Ist der historische Roman "ausgereizt"?

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Conny
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Ist der historische Roman "ausgereizt"?

von Conny (08.10.2008, 14:07)
Hallo an alle da draußen!

Ich habe mal eine Frage: Welcher Meinung seid Ihr? Ist der historische Roman mittlerweile ein Genre, welches zu Genüge auf dem Markt vorhanden ist?
Haben Autoren wie Rebecca Gablé und Ken Follett eine Monopolstellung auf dieses Genre?
Oder aber würdet ihr auch unbekannten Autoren hinsichtlich der Historie eine Chance geben?
Gibt es eurer Meinung nach den historischen Roman in 5 Jahren immer noch auf den Bestsellerlisten oder ist es eine "Modeerscheinung"?

LG, Conny
"Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann."
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JulyRose
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Re:

von JulyRose (08.10.2008, 14:24)
Mir bleibt ja nichts Anderes übrig als an den Historischen Roman als Dauerbrenner zu glauben. Aber im Ernst:

Ich bin überzeugt, dass auch in fünf Jahren gute historische Stoffe ihren Markt haben. Man darf vielleicht nicht davon ausgehen, dass bestimmte Muster ewig ausgereizt werden - also ruhig mal Mut zu Neuem! - aber man kann sicher noch seinen Platz in den Verlagsprogrammen finden, auch als Neuling.

Liebe Grüße
Juliane
Das Lied der Sonnenfänger (Januar 2011)
Die Rose der Kreuzritter (März 2011)

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Siegfried
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Re: Ist der historische Roman "ausgereizt"?

von Siegfried (08.10.2008, 14:49)
Conny hat geschrieben:
Ich habe mal eine Frage: Welcher Meinung seid Ihr? Ist der historische Roman mittlerweile ein Genre, welches zu Genüge auf dem Markt vorhanden ist?


Klares Nein.
Denn es gibt zu viele Epochen und historische Ereignisse, die durch historische Romane nicht oder nur sehr unzureichend abgehandelt wurden.

Conny hat geschrieben:
Haben Autoren wie Rebecca Gablé und Ken Follett eine Monopolstellung auf dieses Genre?


Sowohl Follett als auch Gablé als Monopolisten im Genre Historischer Roman hinzustellen, halte ich für sehr gewagt.

Follets Schwerpunkt liegt bei Geschichten rund um den Zweiten Weltkrieg sowie Thriller der Gegenwart. Meines Wissens hat er nur zwei Bücher geschrieben, die man als "historischen Roman" bezeichnen könnte: "Die Säulen der Erde" und "Die Tore der Welt" (ich betrachte "Der Mann aus St. Petersburg" nicht als historischen Roman, obwohl er im Vorfeld des Ersten Weltkrieges spielt, aber zu sehr seinen Romanen um den Zweiten Weltkrieg ähnelt).

Gablé hat eine ganze Reihe von historischen Romanen herausgebracht, die aber alle mehr oder minder im Hoch- und Spätmittelalter spielen, dazu noch auf England begrenzt. Von daher deckt Gablé nur einen Bruchteil dessen ab, was ein historischer Roman zu leisten vermag.

Es gibt andere Autoren, die ebenfalls eine ganze Reihe von historischen Romanen verfasst haben:

Noah Gordon etwa mit seiner "Medicus"-Trilogie und zwei daraus resultierenden Nachfolgeromanen

Umberto Eco hat historische Romane geschrieben ("Der Name der Rose", "Das Foucaultsche Pendel")

Christian Jacq mit seiner "Ramses"-Reihe

Gisbert Haefs mit einer ganzen Reihe von Büchern, die im Altertum spielen ("Hannibal", "Alexander", "Troja", "Der Tod des Mark Aurel")

John Maddox Roberts mit seiner inzwischen 13teiligen Reihe um Decius Caecilius Metellus, der Kriminalfälle im Alten Rom aufklärt.

Dazu kommen jene Autoren, die inzwischen verstorben sind und daher keine neuen Romane schreiben können, deren alte Romane sich aber weiterhin verkaufen. Das fängt bei Sir Walter Scott an ("Ivanhoe", "Rob Roy", "Francis Durward"), setzt sich fort über Lew Wallace ("Ben Hur") und Henryk Sienkiewicz ("Quo Vadis") und endet nicht bei Gary Jennings ("Der Greif", "Der Azteke")

Also, eine Monopolstellung von Follett und Gablé kann ich da beim besten Willen nicht erkennen.

Conny hat geschrieben:
Oder aber würdet ihr auch unbekannten Autoren hinsichtlich der Historie eine Chance geben?


Warum nicht? Wenn der Roman gut geschrieben ist und eine interessante Epoche abhandelt. Als ich mir "Der Greif" von Gary Jennings gekauft habe, hatte ich vorher von dem Autor nie etwas gehört. Mich interessierte die Story und die Zeit, in der das Buch spielte (Zeit der Völkerwanderung, als die Goten nach Italien zogen und dort das Reich des Odoaker eroberten).

Conny hat geschrieben:
Gibt es eurer Meinung nach den historischen Roman in 5 Jahren immer noch auf den Bestsellerlisten oder ist es eine "Modeerscheinung"?


Mit absoluter Sicherheit werden sich historische Romane gut verkaufen.

Nächstes Jahr begehen wir hier in Deutschland die 2000-Jahr-Feier der Varusschlacht. Vermutlich werden dazu nicht wenige historische Romane im Frühjahr in den Schaufenstern liegen.
Es könnte sein, dass die Themen "Mittelalter" und "Rom" dann ziemlich abgegrast sind, aber es gibt ja mehr als genug andere Epochen in der Geschichte, die sich für einen Roman eignen.

LG
Siegfried

augustina
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Re:

von augustina (29.11.2008, 15:28)
Hallo Conny,

mein Rat: Die Eifel ist ein geschichtsträchtiges Terrain. Suche dir in einer Epoche ein noch kaum oder gar nicht literarisch verarbeitetes Ereignis und recherchiere es durch bis ins kleinste Detail. Das ist allerdings der springende Punkt. Die Recherche muss höllisch gut sein. Was du schreibst, sollte dem regionalen Leser einen AHA-Effekt geben. Dann zauberst du Kraft deiner, als Autorin geschulten Phantasie einige schicksalsgebeutelte Charaktere hervor und stellst sie in eine spannende Handlung.

Wenn du dann dein BoD-Buch in der regionalen Presse ankündigst, Lesungen in Schulen, Kur- und Seniorenheimen machst - dürfte der regionale Erfolgt nicht ausbleiben. Und wenn der winkt, dann lässt der Wink eines gestandenen Verlages bestimmt nicht lange auf sich warten.

Also mutig rann ans Buch und rein ins Stadt- oder Landesarchiv!

Viel Erfolg!
book: Augustina

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Conny
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Re:

von Conny (30.11.2008, 14:18)
Liebe Augustina!
In dem Dorf, aus dem ich herkomme, steht ein wunderschönes altes Schloss. Zufälligerweise ist dort mein Vater Hausmeister und meine Mutter organisiert die Schlossführungen. Um viel darüber erzählen zu können, beschäftigt sie sich zusätzlich mit der Ahnenforschung des Schlosses, und sie würde mich diesbezüglich zu 100 % unterstützen. Es gibt dort auch eine Person in der Historie, die geradezu danach schreit, in ein Buch gesteckt zu werden.
Das zu den Fakten.
Mein eigentliches Problem ist, dass ich nicht genau weiß, ob ich zum historischen Roman "tauge".
Mein Genre ist eher die Satire. Jetzt dachte ich, warum nicht beides miteinander kombinieren?
Einen satirischen historischen Roman kenne ich so weit nicht, und vielleicht wäre es einen Versuch wert.

Nur weiß ich nicht, ob ich damit nicht in ein riesiges Fettnäpfchen tappe. Eine Satire ist nur dann gut, wenn sie richtig gut recherchiert ist, und man das Gefühl hat, der Schreiber kennt sich wirklich gut aus.

Ergo ist das ein Projekt, was vermutlich langwierig sein wird. Das hält mich eigentlich nicht davon ab, nur frage ich mich, ob sich der Megaaufwand lohnt.

Was haltet ihr also von einer satirischen Historie?

Die grobe Idee, die ich diesbezüglich habe, ist, aus der Sicht einer bereits toten Frau zu schreiben. Sie ist den Hexenverbrennungen zum Opfer gefallen, und ich dachte, ich könnte aus ihrer Sicht die letzten Tages ihres Lebens beschreiben. Dabei deckt sie, als Tote mittlerweile die sog. allwissende Erzählerin, die Umstände und Intrigen auf, die zu ihrem Tod geführt haben. Natürlich nimmt sie dann nach der Erzählung über ihren Tod noch Rache an ihren Peinigern.

Kann man diese Story in eine Satire packen?
Ist das ganze vielleicht eine Nummer zu groß für mich?

Das sind die Fragen, die mich beschäftigen.

Aber eigentlich kann man das nur herausfinden, wenn man anfängt zu schreiben - hab ich Recht?

LG, Conny
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cosmopolit
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Re:

von cosmopolit (30.11.2008, 14:23)
Kann man diese Story in eine Satire packen?

Also das ganz bestimmt.

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 Ist das ganze vielleicht eine Nummer zu groß für mich?

Da ist es wohl vermessen von mir etwas zu sagen.
Nur soviel:Versuch macht klug.
Erwachsen wirst du nicht mit dem alter,sondern erst dann wenn du die Fehler zuerst bei dir suchst. http://uae-alfred.blogspot.com/

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hawepe
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Re:

von hawepe (30.11.2008, 14:30)
Hallo Conny,

Conny hat geschrieben:
Kann man diese Story in eine Satire packen?


Warum sollte man es nicht können? Können kann man alles, man muss es nur Können :-)

Ist das ganze vielleicht eine Nummer zu groß für mich?


Das kannst nur du wissen. Traust du es dir zu, fange einfach an, hast du Zweifel, dann lasse es.

Es gibt übrigens keine Vorschrift, dass ein Buch nach einem, nach zwei oder nach drei Jahren fertig sein muss. Auch manche berühmte Autoren haben an einzelnen Werken Jahrzehnte gesessen, weil sie an irgendwelchen Stellen nicht weiterkamen oder sie Zweifel bekamen.

Beste Grüße,

Heinz.

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Conny
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Re:

von Conny (30.11.2008, 14:56)
hawepe hat geschrieben:

Warum sollte man es nicht können? Können kann man alles, man muss es nur Können :-)


Heinz.



Tja, und da komme ich für mich nur zu einem Schluß: Um es Können zu können, könnte ich es mal probieren ... angle:

Nee, mal ehrlich. Ich hab einfach Respekt vor der Materie, vor der Geschichte die dahinter steckt.

Aber das ist vermutlich genau das Gleiche, wenn man übers Heiraten nachdenkt.
Man kann nur wissen, ob man zusammen passt, wenn man es ausprobiert ...

LG, Conny
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hwg
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Re:

von hwg (30.11.2008, 17:13)
Also, ich lese keine historischen "Schinken", die Jahrhunderte zurückliegende Inhalte behandeln - denke aber, was heute passiert ist ja morgen auch schon "historisch"... :lol:

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Conny
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Re:

von Conny (30.11.2008, 18:04)
hwg (Moderator) hat geschrieben:
Also, ich lese keine historischen "Schinken", die Jahrhunderte zurückliegende Inhalte behandeln - denke aber, was heute passiert ist ja morgen auch schon "historisch"... :lol:



:lol: Da hast Du wohl Recht! Vielleicht sollte ich mich mit der "Historie" unserer gestrigen Party beschäftigen??? :lol: Wäre definitiv geschichtsträchtiger Stoff! :lol:
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (30.11.2008, 18:08)
Conny hat geschrieben:
Was haltet ihr also von einer satirischen Historie?


Nur ganz kurze Frage: Wo ist der satirische Ansatzpunkt? Wen oder was soll der Spott treffen?

LG
Siegfried

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Re:

von Conny (30.11.2008, 18:12)
Siegfried hat geschrieben:

Nur ganz kurze Frage: Wo ist der satirische Ansatzpunkt? Wen oder was soll der Spott treffen?

LG
Siegfried


Der Spott soll die Leute treffen, die die weibliche Protagonistin zu Unrecht als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt haben.

Zumindest war das meine erste Idee - im übertragenen Sinne also Spott auf die Menschen, die andere voreilig wegen nicht normalen Verhaltensweisen oder Äußerlichkeiten verurteilen.

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Re:

von Arno Abendschön (30.11.2008, 18:29)
Ein in meinen Augen sehr gelungenes Beispiel für einen neueren historischen Roman ist Orhan Pamuks "Rot ist mein Name". Die Kriminalhandlung spielt 1591 in Istanbul. Pamuk bedient nicht nur gekonnt das Genre, sondern liefert gleichzeitig noch eine Studie über die inneren Verhältnisse des Osmanischen Reiches damals, seine Kriege, die Malerei von damals, ihre frühere Entwicklung und den seinerzeit zunehmenden westlichen Einfluss auf sie. Außerdem kann man das Buch noch als Spiegelung heutiger türkischer Probleme in jener Zeit lesen. Nicht zuletzt ist es für andere Autoren aufgrund seines formalen Aufbaus interessant und lehrreich - oder eher abschreckend, da so meisterlich geschrieben?

Arno Abendschön
Gegen Gleichmacherei - nein zur Ehe für alle!

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Conny
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Re:

von Conny (30.11.2008, 18:34)
"Rot ist mein Name" habe ich noch nicht gelesen. Könnte ja lehrreich sein - oder abschreckend?

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augustina
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Re:

von augustina (30.11.2008, 19:56)
N'abend Conny,

ich melde mich noch mal. Also, was du da als Ansatzpunkt hast, klingt gut. Satire schreiben ist ein heißes Eisen und eine hohe Kunst. Wer das kann - Hut ab !! Die Idee mit der toten Rächerin ist zwar nicht branntneu, aber das muss dich nicht schrecken. Wenn die Story gut ist und du sie im wahrsten Sinne des Wortes mit Galgen-Humor füllst, na - worauf wartest du noch?!

Halte es mit unserem Superdichter G.: Mann darf nicht nur wollen, man muss auch tun. Ich sitze seit Jahren an einem historischen Roman und kann nur sagen, das A und O ist die Recherche. Und wenn der Leser bei dem geschichtlichen Wissenszuwachs auch noch schmunzeln kann, dürfte es ein echt gutes Buch werden.

Sag mir, wenns fertig ist, ich lese es bestimmt!
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