Rechtschreibhilfe

Stellt euren Text vor und holt euch Feedback der BoD Community.


büchernarr

Rechtschreibhilfe

von büchernarr (08.09.2008, 16:21)
Hallo,
ich liege im Streit mit meinem Lektorat.

Mein Text lautet "Jetzt werden andere Saiten aufgezogen".
Die Lektorin möchte das unbedingt in "Jetzt werden andere Seiten aufgezogen" abändern.
Wie ist Eure Meinung dazu.
Grüße
Bernd

hwg
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Re:

von hwg (08.09.2008, 16:23)
Kommt zwar auf den Zusammenhang d'rauf an,
ich würde jedoch Saiten in jedem Fall gelten lassen...

büchernarr

Re:

von büchernarr (08.09.2008, 16:30)
Danke für die Antwort hwg,
der Zusammenhang soll eine Änderung im Arbeitsablauf, sinngemäß, "Eine andere Tonart im Büro" bedeuten.
Bernd

Thorsten Boose

Re:

von Thorsten Boose (08.09.2008, 16:31)
Hm, schwierig.

Ich hätte mit beiden Varianten kein Problem, kommt aber - wie Hans meint - auf den Zusammenang an.

Schau mal hier.

Grüße!

LOFI

Re:

von LOFI (08.09.2008, 17:00)
Für meine Begriffe kann man nur Saiten aufziehen aund Seiten aufschlagen. Logisch oder?

G

Lorenz

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Siegfried
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Re: Rechtschreibhilfe

von Siegfried (08.09.2008, 17:03)
büchernarr hat geschrieben:
Mein Text lautet "Jetzt werden andere Saiten aufgezogen".
Die Lektorin möchte das unbedingt in "Jetzt werden andere Seiten aufgezogen" abändern.
Wie ist Eure Meinung dazu.


Ganz ehrlich: Mich schüttelt es bei der "Seite" ... cheezygrin

Der Begriff "eine Saite aufziehen" kommt doch aus dem Bereich der (Zupf-/Streich-)Musikinstrumente. Dort zieht man Saiten auf, etwa wenn eine Saite gerissen ist oder wenn man eine andere Stimmung in der Tonart haben will (so gibt es z.B. Gitarristen, die Bass-Saiten auf eine normale E-Gitarre ziehen, um einen bestimmten Sound zu erzeugen).

Also etymologisch muss es "Saiten" heißen - aber welche Bedeutung hat heute noch die Etymologie eines Wortes im Deutschen! :(

Übrigens:
Der Duden "Redewendungen" sagt dazu: "Werden bei einem Musikinstrument die Saiten ausgewechselt, so verändert sich die Tonart, der Klang. Darauf bezieht sich die vorliegende Wendung."

Als Lektor/in sollte man solche Bücher zur Hand haben ...

Grüße
Siegfried

Thorsten Boose

Re: Rechtschreibhilfe

von Thorsten Boose (08.09.2008, 17:07)
Hallo, Siegfried.

Siegfried hat geschrieben:
büchernarr hat geschrieben:
Mein Text lautet "Jetzt werden andere Saiten aufgezogen".
Die Lektorin möchte das unbedingt in "Jetzt werden andere Seiten aufgezogen" abändern.
Wie ist Eure Meinung dazu.


Ganz ehrlich: Mich schüttelt es bei der "Seite" ... cheezygrin

Der Begriff "eine Saite aufziehen" kommt doch aus dem Bereich der (Zupf-/Streich-)Musikinstrumente.


Ist das denn gewiss? Wenn ja, dann ist dies natürlich die einzig richtige Möglichkeit.

Grüße!

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hawepe
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Re: Rechtschreibhilfe

von hawepe (08.09.2008, 17:19)
Hallo Thorsten,

Thorsten hat geschrieben:
Ist das denn gewiss? Wenn ja, dann ist dies natürlich die einzig richtige Möglichkeit.


Eine recht informative Seite in solchen Fragen ist der Redensarten-Index.

Beste Grüße,

Heinz.

Thorsten Boose

Re:

von Thorsten Boose (08.09.2008, 17:20)
Danke, Heinz.

Dort steht ja die Herleitung. thumbbup

Grüße!

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Siegfried
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Re: Rechtschreibhilfe

von Siegfried (08.09.2008, 17:23)
Thorsten hat geschrieben:
Ist das denn gewiss? Wenn ja, dann ist dies natürlich die einzig richtige Möglichkeit.


Greif dir doch einfach den "Redewendungen"-Duden (gibt es in jeder Bibliothek) und schau selbst nach.


Aber vielleicht ist man, wenn andere Seiten <grrr> aufgezogen werden, plötzlich ganz zart beseitet <grrr> und im Gemüt des Schreibers werden plötzlich Seiten <grrr> angeschlagen, von denen man bisher keine Ahnung hatte. (Diesen Satz darfst du deiner Lektorin um die Ohren hauen! cheezygrin )


Ich habe noch mal woanders nachgeschaut. Im Buch "Der deutsche Wortschaft nach Sachgruppen" findet sich:
- im Kapitel "Wesen, Beziehung, Geschehnis" der Eintrag "24. Veränderung" und dort "andere Saiten aufziehen".
- im Kapitel "Gesellschaft und Gemeinschaft" der Eintrag "78. Prügeln" mit "andere Saiten aufziehen"
- im gleichen Kapitel der Eintrag "108. Strenge" erneut "andere Saiten aufziehen"


Der Ausdruck "andere Seite aufziehen" existiert gar nicht.


Grüße
Siegfried

büchernarr

Re:

von büchernarr (08.09.2008, 18:30)
Ja, Siegfried, du hast recht.
Entschuldige bitte, daß ich dich belästigt habe (oder hast du freiwillig "mitgespielt"? Zukünftig werde ich selbst nachschauen, damit du in Ruhe weiterschlafen kannst.
Bernd

Arachne
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Re:

von Arachne (08.09.2008, 18:31)
Selbstverständlich kann nur "andere Saiten aufziehen" richtig sein, wie Siegfried auch belegt hat!! Das ist ja sonst fast schlimmer als Albtraum mit p (ja, ich weiß daß diese Schwachköpfe, die letztlich in der Rechtschreibkommission verblieben sind, das dahingehend geändert haben). Ich muß vor meinem geistigen Auge also künftig sehen, wie mir nachts nicht eine Albe, sondern die Alpen auf der Brust hocken und mir schlechte Träume verursachen ... so ein kulturgeschichtsloser Quatsch!


Sigrid
Zuletzt geändert von Arachne am 08.09.2008, 18:48, insgesamt 1-mal geändert.

hwg
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Re:

von hwg (08.09.2008, 18:45)
Nun ja, Künstler oder Siebdrucker ziehen manchmal Seiten auf.
Jedenfalls sagen sie so, wenn sie eine Staffelei oder einen Rahmen
frisch bespannen...

Deshalb habe ich vorhin von "kommt auf den Zusammenhang an" geschrieben. Ansonsten ist es vollkommen klar, dass es S a i t e n
heißt...

Thorsten Boose

Re:

von Thorsten Boose (08.09.2008, 18:53)
hwg (Moderator) hat geschrieben:
Nun ja, Künstler oder Siebdrucker ziehen manchmal Seiten auf.
Jedenfalls sagen sie so, wenn sie eine Staffelei oder einen Rahmen
frisch bespannen...


Eben, das war auch mein Gedanke. :wink:

Denke aber, dass es aus dem Musikbereich kommt.
Man zieht andere Saiten auf, damit ab sofort ein anderer Ton herrscht. cheezygrin

@ Sigrid: Völlig richtig! Albtraum und nicht Alptraum, das bringt mich auch oft zur Weißglut.

Grüße!

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Judith
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Re:

von Judith (09.09.2008, 01:29)
Hallo Bernd,

lass die Lektorin doch mal Seiten aufziehen, das würde ich gerne sehen, wie sie das macht! :lol:

Hallo Sigrid,

was hat der Alp (der Schreck, die Angst) mit der Schwäbischen Alb zu tun? :P

Lange Zeit war nur die Schreibweise mit p korrekt.

Grüßle,
Judith
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