Drei Monate und ein Tag [mit Leseprobe]

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Stefan Lange (gelöscht, 2
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Drei Monate und ein Tag [mit Leseprobe]

von Stefan Lange (gelöscht, 2 (14.12.2008, 13:59)
Titel: Drei Monate und ein Tag [mit Leseprobe]
Autor: Stefan Lange

Verlag: Monsenstein & Vannerdat
ISBN: 3865824501
Seiten: 266
Preis: 16,80

Der Autor über das Buch:

Der Verlag über das Buch:

"Drei Monate und ein Tag" ist der bewegende Bericht des aus Münster stammenden und heute in der Schweiz lebenden Autors Stefan Lange, der sich durch eine präzise und detaillierte Darstellung des drohenden Untergangs eines Menschen auszeichnet. Der Autor ist Chronist seines eigenen Abdriftens aus einer bis dato geschützten Realität in eine depressive Ausweglosigkeit, die in den Versuch des Selbstmordes mündet. Das Buch ist ein Erlebnisbericht eines Betroffenen; es zeichnet den Weg in die Krise und die Aufarbeitung eines persönlichen Schicksals nach. Zwar hat Selbstmord viele Gesichter und jeder Betroffene hat sein eigenes Motiv, dennoch bietet die Darstellung persönlicher Gedanken einen Spiegel, in dem sich jeder Aussenstehende reflektieren kann. Zum Schluss driftet die Geschichte bewusst weg vom persönlichen Schicksal hin zur Philosophie über Alltag, Leben und Tod und natürlich zu einem sensiblen und tabuisierten Thema. Das Thema Suizid wird in unserem Alltag gerne verdrängt, dennoch ist es nicht "tot"-zuschweigen und dies vor dem Hintergrund steigender Suizidzahlen unter Jugendlichen. Gerade die erzählerische Dichte des Autors und die künstlerisch wertvolle Darstellung des Motivs eines ausweglos kämpfenden Menschen (Mannes) hilft, die Thematik in ihrer Gesamtheit zu begreifen.

Spannend geschrieben,ehrlich, direkt und brutal aber auch mit Hoffnung verbunden. Ein Buch nicht nur für Betroffene, sondern für alle, die sich über eine wahre und authentische Geschichte diesem Thema nähern möchten.




Klappentext:

Stefan, noch unsicher über seinen beruflichen Werdegang, erhofft sich von einem Aufenthalt im sonnigen Süden Spaniens, ein neues Leben beginnen zu können. In Sevilla begegnet er Susanne und stürzt sich mit ihr kopfüber in eine leidenschaftliche Beziehung. Stefan glaubt der großen Liebe seines Lebens begegnet zu sein, doch es ist nicht Liebe, die sie verbindet. Die Tiefe der erlebten Gefühle ruft traumatische Erinnerungen in ihm wach, und alte Wunden drohen aufzubrechen. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt. Die Unberechenbarkeit jedes einzelnen Tages, das Aufsaugen von Gefühlen, die Flucht in Vergangenes, Zukunftsängste und der Versuch, in eine Traumwelt zu entschwinden, sind allgegenwärtig in diesem Buch über Liebe, Angst, Sehnsucht und Haß. Der Leser taucht in die Geschichte ein, die durch die detailgetreue Beschreibung von Orten, Menschen, Sinneswahrnehmungen und Gefühlen besticht. Das Buch ist die emotionale Reise durch das Leben vieler, doch die Stärke des leidvollen Ausbruchs des Protagonisten zeigt die Grenzen des menschlichen Daseins ebenso wie die Sehnsucht nach Frieden und Freiheit.

Inhalt:

Leseprobe:

Ich spürte Wärme. Langsam erwachte ich aus diesem Traum, der mir
seltsam bekannt vorkam und öffnete die Augen. Ein heller Strahl der
Morgensonne bahnte sich einen Weg durch die bis auf einen kleinen
Spalt geschlossenen Gardinen auf mein Gesicht. In dem Strahl tanzten
feine Staubteilchen. Ich beobachtete eine Zeitlang ihren Tanz. Irgendwie
erinnerte mich diese Szene an die vergangenen Monate meines
Lebens.Wieviele Gedanken hatte ich in der letzten Zeit beleuchtet, Gedanken,
die wie Luftblasen in meinen Gehirnwindungen aufgetaucht
waren, nach oben gestiegen, kurz beleuchtet und dann wieder verworfen
worden waren?

Ich stand auf und machte mir einen Kaffee. Dann schob ich die
Gardinen beiseite, öffnete das Fenster und ließ die klare Luft dieses Tages
in mein Zimmer. Ich stand am Fenster und schaute, eine Zigarette
rauchend, dem Treiben auf der Straße zu.
Ich betrachtete die Menschen, die im gegenüberliegenden Universitätsgebäude
ihren Geschäften nachgingen. Autos fuhren durch die
Straße und versuchten, einen der wenigen Parkplätze zu ergattern. Auf
dem Gehweg bahnten sich Studenten ihren Weg durch die Menschenmenge
und wahllos abgestellten Fahrräder. Es könnte ein ganz normaler
Tag in meinem Leben sein.

Die Sonne gleißte aus einem wolkenlos blauen Himmel. Es roch
nachHerbst. Ich atmete die Luft, in der der Geruch von Laub und Erde
lag, tief ein. Für einen kurzen Moment spürte ich das intensive Gefühl
zu leben. Selten hatte ich es so klar und deutlich empfunden wie an
diesem Morgen. Ich verdrängte diesen Gedanken mit aller Kraft.
Bei einer Tasse Kaffee ließ ich den Blick durch mein kleines Zimmer
wandern. Alles war aufgeräumt, sorgfältig geputzt. So sollten sie es vorfinden.
Gemocht hatte ich es schon, dieses kleine Zwölf-Quadratmeter-
Reich, in das ich vor vier Jahren eingezogen war. Es hatte den Vorteil,
daß es mitten in der Stadt lag und sehr preiswert war. Hier hatte ich
gelebt, gelernt, gefeiert, geschlafen und gelitten. Das Zimmer hatte mir
immer das Gefühl einer Ersatzgeborgenheit vermittelt. Heute würde
ich es verlassen und nicht mehr zurückkommen, denn mein Reiseziel
war das totale Nichts.

Ich wusch mich sorgfältig und musterte mein Gesicht im Spiegel.
Das Gegenüber zeigte sich blaß, ausdruckslos und stumm. Vor einigen
Monaten war dies noch ganz anders gewesen. Lebensfreude hatte aus
dem Glanz meiner Augen gesprochen, ein stetes Lächeln hatte mir auf
den Lippen gelegen, weil ich alles bejaht und geglaubt hatte, eine göttliche
Spur im Leben gefunden zu haben. Nun, die Zeiten hatten sich
gewandelt. Die Vergangenheit war vergebens gewesen, eine Zukunft
würde es nicht geben, auf jeden Fall nicht für mich.

Am Vortag hatte ich noch Der kleine Prinz von Saint-Exupéry gelesen
und war zu einer traurigen Erkenntnis gelangt. Nach meiner Interpretation
zog es der kleine Prinz vor, diese Welt zu verlassen, um
als Stern am Himmel zu leuchten, da es unter den Menschen keine
wahre Liebe gab. Nachdem ich das Buch gelesen hatte, bin ich zu José
gegangen, der in einer südamerikanischen Kneipe gleich um die Ecke
kellnerte, um mit ihm, wie sooft, über den Sinn des Lebens zu philosophieren.
Ich erzählte ihm von diesem Märchen und wollte es ihm
zum Abschied schenken, obwohl er keine Ahnung hatte, daß es mein
Abschiedsgeschenk war.

Ich packte meine Sachen zusammen und lugte vorsichtig in den Vorflur
unsererWohngemeinschaft hinaus. Nichts rührte sich.Martin, der
als freier Mitarbeiter bei einer Zeitung arbeitete, hatte das Haus sicher
schon früh am Morgen verlassen, sein Bruder Daniel, der Nachtwachen
in einem Altersheim schob, schlief noch und Samira, die einzige
weibliche Mitbewohnerin, hatten wir schon seit Tagen nicht mehr gesehen.
Ich stellte meine Reisetasche in das Treppenhaus und lauschte
für einen kurzen Moment. Ich wollte vermeiden, daß mir die Vermieter,
die das Erdgeschoß bewohnten, im Treppenhaus begegneten. Keine
Fragen, wohin die Reise gehen sollte. Daniel hatte ich gesagt, daß ich
für ein paar Tage nach Holland fahren würde.

Ich holte den Mietwagen, den ich tags zuvor an der Universitätsbi-
bliothek abgestellt hatte, und parkte so vor dem Haus, daß die Vermieter,
die oft am Küchenfenster saßen, ihn nicht sehen konnten. Hastig
lud ich das Gepäck ein und fuhr los. Zunächst gab ich das als Geschenk
eingepackte Buch für José im Coco Loco ab. Dann fuhr ich zur Mensa
am Aasee, um mich für die lange Fahrt zu stärken.

Wie üblich zur Mittagszeit, war die Mensa mit Studenten überfüllt.
Ich setzte mich auf einen freien Platz an den langen Tischen und aß
in aller Ruhe mein Schnitzel. Die Gespräche meiner Tischnachbarn
drehten sich um Professoren, Hausarbeiten und Kommilitonen. Ob sie
wohl bemerkt hatten, daß neben ihnen ein Mensch saß, der mit allem
abgeschlossen hatte?

Nach dem Essen begab ich mich auf die Reise Richtung Süden.
Am Autobahnkreuz Münster-Süd nahm ich die Autobahn in Richtung
Frankfurt. Ich schaute noch einmal zurück. War das wirklich alles gewesen?
Vielleicht nicht, aber es reichte, um abzutreten. Ich schob eine
Kassette ein, die mit einem einzigen Lied bespielt war. Unserem Lied.
Nie hätte ich gedacht, daß mich ein Lied mit seinem Text so vereinnahmen
würde. Es war Streets of Philadelphia von Bruce Springsteen.
Obwohl er über das Thema AIDS sang, paßte der Text in weiten Teilen
auf die letzten Tage meines Lebens.

Noch einmal stellte ich mir die Frage, wann dieser Haß, diese Lähmung,
die mich wie eine schleichende Krankheit durchdrang, begonnen
hatte. Vielleicht war ich ja schon verloren, bevor ich geboren wurde
und hatte seitdem den Tod immer in mir getragen, oder begann alles
mit einer Reise nach Sevilla?
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Re:

von skipteuse (14.12.2008, 14:07)
Lieber Stefan!

Dein Buch klingt interessant - ein spannendes Thema ...
(und als Kontrast die andalusische Sonne ... ) Viel Erfolg!

Besten Gruß von Barbara

Stefan Lange (gelöscht, 2
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Re:

von Stefan Lange (gelöscht, 2 (24.12.2008, 13:21)
Hallo Barbara,

vielen Dank für deine guten Wünsche. Dein Nick ist echt toll thumbbup

Auch wenn das Thema kein "Zuckerschlecken" ist, habe ich wahnsinnig positive Reaktionen von den verschiedensten Lesergruppen erhalten, was mich bestärkt, dass es richtig war, das Buch zu veröffentlichen.

Ich lese auch gern Geschichten mitten aus dem Leben, auch von ganz normalen, wenig berühmten Menschen, da ich hier viel lernen kann. Das ist tausend Mal spannender als z.B. der Mist von Prommis.

Euch allen schöne Festtage und viel Erfolg in 2009

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