spitzenseller wird, was nicht und welcher Autor den Geschmack des Publikums finden wrd - mal abgesehen von den wirklich eindeutig zu leicht zu bewertenden Autoren. Das ist übrigens nicht nur bei Büchern ein Fakt, es sieht auch bei Filmen und (nicht ganz so häufig) bei Mucke so aus und auf dem Kunstmarkt ist es anerkanntes Gesetz.

All die bleischwer in den Regalen liegenden Bücher sind, betrachtet man sie genauer, konventionelle Entscheidungen jener Verleger, die besonders gerne auf der sicheren Seite wandeln (wollen). Umgekehrt ist es eigentlich schon fast die Regel und nicht die Ausnahme, daß die Spitzenseller allesamt anfangs äußerst stiefmütterlich behandelt wurden bzw. versucht wurde, sie in eine 08/15-Schablone zu pressen. Ob Süskind oder Tarantino, ob Rowling oder Spielberg, mitsamt all ihren kleineren Ableger, alle bürsteten Verleger und Produzenten anfangs massiv gegen den Pelz und beharrten auf ihrem Standpunkt. Der spätere Erfolg gab ihnen jeweils recht.

Daß sie in dieser Zwickmühle stecken, ist übrigens auch Verlegern bekannt, vor kurzem kam ein mehrstündiges Interview mit einer Verlegerin (schlagt mich, ich hab den Namen vergessen, vielleicht erinnert sich hier jemand) aus dem ursprünglich feministischen, zwischenzeitlich breiter angelegten Bereich gehobenen Anspruchs auf DLF.

Diese stellte fest, daß sie - wie die meisten ihrer Kollegen - entgegen anders erscheinender Außenwirkung und sogar entgegen der Formbriefe und Standardansagen ALLE Manuskripte, auch die unverlangt eingesandten, wenigstens anlesen. Durch die Bank alle. Dies aus der Angst heraus, den nächsten Süskind, die nächste Rowling oder den nächsten Follett zu verpassen.

Ich muß sagen, ich habe bei der ehrlichen Ansage vor Lachen beinah das Lenkrad verrissen, vor allem da sie sich mit dem deckt, was ich aus dem Skriptbereich kenne. Das Interview ging entsprechend ehrlich weiter, denn sie gestand ein, daß sie in ihrem Verlegerleben eine ganze Reihe gravierender Fehler (= Absagen) gemacht habe, und sich später dafür in den Hintern hätte beissen können.

Ihre weiteren Ausführungen zum Thema decken sich ebenfalls mit meiner Meinung. Es klaffen ganz einfach Welten zwischen den (finanziellen) Ansprüchen mancher Verlage und den Realitäten. Verlagsgeschäft ist immer eine Mischkalkulation, so diese Dame, bei der die Klein- und Kleinstauflage genauso existenzberechtigt ist, wie die Massenauflage und der eigentliche Job des Verlegers sei, ein solches Mischverhältnis zu finden, das ausreichend Geld abwirft, um den Verlag profitabel zu betreiben. Verleger die nur Bestseller verlegen wollten, wovon es offenbar in neuerer Zeit mehr denn je gibt, seien langfristig zum scheitern verurteilt.

Wo sie recht hat, hat sie recht.
Gruß,



Zoba



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PvO
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Re:

von PvO (24.05.2008, 10:26)
Stimme in allen Punkten zu 1.000% zu. Genau so ist es.

Lilian
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Re:

von Lilian (24.05.2008, 14:08)
hwg (Moderator) hat geschrieben:
Viele "Nachwuchsautoren" wollen und können sich allerdings nicht mit den von anerkannten Verlagen "vorgeschriebenen" Usancen abfinden, pochen auf "künstlerische Eigenständigkeit", und wundern sich dann über den nicht eintretenden (finanziellen) Erfolg.


Ich konnte und wollte mich auch nicht mit diesen Vorstellungen abfinden, die Verlage gerade an unbekannte Autoren stellen. Jahrelang hatte ich mich darum bemüht, bei einem "richtigen" Verlag unterzukommen und habe bei einem sogar ein Buch verlegt (was aber seltsamerweise auch keine Millionen einbrachte :-o). Von "künstlerischer Eigenständigkeit" war da eigentlich nicht die Rede. Der Lektor "schnitt" das Buch so zurecht, sodass es für eine breite Masse "bekömmlich" wurde.

Dies führt natürlich dazu, dass sich die "gängigen" Bücher, die man so in "den großen Buchhandlungen" findet, alle irgendwie ähneln. Ich finde sie größtenteils noch nicht mal gut. Klar, Mankell z.B. wird übersetzt, aber der Stil ist trotzdem grauenhaft. Er ... Er ... Er ... Sie saß am Tisch. Der Donner draußen grollte. Sie sagte: "..." Und so was verkauft sich dann millionenfach.

So etwas zu produzieren war aber nicht mein Ziel. Ich schreibe, weil ich einfach schreiben "muss" und weil es mir Spaß macht. Ich kann trotzdem vom "Schreiben" leben. Allerdings hat das sehr wenig mit Schriftstellerei zu tun. ;) Ich schreibe Artikel für Onlinemagazine, verfasse Übungshefte zu Lehrbüchern und ähnliches. Gut lebt man davon übrigens nicht, A.P. ;)

Dies - und das pod-Verfahren - gibt mir aber die Möglichkeit, das zu veröffentlichen, was ich will, woran ich eben Spaß habe. Ich muss dann selbst sehen, wie ich es vermarkte. Dass ich damit nicht viel verkaufen kann, ist mir von vorne herein klar. Man muss sich vorher überlegen, was man will. Wenn einem die "künstlerische Freiheit" wichtiger ist, muss man sich darauf einstellen, dass nicht viel dabei herauskommen wird. Wenn man reich und berühmt werden will, sucht man sich am besten ein anderes Hobby, Rennfahrer oder so.

Es ist schade, dass Verlage relativ "unbeweglich" sind. Natürlich ist die Veröffentlichung eines Buches ein wirtschaftliches Wagnis, dennoch wäre eine Mischung aus pod und einem "herkömmlichen" Verlagswesen für so manchen Verlag eine bessere Alternative. Sprich: die unbekannten Autoren können da im pod-Bereich anfangen, und wenn man sieht, dass das Buch interessant ist und sich in einem Nischensektor ganz gut verkauft, kann man im "herkömmlichen" Sektor überlegen, ob man nicht mehr daraus macht. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre dies sogar klüger. (Als Betriebswirtin darf ich so was sagen cheezygrin )

Das machen aber nur sehr wenige (ich kenne bloß einen Verlag, der so arbeitet), und wir können weder das Verlagswesen noch den Buchmarkt entscheidend verändern. Man muss sich also mit den Gegebenheiten abfinden und sich für das entscheiden, was einem am wichtigsten ist.

@ A.P. - Was soll es eigentlich bringen, dass du deine Idee zu dem Knaller-Buch geheimhältst? Glaubst du, dass die hier jemand umgehend kopiert, um damit einen Bestseller zu landen? cool5
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SandraR
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Re:

von SandraR (24.05.2008, 14:47)
Ich wuerde nie fuer einen konventionellen Verlag schreiben. Gerade das man das Buch von anfang bis ende selber macht, macht auch den Reiz aus. Korrektor beschaeftigt man selber, Designerin fuer das Cover beschaeftigt man selber und die Werbung muesste man um Erfolg zu haben auch bei einem konventionellen Verlag am besten selber noch zusaetzlich machen.
Dafuer schreibt man eben das was man moechte.
Sandra
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PvO
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Re:

von PvO (25.05.2008, 08:37)
Dies - und das pod-Verfahren - gibt mir aber die Möglichkeit, das zu veröffentlichen, was ich will, woran ich eben Spaß habe.

Als ich damals meinen regulären Vertrag an Land gezogen und das Lektorat überstanden hatte. War ich auch ein ganzes Stück schlauer. Ich hatte davon berichtet http://www.autorenpool.info/daumenschrauben-t2035.html. Beim drauffolgenden Projekt hatte ich damals gar nicht erst bei herkömmlichen Verlagen nachgefragt, ich hatte mich gleich für BOD entschieden. Man muss halt wissen, was man will.

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Re:

von Lilian (25.05.2008, 10:58)
PvO hat geschrieben:
Als ich damals meinen regulären Vertrag an Land gezogen und das Lektorat überstanden hatte. War ich auch ein ganzes Stück schlauer. Ich hatte davon berichtet http://www.autorenpool.info/daumenschrauben-t2035.html. Beim drauffolgenden Projekt hatte ich damals gar nicht erst bei herkömmlichen Verlagen nachgefragt, ich hatte mich gleich für BOD entschieden. Man muss halt wissen, was man will.


Deinen Bericht hatte ich vorher nicht gelesen, aber so ähnlich waren meine Erfahrungen mit dem "regulären" Verlag auch. Das Buch, was dabei herauskam, war weit entfernt von dem, was ich ursprünglich damit hatte aussagen wollen. Das Schlimme ist, dass es ein sozialkritisches Buch war und man letztlich meine Meinung änderte. :shock::

Als ich jetzt anfing, mit meiner Co-Autorin zu arbeiten, schrieb ich ihr zuliebe ein paar "reguläre" Verlage an. "Vertrauen" ist ein Tuntenkitschroman ( cheezygrin ), also probierte ich es mal versuchsweise bei entsprechenden Verlagen. "Das ist ja ein Tuntenkitschroman", schrieb einer der Verleger zurück (ach was - das steht auch so im Exposée! Da ist keine Rede von "ernsthafter Milieustudie" oder so was, weil wir das auch gar nicht wollten) "Die Figuren sind extrem und überzeichnet" (ja, so sind sie auch angelegt worden) "da ist zu wenig Sozialkritik drin" (ein schwules Paar wird aber nicht 24 Stunden am Tag 365 Tage im Jahr angefeindet, so funktioniert das Leben nicht) "so verrückt wie dieser Bandleader ist kein normaler Mensch" (warum denn nicht? Alle unsere Testleser und bisherigen Käufer des Buches lieben gerade diese Figur, weil sie komplexbeladen, unberechenbar und exzentrisch ist.)

Er bot trotzdem an, das Buch unter Vertrag zu nehmen. Uns war klar, dass er daraus eine ernsthafte Milieustudie und aus dem Bandleader eine blasse Figur machen würde und das sämtliche Pointen, an denen wir wochenlang gefeilt hatten, damit sie auf den Punkt sitzen, streichen würde.
Das wollten wir "Baby" nicht antun und veröffentlichten es bei Lulu (war bei der hohen Seitenzahl billiger als BOD), einfach, weil WIR das Buch lieben. Es hat zwar seine Nische und somit seine Käufer, aber ein Bestseller wird das natürlich nie.

Da es aber auch regulär ein "Nischenbuch" gewesen wäre, hätte es sich bei einem "regulären" Verlag auch nicht viel besser verkauft. Die Autorenmarge wäre sogar NOCH kleiner gewesen. Man hätte dort vier Exemplare verkaufen müssen, um auf die gleiche Summe zu kommen wie jetzt bei einem verkauften Exemplar. Und es wäre eben nicht mehr das Buch gewesen, was wir ursprünglich geschrieben hatten.

Derzeit arbeiten wir an einer Krimitrilogie. Krimis sind ein Genre, das wesentlich populärer ist, und trotzdem haben wir gleich auf BOD gesetzt. Ich habe einfach keine Lust auf die Zusammenarbeit mit einem Lektor, der als erstes alles vom Präsens in den Imperfekt setzen, den Ort in Zweifel ziehen, die Nebengeschichten kritisieren und was weiß ich nicht noch alles finden wird, was ihm nicht gefällt und es seiner Meinung nach nicht "zu einem richtigen Krimi" macht. Man müsste obendrein noch einen Verlag finden und dann gut zwei Jahre darauf warten, bis das dann mal erscheint. Und dann? Dann ist es trotzdem ein Krimi unter vielen.
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Thesken

Re:

von Thesken (05.07.2008, 14:25)
Hallo A.P,

auch von mir erst einmal ein herzliches Willkommen im Pool!

Ich bin auch davon überzeugt, dass mein erster Roman gut ist. Nach einiger Recherche im Internet habe ich mich entschlossen, die herkömmlichen Verlage gar nicht erst anzuschreiben, sondern direkt bei Shaker Media zu verlegen, einem Books on Demand-Verlag. Auch meine nächsten Projekte will ich bei denen veröffentlichen, da sie innerhalb von 4-6 Wochen auf dem MArkt erscheinen und mir niemand vorschreibt, was ich noch zu verändern habe(das konnte ich schon damals im Kunstuntericht nicht ab und habe mir regelmäßig schlechtere Noten eingefangen, weil ich es gewagt hatte, meiner Lehrerin zu widersprechen :D )
Meine Gedanken zum Entstehen eines Bestsellers habe ich in einem Online-Magazin veröffentlicht, wen es interessiert: http://www.burgseekurier.de/html/artikel_10.htm
(hoffe, der Link funktioniert)

Kopf hoch, und ich gebe dir wirklich den Rat, dich mal bei bod oder Shaker Media schlau zu machen.

Liebe Grüße
Theresa

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Zeitl0ch
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Re:

von Zeitl0ch (05.07.2008, 22:57)
@Hakket:

Ich muss dich korrigiern. Wolfgang Hohlbein lebt nicht zur Miete. Er wohnt zufällig hier in einem Nachbarort und er hat dort gerade auf der Straße, wo er wohnt, eine ganze Häuserzeile gekauft. Der ist wohl doch eher reich, leistet sich allerdings keinen entsprechenden Lebensstil, er hat auch viele Kinder, die natürlich auch versorgt sein wollen. Sein Lieblingsrestaurant hier in der Gegend war lange Jahre ein gutbürgerliches, wo auch Ottonormalverbraucher Essen geht, das Restaurant ist allerdings umgezogen. Ich hab mir mal als Teenager (war damals großer Fan) bei ihm zuhause ein Autogramm geholt. Es sah nicht nach Luxus aus, aber den will er auch glaube ich gar nicht. Selbst wenn Hohlbein weniger als einen Euro pro Exemplar verdient, ist es alleridngs ein reines Rechenexempel, dass er bei seinen Verkaufszahlen doch ziemlich reich sein muss.
Natürlich werden trotzdem die wenigsten Autoren reich, aber manche sind es, manche sind Stars. Es ist so wie mit der Punkband um die Ecke, die vielleicht super Musik macht, aber drei CDs verkauft und zwanzig verschenkt hat und nie im Leben so verdienen wird wie U2, die einen eigenen Flieger haben.

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