schule des schreibens

Euer Forum rund um kreatives Schreiben, lesergerechtes Texten und spannende Plots.


LOFI

Re:

von LOFI (27.08.2008, 09:07)
Hi,

die reine Kunst des Schreibens, das Handwerk, oder wie man es auch immer nennen will, ist wichtig, reicht bei Belletristik aber bei weitem nicht aus. Du mußt es wollen, und du mußt ein "Händchen" dafür haben, sonst wird es Murks. Zu sagen: "OK, erfolgreich absolvierter Kurs, jetzt schreibe ich meine Geschichte unter Anwendung meiner Kenntnisse --- ohne das entsprechende Gefühl für die Story, die Vorstellungskraft und das eigene sich hineinempfinden in die Geschichte, wird es ein mechanischer Roman: Das Gerüst kann man mit Handwerk bauen, aber verkleiden muss man mit Gefühl.
Auf der anderen Seite hält jede Verkleidung nur, wenn das Grüst sicher steht.
LG

Lorenz

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PvO
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Re:

von PvO (27.08.2008, 09:13)
Vollkommen richtig. Es ist wie in der Formel 1. Der beste Rennfahrer bringt nichts zu stande, wenn sein Auto nichts taugt und wenn er ein gutes Auto hat, aber das Team schwächelt, wird es auch nichts. Das Paket muss stimmen. Was immer man in diesem Paket auch reinpacken will. Eine solide Ausbildung hat noch niemanden geschadet. Fantasie gehört auch ins Paket, die Liebe zum Detail usw. usw.

hwg
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Re:

von hwg (27.08.2008, 09:32)
Gute Deutsch-Noten in der Schule schaden nicht, sind aber auch keine Voraussetzung für schriftstellerischen Erfolg. Ebenso wenig angehäuftes theoretisches Wissen durch zweifelhafte mitunter sündteure Kurse.

Dass dem so ist, bestätigen zahlreiche Biografien weltberühmter Autoren in Vergangenheit und Gegenwart. Wären theoretisches Wissen oder ein Germanistik-Studium unbedingte Voraussetzung für einen Erfolg als Autor bei den Lesern, es gäbe angesichts der vielen schreibenden Studenten und Akademiker n u r noch Bestseller-Lieferanten. So bleiben aber viele theoretisch geschulte Schreibende bestenfalls "Geheimtipps" für "Experten" und professionelle Kritiker.

Damit ich nicht missverstanden werde: Ich bin überhaupt nicht gegen eine solide (Aus-)Bildung, zum "Volksschriftsteller" wird man aber auch durch andere Eigenschaften. Akademische Überheblichkeit gehört sicher nicht dazu... :lol:

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (27.08.2008, 10:44)
hwg (Moderator) hat geschrieben:
zum "Volksschriftsteller" wird man aber auch durch andere Eigenschaften. Akademische Überheblichkeit gehört sicher nicht dazu... :lol:


Akademische Überhelblichkeit hin oder her, ich beziehe mich auf die Mär des "armen Poeten", der einsam nächtens am Schreibtisch hockt und auf den Musenkuss wartet - meistens vergebens. Und nur, weil wir in der Grundschule Schreiben und Lesen beigebracht bekommen haben, müssen wir nicht glauben, wir wären zur Schriftstellerei berufen (genau das will uns die Aussage mit dem Deutschunterricht ja weismachen). Es fehlt eben nur der Funke der Genialität, um das Feuerwerk zu zünden. Genau das glaube ich nicht.

Belletristisches Schreiben ist eine langwierige, harte, oftmals einsame, häufig zweifeln lassende Arbeit. Warum wird dennoch abgelehnt, was andere Autoren an Erfahrungen in 3.000 Jahren Literaturgeschichte zusammengetragen haben und zur Verfügung stellen? Genau das verstehe ich nicht.

Grüße
Siegfried

hwg
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Re:

von hwg (27.08.2008, 11:16)
Guten Tag Siegfried!

Wem sagst Du das, von wegen "langwieriger, oftmals einsamer Arbeit"... :lol:

Ich widerspreche Deiner Meinung ja nicht grund-
sätzlich, wende mich allerdings gegen den oft angekündigten vorprogrammierten Erfolg mancher Lehren, wie er in Creativ-Writing-Kursen und Fernlehrgängen, verkündet wird.

(Aus-) Bildung jeder Art ist
für jeden Autor von Vorteil, kein Zweifel, doch auch Dir werden
wohl viele inzwischen anerkannte Schriftsteller bekannt sein, die
es ohne Fernkurse und akademische Lehren "geschafft" haben.
Die "Literatur der Arbeitswelt" beispielsweise hat viele positive
Beispiele parat.

Dem "Bildungshunger" etwas entgegen zu setzen, wäre tatsäch-
lich unklug. Doch Methoden der Wissensvermittlung gibt es viele.

Einverstanden?

Gruß Hans

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Rabert
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Re:

von Rabert (27.08.2008, 17:14)
Irgendwie läuft hier was schief ...

Ich habe nie behauptet das gute Deutschnoten jemanden auch zwangsläufig zum guten Schriftsteller machen. Ich sagte nur dass jemand der in der Schule gut in Deutsch war eher in der Lage ist Brauchbares zu schreiben, als jemand der nicht gut in Deutsch war. Und das nicht exklusiv oder zwangsläufig. Es gibt genauso Beispiele von Naturwissenschaftlern, die hervorragende Romane schreiben (insbesondere im SF-Genre z.B.).

Wer allerdings behauptet, dass die Korrelation zwischen guten Deutschnoten in der Schule und Schreibtalent identisch ist mit der Korrelation von guten Mathenoten in der Schule und Schreibtalent, der sieht mich verwundert. Und um die Haarspalter zu befriedigen, ersetze man von mir aus Deutsch auch mit Englisch oder Mathe mit Chemie ... :roll:

Gruß

Rabert

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (27.08.2008, 17:53)
Rabert hat geschrieben:
Irgendwie läuft hier was schief ...


Da frage ich mich: Warum? cheezygrin

Rabert hat geschrieben:
Ich habe nie behauptet das gute Deutschnoten jemanden auch zwangsläufig zum guten Schriftsteller machen. Ich sagte nur dass jemand der in der Schule gut in Deutsch war eher in der Lage ist Brauchbares zu schreiben, als jemand der nicht gut in Deutsch war. Und das nicht exklusiv oder zwangsläufig. Es gibt genauso Beispiele von Naturwissenschaftlern, die hervorragende Romane schreiben (insbesondere im SF-Genre z.B.).


Deine Aussage ging m. E. mehr in die Richtung: "Wer im Deutschunterricht gut aufgepasst und entsprechende Noten nach Hause gebracht hat, der ist - weitestgehend - von jeder Pflicht zur Weiterbildung, was die Schriftstellerei angeht, entbunden, denn er kann es ja schon - eben intuitiv aus dem Deutschunterricht heraus."

So habe ich jedenfalls deinen Satz:

Rabert hat geschrieben:
Ich glaube, wer in der Schule im Deutschunterricht gut aufgepasst hat und dort regelmäßig zu den Klassenbesten zählte, braucht so einen Lehrgang nicht unbedingt.


aufgefasst. Und nach Dingen gefragt wie "Figurenzeichnung", "Struktur einer Dramaturgie", "Plotpunkte" und "narrativer Haken". Weil so etwas während meiner Schulzeit - immerhin 13 Jahre - im Deutschunterricht nie gelehrt wurde.

Nur um es deutlich zu machen: Vermutlich wird es Leute geben, die solche Dinge wie dramaturgische Struktur oder narrativer Haken zustande bringen, ohne je davon gehört zu haben, aber das dürften nur zwei oder drei von Tausend sein (und die haben ein beneidenswertes Talent). Der überwältigend Rest müsste es lernen - aber das braucht man ja nicht, weil man im Deutschunterricht zu den Klassenbesten gehörte. Das macht mich ... stutzig ... wie einfach manche es sich machen cheezygrin (siehe dazu meine Anmerkung von der harten und einsamen Arbeit, die das Schreiben oftmals darstellt).


Grüße
Siegfried

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Bücherwurm
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Re:

von Bücherwurm (27.08.2008, 18:28)
Hallo zusammen,

ich bin neu hier :lol: . Die Schule des Schreibens habe ich in den 80er Jahren absolviert. (damals IFS in Hamburg) Ich habe viel gelernt z. B: Klischees, Wortwiederholungen und Schachtelsätze vermeiden. Meine Lektorin war nicht nur lobend. Sie hat mich korrigiert, wo nötig und ermuntert, wo möglich.
Inzwischen korrigiere ich für einen kleinen Verlag Manuskripte. Manchmal möchte ich den AutorInnen geradezu empfehlen, eine Schreibschule zu besuchen. book:
viele Grüße
Gabi
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Hunger auf Leben - Ein Mädchen kämpft gegen den Krebs
Anna und das Traumland
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Rabert
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Re:

von Rabert (27.08.2008, 18:43)
Zwischen

"Wer im Deutschunterricht gut aufgepasst und entsprechende Noten nach Hause gebracht hat, der ist - weitestgehend - von jeder Pflicht zur Weiterbildung, was die Schriftstellerei angeht, entbunden, denn er kann es ja schon - eben intuitiv aus dem Deutschunterricht heraus."

und

"Ich glaube, wer in der Schule im Deutschunterricht gut aufgepasst hat und dort regelmäßig zu den Klassenbesten zählte, braucht so einen Lehrgang nicht unbedingt."

sehe ich schon einen Unterschied.

Aber lassen wir das jetzt, das führt zu nichts, und ich finde es auch nicht mehr amüsant.

Gruß

Rabert

Der_Meinige
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Re:

von Der_Meinige (27.08.2008, 20:39)
Inzwischen korrigiere ich für einen kleinen Verlag Manuskripte. Manchmal möchte ich den AutorInnen geradezu empfehlen, eine Schreibschule zu besuchen.


@ Gabi: Wieso nimmt denn dieser Verlag überhaupt Manuskripte von Autoren an, die`s offensichtlich nicht drauf haben? Gerade kleine Verlage können sich diesen Luxus normalerweise kaum leisten ...

Ich habe in den letzten Jahren einige Anthologien herausgegeben und kann spätestens nach einer Seite eines Manuskripts treffsicher einordnen, wer eine (Nachhilfe)schreibschule absolviert hat oder einfach genügend Talent mitbringt, um Lesenswertes zu schreiben.

Und Letzteres wird und kann in einer Schreibschule kaum vermittelt werden. Es kann wohl kaum ein Zufall sein, dass die meisten Absolventen solcher Dienstleister ihre späteren Werke auch nur bei Dienstleistern unterbringen ...

Schreiben - zumindestens, was das Handwerk angeht - kann man sich am einfachsten durch analytisches und konzentriertes Lesen aneignen; darüber hinaus schadet ein gewisses Maß an Intelligenz nicht (Danke, Siegfried!), um mehr zu bewegen als nur sich selbst im Kreise.

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PvO
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Re:

von PvO (28.08.2008, 08:55)
wende mich allerdings gegen den oft angekündigten vorprogrammierten Erfolg mancher Lehren, wie er in Creativ-Writing-Kursen und Fernlehrgängen, verkündet wird.

Du willst wissen, warum das so ist? Klappern gehört nun mal zum Geschäft. Das war so, das ist so und das wird immer so bleiben, völlig wurscht, um welche Branche es sich handelt.

hwg
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Re:

von hwg (28.08.2008, 09:16)
Guten Morgen!

Das ist es ja, was ich ohnehin kritisiere - geäußerte (Werbe-) Versprechen, die dann nicht eingehalten werden.

Zur Rettung der Branche (und ich arbeite ja auch als Werbe-
texter): Es gibt aber auch durchaus "ehrliche" Werbung, die
hält, was sie verspricht. :lol:

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hawepe
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Re:

von hawepe (28.08.2008, 09:27)
Hallo Hans,

hwg (Moderator) hat geschrieben:
Es gibt aber auch durchaus "ehrliche" Werbung, die
hält, was sie verspricht. :lol:


Die gibt es, aber sie stellt die Ausnahme dar.

Was verkauft sich wohl eher: Wenn du einem angehenden Autor verkuendest, dass er viel Lesen und Ueben muesse, damit er vielleicht ein erfolgreicher Autor werde - oder wenn du ihm versprichst, in 21 Lektionen die Grundlagen zum Erfolgsautor zu legen?

Das Dumme ist, dass die Mehrheit der Menschen das Denken vergisst, wenn man ihr Wunschtraeume als Wirklichkeit verkauft.

Beste Gruesse,

Heinz.

hwg
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Re:

von hwg (28.08.2008, 09:49)
Darüber sind wir uns vollkommen einig.
Deshalb bin ich auch kein "Freund" von
Schreibfernkursen und dergleichen... :lol:

Andererseits will ich ja niemandem die
Illusionen rauben... angle:

Lally
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Re:

von Lally (28.08.2008, 10:40)
Also ich bilde mich sowieso gerne weiter. Wenn die Schule des Schreibens beibringt, wie man dreidimensionale Charaktere kreiert, wie man eine spannende Geschichte erzählt, wie man seinen Stil perfektionieren kann, dann wäre das was für mich. Sobald ich mehr Geld und mehr Zeit zur Verfügung habe (was ab jetzt nicht mehr der Fall sein wird), werde ich vermutlich die Schule des Schreibens ins Auge fassen, voraus gesetzt, der Unterricht beschränkt sich nicht auf die Vermeidung von Wortwiederholungen und das Gestalten von leserfreundlichen Sätzen (was natürlich auch wichtig ist, aber ich denke, dass ich es in meinen Geschichten automatisch mache).
Mir wäre es wichtig, mich allgemein zu verbessern, was die Figuren, den Plot und die Ausdrucksweise angeht. Hilft dabei die Schule des Schreibens?

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