Heftigkeit der Geschichte

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Ilo70
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Heftigkeit der Geschichte

von Ilo70 (29.04.2009, 05:54)
Hi Ihr Lieben,

mein Buch habe ich im Kopf und der Anfang ist gemacht.
Aber was mir noch immer im Kopf herum schwirrt ist die Frage,

wie heftig darf ein gutes Buch sein?


Dazu eine Szene, als sie noch ganz klein ist.
Ihr soziopathsicer Vater erzieht sie wie gesagt allein und ich möchte in der Story auf das Thema hinaus: "Vorwerfbarkeit des Verhaltens setzt voraus, dass der Täter sich anders hätte entscheiden können".

Hier noch eine der heftigeren Szenen:

sorry..... ich habe einen Rüffel bekommen und muss es raus nehmen!

[/b]

Ich bin mal gespannt ob hier jetzt allgemeine Übelkeit und Empörung entgegenschlägt oder was es überhaupt bewirkt. Vielleicht ist das wirklich zu heftig.

Liebe Grüße

Ilo
Zuletzt geändert von Ilo70 am 29.04.2009, 14:56, insgesamt 2-mal geändert.

LOFI

Re:

von LOFI (29.04.2009, 09:48)
Hi,

zwiegespalten seh ich dies.

Zum einen könnte die Story eine psychologisch sehr interessante Geschichte werden, quasi eine Biographie einer Serienkillerin.
Zum anderen weiß ich nicht, ob es dazu nötig wäre, solche Splattereinlagen zu fabrizieren. Natürlich kannst du es tun, aber ich würde dies nur insoweit machen (persönliche Meinung), wie es zur Beschreibung der Persönlichkeit der Protagonistin passt. Für mich ist der Kontrast der eigentlichen Geschichte zu solchen Detailiert-Darstellungen zu groß. Wenngleich es sich auch so zutragen könnte, würde ich weniger Splatter, als mehr die Empfindungen der Person bei ihren Taten beschreiben - m.a.W. solche Extremszenen im Zusammenhang mit der Persönlichkeitsentwicklung der Hauptfigur können natürlich unterstreichend wirken, aber ich würde dies sehr dosiert einsetzen.

VG

Lofi

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Ilo70
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Re:

von Ilo70 (29.04.2009, 10:08)
Danke dir für deine Meinung.

Es wird nicht wimmeln von solchen Szenen, das mal vorweg. Dennoch ist diese Szene wichtig, das erklärt sich aber aus dem vorab erzählten in der Story.

Meine Intension ist, zu beschreiben, dass ein Kind - moment Luft holen - in gewisser Hinsicht auch soziopathisch ist. Es muss lernen was gesellschaftlich und sozial geschehen muss um sich eingliedern zu können.
Von Natur aus sind Kinder oftmals sehr unsensibel was das Mitfühlen angeht. Natürlich nicht alle und prinzipiell aber Kinder können grausam sein. Meine Idee geht noch einen Schritt weiter. Sie wird von einem Soziopathen aufgezogen, der sie emotional und Bindungstechnisch von einer gesunden Prägung abhält. Er konfrontiert sie von klein an mit, für uns unglaublich heftigen Reizen. Ihr wird nicht gesagt, dass es sich nicht gehört einer Schildkröte den Kopf abzubeißen, oder einen Fisch zu fangen und ihm das Auge heraus zu puhlen. Eklig oder? ABer Kinder tun das und in der Regel stellen sie irgendwann an der Reaktion ihrer Umwelt fest, dass es sich nicht schickt so etwas zu tun. Es gehört sich nicht.
Daraus erwächst der emotionale Bezug zu einer Sache, der eben nicht prinzipiell oder von Natur aus da sein muss. Daraus erwächst das Gewissen, die Moral und das soziale Empfinden.

Ich möchte beschreiben was geschieht, wenn man dieses Kind nicht erzieht -nicht diesbezüglich. Wenn ein Kind mehr oder weniger aus seinen kindlich normalen Expermimenten ohne große Emotionen nicht heraus wächst. Mehr noch, wenn es dort hin gedrängt wird, gefördert wird.
Nicht weil das ein bewusster Plan vom Vater wäre, nein, sondern weil er selbst emotional unterentwickelt ist.

Dazu gehört auch diese Szene, leider auch mit viel Blut.
Die Geschichte selbst aber wird im Großen und Ganzen mit dem Thema Empfindungen, emotionale Innenwelt gefüllt werden. Nicht mit Splatterszenen.
Ich wollte nur wissen ob man an der ein oder anderen Stelle so deutlich werden kann und ob die Thematik nicht ansich zu heftig ist.

Ganz liebe Grüße

Ilo
Zuletzt geändert von Ilo70 am 29.04.2009, 10:34, insgesamt 2-mal geändert.

LOFI

Re:

von LOFI (29.04.2009, 10:15)
Ilo70 hat geschrieben:
Ich wollte nur wissen ob man an der ein oder anderen Stelle so deutlich werden kann und ob die Thematik nicht ansich zu heftig ist.


Diese Thematik ansich ist zwar heftig, aber wenn es passt, ist es nunmal so. Es gibt gute Geschichten, wo sich auch solche Szenen abspielen, die aber dann zur Verdeutlichung einer Hintergrundsache dienen. Manche Dinge im Leben sind nunmal heftig. Von daher sehe ich keine Bedenken, so wie du es vor hast. Wie gesagt, die Dosierung machts. Das Eigentliche der Story sollte für meine Begriffe nicht zu sehr mit Gewaltdarstellungen übertüncht werden. Das ist dann eben die Kunst das so einzusetzen, dass es wie von dir gewünscht rüberkommt. Aber mach mal, und vor allem, betrachte die Geschichte abschnittsweise hinterher mit Abstand (gerade bei psychologischen Stories sehr wichtig) und überlege beim nachträglichen Lesen, ob es so passt, wie du es dir wünschst.
Und lege es einmal Fremden vor und frage sie, wie sie es empfinden.

Vg

Lofi
Zuletzt geändert von LOFI am 29.04.2009, 11:18, insgesamt 1-mal geändert.

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Ilo70
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Re:

von Ilo70 (29.04.2009, 10:22)
Danke dir Lofi,

man hat mir geraten erst einmal das Grundkonstrukt dieser Geschichte zu schreiben und mir dann Gedanken über die Fülldetails zu machen. Es hat den Vorteil, dass die Idee der Geschichte nicht verloren geht oder entgleitet. Und ich habe dann die Ruhe mich im Detail auslassen zu können ohne, dass man einen Faden verlieren würde.

Wenn ich soweit bin, dann stelle ich hier mal eine Leseprobe ein, etwas mehr als jetzt und bin dann mal gespannt was dabei herum kommt.
Auch dem ein oder anderen Freund werde ich es zum Lesen anbieten, denn du hast absolut Recht. Es darf nicht nur in meinem Kopf verständlich und logisch sein, sondern die Kunst ist es ja, einen logischen und annehmbaren Zusammenhang und sei er noch so künstlich dem Leser vermitteln zu können. Man muss eine Geschichte glauben, nach empfinden können.

Da gebe ich dir Recht.

Nun, drück mal die Daumen, dass es gelingen wird.

Ganz liebe Grüße

Ilo

LOFI

Re:

von LOFI (29.04.2009, 10:30)
Ilo70 hat geschrieben:
Danke dir Lofi,

man hat mir geraten erst einmal das Grundkonstrukt dieser Geschichte zu schreiben und mir dann Gedanken über die Fülldetails zu machen.


Genau, das ist auch mein Rezept. Ich plotte per Mindmapping. Mein Whiteboard ist permanent überfüllt. Beim Plotten sollte man nur darauf achten, Notausgänge zu schaffen, sprich die Grundstruktur fließend zu gestalten, um sich neue Ideen, die kommen könnten (und die kommen öfter beim Schreiben selbst, als man denkt, da das bereits Geschriebene dazu animiert), nicht zu verbauen.

Ilo70 hat geschrieben:
Es darf nicht nur in meinem Kopf verständlich und logisch sein, sondern die Kunst ist es ja, einen logischen und annehmbaren Zusammenhang und sei er noch so künstlich dem Leser vermitteln zu können. Man muss eine Geschichte glauben, nach empfinden können.


Absolut richtig. Dabei sollte man sich grundsätzlich von der Idee verabschieden, dass andere Leser die eigene Story genauso bildlich im Kopf haben, wie man selbst. Aus den Meinungen verschiedener Leute kannst du dann ungefähr ablesen, ob es so rüber kommt, wie du möchtest. Das muss ja nicht zwangsweise so sein, aber missverstanden möchte man die Geschichte ja auch nicht wissen.


VG

Lofi

und nun ran ans Werk. thumbbup

Mac

Re:

von Mac (29.04.2009, 10:31)
Hi

hab lange überlegt, ob ich meine Gedanken hierzu kundtun soll.

Letztendlich überwiegt bei mir die Auffassung, dass man mit einem halben Satz wie etwa: "weil ihr Vater sie schon als Baby beim Schlachten der Tiere hatte zusehen lassen"... genauso viel erklärt hätte.
Ich finde, es ist nicht nötig, dem Leser die Phantasie abzusprechen. Weniger ist meistens mehr, und jeder Leser kann sich dann sein eigenes Maß an Ekel vorstellen, bis zu dem er gehen will, bevor er das Buch angewidert schließt und abhakt, weil er das, was er liest, nicht in dieser Heftigkeit seinem Kopf haben will..

All das ist natürlich unabhängig von Schreibkunst, Wortwahl, Rechtschreibung usw.

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Re:

von Ilo70 (29.04.2009, 10:44)
Hi Dirk,

klar ist das eine Meinung, die man dazu haben kann. Und ich respektiere sie. Allerdings würde das, wäre es eine allgemeingültige Konsequenz viele, viele sehr gute Bücher vom Markt pusten, die sehr wohl so ins Detail gehen und viele Menschen unterhalten haben und unterhalten.
Es wird sein wie mit vielen anderen Büchern auch - der eine schleudert es in die Ecke und hebt es mit zwei Fingern wieder auf um es in den Müll zu werfen. Der andere verschlingt es im positiven Fall, also dann wenn es wirklich gelungen ist.

Ach und meine Rechtschreibung ... ich weiß, ich kenne mein Manko.
Aber auch da hat man mir Mut zu gesprochen und mir gesagt, dass es nicht wichtig ist oder sagen wir reparabel, wenn man nicht mit Buchstaben umgehen kann als Autor. Weniger reparabel ist es, nicht mit dem Wort umgehen zu können. Und eine Katastrophe, wenn man einen schlechten Bezug zur Sprache hat. smart2

Danke auch dir für deine Meinung!

Ganz liebe Grüße

Ilo

Dozen-Roses

Re: Heftigkeit der Geschichte

von Dozen-Roses (29.04.2009, 10:51)
blink3
Zuletzt geändert von Dozen-Roses am 06.05.2009, 13:45, insgesamt 1-mal geändert.

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Re:

von Ilo70 (29.04.2009, 10:54)
Huch?!

Wie meinste denn das?

Du kannst den Teil nicht lesen, den ich eingestellt habe?
Oder du kannst es nicht lesen weil nicht mehr da steht?

:roll:

Dozen-Roses

Re:

von Dozen-Roses (29.04.2009, 10:56)
blink3
Zuletzt geändert von Dozen-Roses am 06.05.2009, 13:45, insgesamt 1-mal geändert.

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Re:

von Ilo70 (29.04.2009, 11:00)
Hi Dozen-Roses,

dann versuchs auch nicht weiter! zwinker::

Ganz liebe Grüße

Ilo

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Klärus
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Re:

von Klärus (29.04.2009, 11:13)
Ich kanns auch nicht weiterlesen, weil ich es nicht ertrage.
Wünsche einen sonnenreichen Tag Ilo
in deinem Herzen und um dich herum.
Klärus
E i g e n t l i c h bin ich ganz anders - ich komme nur selten dazu
www.rolandstickel.de
http://www.youtube.com/watch?v=tkdlE9TdugA
http://www.pinnwand4u.de/klaerus/

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Ilo70
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Re:

von Ilo70 (29.04.2009, 11:16)
Hallo Klärus,

auch dir, dann lass es lieber. :wink:

Es ist auch zugegebener Maßen sehr hart die Szene aus der Umgebung der Geschichte zu reißen und so natürlich wirklich noch einmal härter, als wenn man "sie kommen sehen kann".
Aber ich habe hier schon mal ein Feedback und das ist sehr gut für mich.

Danke euch!

Liebe Grüße

Ilo

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Bärentante
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Re:

von Bärentante (29.04.2009, 11:27)
Sicher, die Szene ist heftig. Ich bin sehr tierlieb und lese keine "blutigen" Bücher, aber mir gefällt die Szene, also für das Verständnis der folgenden Ereignisse.

Nicht ganz nachvollziehen kann ich, warum der Vater von Beruf Pfarrer sein muss und warum Du in einem öffentlichen Forum so großzügig die Inhaltsangabe einstellst.
Liebe Grüße
Christel

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