Wechsel der Erzählperspektive?

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nepomuk
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Wechsel der Erzählperspektive?

von nepomuk (07.12.2008, 18:44)
Hallo zusammen,

habt ihr in einem Buch, dass ihr gelesen oder sogar selbst geschrieben habt, schonmal einen Wechsel der Erzählerperspektive bemerkt / vorgenommen? Wie hat sich das ausgewirkt und wie war das beim Lesen / Schreiben? Soweit ich weiß, ist das ja ein absolutes Tabu.

Die Ich-Perspektive eignet sich ja perfekt um Gedanken mitzuteilen, allerdings ist es dafür schwerer, die Geschichte und Entwicklung verschiedener Charaktere möglichst neutral wiederzugeben.

Vielleicht habt ihr ja eine Idee und ich freue mich über eure Beispiele.

Nepomuk
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M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (07.12.2008, 18:57)
Hi Nepo!
Ich habe das auch schon oft gehört, dass man, wenn man z.B. in der Ich-Perspektive schreibt, keinen Wechsel machen "darf".
Ich kenne aber genügend Bücher (auch Bestseller), bei denen das passiert.

Mach es so, wie du es für richtig hältst.
Wenn du z.B. in der Ich-Form beginnst und größenteils bleibst, kannst du einen Wechsel machen, also "normaler" Erzähler werden, um Szenen zu beschreiben, die der Hauptprot. nicht mitbekommt.
Dadurch hat der Leser gegenüber dem Hauptprot. einen Wissensvorteil. Das kann sehr lustig sein ("Ich sehe/weiß was, was du nicht siehst!" cheezygrin ).

Ich lasse meine Prots gerne denken. In dem Moment schreibt man ja auch aus der Ich-Perspektive. Ansonsten bin ich eher der Erzählende.

Nö, lass dir da nicht reinreden. Wenn du der Merinung bist, dass du wechseln willst/musst, dann tu das.

Gruß
Hakket

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Bücherwurm
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Re:

von Bücherwurm (07.12.2008, 19:09)
Hi Hakket,

wie kannst du als Erzähler wissen, was deine Prots denken?

Ich kann mir da nur ein "er dachte offensichtlich (oder vermutlich) ... und reagierte völlig panisch.
Also eher eine Schlussfolgerung aus einer Reaktion als ein Erzähler, der die Gedanken seines "Personals" wiedergibt.

Grüße, Gabi
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JessM
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Re:

von JessM (07.12.2008, 19:23)
Ich selber habe schon einmal ein Buch gelesen, da wechseln die Perspektiven und ich persönlich mag es nicht.

Es war ein Buch, was in der Ich-Perspektive geschrieben wurde und zwischen durch sind Passagen in der allwissenden Perspektive. Diese Passagen habe ich bewusst überblättert, weil ich es selber nicht so mochte, es war für mich auch unsinnig, nichts desto trotz mag ich das Buch sehr gerne.

Deswegen mache ich es selber auch nicht, da es mir persönlich nicht zu sagt. Aber das muss jeder für sich selber entscheiden. blink3

hwg
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Re:

von hwg (07.12.2008, 19:23)
Eine mir sympathische Form des Perspektivenwechsels ist es, das fiktive Ereignis aus der unterschiedlichen Sichtweise der handelnden Personen von diesen erzählen zu lassen.
Wäre doch auf für Dich eine Variante, oder?

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noteingang
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Re:

von noteingang (07.12.2008, 19:42)
Ich glaube wenn man sucht findet man so viele Beispiele dafür, dass es funktionieren kann wie auch, dass es nicht funktionieren kann.

Wenn du meinst es fühlt sich gut an, es gibt keinen starken Bruch (z.B. das großer Reiz der Geschichte eben war, dass die Ich-perspektive vorhanden war) dann schreib es doch einfach. Wenn es dir so gefällt noch besser.

Oder hast du vor damit groß rauszukommen und klopfst schon vorher gewisse no-gos ab? Ich bin der Meinung viele ganz besondere Bücher scheren sich gerade recht wenig um sogenannte Lehrmeinungen zu einer "richtigen Erzählung" und gerade ein Stück weit Unkonventionalität ist das lesenswerte.

Ich finde an der Ich-perspektive halt schade, dass man es nur schwer hinbekommt, dass es wirklich schön klingt. Das dauernde 'Ich' stört mich schon ein wenig und als 3te Personerzähler kann man geschliffener schreiben.

Aber was spricht dann gegen einen allwissenden Erzähler, der auch Gedanken beschreibt?

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (07.12.2008, 19:43)
@ Bücherwurm:
Na, ich muss doch wissen, was meine Prots denken. Ich hab sie doch gemacht. cheezygrin
Ich meine das so:

... Es gab ein dumpfes "Plopp", als sie völlig unvermittelt mit dem Kopf gegen die Tür knallte.
Was soll das denn?, dachte sie. Wie kann denn hier auf einmal eine Tür sein? Mitten in der Landsschaft. Ohne Rahmen, ohne Haus, Gbäude - ohne Raum. Türen machen doch nur Sinn, wenn davor oder dahinter irgendwas ist. Aber diese blöde Tür steht mitten in der Gegend rum. Ich schau mal hinter die Tür. Da ist nichts. Komisch.
Baff erstaunt über diese Tatsache blieb sie, wo sie war. Und nur ein immer währendes, leichtes Hämmern mit ihrem Kopf gegen die besagte Tür zeigte an, dass sie immer noch darüber nachdachte, was denn die Tür soll.
Hat ja auch keiner HEREIN gesagt, dachte sie. Und denkt sie heute noch.

Gruß
Hakket

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Bücherwurm
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Re:

von Bücherwurm (07.12.2008, 20:33)
Hakket schrieb:

... Es gab ein dumpfes "Plopp", als sie völlig unvermittelt mit dem Kopf gegen die Tür knallte.
Was soll das denn?, dachte sie. Wie kann denn hier auf einmal eine Tür sein? Mitten in der Landsschaft. Ohne Rahmen, ohne Haus, Gbäude - ohne Raum. Türen machen doch nur Sinn, wenn davor oder dahinter irgendwas ist. Aber diese blöde Tür steht mitten in der Gegend rum. Ich schau mal hinter die Tür. Da ist nichts. Komisch.
Baff erstaunt über diese Tatsache blieb sie, wo sie war. Und nur ein immer währendes, leichtes Hämmern mit ihrem Kopf gegen die besagte Tür zeigte an, dass sie immer noch darüber nachdachte, was denn die Tür soll.
Hat ja auch keiner HEREIN gesagt, dachte sie. Und denkt sie heute noch.


Hi Hakket,
O. K. Ich würde es so schreiben:
Es gab ein dumpfes "Plopp", als sie völlig unvermittelt gegen die Tür knallte.
Sie schüttelte ungläubig den Kopf. Eine Tür, mitten in der Landschaft? Ohne Ramen oder Haus? Türen machen doch nur Sinn, wenn davor oder dahinter irgendwas ist. Aber diese blöde Tür stand mitten in der Gegend herum. Sie schaute hinter die Tür. Da war nichts ...

Es gibt halt verschiede Schreibstile einer ist so berechtigt wie der andere. cheezygrin
Ein kluger Mann hat einmal gesagt: Es gibt drei Regeln darüber, wie man ein gutes Buch schreibt. Aber leider kennt sie keiner.

Beste Grüße, Gabi
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nepomuk
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Re:

von nepomuk (07.12.2008, 22:03)
Hey!!

Danke für eure Antworten!
Meine Idee ist noch wenig konkret, daher hat es mich einfach nur interessiert, ob euch so etwas schon mal begegnet ist und wie und ob das Ganze dann lesbar gelöst wurde. Die Beispiele hätte ich mir dann gerne mal angeschaut.

Durch die Ich-Perspektive verspreche ich mir einfach eine größere Nähe zu den handelnden Personen, doch stelle ich mir das für den Leser auch sehr anstregend und noch schlimmer verwirrend vor, wenn die Perspektive zwischen den verschiedenen Hauptcharakteren hin- und herwechselt.

Die Idee, ein Ereignis aus unterschiedlichen Perspektiven zu erzählen, finde ich gut. Nur gibt die Handlung ein solches gemeinsames Erlebnis (bislang) nicht her. Zumindest soweit bin ich eigentlich in meinen Überlegungen ;)

Die Beispiele für den allwissenden Erzähler und die Gedanken dort einzuflechten, klingen ganz vielversprechend. Aber wahrscheinlich muss ich erstmal die Geschichte weiter konkretesieren, um dann herauszufinden, wie es beim Lesen am Besten rüberkommt. Es hängt aber irgendwie beides voneinander ab und das ist wohl der Grund, warum ich gerade nicht so ganz weiterkomme. cool5
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JessM
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Re:

von JessM (07.12.2008, 22:44)
Ich glaube, um wirklich experimentieren zu können mit den Perspektiven, sollte man sich 100 % bewusst sein, welche es gibt.

Denn ich kenne da vier Stück.
Hier einmal eine Seite, wo die vier vorgestellt werden:
http://www.buecher-wiki.de/index.php/Bu ... erspektive

Wenn man sich deren im Klaren und von deren Wirkungen bewusst ist, würde ich persönlich es wagen untereinander zu mixen.
Solange ich nicht alle beherrsche, würde ich die Finger vom mixen lassen. :oops:
Zuletzt geändert von JessM am 07.12.2008, 22:57, insgesamt 1-mal geändert.

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Siegfried
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Re: Wechsel der Erzählperspektive?

von Siegfried (07.12.2008, 22:52)
nepomuk hat geschrieben:
habt ihr in einem Buch, dass ihr gelesen oder sogar selbst geschrieben habt, schonmal einen Wechsel der Erzählerperspektive bemerkt / vorgenommen? Wie hat sich das ausgewirkt und wie war das beim Lesen / Schreiben? Soweit ich weiß, ist das ja ein absolutes Tabu.


Ist völlig egal.

Mach, wie du es für richtig hältst. Was dir dein Gefühl sagt. Hör nicht auf irgendwelche Lehrer. Unterwirf dich keinem Tabu. Schreib, wie du es willst. Was kümmert dich, was andere an Regeln festlegen.

gez.
Noteing...

äh

nein ...

LG
Siegfried
(so war's richtig)

PS: Dieser Beitrag enthält Ironie. Wer sie findet, darf sie behalten. cheezygrin

LOFI

Re: Wechsel der Erzählperspektive?

von LOFI (07.12.2008, 23:10)
Siegfried hat geschrieben:
nepomuk hat geschrieben:
habt ihr in einem Buch, dass ihr gelesen oder sogar selbst geschrieben habt, schonmal einen Wechsel der Erzählerperspektive bemerkt / vorgenommen? Wie hat sich das ausgewirkt und wie war das beim Lesen / Schreiben? Soweit ich weiß, ist das ja ein absolutes Tabu.


Ist völlig egal.

Mach, wie du es für richtig hältst. Was dir dein Gefühl sagt. Hör nicht auf irgendwelche Lehrer. Unterwirf dich keinem Tabu. Schreib, wie du es willst. Was kümmert dich, was andere an Regeln festlegen.

gez.
Noteing...

äh

nein ...

LG
Siegfried
(so war's richtig)

PS: Dieser Beitrag enthält Ironie. Wer sie findet, darf sie behalten. cheezygrin


@Siegfried:
Ironie gut und schön aber in diesem Fall hier in diesem thread unangebracht.: würde man das so mit dir machen, (in einem anderen thread über dich mit verstümmeltem Namen nicht threadbezogen ablästern, wärst du der erste, der die beleidigte Leberwurst raushängen lassen würde. Lass es doch einfach. Oder tobe dich darüber mit deinem Kontrahenten fairerweise da aus, wo der Ursprung des Konflikts liegt.

VG

lorenz

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hawepe
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Re: Wechsel der Erzählperspektive?

von hawepe (08.12.2008, 08:59)
Hallo Siegfried,

Siegfried hat geschrieben:
Ist völlig egal.

Mach, wie du es für richtig hältst. Was dir dein Gefühl sagt. Hör nicht auf irgendwelche Lehrer. Unterwirf dich keinem Tabu. Schreib, wie du es willst. Was kümmert dich, was andere an Regeln festlegen.


Also ich finde die Ironie auch unangebracht, allerdings helfen die anderen Antworten auch nicht weiter.

Meiner Meinung ist die Frage überhaupt nicht zu beantworten. Man darf alles, wenn man die Kunst des Könnens beherrscht. Ob du sie beherrscht, wird hier vermutlich niemand wissen.

Okay, da du diese Frage stellen musst, habe ich natürlich meine Zweifel, aber Glauben ist nicht Wissen.

Beste Grüße,

Heinz.

hwg
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Re:

von hwg (08.12.2008, 13:13)
"Die Kunst des Könnens" lese ich da...
Wer beurteilt das Können?
Wer weiß genau, wo Kunst anfängt?
Dass Kunst von Können komme, ist
wohl bloß ein Sprichwort, denke ich...

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Tabiro Malex
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Registriert: 15.11.2008, 14:45
Wohnort: Norddeutschland

Re:

von Tabiro Malex (08.12.2008, 13:21)
Hallo hwg!

Dass Kunst von Können komme, ist
wohl bloß ein Sprichwort, denke ich..


Ein Kunst-Student hatte mir einmal dieses Sprichwort in anderer Form nähergebracht - er erklärte:

Kunst kommt von Können
und nicht von Wollen, sonst
würde es ja Wunst heißen!

VG
Tabiro
Unglaublich, wie schnell du die neue Rechtschreibreform angewendet, hasst.

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