Stilmittel, Hervorhebung von Begriffen/Eigennamen

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El-Amanecer
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Stilmittel, Hervorhebung von Begriffen/Eigennamen

von El-Amanecer (18.01.2009, 20:04)
Hallo unbekannterweise,

ich bin nach tagelanger Arbeit fast fertig mit der Korrektur meines ersten Manuskriptes. Nun raucht mir der Kopf und erste geistige Ausfallerscheinungen machen sich bemerkbar...
:shock::

Kann mir jemand sagen, wie die Darstellung von Eigennamen, Begriffsbezeichnungen etc. letztendlich korrekterweise auszusehen hat? Werden Begriffe wie "RTL", "One-Night-Stand", "Cessna", "Krupp-Diamant" oder auch Namensbezeichnungen von Prominenten, bspw. "Elvis" oder "Liz Taylor" im Textfluss besonders hervorgehoben? Etwa durch Schrägschrift oder (wie hier bereits geschehen) durch Anführungszeichen? Richtet man sich bei der Handhabung evt. danach. welche Begriffe/Namen der Mehrheit der Bevölkerung bekannt sein dürften und welche nicht?

Vielen lieben Dank für Eure Hilfe; Jutta :D

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Judith
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Re:

von Judith (18.01.2009, 22:40)
Erstmal ein ¡BIENVENIDA!

Dann: Danke für deine Frage, Jutta, die wollte ich heute auch gerade stellen.

Beispiel (Mädchen ist erkältet):

„Nein, geht schon.“ So etwa muss die Stimme der Hexe aus Hänsel und Gretel geklungen haben.

ODER

„Nein, geht schon.“ So etwa muss die Stimme der Hexe aus "Hänsel und Gretel" geklungen haben.

Wie würdet ihr es machen?

¡Que te diviertas en este foro!

Saludos,
Judith
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julia07
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Re:

von julia07 (19.01.2009, 00:20)
Hallo Jutta,

ich setze so etwas immer in kursiv, habe allerdings auch schon die einfachen 'Gänsefüsschen', bzw. ›Guillemets‹ verwendet.

LG,
Julia

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hawepe
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Re:

von hawepe (19.01.2009, 08:05)
Hallo Judith,

Judith hat geschrieben:
„Nein, geht schon.“ So etwa muss die Stimme der Hexe aus Hänsel und Gretel geklungen haben.

ODER

„Nein, geht schon.“ So etwa muss die Stimme der Hexe aus "Hänsel und Gretel" geklungen haben.

Wie würdet ihr es machen?


Eigentlich handelt es sich um ein Zitat - des Märchentitels -, müsste also in Anführungszeichen gesetzt werden. Durch kursiven Satz hebt man dagegen Textpassagen hervor.

Aber das ist die "reine Lehre". In der Praxis sollte man sich meiner Meinung nach immer von der Frage leiten lassen, welche Lösung sich besser lesen lässt. Übrigens gibt es auch noch einfache Anführungszeichen, die aber eigentlich für Verschachtelungen gedacht sind.

Gibt es viele Dialoge und viele solcher Formulierungen, neige ich eher zu einfachen Anführungszeichen.

Gibt es keine Hervorhebungen im Text durch kursive Schrift und sind Missverständnisse ausgeschlossen, würde ich auch kursiv in Erwägung ziehen. Aber meistens dürfte es Formulierungen geben, die dadurch ungewollt zweideutig werden.

In der Praxis gibt es leider keine grundsätzlich empfehlenswerte Verfahrensweise.

Ob das jetzt allerdings Jutta weiterhilft, weiß ich nicht, weil ich ehrlich gesagt ihre Frage nicht verstehe.

Beste Grüße,

Heinz.

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (19.01.2009, 12:49)
hawepe hat geschrieben:
Ob das jetzt allerdings Jutta weiterhilft, weiß ich nicht, weil ich ehrlich gesagt ihre Frage nicht verstehe.



Na, es geht um die Frage, ob man Namen von realen Personen oder Marken im belletristischen Texte hervorhebt oder nicht, und wenn, wie man das macht.

Jana griff zur Fernbedienung und schaltete den Fernseher ein. Der Zufall wollte es, dass sie bei RTL landete. Nasenberingte Männer in Unterhemden und tätowierte Frauen mit Übergewicht stritten sich um das Thema One-Night-Stand. Jana schaltete angewidert weg. Beim nächsten Sender raste gerade eine Cessna gegen einen Berg und ging in einer Explosion auf. Action, dazu noch erkennbar billige, war nicht nach Janas Geschmack, und so zappte sie sich weiter durch das Fernsehangebot. Bei einem Bericht über den Krupp-Diamanten gab sie genervt auf. Gab es heute gar nichts Vernünftiges im Fernsehen? In der Fernsehzeitung wurden zwei Spielfilme empfohlen, einer mit Elvis, der andere mit Liz Taylor. Na ja, besser als gar nichts, dachte Jana.


oder

Jana griff zur Fernbedienung und schaltete den Fernseher ein. Der Zufall wollte es, dass sie bei 'RTL' landete. Nasenberingte Männer in Unterhemden und tätowierte Frauen mit Übergewicht stritten sich um das Thema 'One-Night-Stand'. Jana schaltete angewidert weg. Beim nächsten Sender raste gerade eine 'Cessna' gegen einen Berg und ging in einer Explosion auf. Action, dazu noch erkennbar billige, war nicht nach Janas Geschmack, und so zappte sie sich weiter durch das Fernsehangebot. Bei einem Bericht über den 'Krupp-Diamanten' gab sie genervt auf. Gab es heute gar nichts Vernünftiges im Fernsehen? In der Fernsehzeitung wurden zwei Spielfilme empfohlen, einer mit 'Elvis', der andere mit 'Liz Taylor'. Na ja, besser als gar nichts, dachte Jana.



LG
Siegfried

hwg
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Re:

von hwg (19.01.2009, 12:55)
Bei der Nennung von allgemein bekannten Namen oder Begriffen verwende ich keinerlei "Hervorhebungszeichen", diese kommen bei mir nur als Anführungszeichen bei Zitaten oder mehrdeutig zu begreifenden Bezeichnungen und selbstverständlich bei Dialogen in Anwendung. Änderungen der Druckschrift in Fließtexten mag ich einfach nicht.

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Judith
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Re:

von Judith (19.01.2009, 13:12)
Mir scheint, dass früher für derlei Hervorhebungen eher Anführungsstriche benutzt wurden, während man inzwischen eher zur kursiven Schreibweise übergeht. Von einer Testleserin (Jugendbuchautorin) wurde bei mir schon mal bemängelt, dass ich in Anführungszeichen gesetzt hatte. Ich versuche gerade, mich auf kursiv umzugewöhnen.

Grüßle,
Judith
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El-Amanecer
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Danke für die Tipps

von El-Amanecer (19.01.2009, 13:48)
Hola an Judith und Hallo an den Rest,

vielen herzlichen Dank für Eure Tipps. Sie haben mir geholfen. Ich werde mich an die Kursivschreibung halten. Die hatte ich im Manuskript bereits zum Einsatz gebracht und bin nun froh, dass kaum etwas zu ändern ist.

An Siegfried, den begnadeten Ghostwriter smart2 , zudem ein separates Dankeschön! Ich habe mich köstlich amüsiert! Das war wirklich nett!

Sonnige Grüße aus Spanien; Jutta :D

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Siegfried
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Re: Danke für die Tipps

von Siegfried (19.01.2009, 15:15)
El-Amanecer hat geschrieben:
An Siegfried, den begnadeten Ghostwriter smart2 , zudem ein separates Dankeschön! Ich habe mich köstlich amüsiert! Das war wirklich nett!


Ach, bitte, keine Ursache. cheezygrin

Ist ein altes Schreibübungsspiel in der Gruppe. Man nehme fünf Zettel und schreibe zwei Substantive, zwei Verben und ein Adjektiv auf. Dann werfe man diese Zettel in drei Behälter: Substantive, Verben und Adjektive. Rühre die Zettel gut durch und jeder der Gruppe holt sich dann blind fünf Zettel wieder heraus: zwei Substantive, zwei Verben, ein Adjektiv. Und schreibt binnen 15 Minuten eine Geschichte, in der alle gezogenen Wörter vorkommen müssen.

Klingt vielleicht stressig, ist aber spaßig - und es übt ungemein.

Einmal tauchte das Wort "Kipp-Lore" auf - daraus wurde dann eine Alkoholikerin namens "Lore", die ordentlich einen kippt. cheezygrin

LG
Siegfried

Kausde
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Re:

von Kausde (10.02.2009, 12:24)
Diese Schreibübung merke ich mir, die klingt wirklich super! cheezygrin
Um noch einmal auf die Frage der Hervorhebung einzugehen: Alles an Hervorhebung unterbricht den eigentlichen Textfluss, sollte also sparsam und mit Bedacht eingesetzt werden. Allgemein bekannte und häufig genutzte Begriffe sollten gar nicht markiert werden, Anführungszeichen nehme ich meist, um Ironie auszudrücken oder Zitate wiederzugeben, und der Kursivdruck kommt bei Betonungen, etwa in der wörtlichen Rede, oder bei ganz besonderen Eigennamen wie die Namen von Kneipen, Booten usw.

Natürlich ist das nicht die einzig wahre Wahrheit, aber es empfiehlt sich zumindest, Anführungszeichen und Kursivschrift zu vermeiden, wo es nur geht. Die Leser danken es einem.

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Silvia Kirschner
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Re:

von Silvia Kirschner (10.02.2009, 13:54)
also zum eigentlichen thema dieser runde kann ich persönlich nur sagen - ich finde, es lest sich einfach besser, wenn es kursiv geschrieben ist. was nun richtig und falsch ist, weiß ich selber auch nicht - gefallen tut mir selber einfach kursiv besser, als die vielen strichleins :wink:

und zu siegfried muss ich sagen: ich fand deine kurzgeschichte auch sehr amüsant :lol: du sprachst von einer "schreibübung in der gruppe" - von welcher gruppe hast du da geredet? bist du in einer autorengruppe, schreibwerkstatt oder so? hört sich nämlich toll an, und interessant!

liebe grüße, silvia

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (10.02.2009, 17:40)
Silvia Kirschner hat geschrieben:
und zu siegfried muss ich sagen: ich fand deine kurzgeschichte auch sehr amüsant :lol: du sprachst von einer "schreibübung in der gruppe" - von welcher gruppe hast du da geredet? bist du in einer autorengruppe, schreibwerkstatt oder so? hört sich nämlich toll an, und interessant!


Die Schreibgruppe ist entstanden aus einem VHS-Kurs "Kreatives Schreiben". Ungefähr 15 bis 18 Leute kamen da über vier Monate wöchentlich zusammen. Daraus hat sich ein harter Kern gebildet von etwa acht Leuten, die sich jetzt regelmäßig auf privater Ebene treffen und gegenseitig ihre Texte kritisieren (solch allgemeinen und zumeist positiven Kritiken, wie sie hier immer wieder auftauchen, sind da allerdings sehr unüblich cheezygrin )

In dem VHS-Kurs ging es von Beginn an um das handwerkliche Schreiben in der Belletristik. Das wurde den Teilnehmern auch immer gleich zu Beginn deutlich gemacht. Wer da Lyrik vorstellen wollte oder Experimentalliteratur oder Selbstbefindlichkeitstexte, dem wurde angeraten, seine Teilnahme zu stornieren und sein Geld zurückzubekommen.

Teil dieses Kurses waren entsprechende Schreibspiele. Zum Beispiel das mit den Karten (s.o.). Oder die Kursteilnehmer schrieben auf mehrere Zettel willkürliche Begriffe, und jedem wurde dann ein Zettel zugelost, und mit den Worten auf dem Zettel war dann in einer halben Stunde ein Text zu schreiben (da ging es nicht um Originalität, sondern um die Anwendung von Handwerk). Oder der Anfang eine bekannten Geschichte, z. B. ein Märchen, sollte umgeschrieben werden auf Krimi- oder Thrillerstil. Oder es gab eine Liste von Personenbeschreibungen, zu denen man dann die Namen festlegen sollte - und natürlich umgekehrt (denn Namen sind nicht Schall und Rauch).

So ungefähr war das damals.

LG
Siegfried

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Silvia Kirschner
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Re:

von Silvia Kirschner (10.02.2009, 18:17)
wow, danke für die info - hört sich wirklich total interessant an. bei uns gibts zwar auch vhs kurse, aber sowas war leider noch nie dabei.. aber vielleicht hab ich mal glück und irgendwer macht doch noch sowas...
wär jedenfalls sicher eine gute übung!
danke nochml und noch einen schönen abend, lieber siegfried cool5

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Adriatic
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Was wird alles kursiv geschrieben?

von Adriatic (20.09.2010, 20:20)
Hallo allerseits,

ich habe mich für das Kursivschreiben entschieden, um z.B. Musiktitel und Eigennamen zu kennzeichnen.

Unsicher bin ich mir in folgenden Fällen:

Ich schreibe Piazza San Marco, aber setze es nicht kursiv, wenn ich vom Markusplatz schreibe.

Ich schreibe Bomboloni con Crema, aber setze Cappuccino nicht kursiv.

Mit der Regel, "Begrifflichkeiten, die im Deutschen gebräuchlich sind, werden nicht kursiv geschrieben", habe ich mich angefreundet.

Aber ist das auch richtig?

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hawepe
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Re: Was wird alles kursiv geschrieben?

von hawepe (20.09.2010, 21:04)
Hallo Adriatic,

Adriatic hat geschrieben:
Ich schreibe Piazza San Marco, aber setze es nicht kursiv, wenn ich vom Markusplatz schreibe.

Ich schreibe Bomboloni con Crema, aber setze Cappuccino nicht kursiv.

Mit der Regel, "Begrifflichkeiten, die im Deutschen gebräuchlich sind, werden nicht kursiv geschrieben", habe ich mich angefreundet.

Aber ist das auch richtig?


Ich würde es jedenfalls so handhaben. Allerdings hängt das auch vom Genre ab. Bei einem Reiseführer würde ich z.B. eventuell auch Markusplatz kursiv setzen, um dem Leser die Orientierung zu erleichtern. Andererseits findet er das Markusplatz auf keinem Straßenschild und in keinem italienischen Stadtplan.

Beste Grüße

Heinz

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