Schmuseterror

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skipteuse
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Schmuseterror

von skipteuse (10.09.2008, 17:04)
Ich bin ja immer noch am Stricken des dritten COLUMBO Teil; hier ein Auszug aus einem aktuellen Entwurf - was meint ihr so?

"Schmuseterror

Gestern hatte mein Frauchen seine „sentimentale Phase“, sprich sie hat mich geknuddelt bis zum Abwinken. Mir war schon ganz warm und eng und überhaupt … ich schielte immer hilfesuchend und hoffnungsvoll nach links, wo Herrchen mit dem Schinken saß, während ich hier zwangsliebkost wurde, Mann oh Mann. Doch Herrchen grinste nur schadenfroh, kein Stück kam er mir entgegen – oder der Schinken ;-( So harrte ich aus, versuchte mental aus meinem Körper zu entkommen und dachte an duftende Kasslerscheiben, um dem kribbelnden, knuffenden, schmusenden Streichelterror zumindest geistig etwas entgegen zu setzen. Doch das nächste traurige Lied begann und mein Frauchen wurde noch zärtlicher und kraulte und drückte und maunzte mich ohne Erbarmen. Ich fürchtete schon, wundgeknutscht zu werden.
Sie drehte meinen Kopf zu sich und ordnete meine bleiernden Pfötchen, wie es ihr beliebte ...
Ich aber hatte noch immer nur Augen für den Schinken, den Herrchen langsam und genüsslich in sich hineinstopfte. Ich sabberte bereits vor Gier; was Frauchen fälschlicherweise als positives Kuschelsignal deutete, dann aber aufgrund meiner Speichelfäden doch letztendlich widerwillig von mir abließ. „So isser“, sagte sie gerade zu Herrchen und warf mir einen resigniert-amüsierten Blick zu. „Loyal, liebevoll, aufmerksam - bis etwas zu fressen in Sichtweite kommt.“ Hm, konnte ich nicht leugnen, denn mein Kopf lag bereits in der nächsten Sekunde einschmeichelt auf Herrchens Oberschenkel und bettelte stumm. „Na, dann komm du her“, gurrte mein Frauchen und schnappte sich Herrchen zum Knuddeln. Der ließ vor Schreck das Schinkenstück fallen und machte große Augen, während er sich irritiert den Kopf kraulen ließ, aber was soll's: Einer von uns ist immer Opfer, wenn sie bei Kerzenschein die "Kuschelschock"-CD einlegt." ...

LOFI

Re:

von LOFI (10.09.2008, 17:15)
Lustig cheezygrin Wenn zwei knutschen frißt der dritte den Schinken.

Schön geschrieben, aber vielleicht noch ein paar Sätze zur Auflockerung etwas kürzen?

LG

Lorenz

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (10.09.2008, 19:19)
Hi Lorenz!

Schön zusammengefasst; darf ich das zitieren? cheezygrin

Ja, Sätze kürzen ist notwendig; ich bin auch so eine Königin - na ja, Prinzessin, der Schachtelsätze, wie du an eben diesem Beispiel hier gut sehen kannst .... :-)

LOFI

Re:

von LOFI (10.09.2008, 19:42)
skipteuse hat geschrieben:
Schön zusammengefasst; darf ich das zitieren? cheezygrin


Klaro, dieser Satz ist Open Source cheezygrin

LG

Lorenz

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Atlan_Gonozal
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Re: Schmuseterror

von Atlan_Gonozal (10.09.2008, 19:47)
skipteuse hat geschrieben:
Ich bin ja immer noch am Stricken des dritten COLUMBO Teil; hier ein Auszug aus einem aktuellen Entwurf - was meint ihr so?

"Schmuseterror

Gestern hatte mein Frauchen seine „sentimentale Phase“, sprich sie hat mich geknuddelt bis zum Abwinken. Mir war schon ganz warm und eng und überhaupt … ich schielte immer hilfesuchend und hoffnungsvoll nach links, wo Herrchen mit dem Schinken saß, während ich hier zwangsliebkost wurde, Mann oh Mann. Doch Herrchen grinste nur schadenfroh, kein Stück kam er mir entgegen – oder der Schinken ;-( So harrte ich aus, versuchte mental aus meinem Körper zu entkommen und dachte an duftende Kasslerscheiben, um dem kribbelnden, knuffenden, schmusenden Streichelterror zumindest geistig etwas entgegen zu setzen. Doch das nächste traurige Lied begann und mein Frauchen wurde noch zärtlicher und kraulte und drückte und maunzte mich ohne Erbarmen. Ich fürchtete schon, wundgeknutscht zu werden.
Sie drehte meinen Kopf zu sich und ordnete meine bleiernden Pfötchen, wie es ihr beliebte ...
Ich aber hatte noch immer nur Augen für den Schinken, den Herrchen langsam und genüsslich in sich hineinstopfte. Ich sabberte bereits vor Gier; was Frauchen fälschlicherweise als positives Kuschelsignal deutete, dann aber aufgrund meiner Speichelfäden doch letztendlich widerwillig von mir abließ. „So isser“, sagte sie gerade zu Herrchen und warf mir einen resigniert-amüsierten Blick zu. „Loyal, liebevoll, aufmerksam - bis etwas zu fressen in Sichtweite kommt.“ Hm, konnte ich nicht leugnen, denn mein Kopf lag bereits in der nächsten Sekunde einschmeichelt auf Herrchens Oberschenkel und bettelte stumm. „Na, dann komm du her“, gurrte mein Frauchen und schnappte sich Herrchen zum Knuddeln. Der ließ vor Schreck das Schinkenstück fallen und machte große Augen, während er sich irritiert den Kopf kraulen ließ, aber was soll's: Einer von uns ist immer Opfer, wenn sie bei Kerzenschein die "Kuschelschock"-CD einlegt." ...


Das erinnert mich daran, daß ich bei einer früheren Freundin mal vom Mittagsschläfchen von ihrem Hund geweckt wurde - mit einer langen, nassen Liebkosung mittels Zunge über meinen Kopf... :-)

Gruß, Karsten.
Bücher sind mein Leben - http://www.karsten-heimer.de

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skipteuse
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Zungenkuss

von skipteuse (10.09.2008, 21:03)
Lieber Karsten!
Auch diese Erfahrung ist mir nicht unbekannt ...

Allerdings kam mir bei einem Bekannten doch einmal fast das Essen hoch, als er sich - ohne Quatsch - mit seinem Hund einen laaaaaaaaaaangen - tja, ähnlich einem - Zungenkuss gab; mir sind fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Voyeuristischer hätte kaum etwas sein können; ich starrte das ungleiche Paar nur sprachlos an - mit aufgerissenen Augen und ebensolchem Mund ... den ich aber aus Angst vor oraler Belästigung ganz schnell wieder zu machte...! :roll:

Thorsten Boose

Re:

von Thorsten Boose (10.09.2008, 21:12)
Der Text ist absolut gelungen! :lol:
Als Hundebesitzer kann ich das umso besser nachvollziehen.

Meine persönliche Lieblingsstelle:

Ich fürchtete schon, wundgeknutscht zu werden.


Top! thumbbup

Beste Grüße!

Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (10.09.2008, 22:42)
Loben will ich zwei Einfälle: 1. Frauchen hat eben noch das Sabbern fehlinterpretiert und ekelt sich nun vor den Speichelfäden. 2. Der Schinken wird im Schreck über unerwartete Zärtlichkeit fallen gelassen. Das Tier erhält ihn als Äquivalent für erduldete Liebkosung. Das ist witzig und scharf und ein gelungener Abschluss für diesen Abschnitt. Dagegen könnte der Text vor diesem Höhepunkt durch Raffung und Zuspitzung noch gewinnen. Mehr Hauptsätze, etwas lakonischer. Dem Tier ist die Situation höchst unangenehm, es will ihr entkommen. In dieser Zwangslage passt ein beinahe episch breiter, analytisch-philosophischer Stil nicht so gut. Der Leser soll spüren, wie das Tier sich windet und der Schinken im Mittelpunkt seines Sehnens steht. Das hinzukriegen, ist gar nicht so einfach. Tipp: Sich in das Tier versetzen, ohne es zu vermenschlichen. Und das dann aber wieder mit menschlichen Begriffen darstellen.
Geschichten werden niemals richtig erlebt, nur manchmal, sehr selten, richtig erzählt. (Alfred Polgar)

Weitere Werke als eBooks unter http://www.bookrix.de/-arno.abendschoen gratis lesen und herunterladen!

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (11.09.2008, 09:57)
Vielen Dank für eure Tipps - raffen werd ich es ganz sicher und Arno, ich denke, hineinzuversetzen ohne zu vermenschlichen ist die hohe Kunst ... ui ui ui...!

B :))

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