Bekannte Verlage bald nur noch BOD?

Euer Forum für Diskussionen zum Thema Self-Publishing und Buchveröffentlichung.


Benutzeravatar
Heiner
Beiträge: 3821
Registriert: 05.04.2007, 16:20
Wohnort: Norden

Bekannte Verlage bald nur noch BOD?

von Heiner (15.04.2007, 08:11)
Hallo,

ich habe, noch bevor ich mein neues Buch fertig gestellt hatte, drei Verlage angeschrieben, und ihnen eine Leseprobe per Mail zugeschickt. Zwei Verlage waren interessiert (Standardantwort), und wollten das Buch gerne in ihr Programm aufnehmen.

So weit, so gut, nur sollte ich mich mit einer `kleinen´ Unkostenpauschale an der Realisierung des Buches beteiligen. Das habe ich natürlich dankend abgelehnt.

Wenn man bedenkt, dass auch große Verlage mittlerweile nehmen, was sie kriegen können, sind wir bei bod.de und Co. sehr gut aufgehoben...

Daher mein Tipp: Das erste Buch in jedem Fall selbst verlegen. Ein Teil des gesparten Geldes kann man in die Promotion investieren. Wenn sich das Buch gut verkauft, hat man bei seiner nächsten Veröffentlichung eventuell auch ein `richtiges´ Verlagshaus auf seiner Seite, ohne Publikationszuschuss :wink: ...

Grüße

Heiner

herby

Re:

von herby (15.04.2007, 08:49)
Eine riskante These, denn ob es wirklich leichter ist, mit einer BoD-Veröffentlichung einen zahlenden Verlag zu finden, wage ich zu bezweifeln.
Auch wenn ich nicht soweit gehen möchte, wie viele andere, und sagen, dass es eher ein Nachteil sein wird.
Von Druckkostenzuschussverlagen ist allerdings abzuraten, denn die kosten zuviel und bringen viel zu wenig.

Benutzeravatar
Heiner
Beiträge: 3821
Registriert: 05.04.2007, 16:20
Wohnort: Norden

Re:

von Heiner (15.04.2007, 09:04)
Hallo,

mittlerweile sind viele Verlage dazu übergegangen, ihren `Namen auch zu verkaufen´...

Genau wie viele andere, ist auch der Buchmarkt hart umkämpft. Was zählt, sind leider oft nur noch die nackten Zahlen. Wenn sich ein Buch im Selbstverlag gut verkauft hat, werden auch andere Verlagshäuser Interesse zeigen und ihre Bedingungen anpassen.

Grüße

Heiner

Gerry
Beiträge: 3
Registriert: 18.04.2007, 15:07

Verlage

von Gerry (18.04.2007, 15:44)
Hallo Heiner,

ich habe für mein erstes Buch hunderte von Verlage angeschrieben und von mindstens 30% die Antwort erhalten:" Nach eingehender Prüfung müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass ihr Buch nicht in unser Verlagsprogramm passt ...", dabei hatte ich diesen Verlagen noch gar kein Manuskript zugesannt.
Alle anderen Verlage, die Reklame machen das sie Autoren suchen, sind nur auf das Geld dieser Autoren aus, denn mit dem sogenannten "Druckkostenbeitrag" ist in Wirklichkeit die gesamte Produktion abgedeckt und der Verlag hat kein Risiko des Verlustes. Das Risiko und die Kosten trägt immer der Autor.
Dabei ist es so, dass in den meisten Fällen selbst ein Verkauf von einer Auflage von 1000 Exemplaren nicht einmal die Unkosten deckt.

Gruß Gerry

windir
Beiträge: 7
Registriert: 05.05.2007, 01:15
Wohnort: nähe Bern (CH)

Re:

von windir (06.05.2007, 21:28)
Daher mein Tipp: Das erste Buch in jedem Fall selbst verlegen. Ein Teil des gesparten Geldes kann man in die Promotion investieren. Wenn sich das Buch gut verkauft, hat man bei seiner nächsten Veröffentlichung eventuell auch ein `richtiges´ Verlagshaus auf seiner Seite, ohne Publikationszuschuss Wink ...


eine duraus intersante idee, hast du denn diesen weg selbst gewählt oder ist das nur eine these.

als unbekannter autor ist es sicherlich schwer einen verlag zu finden, welche die werke ohne das kosten beim autor anfallen veröffentlichen.

das geht mir gegen strich. ICH habe was geschrieben, herzblut darein gesteckt & nun soll ich zahlen das das ganze verlegt wird...

ich habe hier zuhause ein buch liegen "mini verlag" vom autorenhaus verlag, kann man dem glauben oder nicht?

hwg
Beiträge: 6034
Registriert: 24.04.2007, 16:39

Re:

von hwg (07.05.2007, 08:16)
Wenn ein Unternehmen Autoren s u c h t , dann ist es sicher kein seriöser Verlag, bestenfalls ein für viele akzeptabler Druckkostenzuschussbetrieb.
Ob man mit einem solchen zusammenarbeiten will, muss jeder für sich entscheiden. Ich will jedenfalls für meine Arbeit ordentlich honoriert werden und werde niemals für eine Veröffentlichung etwas berappen.

Angesichts der jährlichen Neuerscheinungen in "echten" Verlagen, worunter sich stets auch zahlreiche Erstlingswerke bisher nicht bekannter Autor(inn)en befinden, bestehen für gut geschriebene Texte (wer darüber entscheidet, was gut und weniger gut ist, steht auf einem anderen Blatt)
offensichtlich durchaus Chancen. Allerdings gibt es ein Überangebot, wie überall auf dem "freien Markt".

Meine Anstrengungen richten sich daher hauptsächlich auf Veröffentlichungen in Zeitschriften, deren Auflagen eine größere Breitenwirkung aufweisen. Es muss ja nicht immer gleich ein Roman sein -100 Kurzgeschichten oder Feuilletons bringen im Laufe der Zeit mehr an Honoraren ein, als man mit einem möglicherweise noch selbst finanzierten Buch jemals erreichen kann (von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen).

Benutzeravatar
GabrielaT
Beiträge: 23
Registriert: 08.05.2007, 10:32
Wohnort: München-Grasbrunn

Re:

von GabrielaT (15.05.2007, 21:08)
Hmmmm,

es gibt sicherlich "Druckkostenzuschussunternehmen" die man getrost vergessen kann. So war ein Angebot für mein Kinderbuch (festhalten Leute) 9.000 Euro. Das soll was sein?? "Druckkostenzuschuss"?????? Das ist lächerlich. Damit finanzieren die sich ihr komplettes Leben :evil:

Dann gibts aber auch welche die ganz seriös anbieten:
1000 Exemplare Hardcover
mit allen Listungen
Werbeanzeigen
Buchhandelbelieferung etc etc etc
für 4.900

Ich hab mich für einen kleinen Verlag entschieden - fand das zuerst prima - und nun weiss ich nicht mehr so recht. Ich mache das KOMPLETTE Marketing selbst. Ist ne sehr komplizierte Entscheidung die man wirklich enorm gut überdenken und viele Vergleiche ziehen sollte.

Das Leben per se ist schwer :D :D

Nachdenkliche Grüße

Gabriela
www.das-krullemuck.de
"Der Klügere gibt nach" .. ist das Schlimmste das uns passieren kann! www.das-krullemuck.de

Benutzeravatar
hawepe
Beiträge: 7138
Registriert: 15.04.2007, 21:26
Wohnort: Berlin

Re:

von hawepe (15.05.2007, 22:58)
Hallo,

GabrielaT hat geschrieben:
1000 Exemplare Hardcover
mit allen Listungen
Werbeanzeigen
Buchhandelbelieferung etc etc etc
für 4.900

Ich hab mich für einen kleinen Verlag entschieden - fand das zuerst prima - und nun weiss ich nicht mehr so recht. Ich mache das KOMPLETTE Marketing selbst.


Und warum sollte der Verlag sich allzu sehr mit dem Marketing bemuehen?

Sein Geld hat er doch bereits verdient?

Beste Gruesse,

Heinz.

hwg
Beiträge: 6034
Registriert: 24.04.2007, 16:39

Re:

von hwg (16.05.2007, 07:50)
Auf die Gefahr hin, mich ständig zu wiederholen: Ein Unternehmen, das für Veröffentlichungen vom Autor Geld nimmt, ist aus meiner Sicht kein Verlag, bestenfalls ein Dienstleistungsbetrieb.

Verleger sein bedeutet, die Bücher auf eigenes Risiko hin zu veröffentlichen und den Autor am Verkaufserfolg angemessen zu beteiligen.

Die derzeit üblichen etwa 10 Prozent, bei Taschenbücher nur mehr 5 Prozent vom Buchhandelspreis (ohne Mehrwertsteuer) sind ohnehin ein Pappenstiel, gemessen an den Verdienstspannen der Papierlieferanten, der Druckerei, des Buchhandels und, wenn's Buch ein kommerzieller Erfolg ist, des Verlages.

Wenn man bedenkt, dass der Autor den Grundstoff für das mit dem Buch angestrebte Geschäft liefert, ist er krass unterbezahlt.

Selbstverständlich kann jeder Autor als Eigenverleger fungieren. Doch Literaturschaffender, Lektor, Korrektor, Satz- und Druckexperte, Werbestratege und erfolgreicher Verkäufer in einer Person zu sein, erfordert beinahe geniale Fähigkeiten.

BoD ist ein Druckereiunternehmen mit Vertriebssystem, kein Verlag im herkömmlichen Sinn. Sich dieser Dienstleistung zu bedienen, steht jedem frei. Manche Vorteile liegen ja auf der Hand: Buchherstellung nach Bedarf, vergleichsweise günstige Kosten, Verbindungen zu Online-Buchanbietern.

Die Produktionskosten und das Risiko eines Absatzmisserfolges trägt jedoch n u r der Autor. In der Praxis heißt das, für die eigentliche Arbeit, das Verfassen des literarischen Werkes, bekommt er k e i n e n
Cent.

In diesem Zusammenhang finde ich es interessant, dass sich unter den BoD- (und anderen Druckkosten selber zahlenden) Autoren, die ich im Laufe der Jahre kennen gelernt habe, deren eigenen Aussagen zufolge kein einziger mit dem Buchabsatz auch nur annähernd der Gewinnzone genähert hat. Ausnahmen gibt es bei manchen Sachbüchern oder Werken mit stark regionalem Bezug.

Wer sich von den Autoren hier traut, gegenteilige Erkenntnisse nachvollziehbar bekanntzugeben, verdient meinen vollen Respekt :D !

Ich bin k e i n Gegner von BoD-Produkten oder Werken aus Eigenverlagen - ganz im Gegenteil, es gibt sicher viele "literarische Perlen" darunter. Doch unter einem echten Verlag verstehe ich doch etwas anderes. Mag ja sein, dass diese Form der Bücherproduktion
von manchen Kollegen als überholt angesehen wird, wer sich jedoch als Schriftsteller sehen will, sollte von seiner Tätigkeit auch existieren können.

dbs

Re:

von dbs (16.05.2007, 10:58)
hwg hat geschrieben:
Mag ja sein, dass diese Form der Bücherproduktion
von manchen Kollegen als überholt angesehen wird, wer sich jedoch als Schriftsteller sehen will, sollte von seiner Tätigkeit auch existieren können.


Einspruch, Euer Ehren! :wink:

Mit einer Aussage "Wer sich als Schriftsteller sehen will, sollte von seiner Tätigkeit auch existieren können" legst du die Latte sehr hoch. Extrem hoch.

Wer kann sich in Deutschland - oder besser: im deutschsprachigen Raum - von seiner Tätigkeit als Schriftsteller ernähren? Das ist ein verschwindend geringer Teil.

Da wären als allererstes natürlich die Journalisten im Print-Bereich. Leute, die für Zeitungen und Zeitschriften arbeiten. Das sind im Prinzip aber nichts weiter als "Auftragsschreiber", die aus eingehenden Agenturmeldungen drucktaugliche Zeitungstexte machen. Oder auf Anweisung des Chefredakteurs ein Dutzend Leute interviewen, um Verbindungen des Stadtkämmerers von Großkleckersdorf zur Pharmaindustrie nachzuweisen.

Ebenfalls "Auftragsschreiber" sind jene Autoren, die sich den Romanheften verschrieben haben, von "Geisterjäger John Sinclair" über "Lassiter-Western" bis hin zu "Dr. Norden". Um davon leben zu können, müssen sie drei bis vier Roman pro Monat produzieren - das ist ein tägliches Schreibpensum von 5 bis 10 Seiten.

Wer kann sonst noch vom Schreiben leben? Leute, die entweder einen Wahnsinnsausstoß an Büchern haben (mindestens eines alle zwei Monate) oder mindestens ein Buch geschrieben haben, das sich irre gut verkauft.

Frank Schätzing war ein sehr erfolgreicher Werbemann, ehe er mit "Der Schwarm" ein Buch herausbrachte, dessen Verkaufszahlen ihn finanziell unabhängig machte. Allein der - mittlerweile erfolgte - Verkauf der Filmrechte an Hollywood dürfte ihm ausreichend Geld eingebracht haben, um auf Jahre davon leben zu können.

Andreas Eschbach hatte eine eigene Firma, mit der er sein Geld verdiente, während er gleichzeitig an seinen Romanen arbeitete. Als seiner ersten Bücher erfolgreich veröffentlicht worden waren, verkaufte er sein Unternehmen und lebt von seinem Schreiben

Wolfgang Hohlbein ist ein Vielschreiber, der zunächst als Nachtwächter arbeitete und aus Langeweile bei der Arbeit zu schreiben begann (da war er Anfang 20). Sein erster Roman erschien 1983 und wurde gleich ein Erfolg. Hohlbein produziert Romane ohne Ende und verwendet neben seinem eigenen Namen 13 (!) Pseudonyme. Innerhalb von 25 Jahren hat er es auf 35 Millionen verkaufte Bücher gebracht.

Dann noch Grass, Lenz, Walser. Die alt gewordene deutsche Schriftsteller-Elite. Deren Bücher sich das deutsche Bildungsbügertum ins Regal stellt, ohne sie je gelesen zu haben Ich kenne Leute, bei denen ist "Ein weites Feld" von Grass noch eingeschweißt in einem Karton auf dem Dachboden verschwunden.

Diese Leute können vom Schreiben leben. Sie sind also Schriftsteller.

Was ist aber mit all den anderen, die einen Roman geschrieben haben, dessen Auflagenzahl bei - sagen wir mal - 50.000 Stück liegt (was für den deutschen Markt schon extrem hoch ist)? 50.000 Stück bei einer Autorentantieme von 1 Euro je Exemplar mach 50.000 Euro (brutto - das Finanzamt will auch seinen Teil). Vom Netto kann man ein Jahr leben, wenn man sich stark einschränkt, vielleicht auch zwei. Spätestens dann muss man in seinen Brötchenberuf zurück. Wenn man in der Zwischenzeit nicht mindestens einen gleichartigen Erfolg nachschieben kann (der zweite Roman ist immer der schwierigste).

Nehmen wir als Beispiel den Autor Tom Liehr. Er hat zwei Romane beim Aufbau-Verlag herausgebracht ("Radio Nights" und "Idiotentest"), die sich ganz gut verkaufen. Leben kann er davon nicht. Um sich und die Familie durchzubringen, arbeitet er hauptberuflich als Software-Entwickler in einem eigenen Unternehmen. Also - kein Schriftsteller.

Anderes Beispiel: Benjamin Lebert. 1999 hauter er mit 17 ein Buch namens "Crazy" raus, was zu einem unglaublichem Hype führt. Es verkauft sich wie blöde, wird verfilmt und macht aus dem jugendlichen Autor einen Lehrer für Creative Writing an der New Yorker Universität. Der Erfolg von "Crazy" macht Lebert finanziell unabhängig - und rettet ihn derzeit noch über seine zwei Folge-Romane "Der Vogel ist ein Rabe" und "Kannst du". Die Frage ist: Lebt er vom Schreiben oder vom Erfolg seines Erstlings?

Manche Leute nutzen ihren - kurzen - schriftstellerischen Erfolg, um mit ihrer Popularität in anderen Bereichen tätig zu werden. Dies führt oft zu immer wiederkehrenden unsäglichen Auftritten im Fernsehen oder im Rundfunk - was eben Geld bringt. Gehören solche Leute zur Kategorie "Können vom Schreiben leben"?

Ich habe mit der Definition "Schriftsteller ist, wer davon leben kann" so meine Probleme. Denn was sind dann all jene, die ein Buch - auch in einem "richtigen" Verlag - herausgebracht haben, aber nicht davon leben können?

Grüße
Siegfried

Susanne Henke

Re:

von Susanne Henke (17.05.2007, 17:41)
Journalisten im Print-Bereich. Leute, die für Zeitungen und Zeitschriften arbeiten. Das sind im Prinzip aber nichts weiter als "Auftragsschreiber", die aus eingehenden Agenturmeldungen drucktaugliche Zeitungstexte machen. Oder auf Anweisung des Chefredakteurs ein Dutzend Leute interviewen, um Verbindungen des Stadtkämmerers von Großkleckersdorf zur Pharmaindustrie nachzuweisen.

Sorry, aber das ist doch sehr tief in die Vorurteilskiste gegriffen. du vergisst all die Journalisten, die fest oder frei noch immer mit Leidenschaft ihrem Beruf nachgehen, Themen aufspüren, recherchieren, sich mit ihren Chefredakteuren streiten – und trotzdem davon leben.

das ist ein tägliches Schreibpensum von 5 bis 10 Seiten

Ich glaube, damit kommt ein Heftromanautor gar nicht aus, aber für einen Vollblut-Schriftsteller ist das ein ganz normales Pensum.

wer sich jedoch als Schriftsteller sehen will, sollte von seiner Tätigkeit auch existieren können.

Ich denke, auf lange Sicht gesehen, ist das vollkommen richtig. Es hat weniger mit dem tatsächlichen Einkommen zu tun, als mit der Einstellung. Frank Schätzing ist da ein schönes Beispiel. Er geht absolut professionell ans Werk - mit seiner Agentur UND mit seiner Schrifstellerei.

Zum Schimpfwort "Auftragsschreiber" - hat nicht jeder aus der schreibenden Zunft einen Auftrag – den seine Leser nicht zu langweilen?

dbs

Re:

von dbs (17.05.2007, 18:41)
Susanne Henke hat geschrieben:
Sorry, aber das ist doch sehr tief in die Vorurteilskiste gegriffen. du vergisst all die Journalisten, die fest oder frei noch immer mit Leidenschaft ihrem Beruf nachgehen, Themen aufspüren, recherchieren, sich mit ihren Chefredakteuren streiten – und trotzdem davon leben.


Nun, die drei Journalisten, mit denen ich mich regelmäßig treffe, erzählen mir immer, sie würden dem Chefredakteur individuell erarbeitet Texte anbieten, die er konsequent ablehnt. Statt dessen gibt er Themen vor, die Journalisten springen und müssen eine bestimmte Anzahl von Zeilen liefern.

Susanne Henke hat geschrieben:
das ist ein tägliches Schreibpensum von 5 bis 10 Seiten

Ich glaube, damit kommt ein Heftromanautor gar nicht aus, aber für einen Vollblut-Schriftsteller ist das ein ganz normales Pensum.


10 Seiten täglich, das macht 300 Seiten im Monat. Oder umgerechnet fünf Heftromane. Ich schätze schon, dass man davon halbwegs leben kann.

Einem Vollblut-Schriftsteller würde ich nicht zumuten, 10 Seiten täglich zu schreiben. Zwei Seiten pro Tag sind da wohl völlig ausreichend.

Susanne Henke hat geschrieben:
wer sich jedoch als Schriftsteller sehen will, sollte von seiner Tätigkeit auch existieren können.

Ich denke, auf lange Sicht gesehen, ist das vollkommen richtig. Es hat weniger mit dem tatsächlichen Einkommen zu tun, als mit der Einstellung.


Die Aussage war: Schriftsteller ist, wer davon existieren kann.
Im Gegenschluss heißt das: Wer nicht von seinem Schreiben existieren kann, ist kein Schriftsteller.
Das finde ich ziemlich herb. Denn die wenigsten Schriftsteller können von ihrer Schreibe leben (ah .. verflixt ... jetzt habe ich diese Leute schon wieder Schriftsteller genannt).


Susanne Henke hat geschrieben:
Zum Schimpfwort "Auftragsschreiber" - hat nicht jeder aus der schreibenden Zunft einen Auftrag – den seine Leser nicht zu langweilen?


Ich würde das eher "Selbstverpflichtung" nennen. Ein Auftragsschreiber ist für mich mehr jemand, der auf Anforderung des Verlages einen Krimi von 200 Seiten zu liefern hat.

Grüße
Siegfried

Susanne Henke

Re:

von Susanne Henke (17.05.2007, 19:06)
sie würden dem Chefredakteur individuell erarbeitet Texte anbieten, die er konsequent ablehnt. Statt dessen gibt er Themen vor, die Journalisten springen und müssen eine bestimmte Anzahl von Zeilen liefern.

Manchmal für den Papierkorb zu arbeiten, gehört nun mal zum Alltag eines Journaisten. Der Unterschied liegt auch hier in der Einstellung - ich kenne auch genug von den Leuten, die sagen, wenn sie könnten, wie sie wollten, hätten sie schon längst den Pulitzer-Preis, ABER da ist ja immer der ignorante Chefredakteur/Verleger/Anzeigenfredie. Und dann gibt es die, die hartnäckig bleiben und sich durchsetzen - und dafür vielleicht gar ihren sicheren Job aufgeben.

Zwei Seiten, fünf oder zehn - klar ist das Pensum bei jedem ganz untersschiedlich. Aber wer nur schreibt, wenn ihn die Muse küsst, und das dann nur alle vier Monate geschieht, dürfte schon ein paar Schwierigkeiten mit der Fertigstellung einer Geschichte haben.

Aus deinen anderen Ausführungen würde ich schlließen, für dich ist Schriftsteller nur, wer NICHT davon leben kann ;-)
Heftromanautoren schreiben, sind aber keine Schriftsteller. Wer für einen Verlag einen Krimi schreibt, ist ein Auftragsschreiber. Wer mit dem Schreiben Geld verdient ist verdächtig ;-)

Benutzeravatar
Tino
Beiträge: 48
Registriert: 22.06.2007, 15:51
Wohnort: Naunhof

Re:

von Tino (25.07.2007, 16:13)
Ich habe mir alle Beiträge sehr genau durchgelesen. Ich bin ein Zwitterwesen. Ich schreibe sehr viel (Romane) und konnte davon nicht leben. Auf Grund meiner Entwicklung habe ich vor Jahren einen Verlag gegründet, der sich so entwickelt hat (im Übrigen ohne einen Cent Werbung für die Autorensuche), dass ich kaum noch zum Schreiben komme.
Zur Sache: Ich sehe es auch so, dass ein verschwindend geringer Teil Berufsautoren existiert. Nicht verschweigen darf man jene, die von Sozialhilfe und dem Cashgeld aus Lesungen dahinvegetieren. Nebenher gibt es jede Menge Freizeitschreiber, die auf den großen Wurf hoffen, um ihren Job an den Nagel hängen zu können. - Wem will man das verübeln?

Mein Verlag produziert die Bücher so, wie die Verkaufschancen eingeschätzt werden. Entweder digital oder in Auflagen im Offsetdruck, wobei keiner glaubt, wie schnell es einem Verlag dreckig geht, wenn sich eine vorfinanzierte Auflage nicht verkauft. Wenn wir einen halbwegs annehmbaren Buchpreis für den Mark haben, dann bleiben bei Taschenbüchern 5 % für den Autor und 2 bis 3 für den Verlag. 50 % für den Buchhandel, 7 % für Papa Staat, der Rest sind die Herstellungskosten. Eine zweifellos ungerechte Geschichte, doch den Verlegern deshalb an den Hals zu springen ist frevelhaft.

Für Newcomer-Autorinnen und –Autoren haben wir zunächst die Buchherstellung völlig kostenlos gemacht. Der Vorgang dabei ist folgender: Wir erhalten die Daten und Ideen (meist im Word, zaubern ein Buch daraus, machen einen zunächst flüchtigen Kontrolldurchlauf am Bildschirm, was Rechtschreibung und Grammatik betrifft. Dann stellen wir ein komplett gebundenes Musterbuch her, das – infolge der Kleinstauflage – etwa zehnmal so viel kostet, wie der Buchpreis am Ende sein wird. Im Schnitt sitzt ein Bearbeiter etwa zehn Stunden an einem Buch, bis die Druckdaten stehen. Nachdem wir das zwei Jahre kostenlos taten, mussten wir feststellen, dass es eine Menge Schnarcher gab, die diesen Vorgang nutzten, um sich von einem Manuskript ein gebundenes Exemplar zu besorgen. So richteten wir eine kleine Hemmschwelle ein, die Autorenbeteiligung liegt heute bei 99,95 Euro, was keinerlei Druckkostenzuschuss bedeutet. Pro Buch werden im Schnitt 120 Exemplare verkauft. Das heißt, es gibt Bücher, die gehen nur dreimal raus, von anderen ein paar Tausend.

In den vergangenen sechs Jahren sind die Papierpreise um 280 % gestiegen. Weniger Papierhersteller, weniger Papierhändler, weniger Papiersorten. Trotzdem können es sich große Verlage nach wie vor leisten auf Teufel komm raus zu verramschen, was für mich nicht nachvollziehbar ist.

robertwalden
Beiträge: 34
Registriert: 16.08.2007, 08:15
Wohnort: Wien

Re:

von robertwalden (19.08.2007, 11:34)
hwg (Moderator) hat geschrieben:
Die derzeit üblichen etwa 10 Prozent, bei Taschenbücher nur mehr 5 Prozent vom Buchhandelspreis (ohne Mehrwertsteuer) sind ohnehin ein Pappenstiel, gemessen an den Verdienstspannen der Papierlieferanten, der Druckerei, des Buchhandels und, wenn's Buch ein kommerzieller Erfolg ist, des Verlages.

Wenn man bedenkt, dass der Autor den Grundstoff für das mit dem Buch angestrebte Geschäft liefert, ist er krass unterbezahlt.


Die Autorenhonorare sind wohl auch ein Ergebnis der Entwicklung der letzten jahre. Warum soll man um Gottes Willen Autoren ein vernünftiges Honorar zahlen, wenn zwei Häuser weiter ein Verlag davon lebt, dass der Autor sein Geld zu ihnen trägt? Ob nun BOD, SV oder DKZV - egal. Seitdem das Honorarprinzip durch Selbstbezahlautoren quasi pervertiert wurde, können "normale" Verlage ihre Autoren mit Bettelhonoraren abspeisen. Diese Entwicklung scheint mir in sich völlig logisch zu sein.

lg

Zurück zu „Self-Publishing“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.