Im Bann der Philosophie

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hwg
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Im Bann der Philosophie

von hwg (19.07.2007, 12:01)
Otto hat neuerdings einen Untermieter, einen gewissen Herrn Pummel. Ein stiller, feiner Mensch. Er arbeitet bei der Post und fertigt Pakete ab.
Nun wäre ja an einem von der Post an sich nichts extra Erwähnenswertes, aber Herr Pummel ist ein gelernter Philosoph. Das heißt, er hat einmal richtig studiert, bloß nicht fertig. Er ist nämlich der Meinung, die Professoren machen viel zuviel Theorie daraus. Und darum hat er bei der Post angefangen. Da kann er jetzt ganz praktisch arbeiten. Und auch als Philosoph wird man bei der Post immer besser.

Nur beim Fernmeldewesen würde Herr Pummel selbst für mehr Lohn nicht arbeiten wollen. Denn bei den vielen Leitungen muss einer schon Idealist sein oder reif für den Psychiater. Weil man doch dauernd irgendwelche Stimmen hört, nur nicht die richtigen.
Nun lehrt Herr Pummel seinen Vermieter stets am Wochenende so ein bisschen wissenschaftliche Philosophie.

Sehen Sie, bekommt Otto zu hören, man denkt doch immer, wenn man denkt, dann kann man schon denken. Das richtige Denken muss aber genauso gelernt sein wie die Paketannahme zum Beispiel oder das Autolackieren. Beim Denken darf der Mensch sich nicht auf ein höheres Wesen verlassen, nicht einmal auf den Chef. Denn was ist, wenn der gerade einmal nicht denkt? Oder das Bewusstsein. Da gibt es mehrere Arten davon, denn Menschen sind nun einmal unterschiedlich.

Otto nickt. Er verlor sein Bewusstsein schon einmal völlig, als er etwa einen Liter Obstler vertilgt hatte. Als er wieder zu sich kam, hatte Otto ein völlig neues Bewusstsein, nämlich, das Obst in natürlicher Form höchstens die Verdauung durcheinander bringt.
Aber heutzutage benötigt man ein noch viel neueres Bewusstsein, sagt Herr Pummel. Die Zeit erfordert das. Immerhin bestimmt das Sein das Bewusstsein.

Otto runzelt die Stirn. Er denkt nach. Wenn einer bei der Post sich nach einer Sauftour ausschläft, statt die Eilbriefe auszutragen, dann hat er zwar ein Sein, nämlich seines, aber Bewusstsein hat er gar keines! Das hat nun wieder einer, der zuerst an die anderen Leute denkt, an ihr Sein, und sich beispielsweise mit Neuerungsvorschlägen beim Vorgesetzten unbeliebt macht, wie Herr Pummel. Und so einer hat nun wieder dasselbe Sein wie die anderen, aber ein höher gelegenes Bewusstsein.

Manche Leute haben auch ein Bewusstsein und reden davon andauernd, aber ihr Sein mitten im Alltag ist mehr so Schein. Und daraus entwickelt sich offenbar das Bewusstsein. Darüber muss Otto noch länger nachdenken. Zu diesem Zweck wird er das kommende Wochenende auswärts verbringen. Außerdem ist Otto ebenfalls ein feiner Mensch und gönnt deswegen Herrn Pummel eine „Unterrichtspause“. Schließlich haben auch normale Studenten und Professoren derzeit Ferien.
Zuletzt geändert von hwg am 21.07.2007, 08:20, insgesamt 1-mal geändert.

Dennis
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Re:

von Dennis (19.07.2007, 12:13)
lach sehr guter Stil kombiniert mit einer trickreich kurzen Erzählung - fein gestaltet!

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Woolf71
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Re:

von Woolf71 (19.07.2007, 21:27)
Hallo hwg,

starkes Thema, ich persönlich kann leider mit dem Stil nicht wirklich etwas anfangen. Würde gerne, mit Deiner Erlaubnis mal versuchen die Story inhaltlich in meinen, naja nenen wir es mal "Hardcore" Stil zu schreiben.
Denke es wäre mal ein Interessante Experiment :wink:

Grüße Wolfgang
Grüße an: BUK; Sartre; Leon; Camillieri und Koontz

hwg
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Re:

von hwg (20.07.2007, 06:58)
Guten Morgen Wolfgang!

Bin mit Deinem "Experiment" einverstanden
und schon neugierig aufs Ergebnis.

Gruß aus der "grünen Mark"!

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Woolf71
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Re:

von Woolf71 (20.07.2007, 18:28)
Hallo hwg,

na dann werde ich mal....

bin selber gespannt 8)

Grüße aus Hessen
Grüße an: BUK; Sartre; Leon; Camillieri und Koontz

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Woolf71
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Re:

von Woolf71 (20.07.2007, 20:45)
Moin hwg,

hier ist es 8) , hoffe Du plazt nicht beim lesen :D
wenn Du nichts dagegen hast würde ich es gerne unter Prosa posten;

hoffe ich habe es nicht zu sehr verunstalltet :oops:

Grüße Wolfgang

Herr Pummel, in den Augen der Gesellschaft
so etwas wie ein stiller, feiner Mensch.
Solider Job bei der Post, Paketabteilung.
An sich ja schon ein begehrter Job, aber
Herr Pummel ist gelernter Philosoph.
Scheiße man, Studium. So richtig das volle
Programm.
Na ja, fast. Seiner Meinung nach, machen
die Professoren da zu viel Theorie daraus.
Da hat er geschmissen und ging zur Post.
Praktisch arbeiten und sich als Philosoph
verbessern.
Herr Pummel sieht sich aber nicht als Idealist
und schon gar nicht als Fall für den Psychiater,
denn als Philosoph hat er mit verwirrenden Leitungen
und seltsamen Stimmen, die sich generell,
später als die falschen herausstellen nichts am Hut.
Er würde deshalb, auch nicht für mehr Geld, ins
Fernmeldewesen gehen.
Eben dieser Herr Pummel ist nun Untermieter von Otto
und lehrt Ihn jedes Wochenende wissenschaftliche Philosophie.
Richtiges Denken muss gelernt sein. Wenn man denkt, dann denkt
man, man kann denken.
Darf sich dabei aber nicht auf Chef, Exekutive oder gar Legislative
verlassen. Denn was wenn die gerade mal nicht denkt?
Sollte sie das jemals getan haben.
Oder das Bewusstsein; unterschiedliche Menschen in verschiedenen
Bewusstseinsstufen.
Auch Otto hatte schon einmal das Bewusstsein verloren.
In Folge des Genusses einer Literflasche selbstgebrannten Obstlers.
Nach seinem Trip durch die Holle, aus ins Klo gespieenem Schmotter
und quälenden Träumen welche in regelmäßiger Eintracht
zu Schweißausbrüchen kamen,
hatte er das Bewusstsein, dass Obst in seiner natürlichen Form
extreme Auswirkung auf den Magen hat.
Einer bei der Post, der nach solcher Nacht lieber schläft als Eilbriefe zu
bearbeiten, hat zwar ein ausgeprägtes ich Sein aber definitiv kein Bewusstsein.
Einer wie Herr Pummel hat nun wieder ein höheres Bewusstsein ,
denn er stellt das Sein der anderen vor seines . Aber macht Ihn das zu einem
mit dem Sein der anderen?
Andere reden ständig über Ihr Sein. Dabei entpuppt sich dieses im Alltag als
lapidarer Schein.
Laut Herr Pummel, erfordert die heutige Zeit ein neueres Bewusstsein.
Immerhin bestimmt das Sein das Bewusstsein.
Darüber musste Otto erst einmal länger nachdenken.
Da Otto ebenfalls ein feiner Mensch ist, gönnt er Herr Pummel
eine “Unterrichtspause” , normale Studenten und Professoren haben
zur Zeit auch Ferien und beschlisst das nächste Wochenende mit einer
neuen Literflasche selbstgebranntem zu verbringen.
Grüße an: BUK; Sartre; Leon; Camillieri und Koontz

Dennis
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Re:

von Dennis (20.07.2007, 20:51)
Ich finde das Original persönlich besser ^^ trifft eher so den Denk- und Sprachstil von Herrn Pummel. Aber eine interessante VAriante werde ich noch im Detail durchgehen ;)

hwg
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Re:

von hwg (21.07.2007, 08:29)
Hallo Wolfgang,

ja, diese Interpretation kann ich gelten lassen :lol: .
Werde Deinen "Hardcore"-Stil auch einmal anwenden.
Du kannst Deine "Pummel"-Variation ohne weiteres
im Forum präsentieren, bin schon, so wie wahrscheinlich
auch Du, gespannt auf die Leserreaktionen.

Grüße & Auf Wiederlesen!
Hans

Rita Hajak

Re:

von Rita Hajak (21.07.2007, 11:01)
Hallo hwg,

Dein Schreibstil gefällt mir besser, denn er ist leicht und humorvoll zu lesen. Sehr nett.

Hallo Woolf,

Dein Schreibstil ist etwas härter, aber auch nicht schlecht.

Nach Geschmack wählbar.

Grüße Rita

julia07
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Re:

von julia07 (21.07.2007, 12:11)
Hallo,
der ‚aggressive’ Stil, den Wolfgang benutzt, gefällt mir prinzipiell sehr, denn er wühlt den Leser auf (habe mir gerade die Tage wieder mal die „Fuck Machine“ von Bukowski als Hörbuch einverleibt). Bei Wolfgangs Version von Otto und Herrn Pummel stört mich dieser Stil aber. Dazu kommen noch die diversen Rechtschreib- und Kommafehler, denn mehrmals musste ich zweimal drüber lesen, um den Satz zu verstehen. Das macht den eigentlich guten Stil etwas kaputt, weil man(ich) aus dem Lesefluss kommt.
Für das von Heinz gewählte, feinsinnige Thema ziehe ich dessen ‚normalen’ Schreibstil vor, denn er lenkt mich nicht so sehr von der Beschreibung der beiden Personen ab.
LG, Julia

hwg
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Re:

von hwg (21.07.2007, 14:37)
Eine klare Antwort fällt mir jetzt schwer.
Wir wollen doch nicht die eine gegen die
andere Variante ausspielen. Jede hat
ihre Berechtigung. Trotzdem denke ich,
sind weitere Reaktonen erwünscht.
Jedenfalls besten Dank, ich hoffe, auch
im Sinne von Wolfgang, es so richtig
vermittelt zu haben.

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Woolf71
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Re:

von Woolf71 (21.07.2007, 15:37)
Ich stimme hwg voll zu.
Wir wollen doch nicht die eine gegen die
andere Variante ausspielen.


es ist ein Experiment. Ob gelungen oder nicht kann jeder für sich entscheiden und seine Meinung hier äußern

Danke hwg :D

Grüße Wolfgang
Grüße an: BUK; Sartre; Leon; Camillieri und Koontz

julia07
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Re:

von julia07 (21.07.2007, 15:43)
Hallo hwg,
Deinen letzten Beitrag kann ich nicht wirklich verstehen. Wenn Du den 'Konkurrenzkampf' ausdrücklich zulässt und dann auch noch ‚auf die Reaktionen gespannt’ bist, warum darf man dann nicht vergleichen? Das ist doch die natürliche Reaktion auf dieses Spielchen.
Ich finde es gut, aber eigentlich gehört so etwas dann in die 'Schreibwerkstatt' und nicht in die Textvorstellung eines Autors. :wink:
LG, Julia

hwg
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Re:

von hwg (22.07.2007, 06:14)
Guten Morgen Julia!

Dein Einwand ist berechtigt.
Beim Tippen fiel mir das
Widersprüchliche im Beitrag nicht
auf. Muss an der
herrschenden Hitze gelegen
sein :lol: .
Instinktiv wollte
ich möglicher Weise vorkommende
unsachliche Äußerungen vermeiden
helfen. Wir sind jedoch, so wie
ich es sehe, eine "kultivierte
Diskussionsgemeinde" :D
Besten Dank für Deine Aufmerk-
samkeit.

Ebenfalls einen lieben Gruß!

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