Plagiate

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


Plagiate ...

Umfrage endete am 18.07.2007, 11:14

sind immer Mist!
5
29%
können manchmal ganz gut sein!
1
6%
sollten verboten werden!
2
12%
mach ich selbst!
0
0%
zeig ich sofort an!
0
0%
schaden dem Image des Autors allzusehr!
6
35%
damit will ich nichts zu tun haben!
2
12%
interessiert mich nicht!
1
6%
 
Abstimmungen insgesamt: 17

Heidi
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Plagiate

von Heidi (09.04.2007, 11:14)
Hallo!

Wenn Ihr das Bauchgefühl, oder den Verdacht, habt ein Autor fertigt Plagiate an, macht ihr dann prinzipiell einen Bogen um Ihn oder versucht ihr immer das Gute im Menschen zu sehen und gebt ihm noch einen Chance?

Es könnte ja sein das er merkt das das nicht gut für Image ist oder?

Heidi

hwg
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Re:

von hwg (24.04.2007, 18:12)
Ein Plagiator verletzt Gesetze und ist mit einem Dieb vergleichbar.

Epigonen (Nachahmer) gibt es viele, einige davon landen hin und wieder sogar so etwas wie einen Bestseller - meistens aber nur ein Mal, dann ist der Ruf als ernstzunehmender Autor zuverlässig ruiniert.

Miguel81
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Re:

von Miguel81 (24.04.2007, 20:22)
Ich finde die Formulierung insoweit schwierig, als dass "Plagiat" durchaus mehrdeutig ist.

Ist es nur die reine, wortwörtliche Kopie, die gegen das Copyright verstößt?

Ist es auch die billige Nachahmung, die dieselbe Story, denselben Aufbau, ähnliche Charaktere und Orte hat?

Ist die Parodie/Satire auch noch Plagiat?

Die Grenzen zwischen "Nachahmung" und "Auseinandersetzung" sind durchaus fließend. Etwas, das wie ein Plagiat erscheint, kann im Grunde eine Auseinandersetzung mit dem Original sein und ist dann wieder ein eigenständiges Kunstwerk.

Ich denke, man kann nur sehr schlecht allgemein eine Aussage treffen und muss im EInzelfall entscheiden. Aber tendenziell würde ich zustimmen, dass die bloße Kopie eher beschämend ist.

(Wenn wir die Musik betrachten, dann zeigt sich, dass gecoverte Songs durchaus einen eigenen Charakter haben können und durchaus erfolgreicher als das Original sein können, weil sie besser an Zeit und Publikum zugeschnitten sind. )

hwg
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Re:

von hwg (25.04.2007, 08:57)
Bei einer Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk (mit Literatur) muss zumindest die Quelle der ""Vorlage" angegeben bzw. für den Betrachter (Leser) unschwer erkennbar sein.

Bei Satiren/Parodien ist die Grenzziehung schwierig. Wo kein Kläger, auch kein Richter. Ansonsten verdienen die Rechtsanwälte ein Schweinegeld - und der Ausgang vor dem Richter ist ungewiss.

Ich empfehle zu dem Thema das Buch "Falsch aus der Feder geflossen".

dbs

Re: Plagiate

von dbs (25.04.2007, 12:33)
Heidi hat geschrieben:
Wenn Ihr das Bauchgefühl, oder den Verdacht, habt ein Autor fertigt Plagiate an ...


Da müsste erst einmal geklärt werden, was ein "Plagiat" ist.

Ein paar Beispiele:

Shakespeare verfasste bekanntlich "Romeo und Julia". Das Stück basiert auf einer italienischen Novelle, die vermutlich im 14. oder 15. Jahrhundert entstanden ist, sowie auf einer Verserzählung von Arthur Brooke, veröffentlicht im Jahre 1572 (Shakespeare schrieb "Romeo und Julia" im Jahre 1595).

Ist Shakespeare also ein Plagiator?

Die Erzählung zweier Liebenden, die gemeinsam in den Tod gehen, findet sich knapp 400 Jahre später bei Gottfried Keller in "Romeo und Julia auf dem Dorfe" (1856) wieder.

Ist Gottfried Keller ein Plagiator?


Ohne klare Definition, was ein Plagiat ist, kann ich schwerlich eine Entscheidung in der Umfrage fällen.

Grüße
Siegfried

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ChrisK
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Re: Plagiate

von ChrisK (25.04.2007, 13:54)
dbs (Moderator) hat geschrieben:
Shakespeare verfasste bekanntlich "Romeo und Julia". Das Stück basiert auf einer italienischen Novelle, die vermutlich im 14. oder 15. Jahrhundert entstanden ist, sowie auf einer Verserzählung von Arthur Brooke, veröffentlicht im Jahre 1572 (Shakespeare schrieb "Romeo und Julia" im Jahre 1595).

Ist Shakespeare also ein Plagiator?

Es ist sogar noch "schlimmer". Shakespeare hat bei keinem einzigen seiner zahlreichen Stücke die Handlung selbst erdacht, sondern sich sein Material aus Geschichtsbüchern, Legenden und Märchen der damaligen Zeit geholt und es adaptiert. Natürlich macht ihn das nicht zum Plagiator, denn das Urheberrecht schützt eben weder Ideen noch Strukturen, sondern lediglich das Werk als ganzes. Erst das (beinahe) wörtliche Abschreiben kennzeichnet das Plagiat.
Auch ist es hundertprozentig legitim, ein bestehendes Werk zu nehmen und auf dessen Basis ein neues Werk zu erstellen, wenn dieses neue Werk eine gewisse Schöpfungshöhe aufweist, also als eigenständiges Werk gesehen werden kann.
Das direkte Plagiat, also das wortwörtliche Abschreiben, ist im Bereich der schöngeistigen Literatur äußerst selten, nicht zuletzt, weil es so leicht nachzuweisen ist.
Ein Prominenter, der erwischt wurde, ist Brecht, der sich für die Songtexte der Dreigroschenoper bei einer damals aktuellen Villon-Übersetzung bedient hatte. Er rechtfertigte sich mit dem legendären Satz "In Fragen geistigen Eigentums bin ich gern etwas lax." und einigte sich außergerichtlich.

Gruß

Chris

hwg
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Re:

von hwg (25.04.2007, 14:39)
Würde man den Begriff Plagiat auf vorhin benannte Werke der Weltliteratur anwenden, so wäre beispielsweise jedes danach verfasste und allgemein verständliche Liebesdrama "abgeschrieben".

Auch in der Lyrik kommt es nicht selten vor, dass auf dem Erdball zur selben Zeit zwei ziemlich gleitlautende Werke von zwei verschiedenen Autoren aus zwei unterschiedlichen Ländern die Druckseiten erreichen.

Nicht alles, was "gleich klingt", ist sofort mit dem strafrechtlich verfolgbaren Etikett "Plagiat" zu kennzeichnen. Relevant wird es für den einen oder anderen Autor (oder dessen Verlag) meistens dann, wenn es ums Geld geht.

Denn zur beweisenden Absicht, ein Plagiat hergestellt zu haben, kommt dann noch der zu Unrecht - oder Recht, das wird dann vor Gericht geklärt oder mündet in einen Vergleich - erzielte Gewinn (wenn überhaupt einer zustande kommt).

Miguel81
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Re:

von Miguel81 (25.04.2007, 15:57)
Adaption - Plagiat - Kopie

Die Grenzziehung ist schwierig. Eine Adaption ist ein eigenständiges Kunstwerk, eine Kopie nicht. Ein Plagiat schwebt irgendwo dazwischen ...

Thomas Mann hat selber große Adaptionen geschrieben, sein "Doktor Faustus" ist eine Adaption von Goethes "Faust", welches wiederum auf einem spätmittelalterlichem Theaterstück basiert. Thomas Manns "Der Erwählte" ist wiederum eine Adaption von Hartmanns von Aues "Gregorius", welches wiederum altfranzösische Vorbilder hat, die ihrerseits auf Legenden der Vita Romanorum beruhen.

Der Begriff "Plagiat" ist zu allgemein.

hwg
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Re:

von hwg (27.04.2007, 18:05)
Im Wörterbuch steht Plagiat: Diebstahl geistigen Eigentums.
Was soll daran "zu allgemein" sein? Es kommt auf den Wert
des Gestohlenen an. Wer versehentlich ein fremdes Feuerzeug
oder billiges Schreibgerät einschiebt, kommt deswegen ohnehin
nicht vor den Richter.. :lol: In der Literatur, wenn man von deren
"Wert" ausgeht, dürfte es nicht viel anders sein. Oder?
Zuletzt geändert von hwg am 27.04.2007, 18:08, insgesamt 1-mal geändert.

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lignus
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Re:

von lignus (06.05.2007, 14:40)
Miguel81 hat geschrieben:
Ich finde die Formulierung insoweit schwierig, als dass "Plagiat" durchaus mehrdeutig ist.

Ist es nur die reine, wortwörtliche Kopie, die gegen das Copyright verstößt?

Ist es auch die billige Nachahmung, die dieselbe Story, denselben Aufbau, ähnliche Charaktere und Orte hat?

Ist die Parodie/Satire auch noch Plagiat?

Die Grenzen zwischen "Nachahmung" und "Auseinandersetzung" sind durchaus fließend. Etwas, das wie ein Plagiat erscheint, kann im Grunde eine Auseinandersetzung mit dem Original sein und ist dann wieder ein eigenständiges Kunstwerk.

Ich denke, man kann nur sehr schlecht allgemein eine Aussage treffen und muss im EInzelfall entscheiden. Aber tendenziell würde ich zustimmen, dass die bloße Kopie eher beschämend ist.

(Wenn wir die Musik betrachten, dann zeigt sich, dass gecoverte Songs durchaus einen eigenen Charakter haben können und durchaus erfolgreicher als das Original sein können, weil sie besser an Zeit und Publikum zugeschnitten sind. )


Hi Miguel81,

Plagiat ist per Definition: Unter eigenem Namen abekupfert ohne Quellenangabe. Geht für mich auch in die Kategorie Diebstahl. Sonst wäre es ein "Zitat", eine Parodie, Satire.
Gruss, lignus
Tafelrunde der Autoren
www.vonholt.ch

Albert Ulrich
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Re:

von Albert Ulrich (16.08.2008, 19:35)
hwg (Moderator) hat geschrieben:
Im Wörterbuch steht Plagiat: Diebstahl geistigen Eigentums.
Was soll daran "zu allgemein" sein? Es kommt auf den Wert
des Gestohlenen an. Wer versehentlich ein fremdes Feuerzeug
oder billiges Schreibgerät einschiebt, kommt deswegen ohnehin
nicht vor den Richter.. :lol: In der Literatur, wenn man von deren
"Wert" ausgeht, dürfte es nicht viel anders sein. Oder?


Geistiges Eigentum lässt sich nur bedingt mit materiellem Besitz vergleichen; bei materiellen Dingen ist jedem bis auf ein paar Unklarheiten (z.B. Darf ich Dinge aus dem Sperrmüll eines anderen an mich nehmen? ) klar was Diebstahl ist, und was nicht. Aber bei geistigen Eigentum ist die Unklarheit die Regel.
Natürlich: Wer eine Kurzgeschichte oder ein Gedicht wörtlich abschreibt, hat einwandfrei geklaut.
Aber das Urheberrecht erstreckt sich auch auf einzelne Sätze und Gedankengänge. Hier gibt es regelmässig Streitereien vor Gericht. Die Experten sind in diesen Dingen vollkommen uneins.
Das grösste Problem für einen Autor ist das unbeabsichtige Plagiat. Wie kann man verhindern, dass man eine Textpassage die man einmal gelesen hat, unbewusst so ähnlich in sein Buch einbaut. Je mehr man liest, desto anfälliger ist man für unbeabsichtigte Plagiate.
Ist es jemandem schon passiert, dass er ein Buch das er vor Jahren schon einmal gelesen hat, wieder in die Hand genommen hat und plötzlich feststellen musste, dass eine Textpassage einer in einem eigenen Buch geschriebenen verdammt ähnelt?

hwg
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Re:

von hwg (16.08.2008, 19:50)
Aus meiner Sicht geht es auch bei Plagiaten hauptsächlich ums Honorar.

Meistens klagen ja unbekannte einen bekannten Autor - umgekehrt ist es eher sehr sehr selten. Und von wegen zitieren: Wie oft hat man schon die eine oder andere Sequenz in verschiedenen Romanen oder Geschichten auf die beinahe gleiche Art gelesen?

Über vermeintliche Plagiate regen sich interessanter Weise häufig nicht professionelle Schreiber auf, weil sie der irriger Meinung sind, ihr bislang von keinem "richtigen" Verlag gedrucktes "Meisterwerk" sei einmalig.

Ich spreche sicher nicht dem bewusst produzierten Plagiat das Wort. Professionelle Schreiber haben ein solches ohnehin nicht nötig, denn immerhin steht ihr - vor allem bei ihrem Verlag - vorhandener guter Ruf auf dem Spiel.

Der_Meinige
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Re:

von Der_Meinige (16.08.2008, 20:52)
Aber das Urheberrecht erstreckt sich auch auf einzelne Sätze und Gedankengänge. Hier gibt es regelmässig Streitereien vor Gericht. Die Experten sind in diesen Dingen vollkommen uneins.


Kann es sein, dass du das Zitierrecht mit dem Urheberrecht verwechselst? Ein beliebiger Satz in einem belletristischen Werk kann niemals urheberrechtlichen Schutz genießen - Stichwort Schöpfungshöhe ...

Überleg dir mal, wie oft du schon die folgenden Sätze in tausenden von Variationen gelesen hast:

Ich liebe dich ...
Er warf die Tür hinter sich zu ...
Es regnete in Strömen ...

hwg meinte hingegen:
Über vermeintliche Plagiate regen sich interessanter Weise häufig nicht professionelle Schreiber auf, weil sie der irriger Meinung sind, ihr bislang von keinem "richtigen" Verlag gedrucktes "Meisterwerk" sei einmalig.


Ja, das scheint eine unausrottbare Krankheit zu sein ... :lol:

Albert Ulrich
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Re:

von Albert Ulrich (17.08.2008, 09:51)
Der_Meinige hat geschrieben:
Aber das Urheberrecht erstreckt sich auch auf einzelne Sätze und Gedankengänge. Hier gibt es regelmässig Streitereien vor Gericht. Die Experten sind in diesen Dingen vollkommen uneins.


Kann es sein, dass du das Zitierrecht mit dem Urheberrecht verwechselst? Ein beliebiger Satz in einem belletristischen Werk kann niemals urheberrechtlichen Schutz genießen - Stichwort Schöpfungshöhe ...


Das Zitierrecht und das Urheberrecht hängen ja eng mitteinander zusammen. Das Zitierrecht regelt ja die Übernahme fremder Texte. Zitieren mit Quellenangabe ist ja auch nicht das Problem. Ein Verstoss gegen das Urheberrecht liegt bei einem Zitat ohne Quellenangabe vor.
Der Urheberrechtsschutz für einzelne Sätze bezieht sich nicht auf Allerweltssätze, aber bei komplizierten oder pointierten Sätzen sieht die Sache doch wohl anders aus.
Die Sache mit dem Urheberrecht ist nicht so einfach: Z.B. der Prozess um "Tannöd" (Jahrelange Auseinandersetzungen vor Gericht)

Aber meine Frage zielte ja darauf ab, wie man sich vor unbeabsichtigten Textklau schützen kann, also vor dem unbewussten einbauen von Stellen aus einem Werk, das man einmal gelesen hat in seinem eigenen.

hwg
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Re:

von hwg (17.08.2008, 11:06)
Der "Tannöd"-Prozess ist immerhin zu Gunsten der Autorin ausgegangen.

Es soll ja - manchen Interviews zufolge - Autoren geben, welche kaum Bücher von Kollegen lesen, um davon nicht so gefesselt zu werden, dass ihnen das Unterbewusstsein bei eigenen Werken einen Streich spielen kann.

Nicht zu lesen ist aber wohl kein geeigneter Ratschlag. Denn gerade der Autorennachwuchs profitiert ja vom Viellesen. Dass damit verbunden, Strukturen eines Werkes ins eigene Schaffen einfließen, wird ja laufend von Literaturwissenschaftern erkundet.

Viellesern werden immer wieder Parallelen in den diversen Romanhandlungen, Theaterstücken und anderen literarischen Werken auffallen.

Inwieweit es sich dabei um tatsächliche Plagiate handelt, wird nur durch entsprechende Verfahren geklärt werden können.

Vorwürfe sind oft rasch ausgesprochen, den Nachweis zu erbringen, fällt jedoch nicht immer leicht, wie man an vielen Gerichtsurteilen erkenn kann. Ist der Ruf erst mal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.... :lol:

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