Trümmerherz (Bio)

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klaasen1
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Trümmerherz (Bio)

von klaasen1 (13.06.2009, 18:08)
© by klaas klaasen 2009

TRÜMMERHERZ
Junge, komm bald wieder ...
Von 1967/1968

Eine Bar ist für mich die letzte Männerheimat. Wer es bis Vierzig zum etablierten, geachteten Stammgast gebracht hat, lebt in einer kosmopolitischen Heimat ohne Grenzen. (so: Heinz van Nouhuys)
Da ich selbst ab meinem 12 Lebensjahr - wir schreiben das Jahr 1967- auf der Straße lebte und den größten Teil meiner Zeit in Kabaretts, Bars, und Spelunken zugebracht habe, bin ich d'accord mit Nouhuys. Mit zwölf Jahren lebte ich untergetaucht mit meinem ständigen Begleiter namens Angst. Ich arbeitete in schummrigen Kabaretts als Beleuchter und die eine oder andere 150 Kilo schwere Dame nahm mich auf ihren Schoss.
Natürlich, blieb dies nicht ohne Folgen. Frühzeitiger Erguss, ein nasser Schoss der einen oder anderen Dame war vorprogrammiert. Ich habe mich zum Lieblingskind der anwesenden Damen empor geboxt. Hatte ein Zuhause und kann sagen: es ging mir gut. Natürlich kommt die Zeit, wo alles Schöne auch einmal ein Ende findet. Eine Razzia führte dazu, dass das Kabarett geschlossen wurde und ich mein altes Domizil mit einem neuen tauschen musste. Ein alter, stinkender Speicher war nun mein neues vorübergehendes Zuhause. Als ich sechs Tagen ohne Wasser und Essen war, lief mir die Flüssigkeit aus meinem Hinterteil und mir war klar, dass, wenn ich es jetzt nicht schaffte aufzustehen, auf die Beine zu kommen, es das war.

Ich war kreidebleich und mit letzter Kraft gelang es mir, in einem Jugendhaus (oder Jungenhaus) die Toiletten zu erreichen. Ich trank Wasser und kam wieder etwas zu Kräften

Ich war groß gewachsen und fiel abends in den Diskotheken, Bars und Spelunken nicht sonderlich auf. Oder man sah darüber hinweg. Ließ mich gewähren.
Ich trank mich durch die Bars. Nicht aus Spaß. Es war kalt und der Alkohol wärmte etwas. Nur nicht mein Herz, das war kalt wie Eis, das vom Himmel fällt. Da gab es keinen Platz für Liebe oder Freundschaft. Auf der Strasse bist du auf dich allein gestellt. Es gibt nur den Feind. Vertrauen ist gleichzustellen mit „eine an der Klatsche haben“. Natürlich habe ich auch Menschen vertraut, denen ich hier und da begegnet bin. Wurde aber immer über den Tisch gezogen. So etwas frisst sich fest wie ein Kaugummi am Schuh. Irgendwann fing man mich ein und brachte mich ausgerechnet an einen Ort namens Don Bosco. Der pure Alptraum. War ich nicht schon von der Kirche missbraucht worden. Musste ich jetzt auch noch in einen Orden verschleppt werden. Hatte ich denn gar keine Rechte als Heranwachsender. Nein. Ich hatte keine Rechte. Fortan, ob ich wollte oder nicht, musste ich als Gärtner, Schlosser, Schreiner, Landwirt, Fliesenleger, Maurer und als Beifahrer fürs Eierausfahren arbeiten. Dass ich erst 12 Jahre war und nur bis zur 7. Klasse die Schule besucht hatte, schien niemanden zu interessieren. Ich hatte einen Plan. Es gab die Deutsche Jugend Meisterschaft in Leichtathletik.

Ich besorgte mir eine Kugel und warf diese täglich stundenlang. Schlussendlich wurde man auf mich aufmerksam und ich konnte an der Deutschen Jugend Meisterschaft teilnehmen. Ich wurde Zweiter im Kugelstoßen, Zweiter im Speerwurf und Dritter im Diskuswerfen. Man brachte mich nach Frankfurt und wollte aus mir einen Olympiasieger machen. Ich nutzte gleich am ersten Tag die Gelegenheit zur Flucht. Man fing mich noch achtmal ein. Nach meiner neunten Flucht aus dem Orden gab man es auf nach mir zu suchen. Ich lebte glücklich bis zu meinem 18. Lebensjahr auf der Strasse und eröffnet an meinem 18. Geburtstag eine Konzertagentur. Erstes Konzert: Klaus Doldinger &Volker Kriegel am 24.12.1973. Ausverkauft und aufgezeichnet von Aspekte.

1. Teil einer Biographie

Es folgt....
1968/1969

Ein Bild hat es mir dann angetan. Eine hübsche Französin auf einer Jacht in Saint Tropez. Ich beschloss nach Frankreich zu gehen. Ziel: Saint Tropez. Ich schaffte es bis nach Nancy. Geschwächt hielt ich in der Nacht meinen Daumen nach oben. Ein Franzose hielt an und sprach für mich damals unverständliche Worte. Ich sagte ,,ja“ und stieg ein. Dass dieser mir an die Wäsche wollte, kam mir nicht in den Sinn. Erst nachdem er versucht hatte, seine Zunge in meinen Mund zu schieben. Ich wehrte mich mit aller Kraft und sprang aus dem Wagen und landete hart auf dem Boden. Er raste weg. Ich versuchte, auf dieser menschenleeren Strasse ein Haus zu finden, wo ich im Keller oder im Speicher übernachten konnte. Aber weit und breit kein Haus.

Jetzt fing es auch noch an zu regnen. Ich schlug mich in die Büsche und lies den Regen Regen sein.

Kehren wir wieder dorthin zurück, als ich es zum neunten Mal schaffte, meine Flucht vorzubereiten. Man sperrte mich wieder einmal in ein kleines Zimmer bei Wasser und Brot. Ein Aufseher bei Don Bosco, oder besser gesagt, ein Putzmann, der vor meiner Tür den Mopp schwang und zudem geistig behindert, aber ein herzensguter Mensch war, sorgte sich rührend um mich. Mit Kleinigkeiten. Er sprach mit mir. Ich legte manchmal stundenlang mein Ohr an die Tür, um das Alleinsein besser ertragen zu können. Dann hörte ich Kurt, so sein Name, wie er flüsternd zu mir sprach. Das nahm mir die Angst. Als es dann gegen 23 Uhr war, zerstückelte ich mein Betttuch, Hemd und sonstiges, was ich hatte, um mir einen Strick zu basteln. Dann seilte ich mich ab und lief so schnell ich konnte in den Wald.
Ich fand auf einer Lichtung eine Scheune und schlief ein. Wie im Märchen gab es am Morgen frische Eier. Das war wohl das erste Mal, dass ich nicht bezahlte. Das Huhn hat es nicht gestört. Nach einigen Autostops erreichte ich Frankfurt am Main. Ich lernte ein Mädchen kennen. Sie wohnte noch Zuhause und war fünf Jahre älter als ich. Ich wohnte von nun an bei ihr. Ihr Vater war Hauptkommissar und ihn störte es nicht, dass ich mich bei seiner Tochter einquartiert hatte. Sie besaß ein eigenes Zimmer unter dem Dach. Eine Mansarde im Elternhaus. Ich sah ihren Vater nur selten. Nicht lange und sie behandelte mich wie eine ihrer Puppen. Sie flocht mir Zöpfe in die Haare, sprühte zwei Flaschen Festiger drauf bis meine Haare wie ein großer aufgeblasener Fußball aussahen. Am Tag gingen wir durch Frankfurt City, wo sie mich von einer Boutique zur anderen schleppte. Unter ihrer Jeans hatte sie dann zwei Hosen für mich gestohlen.



Ich sagte ihr, dass sie diese wieder zurückbringen müsste. Was sie dann auch tat. Allerdings hatte sie bei einem erneuten Besuch einer Boutique wieder zwei Hosen entwendet.



Erst später wurde mir klar, dass sie eine Kleptomanin war. Ich hatte einen Job gefunden. Der dortige Personalleiter der Kaufhalle fragte nicht nach meinem Alter. Ich verkaufte Küchenmöbel zum Mitnehmen und bekam gutes Trinkgeld. Sie holte mich jeden Abend ab und wir gingen ins Zoom oder Kingsclub und warfen LSD ein. Das ging ein ganzes Jahr so. Jeden Tag auf Trip ... Jeden Tag mit ihr schlafen müssen. Jeden Tag als Puppe gebürstet und gebadet werden. Es war nichts mehr real. Ich war ein Puppenmann geworden.
Ich hatte heute Geburtstag. Meinen 14ten. Ich besaß noch etwa 20 Mark und beschloss, sie zu verlassen. Ich wusste, wenn ich es nicht tue, werde ich einige Zeit später an der Nadel hängen. Ich ging zum Bahnhof, setzte mich in einen Zug ohne Ziel und fuhr los.
ich bin ein hut weil ich meinen kopf nicht finde

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Klärus
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Re:

von Klärus (13.06.2009, 20:30)
Hallo Klaasen
...schau mal unterm Hut - da ist dein Kopf! :wink:
Das, was du oben geschrieben hast, das ist sehr spannend. Ich musste auch hier weiterlesen. Ist das autobiographisch, was du da geschrieben hast? Dann hast du viel Lebenserfahrung auf Ebenen gesammelt, die manch einem anderen gut tun würden. Auch wenn du dies nicht erlebt hast, bleibe ich bei meiner Aussage.
Grüße
Klärus
E i g e n t l i c h bin ich ganz anders - ich komme nur selten dazu
www.rolandstickel.de
http://www.youtube.com/watch?v=tkdlE9TdugA
http://www.pinnwand4u.de/klaerus/

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klaasen1
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Re:

von klaasen1 (13.06.2009, 20:41)
Hallo Klärus

Ist eine Biographie. Da wird nichts hinzu gedichtet. Das ist nur ein kleiner Teil. Das Martyrium beginnt im Alter von 5 Jahren, als ich ein Jahr zu früh eingeschult wurde. Aber, alles soll man hier auch nicht veröffentlichen.
Danke Dir für Deinen Kommentar. Jetzt mache ich mich erst einmal rar.
ich bin ein hut weil ich meinen kopf nicht finde

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