Die Guten und die Doofen

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Yuki
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Re:

von Yuki (10.08.2007, 18:31)
Vor einiger Zeit habe ich in einem Zeitungsartikel gelesen, dass die großen Verlage lieber ausländische Literatur nehmen und diese übersetzen. Da werden dann die Kommentare von ausländischen Zeitungen auf das Buch geschrieben (hat sicher jeder schon mal gesehen) und schon wird der Leser neugierig.
Interessant finde ich auch, dass es Verlage gibt, die zwar wissen möchten, was der Autor bisher veröffenlicht hat, aber klar sagen, dass BoD und ähnliches nicht zählen. Geht man mal davon aus das Buch hat sich 500 mal verkauft würde das damit völlig unter den Tisch fallen...
Ich für meinen Teil werde gar nicht erst etwas an die großen Verlage schicken, sondern nur noch an klein Verlage, da inzwischen sogar Gerüchte umgehen, dass die großen so viele Manuskripte bekommen, dass sie einfach alles wieder zurück schicken, ohne es zu lesen.

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hawepe
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Re:

von hawepe (10.08.2007, 19:32)
Hallo Franziska,

franziska rechperg hat geschrieben:
Dass der Autor damit bereits in Vorleistung tritt und evtl. selber jemand beauftragt, der ihm die Druckvorlage erstellt, wird wohlweislich verschwiegen... Das habe ich heute brühwarm von einem renommierten Autoren erfahren, der einschlägige Erfahrung im Verlagsgeschäft hat und wie selbstverständlich davon ausgeht, dass ich Anfängerdummie ohnehin kein Layout erstellen kann.


Es gibt wohl nichts, was es nicht gibt, aber die Regel ist es nach meinen Eindruecken eher nicht. Oder genauer: Ich habe noch von keinem Kollegen gehoert, dass ein klassischer Verlag von einem Autor eine Druckvorlage verlangt haette.

Das ist auch logisch, weil die meisten Verlage ziemlich genaue Vorgaben haben, an denen man alles ausser Ruetteln kann. Im Gegenteil muss man sich schon sehr ins Zeug legen, wenn man selbst die Druckvorlage erstellen will.

Ich habe das letztes Jahr fuer einen Kunden durchexerziert. Der Verlag setzt mit Indesign, ich mit LaTeX. Und es musste natuerlich genau so wie in der verwendeten Indesign-Version aussehen. Und so bekam ich immer die Anweisung, "Da muessen sie etwas schieben" und ""da etwas ziehen". Bloss dass es so etwas in LaTeX nicht gibt, dort kann ausschliesslich mit Massen gearbeitet werden. Aber auch mit Indesign haette ich wohl nicht gewusst, wieviel nun "etwas" ist :-(

Aber wie gesagt, die Verlagslandschaft ist aeusserst vielfaeltig; alles ist moeglich.

Beste Gruesse,

Heinz.

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hawepe
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Re:

von hawepe (10.08.2007, 19:41)
Hallo Yuki,

Yuki hat geschrieben:
Vor einiger Zeit habe ich in einem Zeitungsartikel gelesen, dass die großen Verlage lieber ausländische Literatur nehmen und diese übersetzen.


Ist billiger. Und in vielen Bereichen meinen die Leser auch, dass nur englische Autoren gute Buecher schreiben koennen. Irgendein Verlag hat kuerzlich deshalb ein Buch als Uebersetzung aus dem Englischen ausgegeben, obwohl es in Deutsch geschrieben wurde, weil man sich dadurch einen groesseren Erfolg verspricht.

Da werden dann die Kommentare von ausländischen Zeitungen auf das Buch geschrieben (hat sicher jeder schon mal gesehen) und schon wird der Leser neugierig.


Dummheit kennt eben nun einmal keine Grenzen. Wenn ein Buch uebersetzt wird, muss es nun einmal besonders gut sein. So die Meinung vieler Leser.

Interessant finde ich auch, dass es Verlage gibt, die zwar wissen möchten, was der Autor bisher veröffenlicht hat, aber klar sagen, dass BoD und ähnliches nicht zählen. Geht man mal davon aus das Buch hat sich 500 mal verkauft würde das damit völlig unter den Tisch fallen...


Aber es fallen eben auch die Titel unter den Tisch, die nur in 10 Exemplaren aufgelegt und verschenkt wurden.

Das Problem ist eben, dass die Verlage mit Manuskripten ueberschwemmt werden. Wenn jeden Tag pro Lektor ein halbes Dutzend Manuskripte eingeht, bleibt gar keine andere Wahl mehr als sehr rigoros vorzusortieren. Ob man es gut findet, ist eine ganz andere Frage (ich finde es nicht).

Ich für meinen Teil werde gar nicht erst etwas an die großen Verlage schicken, sondern nur noch an klein Verlage, da inzwischen sogar Gerüchte umgehen, dass die großen so viele Manuskripte bekommen, dass sie einfach alles wieder zurück schicken, ohne es zu lesen.


Ist mir Sicherheit auch sinnvoller. Da die meisten bekannten Autoren zu den grossen Verlagen gehen, muessen die kleinen sehen, wie sie Nischen besetzen.

Beste Gruesse,

Heinz.

Salpetriere
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Re:

von Salpetriere (11.08.2007, 00:16)
Interessante Ansätze :!: Jedoch mag ich anmerken, BOD ist ein Jahrmarkt der Eitelkeiten 8) Viele fühlen sich berufen, doch nur wenige sind auserwählt, imho sehr treffend für die Riege der selbsternannten Autoren...

hwg
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Re:

von hwg (11.08.2007, 07:50)
Wenn ich die mir zugesandten Besprechungsexemplare der Neuerscheinungen für den "Bücherherbst" anschaue, so sind doch gar nicht so wenig deutschsprachige Autoren mit Erstveröffentlichungen darunter.

Also scheint der "Nachwuchs" doch Chancen in den herkömmlichen Verlagen zu haben.

Dass sich Manuskript-Angebote und Nachfrage (Veröffentlichungen) nie die Waage halten, ist seit Urzeiten des Verlagswesens so - deshalb haben sich ja die Druckkostenzuschussunternehmen derart ausgebreitet.

In der aktuellen Ausgabe der Wiener Wochenzeitschrift "Falter" ist ein interessantes Interview mit dem deutschen Verleger und Schriftsteller Michael Krüger (Verlage Hanser, Deuticke, Zsolnay, Nagel & Kimche und Sanssouci), worin u.a. auch die "Behandlung" von zugesandten Manuskripten geschildert wird.

Demnach gebe es aus diesen Verlagen keine "automatische" Rücksendung von Texten, allerdings Wartefristen von mindestens einem Jahr, da die jeweilige Frühjahrs- und Herbstproduktion einer sorgfältigen Vorbereitung bedürften.

Und Krüger wartet mit einer überraschenden Feststellung auf: "In Vorarlberg (kleinstes Bundesland von Österreich) leben mehr gute Autoren als in der Schweiz."

Ich zitiere hier bloß, also liebe Schweizer Mitglieder und Leser, bitte nicht den Weiterleiter dieser Botschaft "geißeln" :)

uli
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Re:

von uli (11.08.2007, 09:42)
Hallo!

Salpetriere hat geschrieben:
Jedoch mag ich anmerken, BOD ist ein Jahrmarkt der Eitelkeiten 8) Viele fühlen sich berufen, doch nur wenige sind auserwählt, imho sehr treffend für die Riege der selbsternannten Autoren...


wieso nur BODler? schon mal eine "aktuelle" Biographie gelesen?

grüße! ULI

Salpetriere
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Re:

von Salpetriere (11.08.2007, 16:05)
[quote="uli"]Hallo!

wieso nur BODler? schon mal eine "aktuelle" Biographie gelesen?

grüße! ULI[/quote]

Hallo,

schon einmal überlegt, was "Biographie" impliziert :?: :idea:

Salü

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Yuki
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Re:

von Yuki (14.08.2007, 15:34)
Hallo Heinz,


Aber es fallen eben auch die Titel unter den Tisch, die nur in 10 Exemplaren aufgelegt und verschenkt wurden.


Da sollte der Autor wohl auch selber einsehen, dass er das wohl besser nicht erwähnen sollte. Ein Buch, dass zwei Jahre alt ist und 10 mal verkauft wurde ist sicher keine gute Werbung.

Dass die Lektoren überflutet werden ist auch nichts neues mehr und irgendwie kann sie auch verstehen... Sie ja auch nur Menschen :wink:


Hallo Salpetriere,

gibt der Leser nicht das Feedback?

Liebe Grüße Yuki

Salpetriere
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Re:

von Salpetriere (14.08.2007, 22:46)
Der Leser entscheidet, was er liest. Verlage entscheiden, was beim Leser ankommt. Die eine oder andere Perle 8) lehnt ein Verlag ab. Die eine oder andere Anreihung von Wortphrasen erscheint im Selbstverlag. Welchen Denkanstoß beabsichtigtes Du mir zu geben, Yuki?

MisterThirdAct
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Re:

von MisterThirdAct (15.08.2007, 00:08)
Die oft vielgepriesene literarische Landschaft bei uns ist , wenn man mal genauer hinsieht, für neue Autoren schwer wenn überhaupt zugänglich. Von daher schließ ich mich dem an, was Roland über BOD und die klassischen Verlage gesagt hat und möchte dies noch hinzufügen:
Jede Meinung ist immer nur subjektiv, es kann keine objektive Ansicht über irgendetwas geben. Auch die Meinung einer(s) Lektorin(s) ist subjektiv, und die des Lesers genau so. Ironischerweise sind es genau diese subjektiven Meinungen, speziell die der Buchkritiker, von denen die Verlage und Buchhändler sich höhere Verkäufe versprechen und sie auch einfahren, weil der geneigte Leser oft der (subjektiven) Meinung einer namhaften Zeitung ein professionelles Urteil hineinlegt, welches er vor dem Kauf erstmal seinem eigenen unterstellt. Sieht man sich aber mal die Kritiken der Leser bei amazon an, gehen die Meinungen nach dem Lesen eines Buches bald auseinander. Schnell wird klar, dass die Buchkritiken der Presse nur dazu dienen, das Buch zu verkaufen, und natürlich kommen nur diejenigen Rezensionen auf das Cover, die genau das tun sollen. Alles irgendwie sehr widersprüchlich.
So gesehen machen eigentlich die Vorurteile der Buchändler gegenüber BOD keinen Sinn. Eine Ladeninhaberin, die sich dazu erbarmte, eventuell einen Titel von mir in ihr Regal zu stellen, meinte, sie müsse das Buch erstmal lesen. Ob sie wohl jeden der jährlich 80000 Titel prüft, bevor er in den literarischen Olymp ihres kleinen Geschäftes erhoben wird?
Ohne diese riesige Marketingmaschinerie der Verlage ist es für neue Autoren unglaublich schwer, sich gegen diese Strukturen zu behaupten.
Das heißt aber nicht, dass es kein Versuch Wert wäre. Anton Bruckner hat einmal gesagt (sinngemäß): "Wenn das, was ich schreibe , schlecht ist, wird es mich nicht überdauern. Wenn nicht, wird es noch lange nach mir existieren."

Andreas T.
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Re:

von Andreas T. (15.08.2007, 11:30)
Goodbye!
Zuletzt geändert von Andreas T. am 28.07.2009, 15:34, insgesamt 1-mal geändert.

roland_lange

Popmusik und Literatur

von roland_lange (15.08.2007, 12:30)
Andreas, du sprichst mir aus der Seele! Als jemand, der sich seit rund 40 Jahren mit Popmusik im weitesten Sinne beschäftigt, kann ich das, was du sagst, nur bestätigen. Und die Parallelen zur Literaturszene sind überdeutlich.
Wie das bei den Major-Labels funktioniert habe ich indirekt am eigenen Leib zu spüren bekommen:
Da ist eine Sängerin im christlichen Bereich (mit gutem Erfolg in dieser Nische), die ihre gesangliche Qualität auch dadurch unter Beweis gestellt hat, dass sie Gesangstrainerin für die Akteure des Musicals Miss Saigon war. Dann hat sie Kontakt zu einem Major-Label bekommen, sollte Songs für das Label komponieren (mich hat sie gebeten, Texte zu schreiben). Alles soweit paletti - die Songs waren toll, wurden von den Leuten beim Label fur gut befunden, aber von einem Tag auf den anderen war alles Makulatur, weil plötzlich der Trend angeblich ein anderer war, weil die Interpretin plötzlich zu alt war und deratiges Blabla mehr.
Will damit sagen: In der Musik wie in der Literatur sind oft ganz andere Dinge ausschlaggebend, als Qualität. Und wenn dann der Werbestratege zum Zug kommt, geht es nur noch nach dem Motto: Werbung ist die Kunst, dem Eskimo einen Kühlschrank zu verkaufen und nicht das, was er wirklich braucht oder haben will.

In diesem Sinne - munter bleiben! :lol:
Roland

hwg
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Re:

von hwg (16.08.2007, 09:45)
In der aktuellen Pop-Musikszene bin ich nicht "zu Hause", aber hinsichtlich der Vermarktung von Texten, die der "Unterhaltung" von möglichst vielen Lesern dienen sollen, schließe ich mich den Beiträgen von Andreas und Roland vollinhaltlich an.

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Yuki
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Re:

von Yuki (17.08.2007, 10:31)
@Salpetriere: Dein Beitrag klang für mich zunächst so, als würde es für aller BoDler gelten. Das schien wohl eine Fehlinterpretation zu sein. Sorry, wollte dir nicht zu Nahe treten :oops:

@Andreas: Da kann ich dir nur komplett zustimmen und zitiere mal frei die Sängerin von Silbermond auf einem Konzert: das erste Mal spielten wir vor 500, letztes Jahr vor 1200 und dieses Jahr sind es 5000.
:wink:

AndréLinke
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Re:

von AndréLinke (20.08.2007, 13:05)
es ist auch ein vorurteil, dass sich publikumsverlage gegenüber autoren verschließen, die bei zuschussverlagen jeglicher art veröffentlicht haben. das ist ein verbreiteter irrtum, bei dem konkurrenzdenken dahintersteckt.
dass sich die verlage danach umschauen, was bei kleinverlagen gut läuft oder sich einen namen machen kann, ist ganz und gebe - da ist es letztendlich egal, bei welcher sorte von verlag man vorher war. is ja auch logisch. meine ersten erfahrungen mit größeren verlagen, die an meinem buch interessiert sein könnten, bestätigen das auch.

das vorurteil zum thema "was bei zuschussverlagen veröffentlicht wird, ist alles schrott" find ich auch zum kotzen. man kann doch viele andere gründe haben, um z.b. bei der bod gmbh zu veröffentlichen - es muss ja nicht immer an den absagen professioneller verlage wegen schlechter qualität liegen. ich z.b. habs bei den publikumsverlagen gar nicht erst versucht, weil mir klar war, dass sie meine manga-illustrationen streichen würden, sollten sie wirklich interesse haben. die illus sind von erfahrenen berufszeichnern angefertig, aber, ihr wisst ja, was nicht zum mainstream passt.... ;-)
auch ich wurde mit diesem vorurteil schon konfrontiert. im vergleich zu den medien und lesern, denen das aber völlig egal war, bei welchem verlag das buch erschienen ist, stellen diese vorkommnisse nur eine minderheit dar.

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