keine Chance für Legastheniker

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Rudolf
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keine Chance für Legastheniker

von Rudolf (21.12.2008, 17:55)
Eine für mich unheimliche Begegnung
Ich mach den Fernseher an und zapp durch die Sender, wieder nichts los. Bei einem Magazin blieb ich dann doch hängen.
Eine Junge Autorin wurde vorgestellt, interessant denke ich.
Es ging dabei um Erotische Literatur, ein Thema das mir eigentlich Unbehagen bereitet.
Es wurde aus einer Neuerscheinung gelesen und die Autorin las selbst. Jung Autorin, im wahrsten Sinne des Wortes, 18 Jahre Jung. Trotz meines Unbehagens, blieb ich in dieser Sendung hängen.
Es artete aus, was ich befürchtete. Eine Passage aus dem Buch wurde gelesen, die eigentlich nur deswegen ausgewählt wurde um die Unverblümtheit der Wortwahl zu demonstrieren, mit der heutzutage Mädchen in so einem Alter umgehen. Das war zumindest die Absicht dabei, nach der Devise, umso ordinärer umso schöner. Das mag in bestimmten Kreisen ja ankommen, aber wer kauft sich sonst das Buch und was für ein Publikum hört sich solche Lesungen an?
Was mich allerdings dabei irritierte war, das ich gesehen haben will, dass sich die Jungautorin in Ihrer Rolle nicht so ganz wohl fühlte, ich sage absichtlich „gesehen haben will“ weil ich mir im unterbewussten nicht vorstellen konnte, das diese Worte aus ihrem Munde kamen. Waren das, was Sie da las, wirklich ihre Worte?
Oder wurde in einem angeblichen Tagebuch, das die Jungautorin geschrieben hat und als Vorlage diente, zwischen den Zeilen gelesen und das gelesene in Worte gefasst, die das Buch zum Erfolg führen soll.
Wie viel ist übrig geblieben vom tatsächlichen Tagebuch?
Noch mehr Gedanken hätte ich mir darüber gemacht, wenn es ein Mann, oder Männer wären die auf weibliche junge Autorinnen aus sind, speziell für Erotik. Nicht auszudenken um was für Gefälligkeiten man bitten könnte, um den Jungen Dingern zu versprechen, ihnen den Start zu erleichtern.
Ich fing natürlich an, mehr das Publikum zu beobachten, als mich auf das gelesene zu konzentrieren.
Gott sei dank hat die Regie das auch erkannt und viele Zwischenschnitte auf das Publikum gemacht. Ob die Zwischenschnitte und die Reaktionen zusammengehören, mag ich bezweifeln, da ich das Metier kenne und weiß, wie so etwas gemacht wird. Aber eins stand natürlich für mich fest, die einzelnen Personen, in einem Block eines Schnittes und deren unterschiedlichen Reaktionen, von erschrocken, von angewidert, bis zur Begeisterung, auch der Blick eines Mannes dessen Testosteronspiegel den Höhepunkt erreicht, die ganze Palette, diese Reaktionen waren Echt und für mich, in ihrer unterschiedlichen Vielfalt, verblüffend.
Merkwürdig denke ich alle, alle die solche Vorlesungen besuchen müssten doch wissen was sie erwartet, warum sind auch welche darunter, denen das Unbehagen und der Ekel, förmlich im Gesicht geschrieben steht. Die, denen es Vergnügen bereitet, kann ich ja verstehen, aber denen es Unbehagen bereitet?
Merkwürdig, warum habe ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht, warum fiel mir das gerade bei so einer Sendung auf. Wie ihr euch vorstellen könnt, war mein Interesse geweckt und ich begann das Internet zu durchforsten. Wer wahren diese Leute, was ist das für ein Verlag, von wem wurde diese 18 Jährige betreut.
Wie in der Sendung schon gezeigt, waren es 3 Frauen die das Mädchen betreuen. Auch wurde erwähnt, das Händeringend nach Autorinnen für erotische Literatur gesucht wird.
Ich habe mir die Internetseite angeschaut und musste feststellen, dass dort tatsächlich nur nach Weiblichen Autoren ausschau gehalten wurde. Weibliche Jungautorinnen die in das Klischee passen. So ist es, wenn ich mir es auch mal erlauben darf, zwischen den Zeilen zu lesen. Mädchen, die natürlich 18 sein müssen aber besser wie 13 aussehen. Der große Paukenschlag ist besser zu vermarkten, wenn ein Engel gleiches Wesen den Mund auf macht und Dinge sagt, die man ihr nicht zugetraut hätte. Das ist die Marktstrategie.
Die Auflage soll schon die Millionengrenze erreichen.
Ist damit tatsächlich Geld zu verdienen, werden junge heranwachsende Autorinnen vielleicht dazu missbraucht, sich des Geldes wegen herab zu lassen, um sich zu prostituieren, um solche Literatur zu schreiben. Oder macht sich in der Jungautorenwelt Verzweiflung breit, da sie sich mit Ablehnungsschreiben ihrer Werke mittlerweile die Wohnung tapezieren können.
Obwohl es immer heißt, wir suchen dringend nach Autoren.
Bei einer Einsendung einer Lese probe, hat mir jemand über Mail mal eine Antwort geschrieben, die den Nagel glaube ich, auf den Kopf trifft. Stellen sie sich vor, schrieb er. Auf einem Schreibtisch eines Lektors, liegen zwei Manuskripte, eins ist Handwerklich perfekt, das andere muss überarbeitet werden, für was für eins, wird er sich entscheiden. Von der Qualität der Geschichte wurde nicht gesprochen. Darum unten der Spruch des Tages, was soll ich sagen wenn mir jemand sagt, das Manuskript sei voller Fehler, wenn es dessen Job ist sie zu beseitigen.
Auch noch ein schöner Spruch, aber wahr. Unser Lektor wird das Manuskript über arbeiten, aber wenn viele Fehler drin sind, bleiben viele übrig und wenn wenige Fehler drin sind bleiben wenig übrig, damit muss ich rechnen.
Leuchtet mir zwar ein, aber, frage ich mich, haben die nur einen Lektor. Die Sache wäre doch zu beheben wenn es zwei oder drei wären. Oder hatten sie mal versuchsweise drei und es ist nur der eine übrig geblieben, weil sie sich gegenseitig umbrachten, da es dazu kam, dass sie sich ihre eigenen Fehler gegenseitig korrigierten und es zum großen Show-Down kam?
Sie möchten wieder gute Deutschsprachige Autoren, hallt es durch das ganze Land. Scheitert es an dem Wort „gut“ hat gut nicht etwas mit Geschmack zu tun?
Was bedeutet gut für einen Lektor oder Verlag, das ist hier die Frage.
Ist ordinär gut, ist geschmacklos gut, ist Niveau los gut?
Ist der Horizont für Lektoren soweit weg, das sie nur noch ihre eigene Sprache kennen, die nur dafür gut ist US Literatur zu übersetzen und so verunstalten das man, liest man das Original, sie am liebsten verklagen möchte?
Ist das der Grund?
Wäre es nicht besser, den Lektor am Anfang bei der Beurteilung einer Geschichte außen vor zu lassen, den er ist die Hürde die keiner überspringen kann, nur weil er die Latte zu hoch hängt, weil er die Verantwortung trägt, weil er angst hat, das Buch könnte ein Flop werden. Auch ein Handwerklich gutes Buch wird einem Lektor den Angstschweiß auf die Stirn treiben, wenn es entschieden wurde das es in den Druck geht. Nur kein Risiko eingehen, das ist die Device.
Legt man einem Fohlen, das einmal ein großes Springpferd werden soll, nicht auch am Anfang kleinere Hürden in den Weg? Wenn ich einen Verlag und eine gute Geschichte vor mir hätte, würde ich meinen Lektor zwingen das Handwerkliche zu erledigen, denn er wird dafür bezahlt.
Ein Lektor liest deine Geschichte gar nicht, wenn er merkt das du dein Handwerk nicht beherrschst. Alleine das genügt ihm, es in den Papierkorb zu schmeißen, Ich habe immer gedacht, zuerst die Idee, dann die Geschichte und dann die Feinarbeit, das Handwerkliche also. Ich habe nie den Gedanken damit verschwendet es könnte umgekehrt gehen, weil es nicht möglich ist.
Fragen über Fragen türmten sich vor mir auf, reicht mir das Internet aus um ausreichend zu Recherchieren, bin ich gezwungen mir doch so eine Lesung, tatsächlich mal an zu hören?
Das erste was mir einfiel war, ich kauf mir das Buch und lese es mal durch, werde es mir im Internet besorgen, um nicht beim Kauf Spießruten laufen zu müssen.


Noch was zu eurer Info: ich bin hochgradiger Legastheniker was mich aber nicht abhält zu schreiben. Die, die vielleicht ab wertig darüber denken, Googelt doch mal, nach berühmten Legasthenikern.

Spruch des Tages
Wenn ein Lektor zu mir sagt, ihr Manuskript strotzt vor Fehler, sollte ich ihm dazu Gratulieren? Sollte ich ihm sagen, wenn er keine gefunden hätte, hätte ich mir echte Sorgen um ihn gemacht.©Rudolf
Zuletzt geändert von Rudolf am 24.12.2008, 00:38, insgesamt 3-mal geändert.

Arachne
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Re:

von Arachne (21.12.2008, 18:14)
Ein Lektor liest deine Geschichte gar nicht, wenn er merkt das du dein Handwerk nicht beherrschst. Alleine das genügt ihm, es in den Papierkorb zu schmeißen, Ich habe immer gedacht, zuerst die Idee, dann die Geschichte und dann die Feinarbeit, das Handwerkliche allso. Ich habe nie den Gedanken damit verschwendet es könnte umgekehrt gehen, weil es nicht möglich ist.


Nichts für ungut, Rudolf, ich hatte beim Lesen plötzlich vor Augen, was passieren würde, wenn man dies Prinzip in einer Möbeltischlerei anwenden würde. Der Lehrling macht für eine Kommode erst mal eine "Rohfassung", d.h. kein Winkel ist 90 Grad, die Verbindungen klaffen, Schubladen gehen z.T. gar nicht rein, weil sie 1cm zu groß sind, zum Teil "schlackern" sie in ihren Höhlen, weil sie 1cm zu klein sind, die Oberfläche ist nicht abgeschliffen, sondern voller herausstehender Splitter und Buckel, Beschläge fehlen.
Wie würde der Meister wohl reagieren? Jedenfalls würde er keine Ratschläge geben, wie der Endzustand (Gesellenprüfung) noch zu erreichen wäre, weil es einfach sinnlos wäre.

Ein Lektor ist kein Ghostwriter des Autors. Wenn man einen solchen möchte, sollte man ihn auch privat bezahlen.

Vielleicht könnte man einen Lektor mit einem Galeristen vergleichen: der Künstler malt das Gemälde, der Galerist hängt es so gut und öffentlich auf - inkl. Beleuchtung -, daß es sich verkauft.

Sigrid

Edit: für das Legastheniker-(Rechtschreib)-Problem könnte doch so eine Diktier-Software eine Lösung sein?

Rudolf
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Re:

von Rudolf (21.12.2008, 18:29)
Du erzählst leider die Geschichte falsch herum. Stell die vor es kommt ein Lehrling mit einer tollen Zeichnung zu seinem Meister und der soll ihm helfen das Möbelstück zu machen. In meiner Geschichte wird erzählt das der Meister die Zeichnung in den Papierkorb wirft und der Lehrling andere Wege sucht um seine tolle Zeichnung in die Tat umzusetzen. Nicht erst wenn er alt und grau ist und sein Ideenreichtum versiegt.

Arachne
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Re:

von Arachne (21.12.2008, 18:43)
Gut, nehmen wir diesen Fall mal an. Dann würde aber der Meister genauso der Künstler sein wie der Lehrling, d.h. auf ein Buch übertragen müßten sowohl der Meister als auch der Lehrling als gleichberechtigte Autoren auf dem Titelblatt genannt werden. Beide wäre Urheber im Sinne des Urheberrechts. Auch den Gewinn aus dem Buchprojekt müßten sich die beiden teilen. So liegt der Fall bei einem Lektor aber nicht. Der wird im Impressum gar nicht genannt (sein künstlerischer Anteil ist also recht gering), und einen Gewinnanteil kriegt er vom Autor auch nicht, und wenn sich das Buch noch so gut verkauft, er bekommt nur den normalen Lohn vom Verlag.

Das, was Dir vorschwebt, ist eben ein Ghostwriter bzw. ein Co-Autor. Ist ja auch nichts Schlimmes. Aber das Werk muß ein Autor nun mal selber schaffen.

Sigrid

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Siegfried
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Re: keine Chance für Legastheniker

von Siegfried (21.12.2008, 19:09)
Rudolf hat geschrieben:
Es artete aus, was ich befürchtete. Eine Passage aus dem Buch wurde gelesen, die eigentlich nur deswegen ausgewählt wurde um die Unverblümtheit der Wortwahl zu demonstrieren, mit der heutzutage Mädchen in so einem Alter umgehen. Das war zumindest die Absicht dabei, nach der Devise, umso ordinärer umso schöner. Das mag in bestimmten Kreisen ja ankommen, aber wer kauft sich sonst das Buch und was für ein Publikum hört sich solche Lesungen an?


Vermutlich ein Trittbrettfahrer (Verlag), der sich an den Erfolg des Buches von Charlotte Roche hängen will: Schnell ein Werk gesucht, dass sich drastischer Wortwahl bedient, geschmückt mit einer möglichst jungen Autorin (Männer haben da keine Chance) und dann auf Teufel komm raus vermarkten. Nach Möglichkeit mit einem Skandal verbinden, damit die Presse entsprechend berichten kann. Das ist eine altbekannte Masche.

Rudolf hat geschrieben:
Wie in der Sendung schon gezeigt, waren es 3 Frauen die das Mädchen betreuen. Auch wurde erwähnt, das Händeringend nach Autorinnen für erotische Literatur gesucht wird.
Ich habe mir die Internetseite angeschaut und musste feststellen, dass dort tatsächlich nur nach Weiblichen Autoren ausschau gehalten wurde. Weibliche Jungautorinnen die in das Klischee passen. So ist es, wenn ich mir es auch mal erlauben darf, zwischen den Zeilen zu lesen. Mädchen, die natürlich 18 sein müssen aber besser wie 13 aussehen. Der große Paukenschlag ist besser zu vermarkten, wenn ein Engel gleiches Wesen den Mund auf macht und Dinge sagt, die man ihr nicht zugetraut hätte. Das ist die Marktstrategie.
Die Auflage soll schon die Millionengrenze erreichen.
Ist damit tatsächlich Geld zu verdienen, werden junge heranwachsende Autorinnen vielleicht dazu missbraucht, sich des Geldes wegen herab zu lassen, um sich zu prostituieren, um solche Literatur zu schreiben. Oder macht sich in der Jungautorenwelt Verzweiflung breit, da sie sich mit Ablehnungsschreiben ihrer Werke mittlerweile die Wohnung tapezieren können.
Obwohl es immer heißt, wir suchen dringend nach Autoren.


Bücher weiblicher Autoren im Erotikbereich lassen sich leichter verkaufen. Schreibt ein Mann ein solches Buch, bekommt er sehr schnell den Stempel "Porno" aufgedrückt. Bei Frauen halten sich die Stempler (noch) etwas zurück. Man stelle sich vor, "Feuchtgebiete" wäre von einem Karl Roche veröffentlicht worden! cheezygrin

Das mit dem "wir suchen dringend nach Autoren" glaube ich übrigens nicht. Jeder seriöse Verlag wird mit Manuskripten derart zugeworfen, dass die reguläre Arbeit eines Lektors darunter leidet. Was wirklich gesucht wird, sind "gute Autoren", was aber ein gewisses handwerkliches Maß voraussetzt und woran gerade in Deutschland die allermeisten Anfänger-Autoren scheitern.

Rudolf hat geschrieben:
Bei einer Einsendung einer Lese probe, hat mir jemand über Mail mal eine Antwort geschrieben, die den Nagel glaube ich, auf den Kopf trifft. Stellen sie sich vor, schrieb er. Auf einem Schreibtisch eines Lektors, liegen zwei Manuskripte, eins ist Handwerklich perfekt, das andere muss überarbeitet werden, für was für eins, wird er sich entscheiden. Von der Qualität der Geschichte wurde nicht gesprochen. Darum unten der Spruch des Tages, was soll ich sagen wenn mir jemand sagt, das Manuskript seit voller Fehler, wenn es dessen Job ist sie zu beseitigen.
Auch noch ein schöner Spruch, aber wahr. Unser Lektor wird das Manuskript über arbeiten, aber wenn viele Fehler drin sind, bleiben viele übrig und wenn wenige Fehler drin sind bleiben wenig übrig, damit muss ich rechnen.
Leuchtet mir zwar ein, aber, frage ich mich, haben die nur einen Lektor. Die Sache wäre doch zu beheben wenn es zwei oder drei wären. Oder hatten sie mal versuchsweise drei und es ist nur der eine übrig geblieben, weil sie sich gegenseitig umbrachten, da es dazu kam, dass sie sich ihre eigenen Fehler gegenseitig korrigierten und es zum großen Show-Down kam?


Ein Lektor hat auch nur einen 8-Stunden-Arbeitstag, so wie die allermeisten hier. Wenn er morgens sein Büro betritt, hat er zumeist einen randvollen Terminkalender. Allein durch Redaktionssitzungen und der Betreuung von Manuskripten, die in der Pipeline sind (die also veröffentlicht werden sollen), muss so ein Lektor auch Begutachtungen schreiben zu Manuskripten, die in die engere Auswahl kommen. Und dann stapelt sich auf seinem Schreibtisch - besser: neben seinem Schreibtisch - ein Berg von unaufgefordert eingesandten Manuskripten. Gehen wir mal davon aus, dass pro Tag nur 10 Manuskripte eintreffen - wie soll ein Lektor das abarbeiten? Er hat vielleicht vier Stunden am Tag, um neue Manuskripte zu prüfen. Das sind pro Werk maximal 30 Minuten. Also liest er das Anschreiben, das Exposé bzw. die Inhaltsangabe, den Anfang, ein paar Seiten in der Mitte und vielleicht das Ende. Dann muss er sich entscheiden: Standardabsage (das macht die Sekretärin), qualifizierte Absage (das macht der Lektor), Behalten für die engere Auswahl (dann macht der Lektor ein Gutachten zum Manuskript, um es den anderen in der Redaktionssitzung schmackhaft zu machen).

Ein kleiner Selbstversuch: Nimm dir vier Stunden Zeit und greif dir 10 Bücher, die du noch nie gelesen hast. In den vier Stunden verfasst du dann ein qualifiziertes Urteil zu den Büchern, was an diesen Werken lesenswert ist. Und am nächsten Tag machst du das gleiche nochmal mit 10 Büchern in vier Stunden und am dritten Tag noch einmal. Dann wirst du annähernd wissen, was ein Lektor an Zeit und Arbeit hat.

Rudolf hat geschrieben:
Was bedeutet gut für einen Lektor oder Verlag, das ist hier die Frage.
Ist ordinär gut, ist geschmacklos gut, ist Niveau los gut?
Ist der Horizont für Lektoren soweit weg, das sie nur noch ihre eigene Sprache kennen, die nur dafür gut ist US Literatur zu übersetzen und so verunstalten das man, liest man das Original, sie am liebsten verklagen möchte?
Ist das der Grund?


Für einen Lektor ist "gut" ein Buch, das Gewinn bringt. Denn jedes Buch, das Gewinn abwirft, sichert die Existenz des Verlages und damit den Arbeitsplatz des Lektors.

Ein Verlag sieht in einem Manuskript zuallererst eine Ware, ein Produkt. Das sollte sich jeder Autor ganz klar machen. Ob und wie viel Herzblut des Autors im Manuskript steckt, ist dem Verlag erst einmal völlig egal. Ein Manuskript bedeutet zuerst einmal Kosten und nichts als Kosten. Warum soll ein Verlag einen Betrag im Gegenwert einen Mittelklassewagens in ausgerechnet dieses eine Manuskript investieren? Wenn das Manuskript dann noch handwerklich oder strukturell schlecht ist, erhöht sich der finanzielle Aufwand. Sind diese Mehrkosten durch die Verkaufszahlen wieder herein zu holen? Ein Lektor muss auch kaufmännisch denken!

Rudolf hat geschrieben:
Wäre es nicht besser, den Lektor am Anfang bei der Beurteilung einer Geschichte außen vor zu lassen, den er ist die Hürde die keiner überspringen kann, nur weil er die Latte zu hoch hängt, weil er die Verantwortung trägt, weil er angst hat, das Buch könnte ein Flop werden. Auch ein Handwerklich gutes Buch wird einem Lektor den Angstschweiß auf die Stirn treiben, wenn es entschieden wurde das es in den Druck geht. Nur kein Risiko eingehen, das ist die Device.


Solche Verlage gibt es - zuhauf sogar. Nennen sich Druckkostenzuschussverlage. Denen ist die Beurteilung eines Manuskripts völlig egal. Die veröffentlichen alles - so lange der Autor dafür das Geld auf den Tisch legt.

Wer, wenn nicht der Lektor, soll die Qualität eines Manuskriptes beurteilen?

Rudolf hat geschrieben:
Legt man einem Fohlen, das einmal ein großes Springpferd werden soll, nicht auch am Anfang kleinere Hürden in den Weg? Wenn ich einen Verlag und eine gute Geschichte vor mir hätte, würde ich meinen Lektor zwingen das Handwerkliche zu erledigen, denn er wird dafür bezahlt.


Nein, dafür wirst du bezahlt, und zwar vom Verlag. Kein Lektor wird sich um die handwerklichen Fehler kümmern. Die weisen dich vielleicht darauf hin, dass die Figur im dritten Kapitel unglaubwürdig handelt, dass das Beziehungsgeflecht zwischen den Figuren nicht stimmig ist, dass sich die Handlung im Setting verliert ... aber wenn du falsche Sprecherverben benutzt, schiefe Metaphern, eine himmelschreiende Grammatik benutzt, die Erzählperspektiven durcheinanderbringst wie Mikadostäbchen, dann ist das ausschließlich dein Problem.

Rudolf hat geschrieben:
Ein Lektor liest deine Geschichte gar nicht, wenn er merkt das du dein Handwerk nicht beherrschst. Alleine das genügt ihm, es in den Papierkorb zu schmeißen, Ich habe immer gedacht, zuerst die Idee, dann die Geschichte und dann die Feinarbeit, das Handwerkliche allso. Ich habe nie den Gedanken damit verschwendet es könnte umgekehrt gehen, weil es nicht möglich ist.


Und der Lektor hat recht! Er liest den Anfang und bekommt sehr schnell ein Gefühl dafür, ob du dein Handwerk beherrscht. Wer keinen vernünftigen Anfang hinbekommt, der wird vermutlich auch keine sinnvolle Struktur in den Gesamtablauf gestalten können. Oder hat seine Figuren im Griff. Oder weiß, wie man Konflikte aufbaut und löst.


Nein, ein Lektor ist kein Ghostwriter für handwerklich unbegabte Autoren.

LG
Siegfried

Rudolf
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Re:

von Rudolf (21.12.2008, 19:35)
Da du dich anscheinend gut in dem Metier auskennst, möchte ich dich bitten, mir ein gutes Buch zu empfehlen, dass sich speziell mit dem handwerklichen Schreiben beschäftigt. Ich möchte mich nicht ausnehmen lassen, bei dubiosen Anbietern im Internet, deren Qualifikation glaube ich fragwürdig ist.
Zuletzt geändert von Rudolf am 22.12.2008, 00:01, insgesamt 2-mal geändert.

andie

Re:

von andie (21.12.2008, 20:10)
Hallo Rudolf,

wenn du doch aber schon den Weg in dieses Forum gefunden hast, wirst du sicher einen alternativen Plan zumindest im Hinterkopf haben. Ich bin immer dafür, Ärger in andere Bahnen zu lenken und die Dynamik/Energie positiv zu nutzen. Oder sehe ich das ganz falsch?

Übrigens, mein Deutschlehrer (vor ca. 35 Jahren/Oberstufe Gymnasium) war Legastheniker. Das ist jetzt kein Witz!
Das einzige Merkmal, woran wir Schüler diese Tatsache noch erkennnen konnten, war seine absolut unleserliche Handschrift. Die hatte er sich in jungen Jahren angeeignet, um seine "Schwäche" zu kaschieren.
Er war einer der überzeugendsten Lehrer, die ich je hatte, und einer der wenigen, bei denen ich wirklich etwas gelernt habe. (Was ich damals, trotz schwerer pubertärer Ausfallerscheinungen, schon merkte und ahnte) cheezygrin

LG, Andrea

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haekelschwein
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Re:

von haekelschwein (21.12.2008, 20:17)
Wenn es nur um Legasthenie geht, so ist das kein Hindernis, um Schriftsteller zu sein, man muss lediglich einen Korrektor dafür bezahlen, dass er die meisten Rechtschreibfehler im Text ausmerzt, damit der Text die gleiche Form hat, wie es ohne diese Schwäche der Fall wäre. Wenn man Analphabet wäre, müsste man ja auch jemanden bezahlen, der das Diktierte in Schriftform bringt, damit man es einem Verlag schicken kann.

Anders sieht die Sache aus, wenn man eine Grammatikschwäche hat oder eine langweilige Schreibe oder ganz allgemein kein Talent zum Erzählen. Dann nützen auch die besten Ideen nichts, ein guter Schriftsteller wird man dann eben nicht. Es ist nicht Aufgabe des Lektors, aus einem schlechten Buch die gute Ansätze herauszuklauben und es auf deren Basis so umzuschreiben, dass ein gutes Buch dabei herauskommt. Dafür ist ein Ghostwriter zuständig, denn so entstehen beispielsweise Fussballerautobiografien oder Dieter-Bohlen-Bücher. Auch als Nichtprominenter kann man solchen Service in Anspruch nehmen. Hat man beispielsweise ein bewegtes Leben gehabt und würde gerne seine Biografie herausgeben, ohne das nötige Schreibtalent zu haben, so gibt man einem Ghostwriter seine ungeschliffene stichpunktartige Rohfassung, und er macht ein lesbares Buch daraus. Das kann man wiederum einem Verlag anbieten, wobei der Ghostwriter ggf. eigene Rechte mitbehält. Dass der Verlag das Ghostwriting übernimmt, wird nur bei Berühmtheiten der Fall sein, wo es sich finanziell lohnt. Zu den normalen Aufgaben eines Lektors gehört das nicht.

Was Dir vorschwebt, ist eher die Rolle eines Ideengebers und Szenaristen, während andere die Ausführung übernehmen sollen. Du könntest Drehbücher schreiben oder Comics und Computerspiele konzipieren, welche dann von anderen umgesetzt werden. Romane entstehen nicht so, sondern da ist man für die handwerklich saubere Ausführung selbst verantwortlich, der Lektor schleift nur kleinere Unebenheiten glatt.


Auf musikalischem Gebiet ist es etwas einfacher: Wenn man zwar musikalisch ist, aber nicht vernünftig Noten lesen kann, ist trotzdem eine Weltkarriere als Populärmusiker möglich (z.B. Beatles), weil es Geräte gibt, mit denen man seine Ideen ohne Umweg über das Notenblatt direkt in Töne umsetzen kann. Eine solche Entsprechung zum "Spielen von Instrumenten" gibt es auf literarischem Gebiet nicht, hier wird quasi immer die gedruckte Partitur veröffentlicht und die Aufführung findet erst im Kopf des Lesers statt.

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Re:

von Rudolf (21.12.2008, 20:32)
Da ich mal nach berühmten Legasthenikern gegoogelt habe, hat mir sehr geholfen und stehe jetzt eigentlich drüber, aber die Hürde die ich jetzt nehmen möchte, scheint unüberwindbar. Du hast recht, dass ich mir jetzt eine andere Strategie ausgedacht habe, um mein Ziel vielleicht doch noch zu erreichen.

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Re:

von Rudolf (21.12.2008, 20:40)
Drehbücher liegen bei mir auf dem Dachboden, ich habe drei Stück geschrieben, eins hat sich durchgerungen bis zum Dramaturgen beim ZDF dort wurde es als zu langatmig abgelehnt. Komischer weise war es gleich das erste. Übrigens, ich komme aus der Filmbranche Technik Tonmeister.

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Re:

von Bücherwurm (21.12.2008, 21:02)
Guten Abend Rudolf,

Siegfried hat vollkommen recht mit dem, was er schreibt. Es geht beim Lektorat auch nicht um den Buchsatz, das macht der Verlag, wenn das Buch angenommen wird.
Kreativität wird dann wahrgenommen, wenn ein Manuskript handwerklich gut ist. Aber eine Kreativität, die den Lektor praktisch zwingen würde, das Buch neu zu schreiben, ist für den Verlag nicht annehmbar, weil das nicht die Aufgabe eines Lekors ist.
Das Verlagsgeschäft ist knallhart. Da geht es um Verkäuflichkeit, Auflagen und Umsätze.
Übrigens ist BoD für dich vielleicht eine Alternative, die bieten auch ein Lektorat an. Soweit ich in den Jobausschreibungen für Lektoren (BoD) lesen konnte, sitzen da studierte Leute.

Beste Grüße, Gabi
Titel bei BoD:
Hunger auf Leben - Ein Mädchen kämpft gegen den Krebs
Anna und das Traumland
Kinderbuch

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hawepe
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Re:

von hawepe (21.12.2008, 21:07)
Hallo Andrea,

andie hat geschrieben:
Übrigens, mein Deutschlehrer (vor ca. 35 Jahren/Oberstufe Gymnasium) war Legastheniker. Das ist jetzt kein Witz!


Warum sollte es auch ein Witz sein? Deutschlehrer müssen sehr viel mehr als nur korrekte Rechtschreibung beherrschen.

Wichtiger ist eigentlich, wie ein Mensch mit einer Schwäche umgeht. Wenn jemand verkündet, er brauche oder könne etwas nicht, weil er ... (hier darf man gerne auch anderes als Legastheniker einsetzen) sei, dann werde ich hellhörig. Die anderen versuchen in der Regel einen Workaround zu finden.

Als Autor kann das z.B. heißen, sehr intensiv die Rechtschreibkontrolle seiner Textverarbeitung zu benutzen und eventuell auch noch ein oder zwei Alternativen zu installieren.

Selbst ich, der von sich behauptet, ein ziemlich fehlerfreies Deutsch zu schreiben, kontrolliere zumindest mit Open Office und Aspell, oft aber auch noch zusätzlich mit Word. Und notfalls ist dann eventuell auch noch eine längere Recherche im WWW oder bei Freunden notwendig. Natürlich heißt das manchmal, sehr viel Zeit investieren zu müssen.

Einen kürzeren Weg gibt es aber nicht, wenn man nicht viel Geld bezahlen will.

Beste Grüße,

Heinz.

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Re:

von Rudolf (21.12.2008, 21:07)
Werde mich mal schlau machen. Danke

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (21.12.2008, 23:01)
Rudolf hat geschrieben:
Da du dich anscheinend gut in dem Metier auskennst, möchte ich dich bitten, mir ein gutes Buch zu empfehlen, dass sich speziell mit dem Handwerklichen schreiben beschäftigt.


Zu welchem Thema des handwerklichen Schreibens? Ich kenne keines, das einen allumfassenden Rundumschlag liefert.

LG
Siegfried

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Re:

von Rudolf (22.12.2008, 09:13)
Eine kleine Geschichte
Titel: Die Wachhunde

Ich spreche von einem allbekannten Fenomen glaube ich das viele, die Im Internet Surfen, kennen.
Wenn man ein neues Forum betritt, geschieht am Anfang mal nichts. Im Hintergrund läuft aber so einiges ab, man merkt es an den Klicks, man wird eingeschätzt. Was ist das für ein Typ, wie Alt mag er sein, was hat ihn bewogen in „unser“ Forum zu kommen. Ich möchte hier das Wort unser betonen, denn es gibt sogenannte Wachhunde die nichts anderes in Sinn haben als ihr, so hart erkämpftes Revier zu verteidigen. Ich habe mir angewöhnt, wenn mir echt an so einem Forum was liegt, das ich auf meine Schwächen von vorne herein hinweise, da es offensichtlich ist und ich mir diesbezüglich keine Dummen Sprüche anhören muss. Der Wachhund hält sich im Hintergrund, er beobachtet, nimmt diesen Typen irgend jemand für voll? Vielleicht auch noch jemand der mir gehört? Wagt es dann doch jemand sich mit demjenigen zu unterhalten, dann kommt er aus der Deckung, er hatte Zeit seine Strategie genau vor zu bereiten, er kläfft und kläfft und verschwindet wieder. Er beobachtet, hat das gesessen, wahr ich nicht gut. Man kann es förmlich spüren wie er auf seinem Sessel hinter seinem Computer vor Ungeduld hin und her rutscht. Ich denke mir natürlich wer war das, wo kommt er her. Ich such das Forum ab um mich schlau zu machen und hab ihn sofort, aha das Alphamännchen. Er hat am Eingang gelauert und mich sofort entdeckt. Ich denke dumm ist er nicht, ich schätze ihn sogar für sehr intelligent ein. Was macht er in diesem Forum, hat er Bücher geschrieben, oder was stellt er sonst mit seiner Intelligenz an. Ich beginne ihn zu analysieren ich merke das er anscheinend ein größeres Problem hat als ich, ihm ist seine Intelligenz zum Verhängnis geworden, er versucht sich jeden Tag auf neue, er badet sich förmlich darin.
Es gibt aber neben den Alphamännchen auch noch das B Männchen, das aber den Anstand besitzt dem vermeintlich am Boden liegenden nicht direkt zu beißen sondern verbal den der Ihm zu Hilfe kam.
Zuletzt geändert von Rudolf am 22.12.2008, 10:29, insgesamt 2-mal geändert.

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