Erfahrungen mit Schreibwerkstätten

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hawepe
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Re:

von hawepe (07.12.2008, 18:07)
Hallo Hans,

hwg (Moderator) hat geschrieben:
Zum Lernen gehört auch der Wissensvergleich mit Kollegen.
Nur allein sich mit Wissen anzuhäufen, vermeintlich oder
tatsächlich, führt meistens in eine Sackgasse, denke ich.
Oder liege ich total daneben? :wink:


Voll deiner Meinung. Das habe ich kurzerhand unter "Und nicht zuletzt bleibt noch die Anwendung" subsumiert. In einem anderen Posting schrieb ich auch schon, dass selbstverständlich die Auseinandersetzung mit anderen Menschen notwendig ist.

Bücher und Internet, aber auch Vorlesungen können das natürlich nicht leisten.

Beste Grüße,

Heinz.

Arachne
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Re:

von Arachne (07.12.2008, 18:14)
Ein Profesor in einer Vorlesung oder ein Lehrer kann einem durch seine Persönlichkeit, durch seine Argumentation/ Beweisführung und seine Auswahl/ Anordnung von Aussagen manchmal einen Gegenstand viel eindrucksvoller vermitteln. Man erinnert sich dann viel besser und länger, weil man sich an die Situation mit erinnert.
Ansonsten lerne ich auch gern aus Büchern. Internet - na ja, die Qualität ist manchmal fraglich, und als alleinige Wissensquelle eher hochgradig gefährlich.


Sigrid

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hawepe
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Re:

von hawepe (07.12.2008, 18:24)
Hallo Sigrid,

Arachne hat geschrieben:
Internet - na ja, die Qualität ist manchmal fraglich, und als alleinige Wissensquelle eher hochgradig gefährlich.


Nur stimmt der Schluss Bücher = zuverlässig trotzdem nicht. Aber so absolut wirst du es vermutlich auch gar nicht gemeint haben.

Ich denke, die Frage, wie die Richtigkeit von Informationen geprüft werden kann, dürfte in Zukunft noch ganz erheblich an Gewicht gewinnen. Hier liegt meiner Meinung nach auch eines der gravierendsten Versäumnisse in den Schulen und Universitäten.

Aber jetzt wird es doch sehr offtopic:

Beste Grüße,

Heinz.

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (07.12.2008, 20:37)
noteingang hat geschrieben:
Desweiteren argumentiere ich nicht mit unumstößlichen "Weisheiten" sondern mit ganz normalen Argumenten, die wohl unumstößlich scheinen, weil sie so plausibel sind :D


Das einzige Argument, was bisher bei mir hängengeblieben ist, war "üben, üben, üben". Aber das ist ein Selbstgänger (bekanntlich soll man pro Monat mindestens 60 Seiten produzieren).

Was gibt es sonst noch an Argumenten - außer Schulen, Kurse und Seminare zu meiden?

LG
Siegfried

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (07.12.2008, 20:39)
hwg (Moderator) hat geschrieben:
Zum Lernen gehört auch der Wissensvergleich mit Kollegen.
Nur allein sich mit Wissen anzuhäufen, vermeintlich oder
tatsächlich, führt meistens in eine Sackgasse, denke ich.
Oder liege ich total daneben? :wink:


Nein, überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Nichts ist wichtiger als der Austausch. Genau deshalb komme ich mit dem "Einzelgänger-Gedanken" ("man kann sich auch alles aus Büchern oder dem Internet holen") nicht sonderlich gut klar.

LG
Siegfried

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noteingang
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Re:

von noteingang (07.12.2008, 20:52)
Siegfried hat geschrieben:
noteingang hat geschrieben:
Desweiteren argumentiere ich nicht mit unumstößlichen "Weisheiten" sondern mit ganz normalen Argumenten, die wohl unumstößlich scheinen, weil sie so plausibel sind :D


Das einzige Argument, was bisher bei mir hängengeblieben ist, war "üben, üben, üben". Aber das ist ein Selbstgänger (bekanntlich soll man pro Monat mindestens 60 Seiten produzieren).

Was gibt es sonst noch an Argumenten - außer Schulen, Kurse und Seminare zu meiden?

LG
Siegfried


Ich habe hier durchaus versucht argumentativ zu objektivieren. Reclamthread: dort habe ich u.a. aufgespannt, dass wenn Geld keine Rolle spielt, man natürlich alles machen kann, kosten/nutzen effektiv sei das wiederum mal dahingestellt. Man kann sich, das nötige Kleingeld und die Sprachkenntnisse vorhanden auch S.King nach Hause einladen und von ihm was erzählen lasse, das kann man ewig weiterspinnen. Wenn man unendlich viel Geld hat, gibt es auch unendlich viele Möglichkeiten. Ich bin der Meinung (unter dem Gesichtspunkt der 1200 € die hier mal im Raum waren) für so einen Lehrgang ist das Gebotene nicht gut genug.

Siegfried hat geschrieben:
hwg (Moderator) hat geschrieben:
Zum Lernen gehört auch der Wissensvergleich mit Kollegen.
Nur allein sich mit Wissen anzuhäufen, vermeintlich oder
tatsächlich, führt meistens in eine Sackgasse, denke ich.
Oder liege ich total daneben? :wink:


Nein, überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Nichts ist wichtiger als der Austausch. Genau deshalb komme ich mit dem "Einzelgänger-Gedanken" ("man kann sich auch alles aus Büchern oder dem Internet holen") nicht sonderlich gut klar.

LG
Siegfried


Jemand, der sein Wissen aus Büchern und dem Internet hat ist also zwangsweise ein Einzelgänger? Weil er nicht in einem bezahlten Forum mit anderen Lernwilligen spricht sondern eventuell mit gleichgesinnten Freunden oder über das Internet?

Ich bin ja durchaus bereit für Dienstleistungen Geld zu bezahlen, aber gehe ich auch nicht zum Promifriseur sondern zu einem ganz Ordinären. Ob der eine mir für das Zehnfache des Geldes eventuell doch eine minimal schönere Frisur verpasst, diese Frage stellt sich mir einfach nicht.

Wenn ich mal richtig frech wäre, würde ich behaupten alle erfolglosen Autoren werden mal Lehrer und alle wirklich Erfolgreichen bleiben Autoren. Man lernt also von den Erfolglosen, wie man erfolgreich wird? Interessant.

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (07.12.2008, 22:49)
noteingang hat geschrieben:
Ich habe hier durchaus versucht argumentativ zu objektivieren. Reclamthread: dort habe ich u.a. aufgespannt, dass wenn Geld keine Rolle spielt, man natürlich alles machen kann, kosten/nutzen effektiv sei das wiederum mal dahingestellt. Man kann sich, das nötige Kleingeld und die Sprachkenntnisse vorhanden auch S.King nach Hause einladen und von ihm was erzählen lasse, das kann man ewig weiterspinnen. Wenn man unendlich viel Geld hat, gibt es auch unendlich viele Möglichkeiten. Ich bin der Meinung (unter dem Gesichtspunkt der 1200 € die hier mal im Raum waren) für so einen Lehrgang ist das Gebotene nicht gut genug.


Hilft uns das Argument "Geld" bzw. "Bezahlen" hier, wenn jemand ein konkretes "Schreibproblem" besprechen will, in irgend einer Weise weiter?

Siegfried hat geschrieben:
Jemand, der sein Wissen aus Büchern und dem Internet hat ist also zwangsweise ein Einzelgänger? Weil er nicht in einem bezahlten Forum mit anderen Lernwilligen spricht sondern eventuell mit gleichgesinnten Freunden oder über das Internet?


Moment ...
Hast du nicht selbst gesagt, dass du Kompetenz nicht vermitteln kannst?
Außerdem habe ich irgendwo in Erinnerung, dass deiner Meinung nach Wissensvermittlung (also das Mitteilen, wie etwas funktionieren könnte) eine falsche, zumindest aber veraltete und damit unbrauchbare Methode der Weitergabe von Wissen ist - weshalb du die Institution "Lehrer" generell in Zweifel ziehst (was ist denn ein Lehrer in diesem Zusammenhang, wenn nicht der Weitergebende von Wissen und Erfahrung?).

Wenn also Kompetenz nicht vermittelbar ist, wenn Wissensweitergabe als falsch angesehen wird, welchen Zweck hat dann die Bewertung durch Gleichgesinnte (was letztlich Wissensweitergabe ist)? Ist da nicht das Einzelstudium ohne Dritte mittels Bücher oder Internet der Weg, den du propagierst?

LG
Siegfried

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noteingang
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Re:

von noteingang (07.12.2008, 23:13)
Siegfried hat geschrieben:

Wenn also Kompetenz nicht vermittelbar ist, wenn Wissensweitergabe als falsch angesehen wird, welchen Zweck hat dann die Bewertung durch Gleichgesinnte (was letztlich Wissensweitergabe ist)? Ist da nicht das Einzelstudium ohne Dritte mittels Bücher oder Internet der Weg, den du propagierst?

LG
Siegfried


Kompetenz entsteht nur durch Übung und Reflektion. Reflektion ist keine Vermitterlung.

Aber noch einmal eine kurze Anmerkung zu dem Geldaspekt, der sehr wohl zieht, da per se ein Seminar nie schlecht sein kann weil man schon etwas lernt. Ich meine nicht, dass dort nichts passiert, ich meine dennoch zu wenig für die Kosten, viel zu wenig. An welchem Maßstab macht man sonst sinn und unsinn fest? Kannst dir auch einen persönlichen Lektor zulegen, lernst sicher eine Menge kostet aber sehr viel, das Spiel kann man halt ewig weiterverfolgen.

So nochmal Kompetenz entwickelt man durch Übung und Reflektion.
Reflektion ist kein einfaches lernen oder gar Frontalunterricht, aber kann dieser natürlich zur Reflektion genutzt werden, wie alles andere.

Reflektion beudetet, eine subjektive Außenaunahme mit der eigenen Subjektivität abgleichen.

Beispiel Literaturseminar:
Ich schreibe eine Kurzgeschichte und vernetzte dadurch bestimmte Hirnareale, denn nur durch Wiederholen passiert das physiologisch. Lernen durch Wiederholen, kennt und versteht jeder.

Nun bekomme ich Feedback zu meiner Kurzgeschichte (im Idealfall) und gleiche das mit dem geschriebenen ab. subjektive Außenmeinung vs. subjektive Innenauffassung. Wenn ich das neue Wissen in meiner nächsten Kurzgeschichte anwende (z.B. spezieller Fall Dialog) ist das der Weg in dem Kompetenz sich entwickeln kann. Ich werde nun in jeder weiteren Geschichte dieses neue Wissen anwenden, wenn ich davon überzeugt bin es ergibt bessere Ergebnisse. Wenn diese Fähigkeit anfängt intuitiv zu werden, ist es eine Kompentenz.

Außerhalb von Feedback, also normaler Frontalunterricht ist ein Kompentenz zuträglicher Wissensschnipsel fast ein Glücksspiel. Da aber wiederum ein Seminar eben nicht nur für eine Person ausgelegt ist, sind diese wirklich interessanten Wissensbrocken meist relativ selten.
Reines Wissen bringt kaum etwas und festigt sich auch nur durch Übung, es bringt also kaum etwas alles mal gehört zu haben, aber genau das Problem, vor dem man nun steht vor über zwei Jahren mal besprochen wurde. Gerade weil dem Wissen von damals das prozesshafte meist nicht innewohnt. Ein Individualseminar, welches eine Person 'in progress' mit Wissen unterstützt, aber mit ganz speziellem Wissen, was genau für diese Situation erforderlich ist, wäre ideal aber nicht realisierbar.

Deswegen schmeist man so viel Wissen auf den Markt, wie möglich und hofft, dass ein wenig hängenbleibt.

Der neue Weg wäre wenig und dafür prozesshaft richtig.

Reflektion hat etwas prozesshaftes, man kümmert sich um ein Problem, welches gerade relevant ist und erhält Feedback. Man ist an genau diesem Wissen interessiert und kann es auch gleich verarbeiten, weil sich daraus Handlungsalternativen ergeben. Diese spielt man im idealfall im Kopf durch (pro contra Abwägung) und kann aufgrund neuen Wissens eine Entscheidung fällen (Handlung), die vorher nicht möglich war. Muss natürlich nicht, man kann auch bei den vorher bekannten Handlungen bleiben.

Somit ist eine Diskussion mit Freunde oder mit Unbekannten im Internet durchaus hilfreich, aber auch nur sehr speziell und nicht zu allgemein.

Die Menge der über die Zeit entwickelten Kompetenzen lassen dann auch immer besser schreiben (im Idealfall) und man entwickelt sich Schritt für Schritt.

Seminare wiederum geben Wissen (natürlich auch Kompetenzen aber relativ wenig) aber oftmals wird einfach nur ein Haufen Wissen in die Köpfe der Personen geladen, von dem sie, wenn sie es denn für einen Spezialfall brauchen, nichts mehr wissen, oder die Anwendungskompetenz fehlt, weil die eben nicht geschult wurde. Die kann man auch nur mit sehr viel Zeit schulen, weil man dann immer an Fallbeispielen im begrenzten Rahmen arbeiten müsste. Das können Seminare nicht leisten, nur jeder allein im stillen Kämmerlein durch so viel Schreiben pro Tag wie irgendmöglich.

Hoffentlich ist das halbwegs verständlich rübergekommen.

Und dann sind wir wieder beim Geldaspekt, wenn man für viel Leistung (1200 € sind für mich recht viel) relativ wenig wirklichen Nutzen bekommt (lehrntheoretisch und x-fach statistisch erwiesen, nicht nur meine Einzelmeinung), dann ist das Grund genug für mich, dem eher ablehnend gegenüber zu stehen. Außer wie schon oft angemerkt, man hat genug Geld und nimmt jede Verbesserungsmöglichkeit mit, die man bekommt.

Sinnvoller wäre eher, schreiben, schreiben, schreiben und immer mal zur Diskussion in den Raum werfen. Und an speziellen Problemen gezielt Wissen nachschlagen. Schreibt man gerade eine Exposition im klassischen Sinne eines Dramas liest man dazu halt einige Artikel, aber doch nicht vorher ein Buch 'wie werde ich Bestsellerautor', wenn man das spezielle Wissen braucht, ist es eh nicht mehr vorhanden, außer man ist hochbegabt und kann dann so ein Buch auswendig.

Edit: Nicht zu vergessen, der künstlerische Aspekt. Seminare arbeiten mit Schablonen und versuchen zu konventionalisieren, wo sich doch Stil entwickeln könnte. Ersticken alles Unkonventionelle im Keim und uniformieren im Gleichschritt der Bestsellerabhakliste.

Natürlich kann man als 'Jungautor' noch nicht alle möglichen Regeln brechen und sich auf künstlerische Freiheit berufen, ich denke dennoch, künsterlerisch herausragend kann man nie durch Seminare werden, die töten die individualität. Bestenfalls als gefestigter Autor mir jahrelanger Erfahrung und 'eigenem Stil' kann man sich so etwas antun, da eigene Kompetenzen schon weit genug vorhanden sind und nicht schon die je individuelle Basis schon in ihren zarten Blüten so grässlich konform zurechtgestutz wird. Aber okay, hier lässt sich streiten. Das ist auch eher ein intuitiv romantisches und kaum logisches Ansinnen.

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (07.12.2008, 23:31)
noteingang hat geschrieben:
Beispiel Literaturseminar:
Ich schreibe eine Kurzgeschichte und vernetzte dadurch bestimmte Hirnareale, denn nur durch Wiederholen passiert das physiologisch. Lernen durch Wiederholen, kennt und versteht jeder.

Nun bekomme ich Feedback zu meiner Kurzgeschichte (im Idealfall) und gleiche das mit dem geschriebenen ab. subjektive Außenmeinung vs. subjektive Innenauffassung. Wenn ich das neue Wissen in meiner nächsten Kurzgeschichte anwende (z.B. spezieller Fall Dialog) ist das der Weg in dem Kompetenz sich entwickeln kann. Ich werde nun in jeder weiteren Geschichte dieses neue Wissen anwenden, wenn ich davon überzeugt bin es ergibt bessere Ergebnisse. Wenn diese Fähigkeit anfängt intuitiv zu werden, ist es eine Kompentenz.

Außerhalb von Feedback, also normaler Frontalunterricht ist ein Kompentenz zuträglicher Wissensschnipsel fast ein Glücksspiel. Da aber wiederum ein Seminar eben nicht nur für eine Person ausgelegt ist, sind diese wirklich interessanten Wissensbrocken meist relativ selten.
Reines Wissen bringt kaum etwas und festigt sich auch nur durch Übung, es bringt also kaum etwas alles mal gehört zu haben, aber genau das Problem, vor dem man nun steht vor über zwei Jahren mal besprochen wurde. Gerade weil dem Wissen von damals das prozesshafte meist nicht innewohnt. Ein Individualseminar, welches eine Person 'in progress' mit Wissen unterstützt, aber mit ganz speziellem Wissen, was genau für diese Situation erforderlich ist, wäre ideal aber nicht realisierbar.


Wenn ich das richtig verstehe, bedeutet das: Ein jeder erfindet das Rad neu.

Weil einem niemand vor dem Bau des Rades erklärt, was ein Rad ist, wie es aussieht, wie man es am besten baut.

Man baut also einen viereckigen Rahmen von unterschiedlicher Seitenlänge, stattet diesen Rahmen mit Kreuzstreben aus , definiert es als Rad, stellt es seinen Freunden vor, die dann entsprechend Kritik üben.

Als Reaktion auf diese Kritik baut man einen viereckigen Rahmen von gleicher Seitenlänge und kommt so den Vorschlägen der Kritiker näher.

Und dann erhöht man mit jedem Versuch die Anzahl der Seiten, bis irgendwann ein kreisrunder Rahmen entstanden ist.

Man hätte vor dem Bau des ersten Rahmens auch jemanden fragen können, der die Beschaffenheit eine Rades kennt. Aber das wäre ja keine selbst erzeugte Kompetenz.

Richtig so?

LG
Siegfried

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noteingang
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Re:

von noteingang (07.12.2008, 23:39)
Siegfried hat geschrieben:
noteingang hat geschrieben:
Beispiel Literaturseminar:
Ich schreibe eine Kurzgeschichte und vernetzte dadurch bestimmte Hirnareale, denn nur durch Wiederholen passiert das physiologisch. Lernen durch Wiederholen, kennt und versteht jeder.

Nun bekomme ich Feedback zu meiner Kurzgeschichte (im Idealfall) und gleiche das mit dem geschriebenen ab. subjektive Außenmeinung vs. subjektive Innenauffassung. Wenn ich das neue Wissen in meiner nächsten Kurzgeschichte anwende (z.B. spezieller Fall Dialog) ist das der Weg in dem Kompetenz sich entwickeln kann. Ich werde nun in jeder weiteren Geschichte dieses neue Wissen anwenden, wenn ich davon überzeugt bin es ergibt bessere Ergebnisse. Wenn diese Fähigkeit anfängt intuitiv zu werden, ist es eine Kompentenz.

Außerhalb von Feedback, also normaler Frontalunterricht ist ein Kompentenz zuträglicher Wissensschnipsel fast ein Glücksspiel. Da aber wiederum ein Seminar eben nicht nur für eine Person ausgelegt ist, sind diese wirklich interessanten Wissensbrocken meist relativ selten.
Reines Wissen bringt kaum etwas und festigt sich auch nur durch Übung, es bringt also kaum etwas alles mal gehört zu haben, aber genau das Problem, vor dem man nun steht vor über zwei Jahren mal besprochen wurde. Gerade weil dem Wissen von damals das prozesshafte meist nicht innewohnt. Ein Individualseminar, welches eine Person 'in progress' mit Wissen unterstützt, aber mit ganz speziellem Wissen, was genau für diese Situation erforderlich ist, wäre ideal aber nicht realisierbar.


Wenn ich das richtig verstehe, bedeutet das: Ein jeder erfindet das Rad neu.

Weil einem niemand vor dem Bau des Rades erklärt, was ein Rad ist, wie es aussieht, wie man es am besten baut.

Man baut also einen viereckigen Rahmen von unterschiedlicher Seitenlänge, stattet diesen Rahmen mit Kreuzstreben aus , definiert es als Rad, stellt es seinen Freunden vor, die dann entsprechend Kritik üben.

Als Reaktion auf diese Kritik baut man einen viereckigen Rahmen von gleicher Seitenlänge und kommt so den Vorschlägen der Kritiker näher.

Und dann erhöht man mit jedem Versuch die Anzahl der Seiten, bis irgendwann ein kreisrunder Rahmen entstanden ist.

Man hätte vor dem Bau des ersten Rahmens auch jemanden fragen können, der die Beschaffenheit eine Rades kennt. Aber das wäre ja keine selbst erzeugte Kompetenz.

Richtig so?

LG
Siegfried


Fast, ein Rad ist ein einfacher Vorgang, den könnte man eventuell auch komplett begreifen und gleich das erste Mal richtig transferieren.

Wir sprechen beim Schreiben aber von komplexen Vorgängen und da passt das Radbeispiel in etwa.

Und selbst erfinden stimmt ja nicht 100%, man vergleicht ja immer mit vorhandenem Wissen und stützt sich auf schon bekanntes, aber eben im Prozess und dadurch bleibt es wirklich hängen.

Aber ich klinke mich mal aus dem Thema aus, genug geschrieben
und muss eh ins Bett.

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (07.12.2008, 23:59)
noteingang hat geschrieben:
Fast, ein Rad ist ein einfacher Vorgang, den könnte man eventuell auch komplett begreifen und gleich das erste Mal richtig transferieren.

Wir sprechen beim Schreiben aber von komplexen Vorgängen und da passt das Radbeispiel in etwa.

Und selbst erfinden stimmt ja nicht 100%, man vergleicht ja immer mit vorhandenem Wissen und stützt sich auf schon bekanntes, aber eben im Prozess und dadurch bleibt es wirklich hängen.


Siehst du, und ich rede von solchen Dingen wie "Benutzung von Sprecherverben". Warum muss ich erst einen Text zusammenstoppeln, wo ich Sprecherverben falsch benutze, statt dass mir jemand die richtige Benutzung vor dem Schreiben des Textes erklärt?

Warum muss ich erst eine Szene total verhunzen und mir nachher erklären lassen, wie ich es hätte besser machen können, statt mir vorher die erforderlichen Informationen zu holen?

Ein Beispiel, worauf ich früher bei Textbesprechungen im Forum immer hingewiesen habe: Etwa drei Viertel der Autoren/innen hier neigen dazu, ihren Text mit einem "Wetterbericht" zu beginnen, dazu noch der klassische Filmeinstieg: Totale, Halbtotale, Nahaufnahme. Das ist mittlerweile nicht nur abgegriffen, das ist grottenlangweilig. Warum muss jeder den gleichen Fehler begehen, statt sich vorher ein wenig schlau zu machen?

Es geht nicht um die Erfahrung des Schreibens als Ganzes. Es geht um den einzelnen Ziegelstein. Wer aber jeden Ziegestein erst einmal selbst herstellen muss, um dann von anderen darauf gestoßen zu werden, dass das Handwerk der Ziegelsteinproduktion bereits seit Tausenden von Jahren bekannt ist ... ich weiß nicht, ob das sein muss.

LG
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hwg
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Re:

von hwg (08.12.2008, 13:55)
Irgendwie habe ich jetzt den Faden verloren... :roll:

Es geht hier und mir nicht, die verschiedenen Arten von Wissensvermittlung und -aufnahme gegeneinander auszuspielen, wäre auch völlig sinnlos.

Eigentlich, wenn ich mich recht erinnere, ist es die Frage nach der Sinnhaftigkeit und Zweckmäßigkeit von "Schreibschulen" gewesen.
Und darüber wird es immer höchst unterschiedliche Ansichten geben.

Ich denke, (angehende) Autoren lernen vor allem von dem, was sie
umgibt, erleben und es dann versuchen, dies in Gedanken und Worte zu fassen. Klingt banal, aber ich arbeite seit Jahrzehnten nach diesem "Rezept".

Über die Zweckmäßigkeit von Rechtschreibregeln und dergleichen zu diskutieren, erachte ich für überflüssig. Unterschiedlicher Meinung kann man jedoch zu Fragen des Stils sein, denn darüber sind sich - trotz aller Poetik-Lehren - auch die geübtesten Lektoren nicht immer einig.

Allerdings sollte der Autor sich doch auch Gedanken darüber machen, für w e n er eigentlich zu schreiben gedenkt. Aber das ist wieder ein anderes Thema, worüber hier schon mehrfach in den verschiedenen Rubriken diskutiert worden ist.

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Re:

von noteingang (08.12.2008, 17:04)
Siegfried hat geschrieben:
noteingang hat geschrieben:
Fast, ein Rad ist ein einfacher Vorgang, den könnte man eventuell auch komplett begreifen und gleich das erste Mal richtig transferieren.

Wir sprechen beim Schreiben aber von komplexen Vorgängen und da passt das Radbeispiel in etwa.

Und selbst erfinden stimmt ja nicht 100%, man vergleicht ja immer mit vorhandenem Wissen und stützt sich auf schon bekanntes, aber eben im Prozess und dadurch bleibt es wirklich hängen.


Siehst du, und ich rede von solchen Dingen wie "Benutzung von Sprecherverben". Warum muss ich erst einen Text zusammenstoppeln, wo ich Sprecherverben falsch benutze, statt dass mir jemand die richtige Benutzung vor dem Schreiben des Textes erklärt?

Warum muss ich erst eine Szene total verhunzen und mir nachher erklären lassen, wie ich es hätte besser machen können, statt mir vorher die erforderlichen Informationen zu holen?

Ein Beispiel, worauf ich früher bei Textbesprechungen im Forum immer hingewiesen habe: Etwa drei Viertel der Autoren/innen hier neigen dazu, ihren Text mit einem "Wetterbericht" zu beginnen, dazu noch der klassische Filmeinstieg: Totale, Halbtotale, Nahaufnahme. Das ist mittlerweile nicht nur abgegriffen, das ist grottenlangweilig. Warum muss jeder den gleichen Fehler begehen, statt sich vorher ein wenig schlau zu machen?

Es geht nicht um die Erfahrung des Schreibens als Ganzes. Es geht um den einzelnen Ziegelstein. Wer aber jeden Ziegestein erst einmal selbst herstellen muss, um dann von anderen darauf gestoßen zu werden, dass das Handwerk der Ziegelsteinproduktion bereits seit Tausenden von Jahren bekannt ist ... ich weiß nicht, ob das sein muss.

LG
Siegfried


Siehst du genau hier ist unser Meinungsunterschied.

Ich behaupte, dass kurz vorher diese Dinge lernen eben nicht wirklich schult. So etwas zu hören und zu lesen nutzt dir in der Fähigkeit zu schreiben so gut wie kein Stück.

Er wenn du bestimmte Probleme erlebt hast und geübt hast, bist du empfänglich für Verbesserungen deiner Kompetenzen.

Man glaubt durchaus, dass man nach solchen Wissensvorträgen irgendwie besser wäre, weil man ja nun das sinnvolle Wissen besitzt und man sich eventuell 1020 No-gos merken kann, das wirklich intuitive Schreibverständnis verbessert es erst, wenn man selbst über das Problem stolpert und dann im Prozess weiterlernt und übt.

Es geht hier auch nicht um 0 oder 1,
geht eher um mehr oder weniger

Und natürlich fallen Kompetenzen ab, aber nur als Randbemerkung.

Das ist wie immer nicht auf meinem Mist gewachsen, sonder Erkenntnise zu Kompetenzvermittlung. Seminare, Vorlesungen etc üben nur Faktenwissen, Diskussionen noch am ehsten Kompetenzen.

Aber gut, ich denke, ich habe genug über das Thema geschrieben.
Und um es noch einmal deutlich zu schreiben, meine Ansichten sind eher Nuancen des Lernens, kein richtig oder falsch. Sondern eher besser oder schlechter, um wieviel schlechter muss man im Einzelfall sehen.

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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (09.12.2008, 09:21)
Meine Schreiberei kann sicher noch Verbesserungen vertragen. Da ich mich als BOD-Autor nicht auf einen Lektor stützen kann, der mich auf fehlende schreibtechnische Kenntnisse hinweist, muss ich mir dieses Wissen selbst aneignen.
Ob es meine Romane spannender macht, ist eine ganz andere Frage.

Auf jeden Fall will ich nicht strikt nach Regelwerk schreiben: X Protagonisten, Y Nebenrollen, ein bißchen Komplexität hier, eine Katharsis dort - und plötzlich habe ich den siebzehnten Dan Brown geschaffen. :shock::

Wir leben, um zu lernen.
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Birgit Fabich
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Re:

von Birgit Fabich (09.12.2008, 09:45)
- und plötzlich habe ich den siebzehnten Dan Brown geschaffen.


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