Die Insel ...

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g.c.roth

Die Insel ...

von g.c.roth (23.08.2007, 09:01)
Die Insel der Gefühle

Vor langer Zeit existierte einmal eine wunderschöne, kleine Insel mitten im großen Ozean. Auf dieser Insel waren die Gefühle der Menschen zu Hause: Der Humor und die gute Laune, die Traurigkeit und die Einsamkeit, das Glück und das Wissen und all die vielen anderen. Natürlich lebte auch die Liebe dort.

Eines Tages gab es ein Erdbeben und die Insel der Gefühlen drohte zu versinken. Also machten alle ihre Schiffe seeklar um die Insel schnellstens zu verlassen.

Nur die Liebe, die kein eigenes Schiff besaß, saß am Strand und schaute zu, wie ein Schiff nach dem anderen davon fuhr. Sie wartete, dass eines der Schiffe sie zum mitfahren einlud.

Viele waren schon am Horizont verschwunden und die Liebe dachte sich: „Nun muss ich doch einmal fragen, ob noch einer Platz hat für mich, sonst bleibe ich hier allein und das wäre mein sicherer Tod.“

Als der Reichtum auf einem sehr luxuriösen Schiff die Insel verließ, fragte ihn die Liebe: "Reichtum, kannst du mich mitnehmen?"
"Nein, kann ich nicht“, rief der Reichtum und machte eine abwehrende Handbewegung. „Auf meinem Schiff habe ich sehr viel Gold, Silber und Edelsteine. Du würdest dich hier nur verletzen!"

Also fragte die Liebe den Stolz, der auf einem starken großen Schiff vorbeikam. "Stolz, bitte, kannst du mich mitnehmen?"
"Liebe, ich kann dich nicht mitnehmen", antwortete der Stolz, "hier ist alles perfekt und du bist unberechenbar und könntest mein Schiff ins Wanken bringen.“

Als nächstes fragte die Liebe die Traurigkeit: "Traurigkeit, bitte nimm du mich mit."
"Oh Liebe", seufzte die Traurigkeit, "wie könnte ich dich auf mein Schiff nehmen, es wäre mein sicherer Tod."

Während der Humor losfuhr, sang und alberte er so überschwänglich und ausgelassen auf dem Deck seines Schiffes herum, dass er nicht einmal hörte, dass die Liebe nach ihm rief.

Nun waren fast alle davon gefahren und die Liebe saß auf dem letzten Stückchen Insel das noch aus dem Wasser ragte und sah geduldig hinter der Flotte her. Viele Stunden vergingen und die Sonne verfärbte sich glutrot um im Meer zu versinken - als plötzlich eine sanfte Stimme rief: "Komm auf mein Schiff, Liebe, ich nehme dich mit in eine neue Welt."
Es war die Zeit, die als Letztes die Leinen los gemacht und sich auf den Weg machte. Erfreut floss die Liebe auf das Schiff der Zeit und lautlos segelten sie durch die sternenklare Nacht.

Als die Sonne wieder aus dem Meer aufstieg, fragte die Liebe die Zeit: "Wieso hast Du mich freiwillig mitgenommen? Alle anderen hatten keinen Platz für mich.“
Und die Zeit antwortete: "Weil nur ich ebenso langmütig, so unbegreiflich und so vielschichtig bin wie Du. Und weil ich dich brauche natürlich, so wie du mich brauchst. Wir zwei sind füreinander bestimmt."

gcroth . 2007

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Winfried Kerkhoff
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Re:

von Winfried Kerkhoff (24.08.2007, 09:33)
Hallo! Wenn auch, wie ich glaube, die Form nicht ganz neu ist, ist die inhaltliche Füllung sehr ideenreich und mit der Form verwoben. Vor allem der Schluss und die Lösung des Problems der Liebe ist so einleuchtend. Liebe ist zeitlos und kann doch auch kurzlebig sein, Liebe für Jung und Alt, die Zeit nimmt alle auf, sie hat ein großes Herz, wie auch die Liebe! Man findet sicher noch mehr Verbindungen.
Auch die Dialoge sind sehr treffend. Das nur einige Anmerkungen meinerseits. Wie gesagt: eine wunderschöne Idee! Winfried
© Winfried Kerkhoff

g.c.roth

Re:

von g.c.roth (24.08.2007, 10:00)
Danke Winfried,
du hast Recht, ich hätte noch viele Verbindungen aufzeigen können.
Aber ich denke um zu erkennen, was gemeint ist, reicht es so aus. Und jeder hat so seine eigenen Erlebnisse und Gedanken zum Thema Liebe und Zeit. Die sollen ja auch Raum haben.

LG Grete

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Phosphorkeule
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Re: Die Insel ...

von Phosphorkeule (02.09.2007, 18:25)
Eine sehr schöne kleine (Liebes) Geschichte, die mich doch sehr stark an unsere heutige Gesellschaft erinnert.
LG Norbert
Da ich weiß, das ihr nicht schnell lesen könnt, werde ich langsam schreiben... grins !!!
Viel Spaß mit meinen Gedichten und Kurzgeschichten
eure
Phosphorkeule - Norbert van Tiggelen

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