Emotionale Stelle im Roman

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Thorsten Boose

Re:

von Thorsten Boose (06.07.2008, 13:28)
Hakket (Moderator) hat geschrieben:
@ Moskito:
Die Frage nach dem "Eigenleben" der Prots ist interessant, man könnte sogar einen eigenen Trööt dafür machen.
Es kommt - zumindest bei mir - auch oft vor, dass sich Prots. verselbsständigen. Manchmal tauchen sogar Personen auf, die gar nicht geplant waren. Und erstaunlicherweise werden sie im Laufe der Zeit immer wichtiger, übernehmen gar Schlüsselfunktionen.
Sicherlich sollte ein Plan für die Geschichte vorliegen. Aber gewisse Freiheiten dürfen (sollen?) die Prots auch haben.


Dasselbe erlebe ich gerade mit meinem Roman. Eine Figur, die ich als Randfigur (ohne Namen!) konstruiert habe, rückt jetzt in einigen wichtigen Szenen in den Vordergrund und übernimmt eine zeitweise tragende Rolle für die Handlung.

Ich halte es für sehr wichtig, dass man mit seiner Geschichte und eben auch mit den Figuren flexibel umgeht. Ein Konzept, ein Plan, für die Geschichte ist allemal notwendig, damit sie auch funtkioniert, doch wenn man zu starr bleibt, kann man Gefahr laufen, sich darin zu verfangen und das bekommen die Leser sehr schnell mit. Darum ist es gut, wenn man während des Schreibens merkt, dass sich die Geschichte im Grunde von selbst abspielt, neue Türen aufzeigt, neue Blickwinkel bereitstellt usw.

Und genau dieser Überraschungsmoment ist für den Autor, meiner Meinung nach, wichtig, denn er merkt schon während des Schreibens, dass dort viel Potenzial vorhanden ist (und ihm kommen vielleicht sogar noch bessere Ideen).

Grüße!

Versailles
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Re:

von Versailles (06.07.2008, 13:34)
Hi Hakket, im Grunde hast du genau das beschrieben, was dann beim Schreiben entstehen kann.
Ich nenne es den "Flow" - den Fluß - oder Sog - in den man geraten kann und wo die Prots sich verselbständigen.
Ich habe mir vorher wie auf einer Bühne Ort, Zeit und Darsteller zurechtgestellt und überlegt, in welche Richtung es ungefähr gehen soll - wegen der Logik cool5 Besonders bei Konflikten zwischen Prot und Antagonist ist es wichtig, finde ich, dass sich die Standpunkte nicht vermischen und jeder gemäß seines Charakters agiert. Da kann es bei wankelmütigen, hitzköpfigen, großkropferten oder cholerischen Darstellern schon zu Überraschungen kommen cheezygrin

Liebe Grüße
Amalia
DIE COMTESSE ab sofort als "EDITION BOD"
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Versailles
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@ Thorsten

von Versailles (06.07.2008, 13:36)
Dasselbe erlebe ich gerade mit meinem Roman. Eine Figur, die ich als Randfigur (ohne Namen!) konstruiert habe, rückt jetzt in einigen wichtigen Szenen in den Vordergrund und übernimmt eine zeitweise tragende Rolle für die Handlung.
Hi, bin neugierig: wie gehst du jetzt damit um?
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Thorsten Boose

Re: @ Thorsten

von Thorsten Boose (06.07.2008, 13:40)
Versailles hat geschrieben:
Dasselbe erlebe ich gerade mit meinem Roman. Eine Figur, die ich als Randfigur (ohne Namen!) konstruiert habe, rückt jetzt in einigen wichtigen Szenen in den Vordergrund und übernimmt eine zeitweise tragende Rolle für die Handlung.
Hi, bin neugierig: wie gehst du jetzt damit um?


Für mich hat sich diese Entdeckung als positiv herausgestellt, denn diese kleine aber feine Person übernimmt jetzt die Lücken in, vor oder nach bestimmten Konflikten, die ich bei der Planung noch gar nicht vorhersehen konnte. Ein weiterer Strang, den ich gegen Ende zum großen Ganzen zusammenflechten werde.

hwg
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Re:

von hwg (06.07.2008, 13:42)
Fragestellung und Antworten mit Interesse verfolgt.
Betroffenheit oder aufkommende Heiterkeit durch
einen Text lassen sich besonders bei Le-
sungen hervorragend "testen".

Das habe ich jeden-
falls mehrmals festgestellt. Es kann allerdings auch
vorkommen, dass dann die Zuhörer - so wie bei
einem Theaterstück oder Film - auch an den "fal-
schen" Stellen lachen, was den Autor mitunter sehr
ärgert... :lol:

Thesken

Re:

von Thesken (06.07.2008, 14:09)
Also, den roten Faden habe ich nie verloren. Es haben sich nur immer wieder neue Hindernisse oder Wege aufgezeigt, mit denen die Charaktere zurecht kommen mussten. Dabei habe ich aber nie aus den Augen verloren, worum es eigentlich geht. Meine Prot konnte nur nicht so geradlinig vorangehen, wie sie es sich am Anfang erhofft hatte, aber dann wäre der Roman ja auch nach zwei Kapiteln schon vorbei gewesen :wink:

@ Thorsten: Das mit der ungeplanten Hauptfigur ist mir sogar zweimal passiert cheezygrin und beide sind mir sehr ans Herz gewachsen, auch wenn sie sich mir erst während der Handlung vorgestellt haben.

Ich könnte glaube ich keine schöne Geschichte schreiben, wenn ich mir von Anfang an einen straffen Plot zurecht legen würde. Die besten Ideen tauchen bei mir erst beim Schreiben auf. Viele anfänglich vielleicht seltsame Begebenheiten klären sich im Laufe der Geschichte auf. Manche davon geplant, andere eben ungeplant aber stimmig.
Als ich angefangen habe, hatte ich eine grobe Idee sowie zwei der Prots im Kopf. Alles andere hat sich entwickelt.

@ Mosquito: Mein Roman wird voraussichtlich Ende August/Anfang September bei Shaker Media erscheinen. Ich hoffe, dass ich bereits vorher eine Leseprobe auf meine Homepage stellen darf. Ich überarbeite gerade den Schluss, danach muss ich mir nochmal alles im Zusammenhang durchlesen, um die Logik zu überprüfen und letzte Rechtschreib- und Grammatikfehler auszumerzen. Das Cover ist auch noch nicht fertig, da mein Verlobter, der mir das Coverbild zeichnet, zurzeit mit Grippe flach liegt :cry:

Aber ich werde euch natürlich rechtzeitig informieren, wenn es etwas zu lesen gibt cheezygrin

Liebe Grüße
Theresa

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Zeitl0ch
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Re:

von Zeitl0ch (06.07.2008, 14:33)
Bei mir kommt das mit den Überraschungen zwar vor, allerdings seltener. Ich kenne da eher folgendes Phänomen, und wie ich es ausdrücke, ist metaphorisch zu verstehen: Die Geschichte scheint sich zunächst als "astrales" Konstrukt zu verdichten, bis sie mir irgendwann - noch nicht real - komplett vorzuliegen scheint und ich sie nur noch niederschreiben muss. Die Geschichte drängt sich mir dann auch immer wieder auf und will geschrieben werden, ist aber irgendwo anders längst fertig. das geht mir bei Kurzgeschichten so und war auch beim Roman "Promethus´ Tod" so.
Sollten das jetzt Esoteriker lesen, werden sie sich wahrscheinlich zu abgehobensten Theorien hinreißen lassen, für mich ist das aber ein ganz normaler Vorgang, der sozusagen zum schriftstellerischen Alltag gehört.

hwg
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Re:

von hwg (06.07.2008, 14:49)
...und so mancher Autor verfolgt eine Idee zu lange, denn dann stellt er fest, dass ihm ein anderer mit der selben oder einer stark ähnlichen bei der Umsetzung (Veröffentlichung) zuvor gekommen ist... :lol:

LOFI

Re:

von LOFI (06.07.2008, 14:56)
hwg (Moderator) hat geschrieben:
...und so mancher Autor verfolgt eine Idee zu lange, denn dann stellt er fest, dass ihm ein anderer mit der selben oder einer stark ähnlichen bei der Umsetzung (Veröffentlichung) zuvor gekommen ist... :lol:


So etwas ähnliches ist mir passiert. Für meinen zweiten Roman "Träume hinter dem Horizont" hatte ich bis zur Veröffentlichung einen ganz anderen Titel fest eingeplant: "Wenn Träume fliegen lernen". Kurz vor dem Hochladen bei BOD schaute ich nocheinmal nach, ob denn solch ein Titel in etwa schon existiere, und stieß dabei auf den Film "Finding Neverland" mit Kate Winslet, der im deutschen "Wenn Träume fliegen lernen" heißt.
Glück gehabt.

LG

Lorenz

hwg
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Re:

von hwg (06.07.2008, 15:01)
Wieso sollte es einem Schriftsteller hin und wieder nicht ebenso ergehen wie anderen Erfindern auch? Literarische Verwertungsgesellschaften und
Patentanmeldungsstellen können ein Lied davon singen... :lol:

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Zeitl0ch
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Re:

von Zeitl0ch (06.07.2008, 15:08)
Oh ja! Im letzten John Irving Roman und im neuen Wim Wenders Film gibt es Kleinigkeiten, die Einzelheiten aus "Prometheus´ Tod" ähneln. Die entsprechenden Teile waren längst geschrieben als Irving und Wenders damit rauskamen. Es ist aber auch nicht zu gleich. Es lässt mich dann ja doch vermuten, das C. G. Jung vielleicht mit manchem ein ganz klein wenig Recht hatte. Oder setzt Hollywood irgendwelche Hacker auf erfolglose Künstler an? :shock:: Na ja, ich glaube solche Fälle gab es lange vor Erfindung des Internets schon zur Genüge.

hwg
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Re:

von hwg (06.07.2008, 15:20)
Selbstverständlich suchen eifrige Agenten auch nach bislang trotz Veröffentlichung erfolglos gebliebenen "Stoffen" zwecks "Umarbeitung" durch professionelle Auftragsschreiber.

Denn so mancher Text verfügt über eine vielleicht gerade besonders aktuelle Grundidee, ist jedoch an der Ausführung oder einer Drucklegung zu besonders "ungünstiger" Zeit in einem vielleicht nicht sehr bekannten Verlag gescheitert.

Besonders in Eigenverlagen oder Druckkostenzuschussbetrieben erscheinende Werke werden mitunter "Opfer" derartiger Agenten.

Andererseits gibt es aber auch paradoxe Zufälle. Nicht alles, was einander ähnlich ist, beruht auf bewusste Plagiatsabsichten. Deshalb sollte man mit "Vorverurteilungen" behutsam vorgehen, besonders wenn keine eigene Betroffenheit vorliegt. Zahlreiche für den "Beurteiler" negativ ausgegangene diesbezügliche Gerichtsverfahren legen nachlesbare Zeugnisse ab.

Kausde
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Re:

von Kausde (14.07.2008, 14:01)
Ich finde die Beiträge sehr interessant, vor allem das Eigenleben der Charaktere. Wenn man an einem solchen Punkt angelangt ist, entstehen Emotionen beim Autor (und damit eventuell auch eher beim Leser) viel schneller. Zumindest geht es mir so, da ich nicht mehr nur einen Namen habe, dem ich verschiedene Eigenschaften, ein bestimmtes Aussehen usw. zuordne, sondern weil sich mittlerweile eine quasi eigenständige Person ergeben hat. Und die kann natürlich viel eher Emotionen hervorrufen.

Ein wenig off-topic, aber ebenso interessant: die Sache mit den sich verselbständigenden Plots. Das kenne ich auch. Manchmal habe ich nicht mal eine Kernstruktur, sondern eine ganz bestimmte Szene im Kopf, die dann beschrieben wird. Und aus diesem Ei schlüpft dann - wenn ich Glück habe (und Zeit zum Schreiben) - irgendwann doch ein Handlungshuhn.

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