Anfang einer Novelle

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (01.08.2008, 20:45)
ChrisK hat geschrieben:
[ Ich kenne mehrere ganz erfolgreich und produktiv arbeitende Teams und hab schon in mehreren mitgearbeitet. Wenn die persönlichen Eitelkeiten vor der Tür bleiben und ein klares Ziel definiert ist, ist das ein ganz angenehmes Arbeiten.


ich kann nur auf meine eigenen Erfahrungen zurückgreifen, was das Schreiben eines 300-Seiten-Romanes mit zwei Co-Autoren angeht. Es hat nicht funktioniert, bereits im Ansatz nicht.

Es ging um den Entwurf eines Fantasy-Romanes. Wie macht man so etwas?

Autor A sagt: "Wir müssen uns ein Grundthema überlegen, um was die Geschichte sich im Kern dreht."

Autor B sagt: "Das ist Unsinn. Wir schreiben einfach einen Anfang und schauen mal, wohin es geht."

Autor C sagt: "Wir teilen das einfach auf. Jeder schreibt so um die 100 Seiten, der eine den Anfang, der andere die Mitte, der dritte das Ende."

Autor A: "Wenn wir einfach drauflos schreiben, wie wollen wir dann die Figuren in der Geschichte definieren?"

Autor B: "Gar nicht, das ist ja das Spannende beim Schreiben."

Autor C: "Wir können ja die Figuren vorab festlegen, und jeder kann dann in seinem Teil die Figuren so benutzen, wie er es für richtig hält."

... na ja, und so weiter, und so weiter. Zwei Wochen intensive Diskussion in diesem Stil, dann wurde das Projekt eingestampft.

Sicher, es kann funktionieren. Aber dann muss man sich z. B. mindestens über die Arbeitsweise einig sein - und das ist schon ein Stück vom Himalaya, was man überwinden muss. cheezygrin Bei amerikanischen Autoren, die durch das Creative Writing gegangen sind, mag das einfacher sein ... aber hier in Deutschland, wo man auf den Musenkuss zu warten hat ... cheezygrin

Grüße
Siegfried

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Zoba
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Re:

von Zoba (01.08.2008, 22:22)
Hi,

hier könnte etwas mißverstanden worden sein.

Serien in den USA werden erst komplett konzipiert, die Autoren Moye und Leavitt zeichnen verantwortlich für den Pilot von Al Bundy, sowohl der Story, als auch des Drehbuchs. An dieser Stelle werden Charaktere, Verhaltensweisen und die generelle Stoßrichtung, bei manchen Serien auch bereits der Handlungsbogen, festgelegt. Das gesamte Konzept ist der Produktionsfirma bereits verkauft.

Danach arbeiten sogar meistens mehrere Autorenteams an den Serien weiter, dies unter anderem deshalb, weil selbst ein einzelnes Team nicht in der Lage wäre, den teils nur einwöchigen Drehturnus pro Folge zu leisten. Die weitreichendsten und wichtigsten Entscheidungen sind vor dem Schreiben dieser Einzelfolgen bereits getroffen. Die Teams werden von der Produktion genau eingearbeitet, übrigens einer der Hauptgründe, warum es nichts bringt, wenn ein Autor ein Script für eine laufende Serie schreibt.

Das alles ist nicht wirklich vergleichbar mit dem Schreiben eines Kinofilmscripts und auf keinen Fall mit der Arbeit an einem großen Roman.
Gruß,

Zoba

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ChrisK
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Re:

von ChrisK (02.08.2008, 10:13)
Zoba hat geschrieben:
Das alles ist nicht wirklich vergleichbar mit dem Schreiben eines Kinofilmscripts...


Warum insistierst du auf etwas, was nachweislich nicht stimmt? Hier sind ein paar Filme, die von Teams geschrieben wurden bzw. bei deren Drehbüchern Teams mitgewirkt haben...

Annie Hall - Marshall Brickmann & Woody Allen
The People vs. Larry Flynt - Scott Alexander & Larry Karaszweski
Batman Forever - Lee & Janet Scott Batchler
Shrek - u. a. Terry Rossio & Ted Elliott
Election - Jim Taylor & Alexander Payne
America's Sweethearts - Peter Tolan & Billy Crystal
Get Smart - Tom Astle & Matt Emner
Indiana Jones & the Temple of Doom - Gloria Katz & Willard Huyck
(alles keine einmaligen Kollaborationen, die o.g. Autoren haben allesamt mehrere erfolgreiche Drehbücher gemeinsam verfasst).
Und dann sind da natürlich noch die Farrelly-Brüder, die ihre Scripts im Team schreiben. Die Coen-Brüder nicht zu vergessen.
Wir können auch gern mal in der Filmgeschichte graben: Da fallen mit zuerst Fritz Lang und Thea von Harbou ein. Lubitsch ließ fast alle seine Bücher im Team schreiben. Nachdem Billy Wilder diese Arbeitsweise in Lubitschs Team kennen und schätzen gelernt hatte, schrieb er die Drehbücher aller seiner Filme grundsätzlich nur noch in unmittelbarer Zusammenarbeit mit einem anderen Autor, zunächst mit Charles Brackett, dann mit I.A.L. Diamond.

Kollaborationen im Bereich Kino-Drehbuch sind wirklich ein interessantes Thema. Und ein so umfangreiches...
Wenn du dich mal sachkundig machen willst, es gibt da ein interessantes Buch: "Script Partners - What Makes Film and TV Writing Teams Work" von Claudia Johnson und Matt Stevens.

Gruß

Chris

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Zoba
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Re:

von Zoba (02.08.2008, 12:20)
Hi Chris,

Warum insistierst du auf etwas, was nachweislich nicht stimmt?


Und warum weist du meinen Aussagen eine Ausschließlichkeit zu, die da garnicht vorhanden ist? Lies doch einfach mal zurück. Ich habe garnicht gesagt, daß es unmöglich ist, ich habe sogar Beispiele für eminent gute Scripts und Romane gebracht, die in Kollaboration geschrieben wurden.

Ich bleibe aber dabei, daß es zum einen nicht der Regelfall ist, selbst in den USA werden nach wie vor über 90% aller Stories, Scripts (und Romane) zuerst einmal von einer Person geschrieben.

Da Filme ohnehin eine Gruppenarbeit sind und der Autor meistens seine Rechte an den Scripts mit dem Optionsverkauf erst einmal komplett aufgibt, steht der Nachbearbeitung durch einzelne weitere Autoren oder Teams nichts mehr entgegen. Oft genug kommt ein Regisseur mit einer eigenen Idee an und legt sie einem Autoren, mit dem er gerne zusammenarbeitet, vor, der schreibt und der Regisseur überarbeitet. Oder ein Regisseur erhält ein Script oder eine Story, die ihm gefällt, und überarbeitet es selbst, weil er selbst gut schreiben kann. Das ist dann auch eine Kollaboration, die aber so wie von dir dargestellt nie stattgefunden hat. Ist in Hollywood aber Normalität und ich weiß wovon ich da rede.

Es ist aber auch so, daß für eine echte Kollaboration ganz von Anfang an, etwas mehr nötig ist, als nur gut schreiben zu können. Wenn sich erfahrene Autoren (wie z.B. Woody Allen oder auch Anne MacCaffrey oder Katherine Kurtz) mit einigen hundert publizierten/produzierten Werken in der Gesäßtasche mit einem gut befreundeten und ähnlich schreibenden Kollegen zusammentun und gemeinsam einen Roman oder ein Script entwickeln, dann ist das eine andere Nummer, als 3 nicht publizierte, unerfahrene Autoren zusammenzusetzen und die mal draufloswurschteln zu lassen. DAS geht öfter schief, als daß es gut geht. Und darauf wollte ich hinaus, das ist auch wovon es Siegfried hatte.

Ebenso sieht es mit dem Vergleich von eingespielten Teams aus (und jene, die in den USA an Serien arbeiten SIND eingespielte Teams!) und ebendiesen 2-3 unerfahrenen, unpublizierten Autoren, die mal eben beschließen, wir arbeiten was zusammen aus.

Selbstverständlich kann das klappen, aber die Wahrscheinlichkeit dafür, daß es nicht nur klappt, sondern auch was Gutes dabei rauskommt, ist gering. Die ist bereits statistisch sehr gering, denn nur wenn alle auf dem gleichen Niveau liegen und in etwa die gleiche Stoßrichtung haben, lassen sich in derart "basisdemokratischen" Konstellationen Ergebnisse erzielen, die jenseits von gutgemeint und kleinster gemeinsamer Nenner landen.

Siegfrieds Anmerkung ist für mich genau so zu verstehen, wer sich jedoch in einer Kollaboration versuchen will, der soll es halt tun. Nur würde ich es nicht als das Nonplusultra oder eine Voraussetzung für Erfolg anpreisen.

Einige recht nette und aufschlußreiche Kommentare und Beschreibungen zu dem Thema kann man hier finden:

Laura Resnick on Collaboration

The D&G Story

Ansonsten sind die Gründe der uns vorgelebten Kollaborationen bekannter Autoren selten für Otto-Normal-Autor hilfreich, es sei denn er schafft es, einen sehr bekannten Autor für eine Kollaboration zu gewinnen oder ist bereits an dem Punkt angekommen, an dem ihm die Ideen ausgehen.
Gruß,



Zoba



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Lilian
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Re:

von Lilian (03.08.2008, 14:21)
Faszinierend, was dabei heraus kommt, wenn man meint, mal eben zwei Fragen stellen zu können, um etwas zu überprüfen.

Ich hätte gar nicht erst irgendwas zu den Arbeitsmethoden erklären sollen ...

Außer Maya und Zoba hat keiner diese Fragen beantwortet. Danke euch beiden dafür. Vor allem Zoba hat uns weiter geholfen.

@Der Meinige - Meinst du mit deiner Aussage eigentlich, dass wir ein Autorenduo, das bereits zwei einigermaßen erfolgreiche Bücher auf genau diese Weise geschrieben hat, einfach aufgeben sollten, nur, weil dieses Textfragment grottig ist (was uns auch schon vorher bewusst war) und DU den Eindruck hast, wir wüssten nicht, was wir tun? blink3

Um bei deinem Beispiel des Architekten zu bleiben:
Am Anfang steht die Vorstellung des fertigen Hauses. (Sprich: NATÜRLICH haben wir eine konkrete Idee, eine Vorstellung der Figuren und der Handlung!).
Aber kein anständiger Architekt würde dann einfach darauf losbauen, sondern er erstellt erst einmal einen genauen Bauplan.
Den schüttelt er sich aber auch nicht einfach aus dem Ärmel, sondern er fertigt erst einmal zig Skizzen an, die er - wenn sie seiner Vorstellung nicht genügen - auch zerreißt und wegwirft.

Und das ist genau der Punkt, an dem wir uns befinden. Wir sichten unsere Skizzen (bei denen wir - mit der Vorstellung des "fertigen Hauses" im Hinterkopf - eben so "drauf los" geschrieben haben, weil sich das so bewährt hat und WIR so am besten arbeiten können - ob andere das können, ist mir, ehrlich gesagt, ziemlich wurscht) und übertragen das, was am ehesten dieser Vorstellung entspricht, auf den exakten "Bauplan", nach dem wir dann erst das eigentliche Buch schreiben.

Dabei kommt man aber manchmal an einen Punkt, an dem sich nicht ganz sicher ist. Wenn man sich viel mit einem Projekt beschäftigt, stellt sich eben eine gewisse "Blindheit" ein. Man spürt, dass etwas nicht stimmt, aber weiß nicht so genau, was es ist. Bei dem Diener waren wir uns halbwegs sicher, bei der Sache mit der Zeit war es einfach nur ein Gefühl.

Das bedeutet aber nicht, dass dadurch der komplette Bauplan zunichte gemacht ist oder dass die Vorstellung nicht mehr umgesetzt werden kann. Die Zeit spielt eine ziemlich untergeordnete Rolle. Die Strukturen der beiden Länder, um die es in dem Buch geht, sind entscheidend.
Eine der Skizze beinhaltete die Idee, das Ganze in eine etwas frühere Zeit zu legen, um dies noch stärker zu unterstreichen.
Zoba hat aber Recht, dass uns das überhaupt nicht liegt. Wir schreiben zu modern, um das glaubhaft machen zu können.

Daraus aber das ganze Projekt beurteilen zu wollen + Arbeitsmethoden + die Tatsache, dass wir zu zweit arbeiten, finde ich offen gestanden ziemlich haarig.
I'm running into the water to drown in your soul.

http://www.juli-selbstverlag.de.vu

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Felix16
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Der Anfang einer Erzählung...

von Felix16 (03.08.2008, 14:32)
sollte den Leser fesseln. Entweder durch eine Handlung oder durch eine zu erwartende Handlung. Das vermisse ich. Du willst doch nicht, liebe Liane,
dass der Leser das Werk schon nach der ersten Seite fortlegt.

Aber Kopf hoch und viel Spass beim Basteln.

Felix
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Zoba
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Re:

von Zoba (03.08.2008, 17:45)
Hi,

Faszinierend, was dabei heraus kommt, wenn man meint, mal eben zwei Fragen stellen zu können, um etwas zu überprüfen.


Tja, cheezygrin , exakt dies ist eins der Hauptprobleme bei Kollaborationen. Auch wenn man davon ausgehen kann, daß die Arbeit dort meistens noch etwas länger und schärfer zielgerichtet bleibt, so ist das Abdriften vom Thema/der Aufgabe in Gruppen die Normalität.
Gruß,



Zoba



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