Show, don´t tell???

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Conny
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Re:

von Conny (04.01.2009, 22:10)
Hallo Judith,
die 2-3 Seiten sind für mich ein Anhaltspunkt, eine Motivation. Man darf sich das nicht so vorstellen, dass ich, egal ob ich meine Gedanken alle zu Papier gebracht habe oder nicht, aufhöre und Morgen weiter mache.

Ich schreibe meistens eine Szene. Wenn z.B. Mutter und Tochter ein Gespräch haben, vollende ich diese Szene. Niemals würde ich mittendrin aufhören, es sei denn, mein Gemüse wäre angebrannt ... cheezygrin . Spaß beiseite ...
Ganz oft mache ich mir aber weitere Notizen, ehe ich meinen PC runterfahre. Stichwortartig notiere ich mir, was mir noch im Kopf rumschwirrt, was mir wichtig ist, was ich herausstellen möchte, etc. Das hilft mir enorm weiter, wenn ich mich das nächste mal an den Laptop setze.

Da ich ja auch nicht täglich zum schreiben komme, muss ich logischerweise, um mein mir selbst gestecktes Pensum zu erreichen, an den "Schreibtagen" mehr zu Papier bringen. Und dann sind da eben so richtig gute dabei, wie z.B. gestern.

Es läuft einfach im Moment super, und ich frage mich, ob da vielleicht auch der Aufbau meines Plotts dran "Schuld" sein könnte. Ich hab ihn, für meine Verhältnisse, richtig ausführlich gemacht, Kapitel eingeteilt, Personen herausgestellt, Recherche betrieben, etc. Und mit diesem Plott läuft es einfach supergut! Es macht richtig Spaß!

Liebe Grüße,

Conny
"Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann."
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (04.01.2009, 22:43)
Judith hat geschrieben:
wie gesagt kommt es auf das Genre an. Und du schreibst sicher etwas anspruchsvollere Literatur als ich.


Genau das, anspruchsvollere Literatur, versuche ich zu vermeiden. Ich will nicht anspruchsvoll sein - das überlasse ich anderen. Ich möchte "nur" unterhaltsam sein.

Ich vermute wirklich, es liegt an der Art und Weise der Überarbeitung.

Probe aufs Exempel cheezygrin ...

Ich nehme mir einen Text, so zwei bis drei Seiten. Mehr geht auf keinen Fall, weil ich mich sonst darin verlaufe. :lol:

Erster Durchlauf bezieht sich ausschließlich auf Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Ist da alles richtig? Was als falsch erkannt wird, kriegt die entsprechende Korrektur. Was unklar ist, wird am Seitenrand markiert und erst am Ende der zwei oder drei Seiten werden die Kollegen Duden & Co befragt (für jede Randmarke). Die Korrekturen werden in die Textverarbeitung übertragen.

Zweiter Durchlauf: Meinen Lieblingsfeinden geht es an den Kragen. Ich nehme mir jedes, aber auch jedes Adjektiv und jedes Adverb zur Brust. Erst mal nur markieren. Am besten mit einem Marker. Dann noch mal von vorne: Welches Adjektiv kann weg, welches Adverb kann durch ein Verb ersetzt werden. Eintragen in den Text, Anmerkungen an den Rand, neu überlegen, danach alle Änderungen in die Textverarbeitung einbauen.

Dritter Durchlauf: Solche unnützen Lieblinge von mir, die sich Sprecherverben nennen, kriegen jetzt was aufs Dach. Sind diese Sprecherverben überhaupt sinnvoll? Drücken sie das aus, wofür sie stehen? Oder kann man sie nicht einfach weglassen? Markieren, umschreiben, in die Textverarbeitung übernehmen.

Vierter Durchlauf: Die P's stehen an. Wo gibt es Partizipien, wo tauchen Passiv-Konstruktionen auf? Anstreichen, überlegen, ob man das nicht anders lösen kann. Alternativen reinschreiben. Mit der alten Fassung vergleichen. Die bessere in die Textverarbeitung übernehmen.

Fünfter Durchlauf: Füllwörter suchen. Ich habe da meine eigene Liste, was ich blödsinnigerweise andauernd und zu gerne in Sätze einbaue, damit die Zeilen schneller voll werden. Suchen. Finden. Streichen. Prüfen, ob die Streichungen sinnig sind. Und dann wieder alles in die Textverarbeitung übernehmen.

Und das sind nur die sprachlich-stilistischen Korrekturen. Von inhaltlicher oder logischer Prüfung ist da noch gar nicht die Rede! cheezygrin

Wenn ich das mit drei Seiten mache, sind ein paar Stunden Arbeit notwendig. Oder in anderen Worten: Drei Seiten erfordern die Freizeit eines normalen Tages - am Sonntag können es tatsächlich auch mal fünf Seiten werden.

Deshalb wundere ich mich immer wieder, wie jemand einen Text von x Seiten, den er oder sie in vier Wochen geschrieben hat, in der Hälfte der Zeit überarbeiten kann. Wie gesagt: Ich schaffe das nicht. Deshalb mein Respekt!

LG
Siegfried

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Judith
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Re:

von Judith (05.01.2009, 00:36)
Puh, Siegfried, wenn ich so "pingelig" wäre, dann könnte ich wahrscheinlich meinen Text bald nicht mehr sehen! :roll: :wink:
Nee, i.d.R bleibt bei mir das meiste so, wie ich es zu Anfang geschrieben habe. Und so ist es für mich dann auch "richtig". Wie gesagt, die erste Überarbeitung kommt gleich am ersten Tag. Meine Kapitel sind meistens so 6 - 10 Normseiten lang (bzw. kurz), das kann ich an einem Tag schreiben, dem Mann vorlesen, abtippen und dabei die ersten ungereimten/langweiligen/hakeligen Stellen ausbügeln. Oft lese ich das Getippte dann am nächsten Vormittag durch, um wieder reinzukommen und ändere dabei nochmal die ein oder andere Kleinigkeit.

Etwa in der Mitte fange ich i.d.R. an mit dem Plot. Da merke ich, dass ich mir mehr Gedanken um Personen, Fortgang der Geschichte etc. machen muss, um den Spannungsbogen halten zu können. Das heißt, dass auch evtl. noch indirekte Personenbeschreibungen nachträglich eingefügt werden. Außerdem sehe ich dann, ob die Länge des Manuskripts hinkommt. Bei meinem Mädchenroman musste ich noch eine Nebenhandlung von etwa eineinhalb Kapiteln einfügen, um auf die gewünschte Zeichenzahl zu kommen.

Wenn dann alles komplett fertig geschrieben ist, dann überarbeite ich nochmal zwei-bis dreimal alles, dazu brauche ich jeweils etwa zwei Tage (für 150 Normseiten). Dabei mache ich alles in einem Aufwasch: Tippfehler, Wortwiederholungen etc. Außerdem fallen mir dann manchmal noch Ungereimtheiten auf (Freitags 2. Stunde mal Englisch, mal Mathe; durch Änderung der Zeit des Geschehens wachsen die falschen Pflanzen o.ä.).

Mein Mann ist mir übrigens eine große Hilfe. Er ist zwar nicht gut in der Rechtschreibung, weil er Engländer ist, aber er liest viel und alles (zwangsläufig auch Vorlesegeschichten und Mädchenbücher, obwohl vor allem letztere nicht gerade zu seiner Lieblingsliteratur gehören) und hat früher auch selbst geschrieben (englisch). Deshalb ist er ein sehr guter und konstruktiver Kritiker. Ihm fallen langweilige Stellen auf, oder auch mal Namensverwechslungen bei den Protagonisten etc. (was bei den drei !!! sehr häufig vorkommt, die bräuchten meinen Mann zum Gegenlesen :wink: ). Da er täglich das geschriebene Kapitel liest, habe ich sofort Resonanz und kann somit auch gleich darauf reagieren. Das ist ein großer Vorteil und eine immense Zeitersparnis, weil ich mich dadurch nicht so leicht verrenne.

Grüßle,
Judith
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Conny
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Re:

von Conny (05.01.2009, 20:30)
Hallo Judith!
Mit der Unterstützung kannst Du Dich wirklich glücklich schätzen!!!

Hallo Siegfried!
Das Problem mit den Füllwörtern kenne ich nur zu gut. Auch ich habe einige Standards auf Lager, die mir immer wieder in meinen Texten unterkommen :twisted: . Sie auszumerzen ist mein Ziel!

LG, Conny
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Judith
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Re:

von Judith (05.01.2009, 21:53)
Oh ja, irgendwie schreibe ich eigentlich ständig irgendwie und eigentlich. :cry:
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Re:

von Lisa_Sonnenblume (05.01.2009, 22:34)
Judith hat geschrieben:
Oh ja, irgendwie schreibe ich eigentlich ständig irgendwie und eigentlich. :cry:


Eigentlich muss irgendwie von irgendjemand geschrieben werden :)
LG,

Lisa

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Conny
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Re:

von Conny (05.01.2009, 23:11)
Irgendjemand hat gesagt, eigentlich sei es besser, jetzt zu schreiben, irgendwie. cheezygrin
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Bücherwurm
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Re:

von Bücherwurm (22.01.2009, 21:56)
Irgendwie wäre es eigentlich gut, wenn jemand irgendwie darüber reden könnte, was hier eigentlich irgendwie los ist. cheezygrin


Grüße, Gabi
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Conny
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Re:

von Conny (22.01.2009, 22:00)
Wenn ich irgendwie wüsste, was eigentlich irgendwie hier los wäre, dann würde ich eigentlich irgendwie irgendjemand fragen, der mir den Stuss hier mal eigentlich irgendwie erklärt :lol: .
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