Emotionale Stelle im Roman

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Thesken

Emotionale Stelle im Roman

von Thesken (05.07.2008, 16:43)
Liebe Mitautoren,

mir ist heute beim Überarbeiten meines ersten Romans etwas passiert, wozu ich gerne eure Meinung wissen möchte:

An einer sehr emotionalen Stelle in meinem Buch sind mir gerade selber fast die Tränen gekommen :wink:
Ich denke, die Stelle muss mir dann ja einfach gut gelungen sein, oder was meint ihr? Ist euch so etwas auch schonmal passiert?

Liebe Grüße,
Theresa

Thorsten Boose

Re:

von Thorsten Boose (05.07.2008, 16:52)
Joanne K. Rowling meinte, dass, als sie eine Hauptfigur in Harry Potter sterben ließ, ihr auch die Tränen kamen.

So viel dazu. cheezygrin

Es zeigt auf jeden Fall, dass ein Autor mit seiner Geschichte verwachsen ist. Ich erlebe es auch, ich durchlebe quasi die Abenteuer meiner Figuren. Für mich ein Zeichen, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Grüße!

LOFI

Re:

von LOFI (05.07.2008, 16:59)
Hallo Theresa,

bei meinen beiden Romanen mußte ich an manchen Stellen mehrmals unterbrechen, weil ich vor Wasser auf den Augen nicht mehr auf den Schirm schauen konnte. Komischerweise kann ich dann allerdings, während der Sturzbach läuft, das Ereignis am besten beschreiben. Die Stelle hat dann oft bei meinen Leserinnen den gleichen Effekt hervorgerufen.

Ist normal und spricht für die sensible Betrachtungsweise des Autors (ohne mich selbst behudeln zu wollen)

LG

Lorenz

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (05.07.2008, 17:33)
Es ist auf jeden Fall eine gute Sache, wenn es dem Autor beim Lesen des eigenen Textes kalt den Rücken runterläuft, oder ähnliches.
Es wäre schlimm, wenn einem die eigene Geschichte unberührt lässt.

Allerdings kann man (leider) nicht grundsätzlich davon ausgehen, dass der Leser das auch empfindet. Aber es erhöht die Chancen. cheezygrin

Gruß
Hakket

Thesken

Re:

von Thesken (05.07.2008, 17:37)
Danke für eure Erfahrungen:)

Ich hänge schon sehr an meinen Figuren, vor allem, weil sie alle ein Eigenleben entwickelt haben cheezygrin

Ich hoffe auch, dass meine Leser die Emotionen im Roman so gut nachempfinden können wie ich, schließlich bleibt das Buch den Lesern so besser in Erinnerung :wink:

Liebe Grüße
Theresa

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (05.07.2008, 17:44)
Ich denke auch, gerade für Nichtprofis, ist eine ehrliche Rückmeldung der Leser wichtig.
Der Eine überzeugt vielleicht mit ausgefeiltem Wortwitz, höchst kompliziert gebauten Sätzen und hat es drauf, gute Umgebungsbeschreibungen zu schreiben.

Der Andere hat vielleicht nicht den gewaltigen Wortschatz, baut eher kurze Sätze, überzeugt aber mit einer Art "Sog", die beim Lesen ensteht. Er weckt Gefühle und schreibt z.B. gute Dialoge.

So kann der Autor sehen, wo seine Stärken und Schwächen liegen, und daran arbeiten. Er sollte aber vornehmlich dabei bleiben, seine Stärken weiter auszubauen.
Es bringt m.M. nach nichts, wenn der Autor versucht sich zu verbiegen.
Letztlich enstcheidet wieder der Geschmack des Lesers.

Gruß
Hakket

Thorsten Boose

Re:

von Thorsten Boose (05.07.2008, 17:47)
Hakket (Moderator) hat geschrieben:
Ich denke auch, gerade für Nichtprofis, ist eine ehrliche Rückmeldung der Leser wichtig.
Der Eine überzeugt vielleicht mit ausgefeiltem Wortwitz, höchst kompliziert gebauten Sätzen und hat es drauf, gute Umgebungsbeschreibungen zu schreiben.

Der Andere hat vielleicht nicht den gewaltigen Wortschatz, baut eher kurze Sätze, überzeugt aber mit einer Art "Sog", die beim Lesen ensteht. Er weckt Gefühle und schreibt z.B. gute Dialoge.

So kann der Autor sehen, wo seine Stärken und Schwächen liegen, und daran arbeiten. Er sollte aber vornehmlich dabei bleiben, seine Stärken weiter auszubauen.
Es bringt m.M. nach nichts, wenn der Autor versucht sich zu verbiegen.
Letztlich enstcheidet wieder der Geschmack des Lesers.

Gruß
Hakket


Da stimme ich dir zu 100% zu. Anstatt nur seine "Fehler" zu korrigieren, sollte man wirklich seine Stärken ausbauen, denn das ist das prägende Bild eines jeden erfolgreichen Autors - seine Stärken.

Kausde
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Re:

von Kausde (05.07.2008, 18:04)
Hm, ich stehe dem Ganzen zwiespältig gegenüber. Natürlich kann es gut sein, dass eine bestimmte Passage, die beim Autor schon für so starke Emotionen sorgt, dasselbe dann später auch bei den Lesern bewirken kann. Andererseits passiert das nur, wenn die Charaktere und das Geschehen nicht nur im Kopf des Autors „leben“. Und eine so differenzierte Ausarbeitung, die zu richtig starken Emotionen beim Leser führt, ist schon eine Kunst für sich. Also: die eigenen Tränen (oder andere Emotionen) nicht zu stark bewerten! Man schreibt und bastelt und pfriemelt ja wesentlich länger an seinem Werk, als der Leser nachher braucht, es zu konsumieren.
Bei mir stelle ich hin und wieder fest, dass gerade Passagen, die ich für besonders emotional halte (eben weil sie auf mich so wirken und ich sie manchmal auch in einer emotionalen Phase schreibe), beim späteren Durchlesen eher überdramatisiert und „auf Effekt zielend“ auf mich wirken.


Hakket hat geschrieben:
Ich denke auch, gerade für Nichtprofis, ist eine ehrliche Rückmeldung der Leser wichtig.

Das ist in meinen Augen die einzige Reaktion, die wirklich zählt. Die Emotionen des Autors rühren ja doch meistens noch etwas tiefer (auch wenn wohl keiner von uns während des Schreibens ständig am Flennen oder Lachen ist ;) ).

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Zeitl0ch
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Re:

von Zeitl0ch (05.07.2008, 23:51)
Als ich eine Passage schrieb, in der an einer sehr unsympathischen Figur Rache geübt wird, bekam ich selbst unglaubliche Wutanfälle. Ich hatte da wohl an irgendwelche eigenen Komplexe gerührt. Schreiben kann überhaupt fast psychedelisch auf den Autor wirken, was auch schon einge bekannte Autoren in Interviews angedeutet haben.

g.c.roth

Re:

von g.c.roth (06.07.2008, 06:27)
Hallo,
wenn ich ganz ungestört und konzentriert schreibe, dann steige ich komplett in meine Story ein. Meiner Ansicht nach eine der besten Voraussetzungen, Situationen glaubwürdig darzustellen. Meine Leute wissen das und wundern sich nicht, wenn ich mich plötzlich am Rechner vor Lachen ausschütte, mich unerhört aufrege über etwas, dass in der Story stattfindet oder auch tränenreich die Tastatur bearbeite.

Bei mir stelle ich hin und wieder fest, dass gerade Passagen, die ich für besonders emotional halte (eben weil sie auf mich so wirken und ich sie manchmal auch in einer emotionalen Phase schreibe), beim späteren Durchlesen eher überdramatisiert und „auf Effekt zielend“ auf mich wirken.


Der Leser kann nur mitfühlen, wenn er ähnliches erlebt hat.
Reagiert jemand nicht an den Stellen, von denen ich denke, dass er es eigentlich tun müsste, bedeutet das nicht, dass die Passage schlecht oder unglaubwürdig ist. Es bedeutet nur, dass der Leser sie nicht so nachempfindet wie ich.

Deshalb ist es - meiner Ansicht nach - sinnvoll zu wissen, für wen man schreibt, wenn man seine Texte verkaufen möchte. Bei vielen meiner Storys wäre es sinnlos, sie Zwanzigjährigen vorzulegen. Sie können sie nicht nachvollziehen, weil ihnen bestimmte Erfahrungen fehlen. Leser in meiner Altersgruppe hingegen sprechen meine Sprache, können die Situationen mit eigenen Erlebnissen verknüpfen und so meine Texte nachempfinden.

Eine der schwierigsten Hürden beim Schreiben war für mich, die Schere aus dem Kopf zu bekommen. Also mich nicht ständig zu fragen, was mögen diese oder jene darüber denken, halten die Leser dies jetzt für überzogen oder ist es zu emotional, ist es zu provokant, ist es zu dünn oder zu dick aufgetragen ... die Suche nach einem Schreibstil der alle Leser anspricht, ist mit Sicherheit das Ende der Story.

Meine Erfahrung ist, dass, wer so schreibt, wie er empfindet, der wird 'seine' Leser finden. Alle anderen wird er nicht dadurch erreichen, dass er sich verbiegt.

Wer könnte schon wirklich fesselnd über etwas schreiben, das ihn nicht berührt? Selbst Sachbuchautoren können noch so viel Wissen haben - schreiben sie emotionslos, wird das Lesen zur Qual. Ich kenne aber Sachbücher, da sprüht mir die Begeisterung und die Leidenschaft um das Thema aus jeder Seite entgegen und man verschlingt hungrig Satz um Satz, um dabei bedauernd festzustellen, dass man dem Buchende immer näher kommt. Und während des Lesens sieht man den Autor mit hochroten Ohren vor dem inneren Auge vorbeiziehen. Er wirkt absolut glaubwürdig.

In dem Sinne: Legt eure Taschentücher griffbereit cheezygrin

LG Grete

Versailles
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Emotionen pur

von Versailles (06.07.2008, 12:28)
Hallo zusammen,

Theresa, du hast einen sehr interessanten und wichtigen Satz gesagt:
Ich hänge schon sehr an meinen Figuren, vor allem, weil sie alle ein Eigenleben entwickelt haben
Ich denke, dass erst dann Emotionen beim Autor entstehen und zum Leser transportiert werden können, wenn die Darsteller/innen authentisch sind und der Leser dies auch spürt (da ist es egal, ob der Leser auch der Autor war :wink: )

Ich habe in meinem Roman beispielsweise drei Herzoginnen eingeführt, die nicht umsonst "marquises diaboliques" heissen, die hinter den Kulissen intrigieren und meine Comtesse beim König desavouieren wollen. Als ich zu dem Punkt kam, an dem sie für ihr Verhalten abgestraft wurden, war ich richtig erleichtert und habe aus dem Vollen geschöpft.
Gleichzeitig empfand ich aber auch einen ungeheuren Spaß dabei, diese Intrige bis ins letzte Detail zu planen und zu spinnen - das lässt tief blicken, gell, aber stille Wasser sind halt auch nass. angle:

Herzlichst
Amalia
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Thesken

Re:

von Thesken (06.07.2008, 12:44)
Ich muss auch dazu sagen, dass mich meine Geschichte selbst das eine oder andere Mal komplett überrascht hat cheezygrin

Da denkt man sich vorher einen Schluss aus und die Geschichte verläuft völlig anders, als geplant :twisted: Jetzt hat mein Roman einen ganz anderen Schluss, der besser und stimmiger ist als der ursprünglich geplante. Das Schreiben des Romans hat unglaublich viel Spaß gemacht da ich nie wusste, was meine Figuren als nächsten anstellen würden. Ich freue mich jetzt schon wahnsinnig auf den zweiten Teil, da ich wissen möchte, wie es weitergeht cheezygrin

Hoffentlich denken meine Leser genauso ...

Liebe Grüße
Theresa

Moskito
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Re:

von Moskito (06.07.2008, 13:11)
Hallo Theresa!

Thesken hat geschrieben:
Das Schreiben des Romans hat unglaublich viel Spaß gemacht da ich nie wusste, was meine Figuren als nächsten anstellen würden.


Mal eine dumme Frage von mir: Wenn das so ist, dass du nie weißt, was deine Figuren als nächstes machen - wie behältst du dann die Kontrolle über deinen Roman?

Grüße
M.
P.S.: Wo kann ich deinen Roman lesen?

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (06.07.2008, 13:18)
@ Moskito:
Die Frage nach dem "Eigenleben" der Prots ist interessant, man könnte sogar einen eigenen Trööt dafür machen.
Es kommt - zumindest bei mir - auch oft vor, dass sich Prots. verselbsständigen. Manchmal tauchen sogar Personen auf, die gar nicht geplant waren. Und erstaunlicherweise werden sie im Laufe der Zeit immer wichtiger, übernehmen gar Schlüsselfunktionen.
Sicherlich sollte ein Plan für die Geschichte vorliegen. Aber gewisse Freiheiten dürfen (sollen?) die Prots auch haben.

Das "Planen" ist eine Sache. Wenn man mitten in der Geschichte "drin" ist, ist die genaue Planung sekundär. Man "spürt" in just dem Moment, in dem man schreibt, was der Prot nun machen sollte. Das ist kaum zu planen.
Und wenn man das nicht plant und sich selbst überrascht, wird man den Leser auch überraschen. Es sollte nur irgendwie noch logisch sein. cheezygrin Der Plan ist letztlich nur eine grobe Vorgabe. Das "Leben" der Prots entsteht beim Schreiben. Und den Prots ist der Plan manchmal ziemlich wurscht. cool5
Dean Koontz sagte mal, dass er sich von seinen Geschichten regelmäßig selbst überraschen lässt.

Gruß
Hakket

Versailles
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Re:

von Versailles (06.07.2008, 13:27)
Wenn das so ist, dass du nie weißt, was deine Figuren als nächstes machen - wie behältst du dann die Kontrolle über deinen Roman?
Das habe ich mich gerade auch gefragt. Ein roter Faden ist doch schon vorhanden, oder?

Na, das "neue Ende" habe ich bei mir dann aber auch erlebt. Es war eine kleine Idee, die sich aus dem zuvor Geschriebenen ergab und eine neue Möglichkeit eröffnete, die ich gewählt habe.
Ich mag diese "zufälligen Wendungen" oder "plötzlich auftauchenden Personen" nämlich nicht so sehr, weil sie verraten, dass dem Autor irgendwo der rote Faden abhanden gekommen sein könnte. Damit meine ich nicht Wegelagerer, die einem Reisenden auflauern, denn die sollten plötzlich und unerwartet erscheinen. Es geht mir um einen Konflikt, der sich nicht aus sich selbst heraus, sondern plötzlich mit Hilfe irgend einer Erbtante aus Absurdistan, klärt.

Allerdings habe ich es auch noch nie erprobt, eine Geschichte ohne Grundgerüst, Plot, roten Faden und Prämisse zu schreiben :wink: oder ohne vorher meine Protagonisten genau zu kennen.

Liebe Grüße
Amalia
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