Pubertät

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noteingang
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Pubertät

von noteingang (22.02.2009, 15:08)
(Personen: Sohn Toni, Mutter Helga.)


„Toni hast du heute denn keinen Unterricht?“, Helga kam gerade in das Zimmer und schaute ihren Sohn an. Der saß, ohne seine Mutter zu beachten, gebannt vor seinem Fernsehen und malträtierte wild einen Joystick. „Jetzt hab ich dich, du scheiß Schlampe, du Hure, ich mach dich platt!“, schrie er. Seine Mutter stellte sich vor den Fernseher und verschränkte daraufhin ihre Arme vor ihrer Brust. „Toni, ich rede mit dir.“
„Verpiss dich!“, er blickte kurz zu zu ihr, verzog die Augen zu engen Schlitzen und lehnte sich nach rechts, um an ihr vorbeischauen zu können. „Ich habe eben einen Anruf bekommen, ich musste erfahren, dass du andauernd schwänzt und ich morgen bei dir in der Schule vorbeikommen soll, was sagst du dazu?“ Toni warf den Joystick nach seiner Mutter, die gerade noch rechtzeitig einen Schritt zur Seite machen konnte, und nun völlig perplex ihren Sohn anschaute. „Wegen dir bin ich nun gestorben. - Scheiße kannst du mich nicht einmal in ruhe lassen? Geh wieder auf dein Sofa und lass dich volllaufen. Aber höre auf mich zu nerven!“, Toni stand auf und ging zu seiner Mutter. Er überragte sie um fast einen Kopf, sein Gesicht war wutverzerrt und nun nur noch Zentimeter von dem, der sichtlich eingeschüchterten Frau entfernt. Er hob sein Kinn, zog seine Augenbrauen zusammen und er schien etwas sagen zu wollen, ballte seine Hände zu Fäusten, um sich dann doch umzudrehen und zum Fenster zu gehen. Den Rücken zu seiner Mutter gewandt sprach er leise aber dennoch schneidend: „Helga, verschwinde aus dem Zimmer und lass mich in Ruhe. Wenn ich mich gleich umdrehe und du stehst da noch, dann passiert etwas.“
Die irritierte Frau schüttelte den Kopf, sagte aber kein Wort, sie verließ das Zimmer. Nur der laute Knall, der zugeschlagenen Tür, offenbarte ihre Stimmung. Aus dem Flur drangen gedämpft Worte zu Toni. „Ich mache das alles nicht mehr mit.“ Lange schaute er aus dem Fenster, um immer mal wieder über stumme Witze zu lachen, doch sein Grinsen wich oft einem traurigen Ausdruck, um sich im nächsten Augenblick wieder in ein Lächeln zu verwandeln. „Scheiß drauf!“, flüsterte er und setzte sich wieder auf sein Sofa. Toni griff nach einer Zigarettenschachtel, nahm eine Zigarette heraus, die er lässig in den Mundwinkel steckte und anzündete. Nur das starke Zittern seiner Hände offenbarte seine Erregung.

LOFI

Re:

von LOFI (22.02.2009, 15:30)
Tja,

eine Momentaufnahme einer zunehmenden Realität. Hochsaisong für Supernannys, die mit Engelszungen ("du, ich glaube wir müssen reden, um uns ein Stück weit zu verstehen") den Fernsehzuschauern vorgaukeln, jahrelang verkorkste Beziehungsstrukturen zwischen Werbung beheben zu können. Hinterher noch ne Runde Schuldenberatung und die Welt hat wieder das Gute im Menschen gefunden.

VG
lofi

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noteingang
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Re:

von noteingang (22.02.2009, 16:28)
LOFI (Moderator) hat geschrieben:
Tja,

eine Momentaufnahme einer zunehmenden Realität. Hochsaisong für Supernannys, die mit Engelszungen ("du, ich glaube wir müssen reden, um uns ein Stück weit zu verstehen") den Fernsehzuschauern vorgaukeln, jahrelang verkorkste Beziehungsstrukturen zwischen Werbung beheben zu können. Hinterher noch ne Runde Schuldenberatung und die Welt hat wieder das Gute im Menschen gefunden.

VG
lofi


Hi,

ich denke aber irgendwelche Langzeitfamilientherapien nicht zwischen Werbepausen in das Nachmittagsprogramm passen. Natürlich gibt es für schwere Probleme kaum einfache Antworten. Aber einfache Antworten lassen sich natürlich besser verkaufen.

Aber noch einmal zum Text, ich habe den absichtlich etwas sperrig geschrieben, um damit auch eine gewisse Stimmung zu erstellen, die Frage ist, ob es funktioniert.

LOFI

Re:

von LOFI (22.02.2009, 16:35)
noteingang hat geschrieben:
Aber noch einmal zum Text, ich habe den absichtlich etwas sperrig geschrieben, um damit auch eine gewisse Stimmung zu erstellen, die Frage ist, ob es funktioniert.


Hi,

bei mir hat es funktioniert. Kommt nicht gestellt rüber.

VG
Lofi

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noteingang
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Re:

von noteingang (22.02.2009, 17:58)
LOFI (Moderator) hat geschrieben:

Hi,

bei mir hat es funktioniert. Kommt nicht gestellt rüber.

VG
Lofi


Schön, zumindest schon mal eine positive Stimme, Ambrosia für meine gescholtene Künstlerseele ;)

hwg
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Re:

von hwg (22.02.2009, 18:05)
Ein "starker" Text, gar nicht sperrig.

Ich habe Söhne kennen gelernt, die ähnlich mit ihrer Mutter verfahren, allerdings schon längst der Pubertät entwachsen sind.
Vor dem Richter stehen leider oft derartige Gestalten - und als Verhandlungsbeobachter bekommt man da Unglaubliches zu hören.

Da aber im Text die Mutter als Alkoholikerin aufscheint, darf man sich über das Verhalten des Sprößlings auch nicht wundern.

Richymuc
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Re:

von Richymuc (22.02.2009, 18:09)
Hallo Noteingang,

denke diese Geschichten passieren öfter als man denkt.
Gut beschrieben.

Die Geschichte macht mich nervös, Sohnemann ist jetzt 14 Jahre alt und bald so groß wie ich.

Bis jetzt ich er noch ein ganz Lieber ...

Aber ich frage mich: WIE LANGE NOCH?
www.richymuc.de
Der Satirische Kreuzfahrt-Flüsterer ISBN 978-3-8370-9816-7
Feindschaftsbuch ISBN 978-3-8370-9803-7
Das erotische Freundschaftsbuch ISBN 978-3-8391-0037-0
NEU: http://www.youtube.com/watch?v=t25CNmrKaZ4

hwg
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Re:

von hwg (22.02.2009, 18:11)
Bei d e m Vater hätte ich keine Angst um die Entwicklung des Juniors...

Mac

Re:

von Mac (22.02.2009, 18:35)
Hi
@noteingang: der Text funktioniert und packt.
@hans: grundsätlich stimme ich Dir zu (nach dem Motto Apfel und Stamm usw), aber das ist heutzutage leider keine Garantie mehr. Insofern finde ich die Aufmerksamkeit von Richymuc nicht mehr als richtig.
@richymuc: Ob allerdings Deine Zweifel tatsächlich gerechtfertigt sind, kannst wohl nur Du selbst beurteilen.

Richymuc
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Re:

von Richymuc (22.02.2009, 19:10)
@ Mac

Keine Ahnung ob ich bei der Erziehung alles richtig mache?
Ich denke es ist wichtig, dass man viel mit seinen Kindern unternimmt, damit man im "Kontakt" bleibt.

Die gesunde Mischung aus Spaß, Unternehmungen, Sport, Strenge und Aufmerksamkeit lassen mich auf eine positive Entwicklung des Kindes hoffen.
Alkohol und Drogen können aber einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machen.

Schau mer mal.
LG Richard
www.richymuc.de

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noteingang
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Re:

von noteingang (22.02.2009, 21:43)
Ich glaube diese Angst haben viele Eltern, und oftmals kann man tuen und lassen, was man will, die Kinder entwickeln sich nicht so, wie man es gerne sähe.

Ginge es nach meinen Eltern, hätte ich Realschule gemacht und eine gute Ausbildung, sie waren von Abitur+Studium auch nicht überzeugt.

Heißt, es muss sich ja nicht nur negativ ungewollt entwickeln, es kann sich durchaus auch positiv ungewollt entwickeln.

Mein leider schon verstorbener Vater hätte nun gesagt, wozu hast du studiert, verdienst doch kaum mehr, als jemand ohne Studium und musstest 5 Jahre länger lernen.

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