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Siegfried
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Re:

von Siegfried (05.12.2008, 12:52)
noteingang hat geschrieben:
Ich möchte ja niemand zu nahe treten, aber kommt einigen, hier händeringend nach Verlagen suchenden, nicht auch mal in den Sinn, dass eure Werke einfach zu "schlecht" sind.


Unbestritten. Ich bin mir bei meinem Geschreibsel ziemlich sicher, dass ich zu 90 Prozent Ausschuss produziere. Diese Texte liegen irgendwo in den Tiefen meiner Festplatte und werden vielleicht mal als Gedankenanregung wieder ans Tageslicht gezerrt. Aber ansonsten hast du sicher Recht: Das allermeiste ist einfach zu schlecht.

noteingang hat geschrieben:
Mal abgesehen von Promibonus+Modewellenmitsurfern ist meiner Ansicht genug Platz auf dem Literaturmarkt. Auch diese herumgeisternde Zahl von fast 100.000 Neuerscheinungen jedes Jahr glaube ich so erst einmal nicht, da sind bestimmt zu großen Teilen wissenschaftliche Publikationen und sehr spezielle Sachbücher dabei.


Die Zahlen der Neuerscheinungen kommen alljährlichen vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und sind durchaus vertrauenswürdig. Allerdings sind in der genannten Zahl Sachbücher und Belletristik zusammengefasst, ferner auch Lizenzausgaben ausländischer Werke, die nach Übersetzung neu auf dem deutschen Markt erscheinen.

noteingang hat geschrieben:
Ich kann mir nicht vorstellen, dass wenn bei einem Verlag ein außergewöhnliches Werk (das merkt man in der Regel anhand der ersten paar Seiten) sowohl sprachlich wie auch thematisch ins Haus flattert, dass die da immer gleich nein sagen.


Woran man sich als Autor zuallererst gewöhnen muss, ist der Gedanke, dass das eigene außergewöhnliche Werk für einen Verlag vor allem ein Wirtschaftsprodukt darstellt, das sich verkaufen lassen muss. Für einen Publikums-Verlag bedeutet die Herstellung eines Buches eine Investition im Wert eines Mittelklasseautos (ein Buch belastet einen Verlag neben Druck auch durch Personalkosten, Marketing usw.) , und diese Kosten muss das Buch auch wieder einspielen. Ein Verlag, der nur auf Schönheit und Exklusivität setzt, macht sehr schnell die Pforten zu.

Nicht ohne Grund ist die Branche sehr risikoscheu (einer der Gründe, warum es Neulinge bei Verlagen so schwer haben). Vielfach wird lieber die Lizenzausgabe eines im Ausland bereits erfolgreichen Buches gekauft, als das Geld in einen unbekannten hiesigen Autor zu stecken. Wer sich am Markt verkalkuliert, ist schnell das Opfer eines Aufkäufers.


noteingang hat geschrieben:
Belangloses und Durchschnittliches wurde und wird zu Haufe geschrieben, gerade in Zeiten, in denen immer weniger Menschen lesen (erst gestern Bericht) dürfte es niemand wundern, dass die Verlage nur noch Prommikram und eben vermeintliches Außergewöhnliches, ganz Besonderes wollen. Wäre ich nen Verlagmensch, ich würde es nicht anders handhaben.


Ich hätte gerne gewusst, was bei dir "Außergewöhnliches" ist. Wenn ich durch einen größeren Buchladen, dann ist die Masse des Angebotes alles andere als "Außergewöhnlich". Große Verlage leben von der Massenkompatibilität. Außergewöhnliches ist eben Ausnahme und verkauft sich höchst selten in fünfstelligen Mengen.

noteingang hat geschrieben:
Ich will mit meinen Texten kein Geld verdienen, weil das eh vom Kosten/Nutzen AUfwand absolut unrealistisch ist und ich auch nicht gut genug bin. Aber wenn jemand lediglich will, dass die Werke gelesen werden, wieso stellt ihr sie nicht kostenlos ins Internet?

Ich glaube im Endeffekt kommt man da Netto oft viel besser weg als hier und man hat eventuell durch die kostenlose Geschichte einen Riesenhaufen an Lesern und darum geht es uns doch wirklich, unsere Werke sollen gelesen werden. Reich wird hier sicher niemand, oder eventuell einer von 100.000.


Gegenfrage: Warum will man wirklich veröffentlichen - in Form eines Buches bei einem Publikums-Verlag?

Weil man viel Geld verdienen will?
Vielleicht. Dazu braucht man aber ein Buch, das Massen von Lesern interessiert. Das durch Nebenrechte dickes Geld abwirft. Wer dies als Hauptargument vorbringt, der muss sich eingehend mit den Erfolgsromanen der letzten zwei Jahrzehnte befassen und verdammt hart an seinem handwerklichen Können arbeiten. Und dann alle drei Monate ein Buch auf den Markt werfen, wie früher H. G. Konsalik oder heutzutage Wolfgang Hohlbein.

Weil man gelesen werden will?
Wem es nur darum geht, der kann das Internet zupflastern mit eigenen Texten. Möglichkeiten dazu gibt es mehr als genug. Aber ist das Einstellen von eigenen Texten auf Internetseiten wirklich befriedigend? Wenn es das wäre, warum versuchen so viele doch bei einem Verlag unterzukommen? Oder veröffentlichen bei On-Demand-Verlagen oder noch schlimmer bei DKZVs?

Ich persönlich bin der felsenfesten Überzeugung, dass wir Autoren bei richtigen Verlagen veröffentlichen wollen, weil wir gegen die Vergänglichkeit ankämpfen. Wer im Internet veröffentlicht, dessen Text wird irgendwann gelöscht. Weil der Betreiber die Seite aufgibt, weil man selbst weder Geld noch Zeit noch Engagement in die eigene Web-Site stecken will, wenn man mal jenseits der 70 oder noch mehr ist.

Wer aber bei einem richtigen Verlag was herausgebracht hat, der träumt doch davon, unvergessen zu bleiben wie ein Goethe, ein Mann, ein Le Carré (auch wenn der gute Mann noch unter uns weilt), ein Crichton (jüngst verstorben) oder eine Rawlings (die mit Sicherheit durch ihren Harry-Potter-Zyklus unsterblich geworden ist). Selbst ein Hermann Burger - hat von euch mal jemand etwas von ihm gelesen? Vermutlich nicht - gilt als unvergessen, weil er 1985 den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen hat.

LG
Siegfried

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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (05.12.2008, 12:53)
Thorsten (ganz weit vorn) hat geschrieben:
Einen ganzen Roman kostenlos ins Netz stellen und auf finanziellen Lohn hoffen? Nein, dafür steckt mir zu viel Herzblut in meinen Arbeiten. Dabei geht es mir nicht ums Geld, sondern ich will das Gefühl genießen können, mein Werk als Buch in der Hand zu haben.

Da habe ich wohl Glück gehabt.
Ich habe meine Romane erst als Fortsetzungsroman kostenlos ins Netz gestellt, dann das PDF kostenlos dazu gepackt - und jetzt wollen meine Online-Leser das Gefühl genießen können, mein Werk als Buch in der Hand zu haben.
Mir geht's gut. cool5


@Siegfried: Oh ja, Unsterblichkeit ist eine stark verlockende Triebfeder! Aber ein BOD-Exemplar sieht im Regal nun mal hübscher aus als die geklammerte oder bestenfalls beringte Fassung aus dem eigenen Tintenstrahler. Reicht das nicht als Grund?

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (05.12.2008, 13:02)
noteingang hat geschrieben:
Die Frage ist doch kann man mit seinem Gewissen vereinbaren, dass Menschen Geld für einen ausgeben, wenn sie noch nicht alle Manns, Kafkas, Hesses der Welt gelesen haben (für Sparten dann halt andere Namen). So viele schon veröffentlichte Bücher sind meilenweit von dem entfernt, was die meisten hier zu stande bringen.


Buchtipp:
Karl Corino & Elisabeth Albertsen
"Nach zwanzig Seiten waren alle Helden tot"
Erste Schreibversuche deutscher Schriftsteller
Autorenhaus-Verlag
978-3866710276

Bei der Lektüre dieses Buches schaut man ganz erstaunt, dass auch große deutsche Schriftsteller mal ganz banal und grottenschlecht angefangen haben - und nach deiner These "Versuch es erst gar nicht, weil es bereits Mann, Kafka und Hesse gibt" eigentlich nie Erfolg gehabt haben dürften.

LG
Siegfried

P.S.: Ich würde jetzt gerne was von dir lesen, um feststellen zu können, ob du deinen eigenen Ansprüchen gerecht wirst. cheezygrin

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noteingang
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Re:

von noteingang (05.12.2008, 13:06)
Siegfried hat geschrieben:
Ich hätte gerne gewusst, was bei dir "Außergewöhnliches" ist. Wenn ich durch einen größeren Buchladen, dann ist die Masse des Angebotes alles andere als "Außergewöhnlich". Große Verlage leben von der Massenkompatibilität. Außergewöhnliches ist eben Ausnahme und verkauft sich höchst selten in fünfstelligen Mengen.


Dann sagen wir außergewöhnlich Massenkompatibel. Fern ab der ganzen Standardkost, bei der sich die Verlage mal gemutmaßt auf bekannte Namen verlassen, muss es eben etwas besonderes sein.

Kein xter Kleiner Prinz Verschnitt oder wieder ein historischer Krimi im vikorianischen England etc

Valerie J. Long hat geschrieben:
@Siegfried: Oh ja, Unsterblichkeit ist eine stark verlockende Triebfeder! Aber ein BOD-Exemplar sieht im Regal nun mal hübscher aus als die geklammerte oder bestenfalls beringte Fassung aus dem eigenen Tintenstrahler. Reicht das nicht als Grund?


Da core. Aber wenn das reichen würde, dann wäre ja BOD auch völlig ausreichend.


Gerade um unsterblich zu werden braucht es eben nicht nur ein herausragendes Schreibetalent, sondern auch ein Näschen für einen besonderen Plot (Zeitgeist erkennen oder prägen) und sehr sehr viel Glück.
Ist ja fast wie Lottospielen hier, bei der ganzen Irrationalität verstehe ich ja, weshalb meine Argumente nicht funktionieren können.

Nichts desto trotz, schreibt weiter, versucht einen Vertrag zu bekommen, aber je höher das Ziel, desto tiefer der Frust. Eventuell sollte man kleine Schritte gehen und es wäre ja ein Anfang mal auf Stimmen zu hören, die nicht freundschaftlich und verwandtschaftlich geprägt sind.

Talent ist leider nicht lernbar, und es kann auch nicht jeder Bundesligafußballspieler werden. Und gute Handwerker gibt es halt doch schon einige sehr viele.

Siegfried hat geschrieben:
noteingang hat geschrieben:
Die Frage ist doch kann man mit seinem Gewissen vereinbaren, dass Menschen Geld für einen ausgeben, wenn sie noch nicht alle Manns, Kafkas, Hesses der Welt gelesen haben (für Sparten dann halt andere Namen). So viele schon veröffentlichte Bücher sind meilenweit von dem entfernt, was die meisten hier zu stande bringen.


Buchtipp:
Karl Corino & Elisabeth Albertsen
"Nach zwanzig Seiten waren alle Helden tot"
Erste Schreibversuche deutscher Schriftsteller
Autorenhaus-Verlag
978-3866710276

Bei der Lektüre dieses Buches schaut man ganz erstaunt, dass auch große deutsche Schriftsteller mal ganz banal und grottenschlecht angefangen haben - und nach deiner These "Versuch es erst gar nicht, weil es bereits Mann, Kafka und Hesse gibt" eigentlich nie Erfolg gehabt haben dürften.

LG
Siegfried

P.S.: Ich würde jetzt gerne was von dir lesen, um feststellen zu können, ob du deinen eigenen Ansprüchen gerecht wirst. cheezygrin


Meine These ist nicht, versucht es nicht. Sondern meine Anmerkung ist nur eine Verwunderung, weshalb manche hier so frustriert scheinen. DIe Ziele, die tausende in Deutschland haben, erreichen halt nur ganz ganz wenige. Da sollte man mal einfach etwas realistischer bleiben.

Es gibt wahrscheinlich unzählige Bolzplatzkicker, die in jungen Jahren auch Nationalmanschaftsmitglied werden wollten, aber diese Träume sind halt irgendwann weg. DIe geben nicht noch in hohen Jahren Geld dafür aus, Trainingsseminare zu machen etc. Die erkennen halt, dass es ein Hobby ist und ihre Fähigkeiten begrenzt

Das erinnert mich an mein Studium. Habe Soziologie studiert, und oft musste ich hören, wie das kann man studieren, das weiß man doch. Oder mein Nebenfach Psychologie, ich weiß selbst am besten über mich bescheid. Wenn man 100 Meter läuft und einfach nicht unter 15 sekunden kommt, dann weiß man objektiv man ist schlecht. Da kann man nicht sagen, subjektiv bin ich aber schneller.

Gerade beim Schreiben ist es halt diese subjektive Träumerei und ähnlich wie in der Psychologie glaubt man, man weiß am besten, was für einen gut ist. Hier auf das Schreiben übertragen, die anderen erkennen meine Genialität nur nicht.

Thorsten Boose

Re:

von Thorsten Boose (05.12.2008, 16:43)
Hallo, Valerie.

Valerie J. Long hat geschrieben:
Thorsten (ganz weit vorn) hat geschrieben:
Einen ganzen Roman kostenlos ins Netz stellen und auf finanziellen Lohn hoffen? Nein, dafür steckt mir zu viel Herzblut in meinen Arbeiten. Dabei geht es mir nicht ums Geld, sondern ich will das Gefühl genießen können, mein Werk als Buch in der Hand zu haben.

Da habe ich wohl Glück gehabt.
Ich habe meine Romane erst als Fortsetzungsroman kostenlos ins Netz gestellt, dann das PDF kostenlos dazu gepackt - und jetzt wollen meine Online-Leser das Gefühl genießen können, mein Werk als Buch in der Hand zu haben.
Mir geht's gut. cool5


Das freut mich wirklich zu lesen, da hast du mehr als einen persönlichen Erfolg genießen können. thumbbup

Für mich wäre es dennoch nichts, weil ich keine Fortsetzungsromane schreibe (noch nicht?) und ich das Internet wirklich nur als Mittel zum Zweck sehe - eben nur nicht für diesen Zweck. :wink:

noteingang hat geschrieben:
Meine These ist nicht, versucht es nicht. Sondern meine Anmerkung ist nur eine Verwunderung, weshalb manche hier so frustriert scheinen. DIe Ziele, die tausende in Deutschland haben, erreichen halt nur ganz ganz wenige. Da sollte man mal einfach etwas realistischer bleiben.


Da stimme ich dir zu; Realismus auf allen Wegen. Oder ein Spruch, den ein mir nahestehender Verwandter zu sagen pflegt: Rechne mit dem Schlimmsten, dann bist du später nicht so enttäuscht.

Nun ja, er hat mit dem Schlimmsten gerechnet und wurde dennoch enttäuscht. Und für mich ist dieses Denken minimalistisch; diese Eigenschaft entspricht nicht meinem Naturell. Das bedeutet im Gegenzug aber auch nicht, dass ich in größenwahnsinnigen Dimensionen denke.

Als konträrer Punkt noch ein Spruch von oben genannter Person: Von nichts kommt nichts.
Also . . . warum nicht einfach probieren. Mal die Mahnungen und Hinweise der Verlage gerade beiseite gelassen: Wenn man es versucht und scheitert, weiß man, woran man ist. Versucht man es nicht, schwebt man in Ungewissheit. Und genau dieser Punkt ist es, was mich persönlich zu einem Versuch verleiten lässt.

Beste Grüße,
Thorsten

hwg
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Re:

von hwg (05.12.2008, 17:07)
Mit Verspätung habe ich jetzt hier alles gelesen, nicht alles jedoch "verstanden", vor allem nicht das Hick-Hack wegen
"Verlagsvorschriften".

Es gibt auch heute (vorerst noch) unbekannt gewesene Autoren, deren handschriftlicher Text vom Verlag angenommen worden ist, weil dieser ins Verlagsprogramm passt. Also - nichts ist mit n u r maschinell gefertigten Typoskripten.

Ich bin seit 1960 "im Geschäft" und habe noch nie ein Exposé vorgelegt
- entweder das Typoskript taugt (dem Verleger) oder eben nicht...

Mein Grundsatz als Autor: Dem Mutigen gehört die Welt, auch wenn hin und wieder dabei ein Missgeschick passiert. Wem passiert so etwas nie?
D e n Kollegen möchte ich kennenlernen! :lol:

Der Hinweis hinsichtlich Typoskriptvorlage gilt natürlich nicht für Autoren, die ihre Bücher selbst vorproduzieren (wollen oder müssen).

Übrigens, auf www.boersenblatt.net gibt es interessante Hinweise auf BoD-Produktionen. Schön langsam scheint sich auch im Buchhandel diesebezüglich etwas zu entwickeln.

Außerdem, der (Umgangs-) Ton macht auch unter uns die Musik. Und ich hasse Radau.... cheezygrin

Herzliche Grüße aus der grünen (momentan schneebedeckten) Mark!

Arachne
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Re:

von Arachne (05.12.2008, 17:53)
Übrigens, auf www.boersenblatt.net gibt es interessante Hinweise auf BoD-Produktionen. Schön langsam scheint sich auch im Buchhandel diesebezüglich etwas zu entwickeln.


Hab's leider nicht gefunden (dafür viele Leserzuschriften von Dir zu anderen aktuellen Themen :D ). Ist es schon ein älterer Artikel?

Sigrid

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noteingang
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Re:

von noteingang (05.12.2008, 18:58)
Thorsten hat geschrieben:
Nun ja, er hat mit dem Schlimmsten gerechnet und wurde dennoch enttäuscht. Und für mich ist dieses Denken minimalistisch; diese Eigenschaft entspricht nicht meinem Naturell. Das bedeutet im Gegenzug aber auch nicht, dass ich in größenwahnsinnigen Dimensionen denke.

Als konträrer Punkt noch ein Spruch von oben genannter Person: Von nichts kommt nichts.
Also . . . warum nicht einfach probieren. Mal die Mahnungen und Hinweise der Verlage gerade beiseite gelassen: Wenn man es versucht und scheitert, weiß man, woran man ist. Versucht man es nicht, schwebt man in Ungewissheit. Und genau dieser Punkt ist es, was mich persönlich zu einem Versuch verleiten lässt.

Beste Grüße,
Thorsten


Du hast nicht 100% verstanden, was ich aussagen will. Okay oben die Ausführungen waren unter Eile hingeschrieben, eventuell etwas wirr.

Natürlich soll jeder träumen und seinen Träumen auch Zeit und Muse widmen. Natürlich kostet ein Hobby und natürlich kann man sein Hobby auch zum Beruf machen oder zumindest zu einem Hobby, welches einige Euros abwirft.

Aber:
Wenn hier als Argumentation contra des kostenlosen Vertriebs über das Internet gebracht werden, weil es heißt, dass man halt auch etwas verdienen will: Herzblut, Zeit etc.

Diese Argumentation ist in zweierlei Hinsicht problematisch.

1. Man vergisst oft, wie viel Geld in dieses Hobby fliesst. Versandkosten, eventuell Lektoren....Ich muss garnicht genau alles aufschreiben, aber hier fällt oft sehr viel unter den Tisch. Bei BOD den Service für die ISBN, für die Systemnutzung, Tinte für Probeausdrucke, kleine Geschenke für Freunde, weil die lesen und korrigieren, die Manuskripte in etlichen Ausführungen + Briefmarken
Und nicht zu vergessen: Literaturschulen, die man ja macht, nicht weil es in erster Linie dann mehr spaß macht zu schreiben, sondern weil man glaubt dadurch begehrter und vermittelbarer zu werden

2. Weil man selbst mit einem ordentlichen Verlag kaum die Kosten wieder reinbekommt und selten (hier o-ton) an einem Buch wirklich Geld verdient.

Das scheint die Regel. Natürlich gibt es Ausnahmen.

So was spricht dann dagegen, den günstigeren Erstkontakt zu Lesern kostenlos über das Internet zu wagen. Dieser "Erstkontakt" kann ja durchaus 10 und mehr Jahre dauern. Man wächst hoffentlich an seiner Fanbasis im Können, eignet sich einen besonderen ganz persönlichen Stil an. (Ich glaube der kommt nämlich nicht beim ersten oder zweiten Buch) und kann dann ja mittem im Saft, wenn wirklich mal die geniale Idee komme, aus dieser Internetplattform den Versuch wagen, ein "richtiges" Buch zu veröffentlich. Man hätte zumindest, läuft es ideal, schon eine Fanbasis, die dann sicher auch zum ersten wirklichen Buch greifen würde.

Und nochmal kostenlos im Internet heißt nicht unbezahlt. Man mag eventuell etwas weniger bekommen, als für verkaufte Bücher (wobei die sich ja oft auch nicht so rosig verkaufen, wie manche es hier gerne hätten) aber man muss weniger investieren (eine passende Internetseite gibt es ab 2€ im Monat. Und man verdient ja (Werbung und wenn man wirkliche Fans hat, die überweisen, keine tausende von Euros, aber da werden schonmal manchmal Gelder fliessen.

Nein, heute ist die Mentalität so. Man wird von Lehrern gelobt, oder schreibt seine je persönliche Therapie herunter, hat gerade nichts besseres zu tun und glaubt alle haben nur auf einen gewartet.

Natürlich werden oft auch unbekannte Autoren genommen, aber wer weiß, wieviele Jahre, die schon in der "Versenkung" schreiben, dass wievielte geschriebene Buch es ist, wie viele hunderte Absagen es schon hagelte und wichtig: Wie viele tausend Euro sie schon in ihr "Hobby" gesteckt haben. Dann kommt ein ganz gut verkauftes Buch raus, lass es 5000 sein, lass es netto 2000 € und man denkt sich wow, dabei hat die Person eventuell ein Jahr davor nur für ein Schreibseminar fast so viel ausgegeben.

Journalismus, Auftragsarbeit oder wirkliches Handwerk bedeutet (sehr viel guter Output, handwerklich super) macht eventuell jemand zum halbwegs gut lebenden Hauptberufsschriftsteller.

Ein zwei, und eventuell noch die ersten veröffentlichten Bücher, niemand ersthaft reicher (bei 6 milliarden Menschen sind die vielleicht 10 bisher niemand. Alle anderen Berühmten UND Reichen, haben auch viel Output.)


Und schon sind wir bei dem Grundthema des Threads:
Wenn Reclam schon explizit schreibt, dass man nur dies und jenes veröffentlicht kann man sich die eventuell 15 € doch sparen, gerade wenn man es aufs Geldverdienen anlegt. Wenn man nur bekannt werden will, machen die paar €s den Kuchen auch nicht fett und es kann nur heißen, überall bewerben, bis das Geld ausgeht.

hwg
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Re:

von hwg (05.12.2008, 19:10)
Guten Abend Sigrid!

Auf der HP links oben unter Suche bod eingeben - und Du siehst die Aufstellung sämtlicher Artikel inkl. Kommentare.

Gruß Hans

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hawepe
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Re:

von hawepe (05.12.2008, 20:30)
Hallo,

Thorsten hat geschrieben:
@ noteingang:

Ich möchte ja niemand zu nahe treten, aber kommt einigen, hier händeringend nach Verlagen suchenden, nicht auch mal in den Sinn, dass eure Werke einfach zu "schlecht" sind.


Bei allem Respekt, aber wenn jeder im Vornherein so über sich selbst und seine Fähigkeiten argumentieren würde, könnte die gesamte Kunstbranche einpacken.


Ein Logik, die sich mir verschließt.

Meiner Meinung nach lohnt es wirklich, sich mal mit den Biographien berühmter Künstler auseinanderzusetzen. Viele zeichnete eben gerade aus, dass sie ihr Schaffen wieder und wieder angezweifelt haben - und danach strebten, besser und besser zu werden.

Aber hier im Forum klingt es für mich oft danach, "noch besser" werden zu wollen. Dass unter dieser Voraussetzung kein Platz für die von noteingang genannte Einsicht bleibt, ist natürlich logisch. Und so bleibt dann auch nur noch ein hilfloses "Einfach alle Verlage anschreiben, irgendwann hat man vielleicht Glück" übrig.

Beste Grüße,

Heinz.

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (05.12.2008, 20:50)
Über den Autor Scott Sigler ("Infiziert") heißt es übrigens:
"Die großen Verlage wurden auf ihn aufmerksam, nachdem er dem Thriller "Earth Core" als weltweit ersten exklusiven Podcast-Roman in zwanzig Episoden veröffentlichte und auf Anhieb rund 10000 Abonnenten fand. Inzwischen wurden mehr als drei Millionen seiner Podcasts heruntergeladen ..."

Er über sich:
"Die Veröffentlichung gelang mir nach 15 Jahren erfolglosen Schreibens und weit über 100 Ablehnungen. Sie sehen also, man muss wirklich an harte Arbeit glauben und ein dickköpfiger kleiner Bastard sein, damit man nach so vielen Schläge wieder aufsteht ..."

Gruß
Hakket

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noteingang
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Re:

von noteingang (05.12.2008, 20:55)
Hakket (Moderator) hat geschrieben:
Über den Autor Scott Sigler ("Infiziert") heißt es übrigens:
"Die großen Verlage wurden auf ihn aufmerksam, nachdem er dem Thriller "Earth Core" als weltweit ersten exklusiven Podcast-Roman in zwanzig Episoden veröffentlichte und auf Anhieb rund 10000 Abonnenten fand. Inzwischen wurden mehr als drei Millionen seiner Podcasts heruntergeladen ..."

Er über sich:
"Die Veröffentlichung gelang mir nach 15 Jahren erfolglosen Schreibens und weit über 100 Ablehnungen. Sie sehen also, man muss wirklich an harte Arbeit glauben und ein dickköpfiger kleiner Bastard sein, damit man nach so vielen Schläge wieder aufsteht ..."

Gruß
Hakket


Dieses Fallbeispiel unterstreicht meine Argumentation wirklich sehr schön.

Was ist denn bitte noch interessanter für einen Verlag als bewiesenermaßen viele Klicks und Leser einer Internetpublikation?
Dort kann man denen schwarz auf weiß belegen, dass sie nicht total am Mark vorbeiproduzieren und einige Menschen schon gefallen an der Art des Autors gefunden haben.

Ich für meinen Teil werde meine Werke kostenlos ins Internet stellen, auch weil ich eben von mir noch glaube, dass ich noch nicht gut genug bin, aber ich bin da hartnäckig, ich werde besser..versprochen :D

Thorsten Boose

Re:

von Thorsten Boose (05.12.2008, 21:41)
Hallo, Hakket und noteingang.

noteingang hat geschrieben:
Hakket (Moderator) hat geschrieben:
Über den Autor Scott Sigler ("Infiziert") heißt es übrigens:
"Die großen Verlage wurden auf ihn aufmerksam, nachdem er dem Thriller "Earth Core" als weltweit ersten exklusiven Podcast-Roman in zwanzig Episoden veröffentlichte und auf Anhieb rund 10000 Abonnenten fand. Inzwischen wurden mehr als drei Millionen seiner Podcasts heruntergeladen ..."

Er über sich:
"Die Veröffentlichung gelang mir nach 15 Jahren erfolglosen Schreibens und weit über 100 Ablehnungen. Sie sehen also, man muss wirklich an harte Arbeit glauben und ein dickköpfiger kleiner Bastard sein, damit man nach so vielen Schläge wieder aufsteht ..."

Gruß
Hakket


Dieses Fallbeispiel unterstreicht meine Argumentation wirklich sehr schön.

Was ist denn bitte noch interessanter für einen Verlag als bewiesenermaßen viele Klicks und Leser einer Internetpublikation?
Dort kann man denen schwarz auf weiß belegen, dass sie nicht total am Mark vorbeiproduzieren und einige Menschen schon gefallen an der Art des Autors gefunden haben.

Ich für meinen Teil werde meine Werke kostenlos ins Internet stellen, auch weil ich eben von mir noch glaube, dass ich noch nicht gut genug bin, aber ich bin da hartnäckig, ich werde besser..versprochen :D


Ich glaube kaum, dass es an dem einen Glas Wein liegt :D , aber mir sagt diese Idee immer mehr zu, vor allem auch, weil ich mir sie auf meine persönlichen "Bedürfnisse" als Autor einmal theoretisch ausgelegt habe.

Ich bin wirklich interessiert, wie du sie umsetzt. Kannst du schon einen ungefähren VÖ-Termin nennen?

@ Heinz:
Jeden Verlag auf gut Glück anschreiben tut in dieser Diskussionsrunde sicherlich keiner, das behaupte ich jetzt einmal so - man möge mich korrigieren.
Aber das "sich selbst aufgeben" kommt nun einmal für einen Künstler nicht in Frage. Du schreibst es selbst:

Meiner Meinung nach lohnt es wirklich, sich mal mit den Biographien berühmter Künstler auseinanderzusetzen. Viele zeichnete eben gerade aus, dass sie ihr Schaffen wieder und wieder angezweifelt haben - und danach strebten, besser und besser zu werden.


Dass ich für mich besser werde, ist für mich ein Ziel, ja. Aber dieses utopische "noch besser werden wollen" - kann ich nun nicht ganz nachvollziehen.

Beste Grüße,
Thorsten

hwg
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Re:

von hwg (06.12.2008, 09:41)
Guten Morgen Sigrid!

Auf boersenblatt.net von mir viele Leserbriefe?
Wenn ich mich recht entsinne, habe ich nur
zwei oder drei kurze Kommentare geschrieben.... book:
Muss ich doch nachgucken...

Gruß Hans

Arachne
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Wohnort: Niedersachsen

Re:

von Arachne (06.12.2008, 10:10)
Hallo Hans,

na ja, viel ist relativ. Ich hatte 3-4 der aktuellsten Artikel auf den ersten 2 Seiten angeschaut, und mind. bei 2 davon (Verlag stoppt Manuskrpte und jeder vierte liest nicht, glaube ich, war es) habe ich von Dir Steiermärkische Grüße gefunden. Aus der Trefferquote habe ich dann ev. vorschnelle Schlüsse gezogen.

Gruß

Sigrid

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