Ein Leben in Abhängigkeit

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Rita Hajak

Ein Leben in Abhängigkeit

von Rita Hajak (09.06.2009, 12:30)
(Eine wahre Geschichte aus dem Verwandtenkreis)

Margot hält ihre vier Monate alte Enkelin im Arm und wiegt sie hin und her. Sie ist ein unruhiges Kind. Auf dem Arm ihrer Mutter schreit sie, auf Margots Arm schläft sie schließlich ein.

Bilder aus ihrer Jugendzeit steigen in Margot auf. Sie denkt an ihre Mutter, die längst gestorben ist. Die Trauer nimmt kein Ende. Mutter war die Einzige, die ihr Halt und Trost gegeben hatte. Oder hätte sie sie besser in die Welt schubsen sollen?
Wie oft hatte Margot geweint, wenn sie im ersten Lehrjahr als Verkäuferin, statt hinter dem Tresen zu stehen, im Keller die Kartoffeln sortieren musste.
Das kleine vergitterte Fenster in dem kalten, unfreundlichen Kellerraum, gab einen winzigen Blick nach draußen frei. Sie beobachtete sehnsüchtig die Beine der Menschen, die daran vorüberhasteten.
Ach, sie wünschte sich so sehr, dass sie ihre Mutter vorbeigehen sehen würde.

Wenn Margot endlich abends nachhause ging, und sich in die Obhut ihrer Eltern begeben konnte, war sie glücklich und zufrieden.
Sie war bereits zwanzig, als sie ihre Unselbstständigkeit langsam verlor. Bis sie ihren Mann kennen lernte. Nach der Hochzeit fiel sie zurück in ihre Ergebenheit. Ein anderer bestimmte nun ihr Leben.

Fünfundzwanzig Jahre harrte sie aus, bis sie sich aus dieser Umklammerung befreien konnte. Sie hatte es irgendwie geschafft, ihren Mann zu verlassen.

Aber was hat es ihr gebracht?
Heute lebt Margot mit ihrer leicht behinderten Tochter zusammen, die sich nicht scheute, ein Baby auf die Welt zu bringen. Ihre Tochter ist jedoch nicht in der Lage, das Kind alleine großzuziehen. Diese Aufgabe obliegt nun Margot, als Großmutter.
Den Vater des Kindes will ihre Tochter nicht heiraten.
So wird Margot ihre Rolle weiterspielen. Ihre Verantwortung ihnen gegenüber ist zu groß, als dass sie ausbrechen könnte.

Für einen Neubeginn ist es zu spät.
Sie hat sich entschieden. Ihre Tochter und ihre Enkelin brauchen sie.

(Habe es auf einen Tipp hin noch einmal geändert. Entgültige Fassung)

LG.Rita
Zuletzt geändert von Rita Hajak am 09.06.2009, 17:11, insgesamt 3-mal geändert.

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Sylvia B.
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Re:

von Sylvia B. (09.06.2009, 12:50)
ach Rita, was soll ich dazu schreiben
deine zeilen tun mir in der seele weh
sie machen mich betroffen

ein leben in abhängigkeit? andere sind abhängig
ein leben in verantwortung
verantwortung tragen für andere
ist glaube ich der passendere begriff

ziehe keine bilanz über dein leben
wenn Du müde
traurig ausgebrannt bist
könnte ich noch schreiben

betroffene grüße

sylvia
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Rita Hajak

Re:

von Rita Hajak (09.06.2009, 13:00)
Liebe Silvia,

danke für deine Zeilen.
Glücklicherweise bin nicht ich die Betroffene, stehe der Betroffenen
aber hilfreich zur Seite.


LG.Rita

Rita Hajak

Re:

von Rita Hajak (09.06.2009, 13:23)
Hallo Silvia,

ich habe die Ich-Form herausgenommen. Ist vielleicht zu verwirrend.

LG:Rita

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Sylvia B.
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Re:

von Sylvia B. (09.06.2009, 13:34)
Liebe Rita,

damit hast Du dem Text und auch mir einen gefallen getan.
wie ein text sich verändern kann, unglaublich.
betroffen macht er trotzdem
wieder ein typisches beispiel, wie das "ich" und
das lyrische "ich" in zusammenhang gebracht wird.
so ist es jedenfalls mir ergangen.
respekt vor deinem engagement.

liebe grüße

sylvia
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Versailles
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Re:

von Versailles (09.06.2009, 13:43)
Liebe Rita,
lass mich dir empfehlen, den Tempus zu überarbeiten und die Zuordnung der "sie/ihr" zu den entsprechenden Personen zu klären. Das ist alles noch zu verwirrend, finde ich.

Zum Inhalt: es ist die "Gefangenschaft" in die sich Menschen sehr oft begeben (haben). Du kannst der Realität noch einiges mehr abringen, damit der Text an Tiefe gewinnt.
Was möchtest du bewirken? Schreiben gegen das Vergessen einens Einzelschicksals? Oder möchtest du Wege aus dieser Art zu leben aufzeigen? Je nach dem kannst du deinen Text formen.

Viel Erfolg
Amalia
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Rita Hajak

Re:

von Rita Hajak (09.06.2009, 14:05)
Danke Amalia,

ich gebe dir Recht (Ich bin ja ein gelehriger Mensch) und nehme mir den
Text noch einmal vor.

Danke euch!


LG.Rita

Rita Hajak

Re:

von Rita Hajak (09.06.2009, 14:35)
Hallo,

mehr möchte ich an diesem Text nicht ändern.

Da es ein tatsächliches Schicksal ist, kann ich nicht mehr Wahrheiten hineinschreiben.

Ich möchte damit nur deutlich machen, dass Menschen die in ihrem gesamten Leben, immer nur für andere da sind, kaum eine Chance haben dies zu ändern. Man beginnt sie auszunutzen, ihre Schwäche, ihr Verantwortungsbewußtsein.
In diesem Fall, der mir sehr vertraut ist, gibt es keine Möglichkeit, dass Margot je ein eigenes Leben führen wird.


LG.Rita

Denise
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Re:

von Denise (09.06.2009, 15:21)
Ich habe schon beim Lesen Beklemmungen bekommen... Wie muss es erst jemandem ergehen, der in einem solchen Leben gefangen ist?
Liebe Grüße
Denise

Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (09.06.2009, 21:30)
Ein zutreffendes kleines Psychogramm in Form einer Kurzbiographie. Die Schlüsselworte sind hier: Unselbständigkeit, Ergebenheit, Umklammerung. Der Typ ist mir bekannt, daher erkenne ich ihn wieder. Ich sehe mir jetzt bewusst andere Kommentare zunächst nicht an. Ich weiß, dass man auch an dieser Biographie noch gute Seiten entdecken kann, doch meine Meinung ist: Um viel zu tragen, muss man kräftig genug sein. Diese Frau scheint es mir nicht zu sein. Kann sie trotzdem der kleinen Restfamilie Geborgenheit vermitteln? - Arno Abendschön -
Geschichten werden niemals richtig erlebt, nur manchmal, sehr selten, richtig erzählt. (Alfred Polgar)

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Klärus
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Re:

von Klärus (10.06.2009, 11:21)
Hallo Rita
Das Wort "Beklemmung" ist hier angebracht. Nur für andere da zu sein, hat wenig mit Liebe zu tun. Schon gar nichts mit Eigenliebe. Nach aussen sieht das so selbstlos aus, "selbstlos" ist aber in Wirklichkeit ein Gefängnis, aber auch wieder ein selbst geschaffenes. Das Thema "Verantwortung" ist in der Psychotherapie ein großes Thema. Verantwortung für jemanden Anderen zu übernehmen, heißt auch, dem Anderen kein Eigenleben und Eigenentwicklung zu überlassen, was wiederum zurückkommt und wieder das eigene Leben blockiert.
Der Leser will aber doch bei deiner Literatur aus dieser Beklemmung wieder herauskommen und wenn du als Mit-Leidende da keine Lösungsmöglichkeit findest, dann kann man bei jedem sehen, der mit eingezogenem Genick herumläuft, dass er deine Geschichte gelesen hat. Aber im Ernst,
Aus einer Verantwortung sich zu lösen, den Anderen in sein eigenes Leben freigeben, egal was dann passiert, ist eine wunderbare Befreiung. Für beide. Mit Mitgefühl zur Seite stehen, ist dann etwas anderes.
Alles Herzliche liebe Mädels, äh, und Bub
Klärus
E i g e n t l i c h bin ich ganz anders - ich komme nur selten dazu
www.rolandstickel.de
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http://www.pinnwand4u.de/klaerus/

Rita Hajak

Re:

von Rita Hajak (10.06.2009, 11:52)
Hallo,

Danke für eure Beiträge.

Dieser Fall ist schwieriger, als man es sich vielleicht vorstellt.
Wenn man von Anfang an alles miterlebt, sieht alles etwas anders aus.

Arno schreibt:
Um viel zu tragen, muss man kräftig genug sein. Diese Frau scheint es mir nicht zu sein. Kann sie trotzdem der kleinen Restfamilie Geborgenheit vermitteln?


Ja, sie kann. Denn es ist sonst niemand da, der ihr diese Rolle abnehmen würde.
Sie hat in ihrem Leben schon so viel Leid erfahren (ihr Sohn verunglückte mit 13 Jahren tödlich) und sich immer wieder aufgerappelt. Mehr darf ich aber nun nicht mehr preisgeben. Noch viel mehr musste sie erleiden.

Sie handelt aus Liebe und vergisst sich dabei selbst. Irgenwann hat sie versäumt "Nein" zu sagen.

Einen Ausweg aus ihrer Situation gibt es nicht. Es sei denn sie würde die Verantwortung für ihre behinderte Tochter abgeben. Dann würde diese wahrscheinlich ein einem Heim untergebracht und das Baby ebenfalls.

Wäre das die Lösung?
Sicherlich nicht. Denn Margot liebt Tochter und Enkelkind über alles.
Es wird eine Lebensaufgabe!


LG.Rita

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Benni125
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Re:

von Benni125 (11.06.2009, 01:46)
Ein sehr sehr schöner Text.. Sehr bildreicher erzählt... Obwohl männlich kann ich mich mit Margot identifizieren... sehr sehr schön... Dickes Lob! thumbbup

Liebe Grüße
Benni

Rita Hajak

Re:

von Rita Hajak (11.06.2009, 11:40)
Danke Benni, für deine freundlichen Worte.

Nur schade, dass der Text das wahre Leben widerspiegelt.


LG.Rita

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