Wiederverkäuferkonditionen?

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hawepe
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Re:

von hawepe (05.08.2008, 23:01)
Hallo Siegfried,

Siegfried hat geschrieben:
Reduzieren wir also die Margen auf 10% und erhöhen dafür die Autorenhonorare auf 30 oder 40% - wie viele Buchläden würden dann wohl noch übrig bleiben?


Warum stellst du die gleiche Frage nicht auch mal bezogen auf die Autoren?

Dass selbst Berufsautoren heute nur noch in Ausnahmefaellen ohne Nebenjob auskommen, gilt laengst als selbstverstaendlich. Der Buchhandel aber soll ganz selbstverstaendlich von seiner Taetigkeit leben koennen.

Beste Gruesse,

Heinz.

Gerhard
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Re:

von Gerhard (05.08.2008, 23:06)
Siegfried hat geschrieben:
Wenn die Margen so exorbitant überhöht sind, wieso haben die Buchhändler so große Probleme, finanziell zu überleben?

Reduzieren wir also die Margen auf 10% und erhöhen dafür die Autorenhonorare auf 30 oder 40% - wie viele Buchläden würden dann wohl noch übrig bleiben?


Und weshalb können so viele Autoren nicht von ihren Büchern leben? Weil deren Marge so exorbitant niedrig ist. Was hätten die Buchhändler noch zu verkaufen, wenn es keine Autoren mehr gäbe?
Herzliche Grüße
Gerhard

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Die Welt ist anders, als sie uns erscheint. "Auf der Suche nach der Realität" , ISBN 978-3833493294

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (05.08.2008, 23:43)
hawepe hat geschrieben:
Warum stellst du die gleiche Frage nicht auch mal bezogen auf die Autoren?



Hmm... nehmen wir an, ein Autor schreibt ein Buch mit einer Auflagenzahl von 5.000 Stück ... und will davon leben???

Welchen Produktionsrhythmus hat ein Buchautor? Pro Jahr eines? Oder zwei? Oder alle drei Jahre eines? Oder alle sechs Wochen ein neues Buch, wie es z. B. Hohlbein macht?

Wenn jemand vom Schreiben vernünftig leben will, braucht er eine Jahreseinnahme von ca. 50.000 Euro vor Steuern und Sozialversicherung. Wie soll der Buchhandel das finanzieren? Über den Preis? Dann kosten einfache Taschenbücher plötzlich 20 oder 30 Euro. Und es gibt viele Autoren, die dann Anspruch erheben. Von verkauften 5.000er Auflagen kann man nicht leben. Blöd, dass das die Käufer nicht wissen und jedes Buch zum Bestseller in höherer fünfstelliger Auflage machen. Vielleicht sollten wir eine Kaufpflicht von Büchern der Berufsautoren einführen. cheezygrin

Grüße
Siegfried

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Judith
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Re:

von Judith (06.08.2008, 01:18)
Bei Kinderbuchautoren habe ich festgestellt, dass es bei den Profis, also denen, die davon leben, üblich ist, pro Jahr ca. 10 Bücher herauszugeben. Meistens sind es 2 - 3 größere, also Romanen entsprechend mit ungefähr 200 Seiten und der Rest kleinere wie Erstlese- und Bilderbücher (wobei das Honorar da wegen der Illustratoren nur bei ca. 5 % liegt). Wenn man für die Bücher 5.000 Auflage im Schnitt rechnet, dann kommt man auf etwa 20.000 Euro brutto im Jahr, also netto etwa einen Tausender im Monat, Lesungen nicht mitgerechnet. Man kann also davon leben, wenn man "Fließbandarbeit" macht. Siehe dazu auch mein Mädchenroman-Thema im Mitgliederbereich.

Grüßle,
Judith
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hawepe
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Re:

von hawepe (06.08.2008, 07:58)
Hallo Siegfried,

Siegfried hat geschrieben:
Wenn jemand vom Schreiben vernünftig leben will, braucht er eine Jahreseinnahme von ca. 50.000 Euro vor Steuern und Sozialversicherung. Wie soll der Buchhandel das finanzieren? Über den Preis? Dann kosten einfache Taschenbücher plötzlich 20 oder 30 Euro. Und es gibt viele Autoren, die dann Anspruch erheben.


Dass es kein einfaches Patentrezept gibt, duerfte klar sein. Nur, fehlende Antworten beseitigen keine Fragen. Und die Frage ist eben, warum es selbstverstaendlich sein soll, dass Autoren auf ausreichende Honorare verzichten sollen, damit Buchhandel und Verlage leben koennen.

Vielleicht sollten wir eine Kaufpflicht von Büchern der Berufsautoren einführen. cheezygrin


Warum nicht cheezygrin

Ich weiss nicht, ob es heute noch so ist, aber noch vor wenigen Jahren mussten Arbeitslose, die aus der Kirche ausgetreten waren, in D trotzdem Kirchensteuer zahlen.

Aber ganz ernsthaft: der Steinkohlebergbau und die Landwirtschaft erhalten jedes Jahr Milliardensubventionen, mal dafuer, dass sie etwas produzieren, mal dafuer, dass sie auf die Produktion verzichten. Warum nicht Subventionen fuer Autoren? Es muesste ja nicht gleich so weit gehen, dass es fuer den Verzicht der schlimmsten Buecher auch Geld gibt cheezygrin

Beste Gruesse,

Heinz.

hwg
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Re:

von hwg (06.08.2008, 08:11)
Die Förderung von Verlagen durch die "öffentliche Hand" gibt es ohnehin,
ohne diese würden viele der "schöngeistigen" Editionen gar nicht erscheinen.

Autoren, die von den Einkünften aus ihren verkauften Büchern ihre berufliche Existenz gar nicht bestreiten können, würden sie nicht andere Auftragsarbeiten übernehmen, sind in der Überzahl.

Deshalb eifern diese Autoren auch um Aufträge von Zeitschriften und
Rundfunkanstalten, schreiben Heftromane und auch Werbetexte (unter Pseudonym).

Die "freie Marktwirtschaft", von vielen unter uns als ideal verteidigt, von mir jedoch in der jetzigen Form abgelehnt, fordert eben "Opfer".

Möglicherweise könnte ein Autorenstreik Änderungen hervorrufen. Bei der Vielzahl an (nebenberuflichen) Veröffentlichungswilligen bleibt dieser
Vorschlag allerdings ein Wunschdenken... :lol:

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