Wie komme ich in dein Herz?

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Benni125
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Wie komme ich in dein Herz?

von Benni125 (02.06.2009, 15:01)
Kritik ist mehr als erwünscht. ^^

Wie komme ich in dein Herz?

Ich habe Blumen für dich gekauft. Ich war am Bahnhof, um dich ab zu holen.
Ich habe im Café diese kleinen Zuckerpäckchen für dich gestohlen.
Ja. Lange haben wir dort gesessen.
Um uns herum zogen alle lange Fressen,
aber wir? Wir haben nur gelacht. Gedacht,
es sei besser, wenn man nicht auf wacht.
Wach auf! Ich bitte dich.
Ich frage mich... Ich fragte dich,
nur so im Scherz:
„Wie komme ich in dein Herz?“
Es tat weh,
doch erst im Nachhinein.
Du sagtest weder „Ja.“, noch „Nein.“
Du sagtest gar nichts. Wolltest nur noch einen Kaffee.

Am nächsten Tag hast du mich dann besucht
und laut geflucht,
ob des schlechten Wetters und der nassen Kleidung, die du trugst.
Neue habe ich dir gesucht,
dir dann ein Bad eingelassen
und dich dann allein gelassen.
Danach habe ich mich auf die weiße Couch gesetzt
und mich dann furchtbar mit mir selbst gefetzt,
doch ohne selbst das Streitthema zu kennen.
Und irgendwann,
kamen mir die Tränen
dann.
Doch du warst schon fertig und fragtest mich, was los nur mit mir sei.
„Ach nichts. Nur so ein Fisimatent,
wie es jeder von sich selber kennt.“
Durch meinen Kopf schwirrte immer wieder dieser Vers:
'Wie komme ich in dein Herz?'

Am Abend haben wir Musik gehört,
Softrock, du wolltest es und mich hat's nicht gestört.
Und wir hörten und tanzten, und saßen und sprachen kein Wort
und hörten, und saßen und tanzten und sprachen Wort um Wort.
Immer mehr und mehr. Es brach aus dir raus,
du hörtest gar nicht mehr auf.
Du liebst IHN und weißt nicht ob er dich.
Ich gab zurück: „Sicherlich, sicherlich.“
Bei dieser Frage durchzuckte mich einen Stechen mit Millionen Hertz.
Du fragtest: „Wie komme ich in SEIN Herz?“
Ich antwortete nicht. Fragten nur
laut und stur:

„Komme ich jemals in DEIN Herz?“

Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (04.06.2009, 11:35)
Hallo benni,
ein mutiges Gedicht, hilflos gegenüber der nicht erwiderten Liebe, denke ich mal.
Und irgendwie gefällt es mir.
Vielleicht solltest du etwas kürzen.
Will meinen:
Je mehr du weglässt, um so mehr reizt du die Phantasie der LeserInnen. Eigenes Erlebtes taucht in Form von Bildern auf , oder Vergleiche mit Freunden, Bekannten, manchmal sogar Erkenntnis oder Selbsterkenntnis.
Je länger du die Zeilen werden lässt um so mehr verschwimmen die Bilder, werden zu einer eigenständigen Erzählung. So würde aus einem Prosagedicht, was es ja eigentlich sein soll, reine Prosa, also eine melodische Geschichte, die du aber ohne weiteres auch in einem durch schreiben könntest.
Mit anderen Worten:
Stell dir eine lange Wellenlinie vor, mit immer gleich hohen Wellen.
Und jetzt stell dir eine kurze Wellenlinie vor mit unterschiedlich hohen Wellenspitzen.
Welche würde bei dir mehr Aufmerksamkeit hervorrufen?


Beispiele:


Wie komme ich in dein Herz?

Ich habe Blumen für dich gekauft. Ich war am Bahnhof, um dich ab zu holen.
Ich habe im Café diese kleinen Zuckerpäckchen für dich gestohlen.
(dreimal Ich - für ein Gedicht vielleicht nicht unüblich. Aber der lange Rattenschwanz, der da dranhängt, macht das Ganze zu einer Litanei)
(Ich habe Blumen gekauft
war am Bahnhof, um dich abzuholen
hab' im Cafe diese kleinen Zuckerpäckchen
extra für dich gestohlen)

Ja. Lange haben wir dort gesessen.
Um uns herum zogen alle lange Fressen,
aber wir? Wir haben nur gelacht. Gedacht,
es sei besser, wenn man nicht auf wacht.
(Haben lange dort gesessen.
Um uns herum nur diese langen Fressen
Doch wir, wir haben nur gelacht. Gedacht
Besser, wenn man nicht aufwacht)

Wach auf! Ich bitte dich.
Ich frage mich... Ich fragte dich,
nur so im Scherz:
„Wie komme ich (nur) in dein Herz?“

Es tat weh,
doch erst im Nachhinein.
Du sagtest weder „Ja.“, noch „Nein.“
Du sagtest gar nichts. Wolltest nur noch einen Kaffee.
(Du sagtest gar nichts.Weder ja noch nein.
Wolltest nur
noch einen Kaffee
Im Nachhinein:
Das tat schon weh)

Am nächsten Tag hast du mich dann besucht
und laut geflucht,
ob des schlechten Wetters und der nassen Kleidung, die du trugst.
Neue habe ich dir gesucht,
dir dann ein Bad eingelassen
und dich dann allein gelassen.
(Am nächsten Tag dann
hast du mich besucht, geflucht
Schlechtes Wetter, nasse Kleidung
Neue hab' ich dir gesucht
und ein Bad dir eingelassen
und dich dann
allein gelassen)

Danach habe ich mich auf die weiße Couch gesetzt
und mich dann furchtbar mit mir selbst gefetzt,
doch ohne selbst das Streitthema zu kennen.
Und irgendwann,
kamen mir die Tränen
dann.
(Danach mich auf die weiße Couch gesetzt
mich furchtbar
mit mir selbst gefetzt
Und irgendwann
kamen die Tränen)

Bis hierher. Hoffe, ich habe dich jetzt nicht zu sehr geschockt. Aber du hast ausdrücklich nach Kritik gefragt. Andere sehen dein Gedicht vielleicht ganz anders. Mal sehen, ob sich da noch jemand zu Wort meldet. Ich habe es jedenfalls gern gelesen und mich auch gern damit beschäftigt.
Gruß von
Klaus

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (04.06.2009, 11:40)
Ich finde es inhaltlich ansprechend - auch Details wie die kleinen Zuckerpäckchen im Café zu stehlen; allerdings ist es mir persönlich zu sehr Prosa ...

LG, Babs

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Benni125
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Re:

von Benni125 (04.06.2009, 19:21)
Danke schon mal an alle, die das Gedicht gelesen haben.
Zur Form:

Ich persönlich fand diese Prosaform sehr interessant (Inspiriert durch das Gedicht: Eine nüchterne Romanze)

Sie hat etwas sehr Erzählendes. Das finde ich sehr ansprechend. Das Ganze bekommt dadurch so etwas Monologhaftes. Egal. Da denkt jeder anders drüber.
Außerdem ist es ein Gedicht, dass wohl eher vorgetragen werden muss. Wenn man es laut liest bekommt es eine ganz andere Wirkung.
@Klaus:
Einige deiner Verbesserungsvorschläge finde ich sehr gut. Ich werde es mir noch einmal genauer anschauen. Vielen Dank dafür.

Liebe Grüße
Benni

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (05.06.2009, 10:58)
Hi benni!

"Ich persönlich fand diese Prosaform sehr interessant (Inspiriert durch das Gedicht: Eine nüchterne Romanze) "

Das Gedicht kenne ich leider nicht, klingt aber interessant ...
ja, vielleicht es mir persönlich vorgetragen gar nicht mehr zu "prosalastig" (Ich mag die frei Form oft, bin aber zugebenermaßen auch ein Freund kurzer Gedichte ...)

Bin gespannt, was du als Nächstes für uns auf Lager hast! :wink:

B.

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Benni125
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Re:

von Benni125 (06.06.2009, 00:05)
da kannst du dich aber anschnallen *lach*

Gruß Benni

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Benni125
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Re:

von Benni125 (21.06.2009, 18:24)
Dieser Text brachte mir den 4. Platz beim Poetry Slam in Eisenach ein. *freu* ...

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (21.06.2009, 19:00)
Ja super, Geilomat!

Herzlichen Glückwunsch!

Ich freu mich für dich und wünsch dir viel Inspiration ...

Babs thumbbup

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