Analyse vs. Planung

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Conny
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Analyse vs. Planung

von Conny (07.04.2009, 23:02)
Hallo in die Runde!

Ich befand mich gerade auf der Suche nach Informationen zu einem Thread in der Schreibwerkstatt.
Als ich gerade meine Lektüre zum Handwerk des Schreibens duchblätterte, stellte sich mir eine Frage, die einerseits heiß diskutiert werden könnte, andererseits mich bereits öfter heimgesucht hat.


In vielen Büchern zum Thema Schreiben werden häufig Textbeispiele zur Hand genommen, um diverse Themen zu erklären. So habe ich in einem meiner Bücher zum Thema "Formen der Charakterisierung" beispielsweise folgendes gefunden:

"...Die Erzähler- Protagonisten charakterisieren sich dabei durch die Situation, in der sie sich befinden, durch ihre Sprache (= Ton und Diktation), durch Gedanken, Gefühle, Ziele und Absichten, durch Einstellungen und Verhalten, durch Manierismen, durch Inhalt und Form der Wahrnehmungen, aber natürlich auch durch Selbsteinschätzung und Selbstbeschreibung. ..."

Im Anschluß werden einige Bespiele, darunter Zitate von Max Frisch und Thomas Mann, aufgeführt, die den o.g. Absatz belegen sollen.

Und hier frage ich mich immer und immer wieder: Haben die Autoren ihre Ideen tatsächlich VORHER so auseinandergenommen? Haben sie diese Hilfsmittel BEWUSST eingesetzt?
Oder aber könnte es sein, dass sie, wie so viele bereits im Forum bekannt haben, einfach drauflos geschrieben haben? Ist ihr Text HINTERHER einfach ZUFÄLLIG so geworden, dass sich jeder die Finger danach leckt?

Ich stelle mal bewusst eine provokative Frage in den Raum: Könnte es also sein, dass manchen Autoren zuviel zugesprochen wird???

Nehmen wir doch mal das Beispiel mit dem Affen, dem man Pinsel und Farbe in die Hand gedrückt hat. Im Anschluss haben sich die Kritiker wer weiß was aus den Fingern gesogen, was der zweifelsfrei talentierte Maler mit seinem detailliert durchdachten Werk ausdrücken wollte. Da wurde über Pinselführung und Farbe diskutiert ... Es war eine Freude.

Wie also sieht es aus, wenn das Werk eines erfolgreichen Autors auseinander genommen wird?

Meine Meinung dazu: Ich denke, es gibt Autoren, die haben "es" einfach. Die schreiben drauflos und stellen hinterher fest, dass sie unbewusst alles richtig gemacht haben.
Doch ich bin auch der Meinung, dass diese Gabe selten ist, und man selbst spätestens beim Überarbeiten seines Manuskriptes feststellen wird, dass es noch ein weiter Weg nach "oben" ist.

Wie seht ihr das?

LG, Conny
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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (08.04.2009, 07:47)
Hallo Conny!

Ich meine, es gibt wahrscheinliche viele Autoren, die glauben, sie haben "es" einfach... und es könnte sein, dass ich mich da an die eigene Nase fassen muss. Auch wenn meine Leser zufrieden sind.

Allerdings glaube ich auch: egal ob geplant oder intuitiv, entwickeln die meisten Autoren mit der Zeit ein Bild der eigenen Hauptpersonen im Kopf und schlüpfen beim Schreiben in deren Rolle. Aus diesem Bild entwickeln sich Charakteristiken, die für den Leser unterscheidbar sind - wenn der Autor sie denn auch zu Papier bringt.

Ich habe es in einem Rollenspiel (am Tisch gespielt) mal erlebt, in dem ich abwechselnd die Rollen zweier Spielfiguren eingenommen habe. Der Spielleiter meinte später zu mir, er habe immer sofort gewusst, in welcher Rolle ich gerade agierte. Mir selbst war gar nicht bewusst gewesen, so gut in die Rolle geschlüpft zu sein.

Daraus leite ich ab: jeder ordentliche Autor, der sich darauf einlässt, sich in die eigene Story hineinvertieft, landet zwangsläufig bei einer Charakterisierung. Derjenige, der plant und/oder bewusst nachschärft, kriegt sie nur noch klarer hin.

(Die Schreiberlinge, die keinen geraden Satz hinkriegen, klammere ich dabei mal aus.)

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Bärentante
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Re:

von Bärentante (08.04.2009, 11:39)
Ein Thema, mit dem ich mich schon lange beschäftige. Bereits in der Schule hatte ich Probleme mit Interpretationen. Da beginnt z.B. ein Text mit: Über den blauen Himmel schwebte eine dicke Wolke ... Deuten sollte ich das laut Lehrkörper so, dass man bereits aus dieser Aussage den herannahenden Schicksalsschlag erahnen könne. Okay, das ist eine Möglichkeit. Aber wenn der Autor beim Schreiben gerade aus dem Fenster geschaut hat und da schwebte tatsächlich eine Wolke und er hat das nur - gedankenlos - als Einstieg benutzt? Meiner Meinung nach wurde immer zu viel aus Texten herausgezogen, gedeutet, was vielleicht gar nicht so gemeint, geplant oder gar beabsichtigt war.

Gelernt habe ich hier im Forum, dass ein fesselnder Text nicht mit dem Wetterbericht beginnen kann. Das ist für meine Person absolut zutreffend, wie viele Bücher lese ich erst ab dem zweiten Absatz. Andere Leser mögen aber einen ruhigen Anfang, um sich erst einmal aus der Realität in die Buch-/Fantasiewelt zu begeben. Also reine Geschmacksache. Und über Geschmack kann man ja bekanntlich nicht streiten.

Meiner Meinung nach sind viele theoretischen Aussagen zu Texten nachträglich erst erkannt und analysiert worden. Aber das ist ein Thema, über das man ganz sicher Stunde über Stunde diskutieren oder streiten könnte. :wink:
Liebe Grüße
Christel

Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (08.04.2009, 11:57)
Aus dem Lautsprecher krächzte eine monotone Stimme:"Wind aus Ost-Süd-Ost, zunehmend, Stärke 8, diesige Sicht."
Immer heftiger schlug die Gischt auf das Vordeck, und die "Astoria" tauchte von Mal zu Mal tiefer mit ihrem Bug ein.
Clark kaute nervös auf dem Zigarrenstummel in seinem Mund herum. Würde der Wind wirklich noch mehr zunehmen, und darin bestand kein Zweifel, ...
:wink:

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Judith
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Re:

von Judith (08.04.2009, 12:18)
Klaus, was willst du uns in diesem Zusammenhang sagen? :roll:

Ich denke auch, dass sehr oft zu viel interpretiert wird. Kürzlich hatte ich ein Treffen mit ehemaligen Schülern von mir, da war eine in Tanzausbildung dabei. Im Tanz ist es offensichtlich oft genauso: Der Choreograph macht irgendwas und lässt die Tänzer ständig in die Ecke schauen, weil das gut und interessant wirkt, nachher im Programmheft steht irgendwas Hochgeistiges und der Choreograph wusste gar nicht, dass er ein so hochintelligentes und gar gesellschaftkritisches Werk geschaffen hat. :wink: :P

Grüßle,
Judith
Du willst mehr wissen? Bitte hier - meine Website.

Markus

Re:

von Markus (08.04.2009, 12:29)
Judith hat geschrieben:
Ich denke auch, dass sehr oft zu viel interpretiert wird.
Grüßle,
Judith


thumbbup thumbbup thumbbup

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AmberStuart
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Re:

von AmberStuart (08.04.2009, 12:36)
Ich denke, zuerst wird ein Autor (gewollt oder ungewollt) schwanger.
Er überlegt, welche Eigenschaften sein ungeborenes Kind später haben könnte.
Gut, böse? Nett, fies? Zerrissen, gefestigt? Intelligent, einfach gestrickt?
Ist das Kind endlich geboren, steckt man es in ein Umfeld, bestimmt seinen Umgang, lässt es HANDELN, und erst dann werden Haupt- und Nebenfiguren Worte in den Mund gelegt.
Aber wie Kinder nun mal sind, handeln sie schnell eigenständig, halten sich nicht an vorgegebene Regeln, sprengen alte Werte und drehen ihr eigenes Ding. Und das ist gut so. :-)

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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (08.04.2009, 12:36)
Judith hat geschrieben:
Klaus, was willst du uns in diesem Zusammenhang sagen? :roll:

Dass man mit Wetter anfangen kann? cool5

Clarks Charakter kommt noch nicht so richtig zur Geltung...

Mac

Re:

von Mac (08.04.2009, 13:12)
Hi

meine Meinung dazu: Wer viel, viel gute Literatur liest, eignet sich mit der Zeit bestimmte Stilmittel quasi automatisch an. Dann bekommt man eines dieser Bücher in die Finger, von denen Conny spricht, wo auch oft drinsteht, wer was wie toll gemacht hat. Wenn man seiner Muttersprache genügend mächtig ist, wird man viel Neues entdecken, denn man lernt nie aus. Und wer viele Jahre lang liest und schreibt, in dessen Werke kann man vieles im Nachhinein hineininterpretieren. Aber:

Man bedenke, dass gute Ratgeber für angehende Autoren in der Regel das Handwerkszeug vermitteln wollen, das man neben dem "Gefühl" für Spannung, Sprache usw. unabdingbar haben muss. Was nutzt die beste Idee, wenn man nicht das Werkzeug hat, sie in die Tat umzusetzen? Nichts. Versucht man es trotzdem, kommt immer etwas anderes als das heraus, was man vorher als Idee hatte. Dem ein oder anderen mag dann noch etwas gelingen, dessen er sich nicht schämen muss. Vieles aber wird - und das erkennt man, wenn man ehrlich zu sich selber ist und sein Werk betrachtet - nicht so, wie man es eigentlich haben wollte. Beim Lesen dieser Ratgeber stolpert man dann auch schon einmal über Passagen, die einem klar machen, dass man dieses oder jenes Stilmittel verwendet, ohne es bewusst aus dem Fundes der Werkzeugkiste genommen zu haben. Gleichzeitig findet man immer wieder Neues, das einen näher an die Verwirklichung der eigenen Ideen bringt - gutes Werkzeug eben.

Quintessenz: Mag auch das ein oder andere Element in die Potenz eines Autors hineininterpretiert werden, was er nicht so besessen oder gewollt haben mag - ohne solides Handwerkszeug wären die Großen keine solchen geworden. Und wenn etwas in einer Arbeit drinsteckt, dann ist es unerheblich, ob der Erschaffer das genauso bewusst beabsichtigt hat oder ob wir uns fragen, ob es nur Interpretation ist. Es steckt drin, und das ist wichtig.

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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (08.04.2009, 13:19)
Hi Dirk,
ich stimme voll zu.
Das große Problem der Ratgeber ist: Das Handwerk ist die eine Hälfte eines guten Buchs, die andere ist der Inhalt. Dazu braucht es Inspiration, Sprachgefühl und das "gewisse Etwas". Und die stehen nicht in den Anleitungen.

Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (08.04.2009, 14:06)
Valerie hat geschrieben:
"Clarks Charakter kommt noch nicht so richtig zur Geltung..."

Warum sollte er auch. Ich werde Clark eh ersaufen lassen. Er taugt nix, ist nicht belastbar, der Kerl, und für den weiteren Verlauf der Geschichte erst einmal entbehrlich. Er dient nur dazu, den Kahn absaufen zu lassen. Ich lasse ihn also erst einmal verschwinden. Falls ich ihn noch einmal brauche, lasse ich mir die Option offen, dass er das Ganze womöglich doch überlebt hat. Ein Trumpf im Ärmel, beim Weiterschreiben, beim Entwickeln weiterer Phantasien. Lasse ich mir diese Option nicht offen, und halte mich fest an irgend ein Konzept, könnte das vielleicht den Tod der ganzen Geschichte bedeuten.

Will meinen, es ist doch auch die Faszination des Spiels mit all diesen Prots. Du schlüpfst von einer Rolle in die andere, hast sogar die Möglichkeit sie mirnixdirnix wieder verschwinden zu lassen, wenn sie dir unbequem werden. Eine Leiche mehr im Krimi z.B. macht die ganze Sache eh noch interessanter.
Du kannst noch so sehr an einem Konzept feilen, vorarbeiten, bis ins Detail vorplanen, hast dann aber eine immer noch tote Materie, die du erst noch mit Leben füllen willst. Und mittendrin, beim Schreiben, ganz plötzlich, geht es auf einmal nicht mehr weiter. Dann gehst du meist auf Fehlersuche, und wo suchst du dann: in der toten Materie. Anstatt deiner Fantasy in dem Augenblick freien Lauf zu lassen, wo sie gefordert ist, begibst du dich auf Fehlersuche, findest nach einiger Zeit auch etwas, und darfst dann die ganze Geschichte umschreiben. Ein Horror, nicht wahr? Natürlich recherchiere ich vorher, und naturlich stelle ich ein Konzept auf, aber die Kunst besteht auch darin, Flexibilität zu zeigen.
Erst mal bis hier, muss jetzt mal was essen.
Gruß von
Klaus

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Siegfried
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Re: Analyse vs. Planung

von Siegfried (08.04.2009, 18:17)
Conny hat geschrieben:
Und hier frage ich mich immer und immer wieder: Haben die Autoren ihre Ideen tatsächlich VORHER so auseinandergenommen? Haben sie diese Hilfsmittel BEWUSST eingesetzt?
Oder aber könnte es sein, dass sie, wie so viele bereits im Forum bekannt haben, einfach drauflos geschrieben haben? Ist ihr Text HINTERHER einfach ZUFÄLLIG so geworden, dass sich jeder die Finger danach leckt?


Es gibt Autoren, die so etwas machen. Und die haben meine uneingeschränkte Hochachtung.

Ich kam letztes Wochenende in den Genuss (anders mag ich es wirklich nicht bezeichnen) einer detaillierten Film-Analyse des Western-Klassikers "Spiel mir das Lied vom Tod". Da haben Filmkritiker, aber auch einer der Drehbuchautoren jede einzelne Szene des Films auseinander genommen - und mir haben die Ohren geklingelt, wie exakt und detailversessen da bereits beim Schreiben des Drehbuches Motive, Anspielungen und Zitate ganz bewusst eingebaut wurden. Ich habe den Kommentaren gelauscht und mir gedacht: "Meine Güte, wie intensiv und genau haben die Leute ihre Geschichte geplant und durchdacht!"

Für mich war das, als ob da jemand eine Tür aufgemacht hat und mich hat zuschauen lassen, wohin man kommen kann, wenn man seine Geschichte wirklich konsequent durchdenkt.

Die Frage ist für mich daher nicht, ob es Leute gibt, die ihre Geschichten wirklich so aufbauen mit Hinweisen, Anspielungen usw., sondern ob es überhaupt Leute gibt, die diese Dinge in der Geschichte erkennen können.

Zumindest beim genannten Film bin ich seit ein paar Tagen um ein Vielfaches schlauer - auch was die Möglichkeiten des Machbaren angeht.

LG
Siegfried
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JessM
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Re: Analyse vs. Planung

von JessM (08.04.2009, 19:16)
Siegfried hat geschrieben:
Die Frage ist für mich daher nicht, ob es Leute gibt, die ihre Geschichten wirklich so aufbauen mit Hinweisen, Anspielungen usw., sondern ob es überhaupt Leute gibt, die diese Dinge in der Geschichte erkennen können.

Zumindest beim genannten Film bin ich seit ein paar Tagen um ein Vielfaches schlauer - auch was die Möglichkeiten des Machbaren angeht.

LG
Siegfried


Ich muss gestehen, ich bin jemand, der manches Mal gerne Filme auseinander nimmt. Der zieht sich dann an Details auf, da würde der Zuschauer nicht daran denken.

Aber ich denke, dazu muss man auch in der Stimmung sein und sich wirklich für das Genre interessieren.
Denn wer sich da auskennt oder Interesse hat, sieht einen Film oder auch ein Buch mit anderen Augen.
Nicht immer, aber manchmal. angle:
Da wird dann auf Kamera, Musikeinspielung, Text, Gestik, Hintergrund etc. alles geachtet.

Außerdem muss ich gestehen, ist es indirekt auch immer eine sehr gute Übung für sich selber, Filme und Bücher manches Mal anders zu betrachten.
Mir persönlich hilft es unter anderem meine Geschichten dann auch auf distanzierter Wiese zu betrachten.
Hinweise zu untersuchen, meine Anspielungen zu prüfen.

Auch wenn der Leser/Zuschauer vieles bewusst überliest/sieht, sein Unterbewusstsein bekommt es doch mit und zurück bleibt dann ein seltsames Gefühl nach der Art: War da was?

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Valerie J. Long
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Re: Analyse vs. Planung

von Valerie J. Long (08.04.2009, 19:54)
Siegfried hat geschrieben:
Die Frage ist für mich daher nicht, ob es Leute gibt, die ihre Geschichten wirklich so aufbauen mit Hinweisen, Anspielungen usw., sondern ob es überhaupt Leute gibt, die diese Dinge in der Geschichte erkennen können.

Und wenn es nicht so ist? Die vielzitierten "Perlen vor die Säue"?
Welcher Aufwand lohnt sich bei Unterhaltungsliteratur? Ich meine, ich habe bewusst eine Menge Anspielungen, manchmal auch versteckte Gesellschaftskritik in mein Werk eingebaut - ich bezweifle stark, dass meine Leser das alles mitkriegen.

Mit "Spiel mir das Lied vom Tod" will ich mich lieber nicht vergleichen. Das ist eine eigene Kategorie.
Nach deiner Bemerkung muss ich mir den Film eigentlich nochmal mit den Kommentaren anschauen.

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Conny
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Re: Analyse vs. Planung

von Conny (08.04.2009, 22:21)
Siegfried hat geschrieben:
Die Frage ist für mich daher nicht, ob es Leute gibt, die ihre Geschichten wirklich so aufbauen mit Hinweisen, Anspielungen usw., sondern ob es überhaupt Leute gibt, die diese Dinge in der Geschichte erkennen können.

LG
Siegfried


Genau das ist der Punkt, der in meinem Buch zum Thema Schreiben in mehrere Kategorien aufgeteilt wird.
Da gibt es den "Freizeitleser", der wohl häufigste unter der geneigten Leserschaft. Das sind die Menschen, die ein Buch einfach nur lesen, anschließend sagen können "gefällt" oder "gefällt nicht" und sich durch das Lesen aus der Realität flüchten.
Der Personenkreis, der die Dinge in der Geschichte erkennen kann, wird, wenn ich mich recht erinnere, bereits unter der Kategorie "Kritiker" verbucht.

Eines steht jedenfalls fest: Beschäftigt man sich mit dem Schreiben als Handwerk, liest man auch anders. Bei mir ist es so. Plötzlich fallen mir Stilmittel auf, ich definiere den narrativen Haken, analysiere Cliffhanger ... - und das ist auch gut so!
Ob der Autor es nun beabsichtigt hat oder nicht ...

LG, Conny
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