Geklaute Kurzgeschichte?

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


Lally
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Geklaute Kurzgeschichte?

von Lally (29.07.2008, 23:00)
Hallo,

ich hätte da mal eine Frage ...

Vor einiger Zeit nahm ich an einem interessanten Wettbewerb teil. Monate später erhielt ich eine Mail, in der stand, dass meine Arbeit leider nicht gut genug war. Der Verlag A ist - wie ich mittlerweile festgestellt habe - kein "üblicher" Verlag. Die Anthologie soll demnächst erscheinen. Nirgendwo steht, welcher Autor darin vertreten sein wird.

Den abgelehnten Text möchte ich gerne am Wettbewerb des Verlags B teilnehmen lassen. Wenn ich den Text einreiche, ist die Anthologie von Verlag A noch lange nicht veröffentlicht.

Und jetzt zum vielleicht unwahrscheinlichen Fall (- nicht, dass ich damit hundertprozentig rechne, aber ich wüsste zu gerne, was man in solch einem Fall tut ...): Sollte jetzt zufällig mein Text ohne mein Wissen in der Anthologie des Verlags A veröffentlicht werden, wird es ja für mich problematisch, falls die Geschichte - was ich mir zumindest sehr wünsche - für die Anthologie von Verlag B ausgewählt werden sollte, und falls man erfährt, dass sie bereits bei Verlag A veröffentlicht wurde.
Wie verfährt man dann?

Stefan Lamboury

Es kommt auf die Nutzungsrechte an

von Stefan Lamboury (29.07.2008, 23:13)
Die Frage ist, ob du dem Verlag A die exklusiven Nutzungsrechte gegeben hast oder nicht. Wenn Verlag A die exklusiven Nutzungsrechte an deinem Manuskript besitz und er deine Kurzgeschichte veröffentlicht, kannst du nicht einfach die Geschichte noch in einem anderem Verlag veröffentlichen. Wenn der Verlag jedoch nicht die exklusiven Nutzungsrechte hat, hast du keine Probleme solange du Verlag B nicht die exklusiven Nutzungsrechte gibst.

Schönen Gruß

Stefan

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hawepe
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Re: Es kommt auf die Nutzungsrechte an

von hawepe (29.07.2008, 23:29)
Hallo Stefan,

Stefan Lamboury hat geschrieben:
Die Frage ist, ob du dem Verlag A die exklusiven Nutzungsrechte gegeben hast oder nicht.


Woher soll der Verlag ueberhaupt irgendwelche Nutzungsrechte haben, wenn er den Text als ungeeignet zurueckgewiesen hat?

Im Prinzip kann dieser Text jedem anderen Verlag angeboten werden. Ein Problem kann es nur geben, wenn Verlag A vielleicht feststellt, die Anthologie nicht komplett zu bekommen und den Text deshalb doch zu benoetigen. Zwar muesste er in diesem Fall nachfragen, aber wenn ...

Es ist eben die Frage, welchen Ruf Verlag A hat.

Natuerlich koennte Lally ihren Text auch bei Verlag B einreichen und dort auf dieses moegliche Problem hinweisen. Aber dann ist sie mit ziemlicher Sicherheit gleich weg vom Fenster.

Wenn Verlag A nicht den Ruf eines unserioesen Verlages hat, wurde ich den Text bei Verlag B einreichen,

Beste Gruesse,

Heinz.

Arachne
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Re:

von Arachne (30.07.2008, 10:26)
Auf jeden Fall den Ablehnungsbrief von Verlag A sehr gut aufheben!!

Sigrid

Lally
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Re:

von Lally (30.07.2008, 11:20)
Ja ... und genau darin liegt das Problem. Ich habe weder schriftlich, dass meine Geschichte abgelehnt wurde, noch dass sie angenommen wurde. Allerdings habe ich bei ein paar anderen Veröffentlichungen auch nicht mehr als eine E-Mail erhalten, in der stand, dass die Texte in den Anthologien erscheinen werden.
Sollte die Story beispielsweise unter einem anderen Namen leicht abgeändert, aber für mich dennoch klar erkennbar veröffentlicht werden, kann ich sie wohl vergessen, oder?

Versailles
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Re:

von Versailles (30.07.2008, 11:30)
Hi Lally
Sollte die Story beispielsweise unter einem anderen Namen leicht abgeändert, aber für mich dennoch klar erkennbar veröffentlicht werden, kann ich sie wohl vergessen, oder?

wenn ich dich richtig verstanden habe, befürchtest du, man könnte deine Geschichte leicht abgeändert unter einem anderen Namen veröffentlichen? Mal ganz spontan geantwortet: auf die Idee sollte mal einer kommen!!! :twisted: :shock:: Vergessen? Ich würde auf die Barrikaden gehen, wenn jemand soetwas mit meinem Text machte.

Lass' dir von Verlag A schriftlich (!) bestätigen, dass deine Geschichte nicht in die Antho aufgenommen wird bzw. schreibe dem Verlag (Einschreiben mit Rückschein) dass du dein Manuskript - zu dem dir bereits eine mündliche Absage vorliege - unbedingt zurück haben möchtest bzw. dass du nach der Absage keinesfalls einer anderweitigen Nutzung zustimmst.
Oder frage mal einen Fachanwalt für Urheberrecht.

Nachdenklich verabschiedet sich
Amalia
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Der Meinige
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Re:

von Der Meinige (30.07.2008, 11:37)
Ja ... und genau darin liegt das Problem. Ich habe weder schriftlich, dass meine Geschichte abgelehnt wurde, noch dass sie angenommen wurde


Oben behauptest du doch, eine Ablehnung bekommen zu haben?

Wer sollte denn ein Interesse daran haben, deinen abgewiesenen Text unter anderem Namen zu veröffentlichen? :roll:

hwg
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Re:

von hwg (30.07.2008, 11:43)
Der Verdacht, eine Story geklaut zu haben, wird oft sehr leichtfertig geäußert.

Entscheidend ist der Zeitpunkt, zu welchem 1. die Geschichte geschrieben und 2. erstmals veröffentlicht wurde. Ich biete meine Kurzgeschichten stets mehreren Redaktionen an und habe nach deren Druck deswegen noch nie Probleme gehabt.

Ins Internet stelle ich ohnehin nur bereits gedruckte Texte, deren Entstehung mitunter Jahre zurückliegt. Dabei geht es mir lediglich um Lesermeinungen und nicht um Profilierungssucht. :lol:

Letzteres Wort soll jedoch nicht zu Missinterpretationen bei Internet-Autoren führen!!!

LOFI

Re:

von LOFI (30.07.2008, 11:47)
Der Meinige hat geschrieben:
Wer sollte denn ein Interesse daran haben, deinen abgewiesenen Text unter anderem Namen zu veröffentlichen? :roll:


Naja, Ideenklau gibts ja immer wieder. Aber dazu muss es sich für den Klauer auch lohnen (ohne dem Text zu nahe treten zu wollen).

@Lally
Wie lang ist denn die Geschichte? Und ist die Idee aussergwöhnlich (also klauenswert?)
Du schreibst, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass es geschieht.

Ich glaube, du kannst sie auf jeden Fall bei einem anderen Verlag veröffentlichen. Schreibe dem ersten verlag eine Mail, dass du einen anderen gefunden hast und deine Bewerbung offiziell zurückziehst.
Sollte dann ein anderer deine Geschichte klauen (oder kopieren o.ä) und bei dem ersten von dir angeschriebenen Verlag veröffentlichen, wäre es zwar ein Ideenklau (schade, wenn auch unwahrscheinlich) aber die geschichte würde ja nicht unter deinem Namen erscheinen (durch die offizielle Absage dürften die das ja dann wohl nicht) und so kannst du sie woanders veröffentlichen); denn das (c) auf die Urgeschichte liegt ja bei dir.
LG

Lorenz

Lally
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Re:

von Lally (30.07.2008, 11:54)
Richtig, ich habe schon eine Ablehnung erhalten, aber per E-Mail. Aber, wie verfahre ich mit solchen Nachrichten? - Ich lösche sie.
Hätte ich vielleicht nicht tun sollen.

Ich bin einfach nur misstrauisch, vor allem, da ich mich mit den Gesetzen nicht auskenne.
Ich weiß nicht, ist so etwas wirklich noch nie in ganz Deutschland vorgekommen? Ich meine, dass ein weniger seriöser Verlag nicht genug Geschichten hatte (weil fast alle Teilnehmer mit den Veröffentlichungsbedingungen nicht einverstanden waren), jedoch unbedingt ein Buch veröffentlichen wollte, und sich deshalb einfach aus den eingeschickten welche rausgepickt hat, ohne Wissen des Autors?
Wenn das bei mir nicht der Fall sein sollte, kann ich meine Kurzgeschichte ja relativ unbesorgt woanders anbieten. Ich habe ohnehin die Erfahrung gemacht, dass der Text zwar vom Einen abgelehnt, aber vom Anderen doch akzeptiert werden kann/könnte.

Andere Frage: Wenn ich keinen Vertrag (Verlag A) unterschrieben habe, kriege ich dann auch keine Probleme mit Verlag B, falls dieser heraus findet, dass die Geschichte bei Verlag A unter Umständen erschienen sein sollte?

LOFI

Re:

von LOFI (30.07.2008, 11:57)
Lally hat geschrieben:
Richtig, ich habe schon eine Ablehnung erhalten, aber per E-Mail. Aber, wie verfahre ich mit solchen Nachrichten? - Ich lösche sie.
Hätte ich vielleicht nicht tun sollen.

Ich bin einfach nur misstrauisch, vor allem, da ich mich mit den Gesetzen nicht auskenne.
Ich weiß nicht, ist so etwas wirklich noch nie in ganz Deutschland vorgekommen? Ich meine, dass ein weniger seriöser Verlag nicht genug Geschichten hatte (weil fast alle Teilnehmer mit den Veröffentlichungsbedingungen nicht einverstanden waren), jedoch unbedingt ein Buch veröffentlichen wollte, und sich deshalb einfach aus den eingeschickten welche rausgepickt hat, ohne Wissen des Autors?
Wenn das bei mir nicht der Fall sein sollte, kann ich meine Kurzgeschichte ja relativ unbesorgt woanders anbieten. Ich habe ohnehin die Erfahrung gemacht, dass der Text zwar vom Einen abgelehnt, aber vom Anderen doch akzeptiert werden kann/könnte.

Andere Frage: Wenn ich keinen Vertrag (Verlag A) unterschrieben habe, kriege ich dann auch keine Probleme mit Verlag B, falls dieser heraus findet, dass die Geschichte bei Verlag A unter Umständen erschienen sein sollte?


Wie gesagt, schicke denen einen offiziellen Brief per Einschreiben, dass du dein Angebot zrückziehst. Dann dürftest du aus dem Schneider sein.

LG

Lorenz

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hawepe
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Re:

von hawepe (30.07.2008, 12:08)
Hallo Lally,

Lally hat geschrieben:
Ich habe weder schriftlich, dass meine Geschichte abgelehnt wurde, noch dass sie angenommen wurde. Allerdings habe ich bei ein paar anderen Veröffentlichungen auch nicht mehr als eine E-Mail erhalten,


Also hast du etwas schriftlich bekommen, nur nicht in ausgedruckter Form, sondern lediglich digital. Letzteres bedeutet lediglich, dass du ggfs. Beweisprobleme bekommen koenntest.

Sollte die Story beispielsweise unter einem anderen Namen leicht abgeändert, aber für mich dennoch klar erkennbar veröffentlicht werden, kann ich sie wohl vergessen, oder?


Das waere dann aber kein Problem, das du mit Verlag B, sondern mit Verlag A klaeren muesstest. Handelt es sich wirklich nur um minimale Bearbeitungen, waere es vermutlich ein Urheberrechtsverstoss. Aber solche Faelle sollte man wirklich besser mit einem Fachanwalt angehen und nicht auf eigene Faust.

Gegen einen Ideenklau bist du dagegen machtlos.

Beste Gruesse,

Heinz.

Versailles
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Re:

von Versailles (30.07.2008, 12:29)
Ich weiß nicht, ist so etwas wirklich noch nie in ganz Deutschland vorgekommen? Ich meine, dass ein weniger seriöser Verlag nicht genug Geschichten hatte (weil fast alle Teilnehmer mit den Veröffentlichungsbedingungen nicht einverstanden waren), jedoch unbedingt ein Buch veröffentlichen wollte, und sich deshalb einfach aus den eingeschickten welche rausgepickt hat, ohne Wissen des Autors?
Mag sein, dass es dieses Gebaren an jeder "Ecke" gibt. Nur: weshalb sollten die das eigentlich tun? :? Man sollte als Verleger doch damit rechnen, dass sich die Autoren auch nach Erscheinen für genau die Antho interessieren, bei der sie nicht dabei sein konnten (und sei es nur, um mal zu sehen, was da so veröffentlicht wurde). Da würde ein Textklau doch sofort auffallen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine Antho gar nicht erst verwirklicht wurde, wobei ich den Herausgeber vorher wie nachher als seriös einstufe. Er hat anhand der vorliegenden Geschichten vermutlich sein Risiko eingeschätzt: zu wenig brauchbare Geschichten = möglicherweise zu wenig allgemeines Interesse = zu wenig Verkäufe...

Liebe Grüße
Amalia
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Satyr
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Re:

von Satyr (30.07.2008, 15:11)
Vielleicht darf ich aus der Sicht von Verlag und Autor etwas beisteuern:

1.
Wie hier schon mehrfach gesagt: Einschreiben an Verlag A mit Untersagung einer Veröffentlichung - und der Fall ist rechtlich geklärt.

2.
Ideenklau wird es da und dort sicherlich geben. Dass aber ganze Texte unter anderem Autorennamen veröffentlicht werden, erscheint mir völlig unmöglich. So dumm ist niemand! Es gibt, gerade heute per Internet, zu viele Möglichkeiten, dies zu entdecken. Und dann folgt eine Betrugsanzeige geben den unechten Autor.

3.
Dass ein seriöser Verlag eine Anthologie nicht gefüllt bekommt, gibt es nicht. Die Anzahl von Texten ist grundsätzlich umfangreicher als der zur Verfügung stehende Raum. Bei einem unseriösen Verlag erscheint es mir jedoch vorstellbar, dass er auf die Schnelle, ohne vorherige Rückfrage, noch einen vorher abgelehnten Text aufnimmt. Das Verhalten von Verlagen gegenüber Autoren hat sich in den letzten zwanzig Jahren ziemlich brutalisiert.

4.
Übrigens: Immer mehr Texte, die man an Verlage schickt, erscheinen ungefragt im Internet. Dafür sind in den Verlagen nämlich vor allem Leute zuständig, die keine Verlagsausbildung haben, also auch keinen Bezug zum Urheberrechtsgesetz. Ich habe dies gerade bei einer größeren Verlagsgruppe erlebt. Ich empfehle jedem Autor, der viel per E-Mail verschickt, regelmäßig bei Google nachzusehen,
a) durch Eingabe des eigenen kompletten Namens
b) durch Eingabe des kompletten Titels,
ob er nicht "versehentlich" veröffentlicht wurde.

Frohes Schaffen
wünscht
Satyr

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (30.07.2008, 16:28)
Satyr hat geschrieben:
1.
Wie hier schon mehrfach gesagt: Einschreiben an Verlag A mit Untersagung einer Veröffentlichung - und der Fall ist rechtlich geklärt.


Verbesserungsvorschlag:
Ein Einschreiben beweist nur, dass eine Briefsendung abgeschickt wurde. Besser ist ein Einschreiben mit Rückschein, weil dadurch der Eingang des Schreibens beim Empfänger nachgewiesen werden kann. Allerdings ist auch das kein gerichtsfester Beweis dafür, was sich im Briefumschlag befunden hat.

Ist der Inhalt des Briefes ausschlaggebend, kann so ein Brief per Gerichtsvollzieher zugestellt werden. Da sollte man sich aber vorher überlegen, was das kostet.

Grüße
Siegfried

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