Handlungsmuster: Abenteuer

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Siegfried
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Handlungsmuster: Abenteuer

von Siegfried (06.08.2008, 21:33)
Als Abgrenzung zur "Suche" ("Queste") hier das Handlungsmuster "Abenteuer" im Abriss:

- beim Abenteuer steht die Reise im Mittelpunkt, nicht die Hauptperson

- Kern der Handlung ist das Hinauswagen in eine fremde oder feindliche Welt. Beschrieben werden die Konsequenzen, die die Hauptfigur durch die Begegnung mit fremden Orten und Personen erfährt.

- Das Ziel, was der Held sucht, ist ein persönliches Glück, was er daheim nicht findet.

- Der Protagonist muss mit einem triftigen Grund ausgestattet sein, um sich auf die Abenteuer einzulassen (frage dich immer: Warum kehrt er nicht einfach heim?)

- Die Reise wird durch eine Ursache bestimmt, die dann eine Wirkung hat. Diese Wirkung ist dann wiederum die Ursache für die Fortsetzung der Reise. Diese Kette bleibt während der ganzen Handlung erhalten.

- da die Reise mit ihren Ereignissen im Mittelpunkt der Geschichte steht, ist eine charakterliche Veränderung der Hauptfigur nicht erforderlich

- die Sekundärhandlung in einer Abenteuergeschichte ist oftmals eine Liebesgeschichte


Bekannte Abenteuergeschichten:
- die Stirb-langsam-Filme
- die Indiana-Jones-Filme
- die James-Bond-Filme
- Der Seewolf (von Jack London)
- 20.000 Meilen unter dem Meer (von Jules Verne)



Grüße
Siegfried
Zuletzt geändert von Siegfried am 07.08.2008, 10:13, insgesamt 1-mal geändert.

hwg
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Re:

von hwg (07.08.2008, 08:17)
Guten Morgen Siegfried!

Diese Hinweise verhelfen sicher etlichen Autoren zu wichtigen Erkenntnissen. Schön, dass Du Dir diese Mühe machst.

Gruß aus der Steiermark!
Hans

Arachne
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Re:

von Arachne (07.08.2008, 21:16)
Hallo Siegfried,

wobei das, soweit ich mich an den Seewolf erinnere, m.E. nicht zutrifft. Der Held (van Weyden? übrigens ein Autor :D ) macht doch eine große Entwicklung durch, zu einem selbstständigeren Menschen.

Sigrid

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (08.08.2008, 00:07)
Arachne hat geschrieben:
wobei das, soweit ich mich an den Seewolf erinnere, m.E. nicht zutrifft. Der Held (van Weyden? übrigens ein Autor :D ) macht doch eine große Entwicklung durch, zu einem selbstständigeren Menschen.


Wir haben jetzt zwei Möglichkeiten:

a) die Definition des Handlungsmusters "Abenteuer" ist falsch

b) "Der Seewolf" ist kein Abenteuerroman. Was ist er dann?

Grüße
Siegfried

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Zoba
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Re:

von Zoba (08.08.2008, 07:11)
Hi Siegfried,

"Der Seewolf" ist kein Abenteuerroman. Was ist er dann?


cheezygrin

Er ist das, was die meisten guten Geschichten und Stories siind, er ist eine Kombination von 2 oder 3 Plottypen.
Gruß,

Zoba

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Arachne
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Re:

von Arachne (08.08.2008, 10:05)
Hallo Siegfried,

Wir haben jetzt zwei Möglichkeiten:

a) die Definition des Handlungsmusters "Abenteuer" ist falsch

b) "Der Seewolf" ist kein Abenteuerroman. Was ist er dann?


ich habe mir Deine Definition noch einmal genau durchgelesen.

1.
Kern der Handlung ist das Hinauswagen in eine fremde oder feindliche Welt. Beschrieben werden die Konsequenzen, die die Hauptfigur durch die Begegnung mit fremden Orten und Personen erfährt.

Soweit ich mich erinnere (ist 30 Jahre her) fällt der Held ins Wasser und wird vom "Seewolf" aufgefischt. Er wagt sich also nicht aktiv hinaus, es ist ein Unglück.

2.
Das Ziel, was der Held sucht, ist ein persönliches Glück, was er daheim nicht findet.

Der Held ist am Anfang des Romans sehr zufrieden mitseinem Leben. und sehr unglücklich mit dem Abenteuer. (Andererseits beurteilt er das am Ende des Romans vielleicht anders).

3.
Der Protagonist muss mit einem triftigen Grund ausgestattet sein, um sich auf die Abenteuer einzulassen (frage dich immer: Warum kehrt er nicht einfach heim?)
und
4.
Die Reise wird durch eine Ursache bestimmt, die dann eine Wirkung hat. Diese Wirkung ist dann wiederum die Ursache für die Fortsetzung der Reise. Diese Kette bleibt während der ganzen Handlung erhalten.

s.o., es gibt nur einen Grund: Der "Seewolf" lässt ihn einfach nicht heim.

5.
die Sekundärhandlung in einer Abenteuergeschichte ist oftmals eine Liebesgeschichte.

Stimmt! Anders als in der Verfilmung übrigens eine glücklich endende.

Natürlich würde ich den Seewolf als Abenteuerroman charakterisieren. Aber ist z.B. Moby Dick in dem Sinne nicht auch ein Abenteuerroman? Trotzdem ist er noch etwas anderes. Ich glaube, daß sich Literatur nie in ein Schema pressen läßt, außer vielleicht ganz schlechte (Pulp Fiction).

Sigrid

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (08.08.2008, 10:54)
Arachne hat geschrieben:
Aber ist z.B. Moby Dick in dem Sinne nicht auch ein Abenteuerroman?


Ich würde "Moby Dick" als Rache-Geschichte ansehen (Ahab versucht sich, am weißen Wal zu rächen, und geht dabei - im wahrsten Sinne des Wortes - mitsamt seiner Mannschaft unter.

Arachne hat geschrieben:
Ich glaube, daß sich Literatur nie in ein Schema pressen läßt, außer vielleicht ganz schlechte (Pulp Fiction).


Ich verstehe. Bekannte Handlungsmuster = Schema = schlecht.

Schade. :cry:

Ich hätte noch das eine oder andere Handlungsmuster gerne vorgestellt. book: Ich möchte aber niemanden dazu verleiten, schlechte Literatur zu schreiben.

Grüße
Siegfried

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Zoba
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Re:

von Zoba (08.08.2008, 11:12)
Hi Siegfried,

och nu - nich beleidigte Leberwurscht, büdde cheezygrin

Ich denke, das Problem hier ist, daß du die Plots einzeln darstellst (ich ahne auch woher du das holst), aber die meisten Geschichten haben Plots und Subplots, die sich leicht in verschiedene Kategorien einordnen lassen, was auch bewußt vom Autor gewollt ist.

"Moby Dick" ist ein gutes Beispiel, da ließe sich der Racheplot zuweisen, aber auch das Abenteuer und in geringem Maße noch die Heldengeschichte.
Gruß,



Zoba



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Arachne
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Re:

von Arachne (08.08.2008, 11:46)
Hallo Siegfried,

ich wollte mit meinem letzten Satz keineswegs ausdrücken, daß Handlungsmuster schlechte Literatur ausmachen, und auch keineswegs Kritik an Dir und Deiner Arbeit. Offensichtlich bin ich - wirklich völlig unabsichtlich - in ein Fettnäpfchen getreten. Bitte höre nicht deswegen auf!

Ich meinte nur: kann "Rachegeschichte" nicht eine Unterkategorie von Abenteuergeschichte sein - und umgekehrt nicht Abenteuergeschichte eine Unterkategorie von Rachegeschichte? Ist die Heimkehr des Odysseus nicht eine Rachegeschichte, die Odyssee nicht auch eine Abenteuergeschichte, Reisegeschichte, Epos, Fantasy und und und? Liegt es nicht im Auge des Betrachters. z.B. könnte man eine Unterkategorie "Seefahrergeschichte" aufmachen, wohinein sowohl der Seewolf, Moby Dick und die Odyssee gehören?

Sigrid

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (08.08.2008, 11:53)
Hi Siegfried,
es ist immer gut zu wissen, wie ein bestimmtes Genre (normalerweise) auszusehen hat.
Die Grundlagen zu kennen, ist enorm wichtig.
Es gibt auch eine Menge Leser, die, wenn sie einen Abenteurroman lesen wollen, genau das erwarten, was ein "normaler" Abenteuerroman zu bieten hat.
Ähnliches gibt es ja in der Fantasy - Herr der Ringe ist das Paradebeispiel - viele (die meisten?) Fantasyromane orientieren sich an H.d.R.
Ich kann und will auch nicht bewerten, ob man sich an die vorgegebenen Muster halten muss.
Letztlich sollte das jeder selbst wissen. Ich würde es vielleicht nicht tun.
Aber nochmal: Gerade wenn man aus den bekannten Mustern ausbrechen will, sollte man diese sehr genau kennen. Es ist ähnlich wie bei einer Satire. Man muss das, was man satirisch darstellen will, sehr gut kennen.
Insofern bringt dein Beitrag also jedem was: Sowohl dem, der einen "korrekten" Abenteuerroman schreiben will, wie auch demjenigen, der innerhalb dieses Genres neue Wege beschreiten möchte.

Ein Bekannter von mir (u.a. Grafiker) meinte mal: "Schau dir an, was den (deutschen) Grafikern gelehrt wird - und mach es genau anders."

Letztlich entscheidet wohl auch der Geschmack. Ich lasse mich gerne mal überraschen. Einen Autor, der ein typisches Genre bedient, und dann auf einmal aus diesem Genre etwas völlig neues, überraschendes macht, finde ich gut (z.B. A. S. Pinol). Ich lasse mich gerne mal gegen die Wand fahren cheezygrin

Gruß
Hakket

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (08.08.2008, 12:22)
Hakket (Moderator) hat geschrieben:
Die Grundlagen zu kennen, ist enorm wichtig.


Was mich wirklich überrascht, ist die Tatsache, wie wenig "Grundlagen" von den vielen, vielen anderen Autoren hier im Forum vorgestellt werden.

Darüber kann man ins Grübeln kommen und sich einige Begründungen suchen. Die vermutlich fieseste Begründung ist wohl, dass niemand seine "Grundlagen-Kenntnisse" vorstellen will. Information Hiding, damit andere - insbesondere Anfänger - nichts lernen und somit zu Konkurrenten heranwachsen können?

Eine zweite Begründung, die einem sofort einfällt: Viele Autoren, die sich hier im Forum herumtreiben, schreiben zwar Texte, haben sich aber noch nie mit den "Grundlagen" befasst. Als - verständliche - Reaktion greifen sie die vorgestellten Grundlagen an - weil eben nicht sein kann, was nicht sein darf. Wenn man seit zehn Jahren schreibt und jetzt erst erfährt, dass es so etwas wie Handlungsgrundmuster gibt oder das Muster eines Drei-Akters oder einen Spannungsbogen, dann stellt sich bestenfalls das Gefühl ein, etwas verpasst zu haben - schlechtestenfalls steht man vor der Erkenntnis, dass sich die vermeintliche schöpferische Genialität plötzlich im Handwerk wiederfindet.

Es kann natürlich auch sein, dass viele, die die Grundlagen kennen, einfach keinen Bock darauf haben, diese hier vorzustellen, weil sie aus bereits vorhandenen Diskussionen erkennen müssen, früher oder später in eine Verteidigungsposition gedrängt zu werden (von jenen, die oben unter "zweite Begründung" auftauchen).

Wie gesagt: Mich wundert es, wie wenig an Grundlageninformationen ausgetauscht werden - gerade im Hinblick darauf, dass Anfänger ihre Texte unter "Lektorat" zum Zerpflücken anbieten. Vieles von dem, was dort kritisiert wird, könnte durch Kenntnis der Grundlagen schon als erledigt betrachtet werden.

Grüße
Siegfried

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Zoba
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Re:

von Zoba (08.08.2008, 12:44)
Hi Siegfried,

ich hatte schon einige Male Grundlagen angesprochen, z.B. hatte auch ich die bekannten Handlungsplots vorgestellt und zur Diskussion gebeten, findest du hier:

http://www.autorenpool.info/rezepte-t2547,highlight,plot%2A.html

und hier

http://www.autorenpool.info/was-macht-ein-buch-zu-einem-bestseller-t3421,highlight,plot%2A.html

Die Diskussionen drifteten jedesmal recht schnell vom Thema Grundlagen ab auf Nebenschauplätze, bzw. fanden auch kein Interesse.

Deine Frage habe ich mir also auch gestellt, vor allem weil ich die intensive Diskussion um Grundlagen aus den englischsprachigen Foren und Maillisten eigentlich gut kenne und schätze.
Gruß,



Zoba



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M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (08.08.2008, 13:11)
Hi Siegfried,
es ist natürlich nicht leicht, Regeln für eine künstlerische Ausdrucksform festzulegen. Einerseits ist das gut, aber andererseits auch nicht.
Es gibt sicherlich ein paar grundsätzliche Regeln beim Schreiben. Wo die anfangen und aufhören, kann man aber auch schon wieder nicht so genau festlegen. Die Regel könnte sein, dass es keine bindende Regeln gibt. (Und ich meine jetzt nicht die Rechtschreibung o.ä.)
Hinzu kommt, dass soetwas ja auch wieder von jedem (möglicherweise) anders interpretiert werden kann.
Wir hatten das ja mal mit dem "Prolog". cheezygrin Darf man das? Darf man das nicht? Ist ein Prolog eine "grundsätzliche" Regel, die verwendet werden kann/darf/soll?
Der eine sagt ja, der andere nönuüberhauptnich cheezygrin
Ist einfach Geschmackssache.
Genauso die Frage, ob es "Mangaromane" gibt. Klar, kann man fragen. Aber ... ist das wichtig, ob es die gibt? Und wenn es sie noch nicht gibt, wird es Zeit, dass sie erfunden werden. cheezygrin

Regeln in der Kunst sollten m.M.n. nach grundsätzlich erstmal nur eine Hilfestellung sein. Aber sollte die Kunst nicht auch so frei sein dürfen, die Regeln Regeln sein zu lassen und es ganz anders zu machen? Viele Kunstrichtungen sind entstanden, weil die Regeln gebrochen wurden. Aus diesen Richtungen wurden dann zwar auch wieder Regeln, aber auch nur solange, bis auch diese wieder gebrochen werden. Das ist m.M.n., Weiterentwicklung. Kunst sollte niemals stehen bleiben. Das wäre ihr Tod.

Außerdem, was nützen die besten Regeln, wenn der Kunstkonsument einen Sch... darauf gibt?

Bruce Lee sagte mal: Keine Regel ist die Regel, kein Weg der Weg.

Ich hatte mal einen 6-seitigen Exkurs darüber geschrieben, wie man sich einen Fantasyroman basteln kann. Teilweise habe ich das auch an interessierte Autoren verschickt. Aber ich habe immer darauf hingewiesen, dass diese "Regeln" kein "Muss" sind. Man "kann" sich daran orientieren, muss man aber nicht. (Zumal kein Gesetzbuch darüber Auskunft gibt, ob meine Regeln überhaupt richtig sind cheezygrin )

Nochmal: Regeln (in diesem Fall) sind Infos. Infos sind immer gut, weil man mehr über die Materie erfährt. Was man dann mit den Infos anfängt, muss jeder selbst wissen.
Wissen ist Macht - gut zu wissen, dass ich nichts weiß. Außerdem weiß ich auch nur das, was ich glaube zu wissen. blink3

Was die Lektoratsabteilung angeht: Jaaa, hast ja schon Recht. Aber hey, die meisten Autoren fangen doch einfach an zu schreiben. Sie legen einfach los. Das ist doch okay. Wer paukt schon ewig viel Theorie, bevor er das erste Wort schreibt?
(Auch wenn es manchmal durchaus empfehlenswert wäre.)
Jemand, der einafch losschreibt, ist mit jemandem vergleichbar, der einfach so in einen See springt. Wenn er nicht direkt unter geht und sich ganz wohl im Wasser fühlt, ist es doch schonmal gut. Dann sollte er sich überlegen, ob er richtig schwimmen lernen will, um aus dem vorhandenen Potenzial alles herauszuholen.
Dabei können ihm manchmal nur andere helfen. Denn eventuell weiß der Springer gar nicht, dass man auch Schwimmen lernen kann.

Wie gesagt: Der persönliche Geschmack ist entscheidend. Es gibt soviele Bücher, über die gemeckert wird, weil sie nicht den gängigen "Regeln" entsprechen. Es gibt dann aber oftmals genausoviele Leser, die genau das gut finden.
Wer hat jetzt Recht?
Hat jemand Unrecht, weil er etwas gut oder schlecht findet?
Bücher (Geschichten) spiegeln auch immer ein bisschen das reale Leben wider. Und das reale Leben richtet sich auch nicht nach irgendwelchen Regeln. (Meistens ... manchmal ...) cheezygrin
Geschichten sollten Gefühle wecken (eine Regel?). Folgen Gefühle irgendwelchen Regeln?

Gruß
Hakket

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (08.08.2008, 13:26)
Hm, ein Beispiel wäre folgendes:
Man sollte möglichst vermeiden, Personen im Buch nach dem Schema - Er hat rüne Haare, rote Augen, ist 1,90m groß, und 80 Jahre alt - zu beschrieben.
"Besser" wäre es, diese Infos "irgendwie" mit einfließen zu lassen, so dass gar nicht auffällt, dass jemand beschrieben wird. Es sollte sich einfach ergeben.

Waraum aber nciht genau diese "Regel" außer Kraft setzen, und die Prots nach genau dem "falschen" Prinzip am Anfang des Romans tabellarisch aufführen?
Okay, das ist zwar einfacher, als würde man es regelkonform machen, aber was solls? Wenn sich der Schreiber an seine Vorgaben hält, kann man das durchaus so machen. Und ich fände diese Art nicht uninteressant.

Gruß
Hakket

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Zoba
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Re:

von Zoba (08.08.2008, 14:18)
Hi Hakket,

hier prallen glaube ich Welten und Kulturen aufeinander :wink:

Deutsche sind ziemlich pervers. :P Einerseits sind sie das Volk, das die meisten, unnachgiebigsten und bibbeleskässcheissensten Regeln des Planeten aufstellen, wir sind ja nun wirklich berühmt dafür. Und wir befolgen sogar die dümmsten Regeln darunter. Andererseits hassen grade deutsche Freidenker (Künstler & Co.) Regeln wie die Pest (obwohl sie sie dennoch befolgen - meistens).

Es gibt in der Kunst Regeln, zumindest wenn man ein - irgendwie - gefallendes Ergebnis erzielen will. Das sind aber keine Paragraphen, die irgendwer irgendwann mal relativ willkürlich geschrieben hat, um irgendwas in beamtische Bahnen zu lenken.

Die "Regeln", dazu gehören diese Plot-Beispiele von Siegfried, aber auch der Goldene Schnitt in der Malerei und noch ein paar solche Kleinigkeiten, in der Kunst entstanden auf der Basis von Erfahrungswerten, die haben sich quasi herausgemendelt und sie sind alles aber nicht willkürlich. Ungültig auch nicht und wer sie bricht, muß aufpassen, was er seinem Werk damit u.U. antut.

Sehr oft wird in diesem Zusammenhang auch verkannt, was für Regeln jemand bricht. Seurat oder Manet (sein "Frühstück im Grünen" wurde von fast allen Juroren abgelehnt) mögen "die Regeln der damaligen Kunst" gebrochen haben, keiner der beiden hat jedoch die festen Regeln gebrochen, die der Kunst zugrunde liegen. Auch Picasso hat lediglich jene zeitgeschmacklichen Regeln gebrochen, die die Malerei um ihn herum einschränkten, aber eben nicht die Grundlagen. Dies ist übrigens auch wirklich der bessere Ausdruck.

Stil ist eine Frage des Zeitgeschmacks, wobei es auch zu unterschiedlichen Zeiten Grundlagen gibt, die einen Stil beeinflussen (müssen).

Plots, also Handlungsstrukturen, gehören fest zu den Grundlagen. Sie sind vergleichbar mit Hammer, Nagel und Kenntnissen der Statik beim Zimmermann oder Möbelbauer. Ohne gehts nicht (gut) und stimmt die Statik nicht oder wird das falsche Werkzeug gewählt, fällt alles in sich zusammen oder ist unbrauchbar.

Diese Plotgrundlagen existieren zB seit der Steinzeit, seit sich Menschen um ein Feuer setzten und gegenseitig Geschichten erzählten, sie sind so tief in uns verankert, daß wir instinktiv als Leser merken, wenn sie gebrochen werden. Die meisten finden das Buch dann langweilig, oder unlogisch oder sagen, daß sich der Protagonist dumm verhält. Das ist ziemlich universal, bei den wichtigsten Grundlagen ist es egal aus welchem Kulturkreis der Leser kommt, werden sie gebrochen, ist die Reaktion dieselbe.

Dein Beispiel steht dem nicht entgegen, hier wird keine grundlagenhafte Regel gebrochen. Das würdest du tun, wenn du einen Krimi schreibst, aber vorab auflistest, wer der Täter ist, was seine Motive sind und wie der Mord geschah. Danach wird nur noch dein engster Fankreis Interesse am Lesen des Krimis haben :lol:

Weil wir als Deutsche so viele Regeln, darunter so viele unsinnige, einzelfallhafte, beschneidende usw., haben, sind wir offenbar (?) weit weniger geneigt, als der englischsprachige Raum, zu akzeptieren daß es grundlegende Regeln gibt, mit denen wir uns - jetzt als Autoren - beschäftigen müssten.
Gruß,



Zoba



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