keine Chance für Legastheniker

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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (22.12.2008, 09:23)
Diese Einstellung, man müsse sein Handwerk nicht beherrschen, findet man interessanterweise nur bei schreibenden "Künstlern".

Für Maler, Bildhauer, Musiker ist es selbstverständlich, das eigene Handwerk nicht nur ein bisschen, sondern gut zu beherrschen.
(Gut, bei Musikern mag es Ausnahmen geben, speziell seit es DSDS gibt...)

Nein, ich meine, man darf Autoren zugestehen, das Handwerk des professionellen Schriftsatzes nicht zu beherrschen, und es mag auch verzeihlich sein, wenn es mit dem Zehnfingersystem und der Zähmung des Computers hapert. Und seit den Wirrnissen der nun eher volatil wirkenden, "reformierten" deutschen Rechtschreibung bin ich auch sehr nachsichtig bei Groß- und Klein-, Getrennt- und Zusammenschreibung.

Was aber meines Erachtens auf keinen Fall fehlen darf, ist der handwerklich saubere Umgang mit der eigenen Sprache. Das ist die Grundlage, mit Worten künstlerisch tätig zu werden. Wenn es daran hapert, bleibt nur der Weg zum Ghostwriter.

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PvO
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Re:

von PvO (22.12.2008, 10:02)
möchte ich dich bitten, mir ein gutes Buch zu empfehlen, dass sich speziell mit dem Handwerklichen schreiben beschäftigt.

Solche Bücher sind sehr umstritten. SIe werden hoch gelobt und verschrieen. Ich selbst hab die beiden von Frey gelesen und fand sie recht gut.

Rudolf
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Re:

von Rudolf (22.12.2008, 10:10)
Leider bin ich nicht ganz deiner Meinung, vielleicht hat du damit recht dass das Handwerk zu beherrschen für schreibende dringend nötig ist, aber schränkt man einen Küster nicht damit ein? Kann man einen Küster vorschreiben wie er es machen soll, oder ist man begeistert davon das er es gerade anders macht, als all seine Kollegen vor ihm.
Wenn ein Maler ein Portrait mahlt. Das eine Auge auf die Stirn das andere auf das Kinn den Mund dort hin wo die Nase war, die Nase dort wo das linkes Ohr eigentlich hingehört. Sollte ich dann davon sprechen er beherrsche sein Handwerk nicht. Oder wird das dann als Kunst bezeichnet? Wenn dann der Nächste Künstler kommt, mahlt ein Portrait und benutzt den gleiche Stiel, würde man nicht dann davon sprechen das er es kopiert?

Rudolf
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Re:

von Rudolf (22.12.2008, 10:17)
Entschuldige, hat sich anscheinend überschnitten, danke für deinen Hinweis auf das Buch.

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hawepe
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Re:

von hawepe (22.12.2008, 10:47)
Hallo Valerie,

Valerie J. Long hat geschrieben:
Was aber meines Erachtens auf keinen Fall fehlen darf, ist der handwerklich saubere Umgang mit der eigenen Sprache. Das ist die Grundlage, mit Worten künstlerisch tätig zu werden. Wenn es daran hapert, bleibt nur der Weg zum Ghostwriter.


Oder das Arbeiten an sich selbst. Die Frage ist meiner Meinung nach nicht, ob man sein Handwerkszeug beherrscht, sondern ob man sich selbstkritisch betrachtet und zu verbessern versucht. Letzteres lassen allerdings tatsächlich viele "Autoren" vermissen; häufig sind sie sogar noch nahezu stolz darauf, dass sie so phantasievoll seien, dass sie sich mit Rechtschreibung und Grammatik nicht abzugeben bräuchten.

Beste Grüße,

Heinz.

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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (22.12.2008, 10:50)
Rudolf hat geschrieben:
Leider bin ich nicht ganz deiner Meinung, vielleicht hat du damit recht dass das Handwerk zu beherrschen für schreibende dringend nötig ist, aber schränkt man einen Küster nicht damit ein? Kann man einen Küster vorschreiben wie er es machen soll, oder ist man begeistert davon das er es gerade anders macht, als all seine Kollegen vor ihm.

Der Autor kann eine andere Geschichte schreiben als all seine Kollegen vor ihm. Er kann gestaltend tätig werden: Kurze oder lange Sätze, kurze oder lange Kapitel wählen, den Spannungsaufbau steuern.
Der Autor kann die Erzählperspektive wählen, kann sie auch wechseln - ich verlange, dass der Autor weiß, was eine Erzählperspektive überhaupt ist, und dass ein Wechsel absichtlich geschieht.

Rudolf hat geschrieben:
Wenn ein Maler ein Portrait mahlt. Das eine Auge auf die Stirn das andere auf das Kinn den Mund dort hin wo die Nase war, die Nase dort wo das linkes Ohr eigentlich hingehört. Sollte ich dann davon sprechen er beherrsche sein Handwerk nicht. Oder wird das dann als Kunst bezeichnet? Wenn dann der Nächste Künstler kommt, mahlt ein Portrait und benutzt den gleiche Stiel, würde man nicht dann davon sprechen das er es kopiert?

Der Maler weiß aber ganz genau, wie man Farben auf die Leinwand bringt, ohne dass sie verlaufen. Er weiß, wann und warum er einen dicken oder dünnen Pinsel nimmt und hat eine Vorstellung, warum er den Mund in einem bestimmten Rotton malt.
Der nächste Künstler nimmt die gleichen Farben, den gleichen Pinsel und malt auch ein Porträt, aber sein Strich, sein Farbauftrag, seine Perspektive ist anders. Handwerklich sind sie gleich, künstlerisch verschieden.

Nein, tut mir leid, Rechtschreibung und Grammatik sind Handwerk, keine Kunst und auch kein "Stil". Die Kunst und die Stilmittel kommen erst danach.

[edit]Hallo, Heinz,
dem kann ich nur zustimmen.
Gruß, Valerie

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Seshmosis
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Re:

von Seshmosis (22.12.2008, 11:30)
Ich habe hier schon öfter unverblümt meine Meinung geschrieben und mache es wieder:
Warum fühlt sich eigentlich anscheinend jeder zum Schriftsteller berufen?
Nur weil man ein bisschen lesen und seinen Einkaufszettel schreiben kann?
Da wird die eigene Unfähigkeit rotzfrech als "Kunst" kaschiert und argumentiert, bis sich die Zehennägel krümmen.

Ich z.B. bin 80 % körperbehindert aG (außergewöhnliche Gehbehinderung), komme aber nicht auf die Idee, beim Stadt-Marathon bei den normalen Läufern mitzumachen.
Stünde mir aber zu, oder? Mein eigener Stil ("Style") wäre dann mein Rollstuhl, das steht mir auf Grund meiner künstlerischen Fortbewegungs-Freiheit zu.
Was, geht nicht? Wieso? Regeln? Welche Regeln denn? Doch nicht für mich! Das grenzt an Freiheitsberaubung! Bin doch Künstler!

Warum sagt eigentlich keiner: lass es!?
Es gibt so viele schöne Hobbies ...

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cosmopolit
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Re:

von cosmopolit (22.12.2008, 11:56)
Seshmosis schrieb folgendes:
Da wird die eigene Unfähigkeit rotzfrech als "Kunst" kaschiert und argumentiert, bis sich die Zehennägel krümmen.

Es kann ja auch um Geld verdienen gehen,muss ja nicht immer Kunst sein.Ich denke "Ich bin dann mal weg " wird der Schriftsteller nicht als Kunst gesehen haben.
Ich schreibe mein Leben lang Tagebuch würde aber nicht auf die Idee kommen das als Kunst zu deklarieren.
Warum fühlt sich eigentlich anscheinend jeder zum Schriftsteller berufen?
Nur weil man ein bisschen lesen und seinen Einkaufszettel schreiben kann?

Ich glaube nicht das sich jeder zum Schriftsteller berufen fühlt, aber vielleicht gerne eine Geschichte schreibt.
Wenn hier nur die "Schriftsteller" im Pool währen,könnten wir uns Penn Club nennen,und keiner müsste seine Sachen bei BoD machen.
Einfach mehr Toleranz,bitte.
Wenn es hier um eine eingestellte Leseprobe geht,dann kann man ja ohne Probleme seine unverblümte Meinung kundtun. Aber keine Rundum Schläge.
Erwachsen wirst du nicht mit dem alter,sondern erst dann wenn du die Fehler zuerst bei dir suchst. http://uae-alfred.blogspot.com/

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Seshmosis
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Re:

von Seshmosis (22.12.2008, 12:33)
Hallo Cosmopolit!

Das war kein Rundum-Schlag, sondern eine Antwort auf Rudolf und seine Ausführungen und sonst nichts!
Und da ging es eben um Kunst und eine völlig falsche Vorstellung von den Aufgaben eines Lektors und das Beharren darauf, dass man zum Bücher schreiben Handwerk nicht braucht.
Rudolf thematisierte, dass man seinem "Genie" keine Chance gibt, weil er anscheinend gewisse Grundvoraussetzung nicht erfüllt.

Zum Thema: Geld verdienen durch Schreiben - da ist Handwerk genauso die Basis. Wer da mit "kreativer Rechtschreibung und Chaos-Grammatik" daherkommt, hat von vornherein verloren.

Und was den "Penn Club" betrifft - sind das Penner?
Ich kenne nur den P.E.N. Club, das ist ein Wortspiel mit dem englischen Wort für "Feder" und steht als Akronym für "Poets, Essayists and Novelists".

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cosmopolit
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Re:

von cosmopolit (22.12.2008, 13:09)
Und was den "Penn Club" betrifft - sind das Penner?
Ich kenne nur den P.E.N. Club, das ist ein Wortspiel mit dem englischen Wort für "Feder" und steht als Akronym für "Poets, Essayists and Novelists".

Ja OK Es war auch als Scherz gedacht.Mit Penn meinte ich nicht Penner sondern Pennen.(Schlafen,ruhig verhalten)Wenn alle ohne Fehl und Tadel währen würde unser Pool sich ja selbst auflösen.
Erwachsen wirst du nicht mit dem alter,sondern erst dann wenn du die Fehler zuerst bei dir suchst. http://uae-alfred.blogspot.com/

Rudolf
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Re:

von Rudolf (22.12.2008, 15:49)
Da habe ich aber etwas Los getreten, tut ja richtig weh.

Ich glaubte nicht, das ich die Wachhundgeschichte fortsetzen muss, obwohl jetzt alle auf mich ein beißen. Leider weiß ich noch nicht, wer sich hinter dem geschriebenen verbirgt, aber es scheinen sicher lauter erfolgreiche Leute zu sein. Legasthenie was ist das eigentlich, als ich zur Schule ging kannte man das Wort wahrscheinlich gar nicht und ich habe es erst fiel fiel später erfahren um was es geht und jetzt ist es nicht mehr zu ändern. Meine Legasthenie, hat etwas mit einen Geburtsfehler zu tun, einer Sehschwäche auf dem linken Auge, der Sehnerv sitzt nicht ganz im Zentrum. Ich habe auch sehr viel im Internet darüber gelesen, hatte auch mal eine Seite gefunden in der ein Programm integriert war, mit dem man Text zerlegen konnte. Mann hat einen Text in die Zwischenablage kopiert und dann in diese Seite eingefügt. Dabei wurden alle Wörter die mehr als drei Buchstaben hatten zerlegt. Drei Buchstaben waren immer richtig angeordnet, entweder die ersten Zwei und der letzte, oder die letzten Zwei und der Erste so dass das Wort Blumentopferde z.b. wie folgt aussah Blmeuntpoefred. Durch einen Zufallsgenerator wurden bei jedem Wort diese Buchstaben durcheinander gewürfelt. Das merkwürdige dabei ist, das ich den gesamten Text einwandfrei lesen konnte obwohl nichts stimmte. Das bedeutet das ich meine Texte immer richtig lese, obwohl massenhaft Fehler darin enthalten sind. Das merkwürdige aber ist, habe ich den Text nicht selbst geschrieben kann ich Fehler erkennen. Um Bemerkungen vorzubeugen, mehr fehlt mir eigentlich nicht. Ich bin auf diese Seite gekommen um vielleicht etwas lernen zu können, aber der Beruf der Lektoren braucht sich um Nachwuchs anscheinend nicht zu kümmern. Bis jetzt hielten sich die Beleidigungen noch in grenzen. Ich kenne das von Jugendlichen, steht ihnen zu, aber Erwachsene?

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LordKotz
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Re:

von LordKotz (22.12.2008, 16:53)
Faszinierend.

Doch ehrlich ich bin immer wieder fasziniert davon wie sehr sich die Menschen doch über eine „Banalität“ auseinander setzen können.
Sicherlich ist es richtig und auch wichtig, die Sprache zu beherrschen.
Ich selbst tue es nicht zu 100%, ein Manko der mir bewusst ist und den mir viele Leute gerne wieder und wieder unter die Nase reiben. Und trotz oder gerade wegen meiner zahllosen „Fans“ da draußen arbeite ich stetig an mir!
Was mich dabei irritiert ist lediglich der Umstand das sie im Bezug auf das geschriebene überhaupt nicht auf den Inhalt eingehen. Es ist tatsächlich so! Es wird sich belustigt aufgrund „Handwerklicher“ Mängel und die Geschichte oder was auch immer wird unter den Teppich gekehrt. Würde mich nicht wundern wenn der eine oder andere „GROßMÄCHTIGE“ Schriftsteller heimlich dann doch mal den Inhalt studierte und sich danach daran gemacht hat etwas ähnliches zu schreiben.
Natürlich rein hypothetisch!

Letztlich kann auch eine Kartoffel Brot backen wenn man sie nicht permanent zu Pommes Frites verarbeitet sondern ihr zeigt wie das mit dem Mehl und dem Wasser funktioniert.
Aber in der Realität wird halt Pommes draus.

Natürlich heißt das nicht das jeder der schreiben will das auch kann!

2/3 macht das Talent aus, 1/3 die Handwerkskunst.
Letzteres kann man lernen, ersteres nicht!
Wenn Du es mit selbstherrlichen Arroganzlingen zu tun hast, lächle einfach in dem Wissen, dass Arroganz die Karikatur des Stolzes ist.
www.oliver-wehse.de

Rudolf
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Re:

von Rudolf (22.12.2008, 17:01)
Habe von einem Verlag aus Österreich bei denen ich eine lese probe eingereicht habe soeben ein nettes Mail erhalten mit dem Schlusssatz „Wir sehen einer möglichen Zusammenarbeit bereits freudig entgegen!“ Es sagt zwar nichts, aber kann es sein das die Österreicher mit einer anderen Sprache besser umgehen können? Bitte jetzt keine Österreicher Witze!

büchernarr

Re:

von büchernarr (22.12.2008, 17:04)
Der Satz kommt mir so bekannt vor. NOVUM?
Grüße
Bernd

Arachne
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Re:

von Arachne (22.12.2008, 17:11)
Um Bemerkungen vorzubeugen, mehr fehlt mir eigentlich nicht. Ich bin auf diese Seite gekommen um vielleicht etwas lernen zu können, aber der Beruf der Lektoren braucht sich um Nachwuchs anscheinend nicht zu kümmern. Bis jetzt hielten sich die Beleidigungen noch in grenzen. Ich kenne das von Jugendlichen, steht ihnen zu, aber Erwachsene?


Rudolf, ich glaube, Du vermengst zwei Dinge. Übrigens, falls ich Dich beleidigt haben sollte, war es nicht meine Absicht und ich entschuldige mich vorsorglich.
Ich glaube keiner hält Dir die Legasthenie vor oder hält es aus diesem Grunde für unmöglich, daß Du Dein Buch (was immer es sein mag) veröffentlichst. Dafür gäbe es ja Lösungsmöglichkeiten zuhauf. Aber: was absolut nicht geht (und mit dem ersteren nichts zu tun hat) ist, daß Du nur eine Idee liefern willst und den Rest soll ein anderer machen. Das musst Du einsehen, sonst wird nichts aus Deinem Projekt. Das ist keine Beleidigung, das ist der Rat, nach dem Du doch offenbar gesucht hast, wenn Du in dieses Forum gekommen bist. Eine Idee reicht nicht.
Übrigens fand ich Deine Wachhund-Parabel ganz gut geschrieben (mal abgesehen vom Inhaltlichen/Sinn, den fand ich völlig daneben), es geht doch!

Sigrid

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