Darf ein Thriller amüsante Szenen enthalten?

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Eduardo Freundlinger
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Darf ein Thriller amüsante Szenen enthalten?

von Eduardo Freundlinger (08.03.2009, 15:12)
Mein Thriller gleitet öfters etwas ins Ironisch-Satirische ab, ich kanns eben nicht lassen, obwohl ich weiβ, dass man damit bei einem Thriller vorsichtig sein muss. Aber das Leben ist auch so schon ernst genug. Übrigens eine Interessante Frage für das Forum: Darf ein Thriller/Krimi auch einige amüsante Passagen enthalten? :D :

Im folgenden Text unterhalten sich zwei Empfangsdamen über die mysteriösen Vorkommnisse in einem 5-Sterne Hotel.

»Was hältst Du von dem Ganzen?«, fragte Maite die schluchzende Belen und winkte einem Arbeitskollegen zu, der durch die Lobby schlenderte, als wäre er hier auf Urlaub. Aber Belen, die sensible Buchungssekretärin, stand immer noch unter Schock, seit sie heute Morgen von Elenas Tod erfahren hatte. »Ich weiß es nicht Maite. Ich will da jetzt auch nicht weiter darüber sprechen!«, erwiderte Belen, die kein besonders gutes Verhältnis zu ihr hatte, seit sie Maite vorwarf, für den Posten einer Empfangsdame zu Flittchenhaft zu sein. Belen wollte im Moment einfach nur heulen. Und sich verkriechen, denn sie hatte schreckliche Angst.

»Du willst nicht darüber reden …?«, wiederholte Maite und zog den Satz wie einen Kaugummi. »Hier sterben die Leute weg, als wäre das hier ein Atomreaktor mit einem Leck, so groß wie ein Scheunentor, und Du willst das einfach totschweigen?«
»Maite bitte …«
»Glaubst Du Alfonso, der Masseur, ist der Killer? Wenn man ihn mal genau betrachtet, sieht er doch Hannibal Lecter ziemlich ähnlich, oder etwa nicht?« Belen seufzte und ließ diese Bemerkung ihrer durchgeknallten Kollegin besser unkommentiert, vor allem weil es sich bei Alfonso um ihren Cousin handelte. Nicht einmal angesichts dieser Tragödie konnte sie ihren schwarzen Humor in Zaum halten, dachte sie. »Wo ist eigentlich Joana?«, fragte sie stattdessen, um vom Thema abzulenken.

»Die ist bei der Befragung der Guardia Civil. Stell Dir vor: Sie hat gestern Nacht einen grässlichen Schrei gehört. Sie ist sich zwar nicht ganz sicher, glaubt aber es könnte Elenas Schrei gewesen sein, als sie dort hinunterstürzte … oder wahrscheinlicher: hinuntergestoβen wurde.«

Belen wischte sich mit dem Ärmel über die Augen. Sie war hier in einem ruhigen Hotel in einer friedlichen Gegend angestellt, um einfache Büroarbeit zu verrichten und plötzlich befand sie sich inmitten einer dieser Thriller, die sie gerne las, und konnte durchaus zu den nächsten Opfern eines wahnsinnigen Serienkillers zählen. Und Maite tat auch weiterhin nicht gerade ihr Bestes um sie zu beruhigen: »Ich renn hier jedenfalls nur noch mit Pfefferspray durch die Gegend, das kann ich Dir versichern … hast Du übrigens auch einen?«

»Einen was? … du meine Güte, nein!«, sagte Belen, die sich seit zwei Monaten über ihr erstes Enkelkind freuen durfte. Maite nickte und brauchte nicht lange um eine Lösung für Belens Selbstverteidigungsproblem zu präsentieren: »Ein Tritt in die Eier hat oft die gleichen Auswirkungen! Aber zielsicherer als ein Tritt mit spitzen Schuhen ist das hier …« wandte sie ein und stellte sich vor die schniefende Belen. »Vor dem ersten Verdächtigen, der sich Dir in den Weg stellt, wirfst Du Dich auf die Knie und zwar in etwa so ...« erklärte sie und machte einen Karate-Ausfallschritt in Richtung Belen, die nur den Kopf schüttelte. »Dann machst Du eine Faust und schlägst genau zwischen … nun, wo die Dinger hängen, weißt Du ja wohl selber.« Meinte Maite und stoppte ihre Faust nur Zentimeter vor Belens Unterleib. Belen blickte aber nicht auf den perfekten Angriffspunkt, sondern in das Gesicht von Carlos, dem Hoteldirektor, der sich hinter Maite räusperte.

Wie gesagt, nur eine kurze Szene aus meinem Roman. Sie soll die ansonsten ernste Geschichte durch einen Charakter Namens Maite ein wenig auflockern ....

L.G
Eduardo Freundlinger
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Zuletzt geändert von Eduardo Freundlinger am 10.03.2009, 11:37, insgesamt 1-mal geändert.

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Sylvia B.
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Re:

von Sylvia B. (08.03.2009, 18:18)
cheezygrin
also, ich lese gerade Jacques Berndorf Eifel-Blues. Der Protagonist ist fürchterlich verhauen worden, kann nicht aus eigener Kraft zum Klöchen und seine Freundin überrascht ihn mit der Bettpfanne von der der Arme auch noch herunterkippt. Unglaublich. Und das Buch ist trotzdem spannend und gut zu lesen. Ich denke, es ist ein schmaler Grad, den ein Autor geht, aber er ist zu meistern. Man muss natürlich aufpassen, dass das Werk nicht zur Klamotte verkommt. Berndorf passt meisterlich auf.
Liebe Grüße
sylvia
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Sylvia B. ist Mitautorin in der Schriftstellergemeinschaft

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M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (08.03.2009, 18:41)
Warum sollte ein Thriller nicht auch lustig sein?
Ich denke, es geht vor allem um Tempo.
Und Ironie und Sarkasmus muss das Tempo ja nicht verlangsamen.

Ich würde auch nicht vorher fragen, was ein Thriller darf, sondern erstmal schreiben.
Und danach fragen: "Und nun? Na, was bist du denn geworden? Bist luschtig?"

cheezygrin

Gruß
Hakket

julia07
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Re:

von julia07 (08.03.2009, 22:35)
Also ich kann darin keinen Widerspruch finden - jedenfalls nicht, solange das Humoristische oder Satirische nicht den Thrill übertünscht.
Von einem Krimi, der auch noch das Etikett Thriller trägt, erwarte ich keine Komödie.

LG,
Julia

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Menschenfresser
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Re:

von Menschenfresser (08.03.2009, 22:45)
Meiner Meinung nach sollten Thriller sogar amüsante Stellen haben.
So kann sich der Leser kurz entspannen und kann sich danach wieder richtig reinsteigern. Durchgehende Spannung wird oft auch auf Dauer langweilig/anstrengend.

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Eduardo Freundlinger
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Sehr gut

von Eduardo Freundlinger (08.03.2009, 23:07)
4:0 - Ich danke Euch. Jetzt kann ich beruhigt schlafen gehen und von meinem halblustigen Thriller träumen :lol:

L.G Eduardo Freundlinger aus Spanien
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Tom
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Re:

von Tom (09.03.2009, 23:03)
Menschenfresser hat geschrieben:
Meiner Meinung nach sollten Thriller sogar amüsante Stellen haben.


Meiner Meinung nach auch. In den Originalausgaben von amerikanischen und kanadischen Schriftstellern findet man das sogar sehr häufig. Gerade der gekonnt eingesetzte Wechsel macht die oft Bücher aus. Leider neigt man in den deutschen Übersetzungen immer dazu die Werke so zu verstümmeln, dass vom Originalstil nichts mehr übrig bleibt. :twisted:

Es gibt einige Autoren, die ich wirklich nur noch im englischen Original lese, weil ich von den Übersetzungen mehr als enttäuscht war, während mich das Original total begeistert hat. Obwohl mein Englisch längst nicht perfekt ist, bietet das weitaus mehr Lesevergnügen, als die flachen, nichtssagenden deutschen Übersetzungen zu lesen. Wenn die Autoren wüssten, was die deutschen Verlage teilweise aus ihren Büchern machen... :twisted: thumbdown:
Neid ist eine häßliche, aber zumindest sehr aufrichtige Art der Anerkennung.

Viele Grüße vom Tom

Andreas Adlon
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Re:

von Andreas Adlon (08.02.2012, 10:46)
das Buch von Eduar Freundlinger verkauft sich gut. Rang 4319

http://www.amazon.de/Pata-Negra-Eduard- ... 335&sr=1-1

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