Der Schwur

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HuWes
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Der Schwur

von HuWes (09.07.2009, 15:34)
Vielleicht kann mir jemand von euch sagen, was mit dem nachfolgenden Text nicht stimmt. Danke dafür schon einmal im Voraus!



Der große Saal in der Feste Königs Atvaras. Der Raum wird beherrscht von zwei großen Tischen links und rechts und einem kleineren in der Mitte. An den äußeren Tischen stehen grob geschnitzte Stühle, während Tisch und Stuhl in der Mitte einen edleren Eindruck machen. Schilde und Lanzen schmücken die Wände. Ein paar Talglichter flackern. Dicke Stoffe verdecken halb die seitlichen Durchlässe des Saales.

Fürst Kadau und sein engstes Gefolge, Jarsyb und Bajanai, stehen am linken Tisch.

JARSYB.
Er ist nicht tot? -
Uns'rer Falle wohlgeplant entwich meines Herren größter Feind?

BAJANAI.
Ich war zugegen und führte manchen Streich,
Spaltete mit eigener Hand drei Kriegern selbst den Helm;
Doch der Menessit? Nein! Er war nicht dort –

JARSYB.
Verrat! -
Ich spür's, wohl tief in meiner Brust, gewarnt scheint mir der Herr von Partunas;
Wer immer ist in unsern Reihen befähigt zu solch schändlich Tat -
Bei allen Göttern und meinem Schwert –
Zahlen soll er dafür mit seinem Blut!
(Er greift nach seinem Schwert.)

FÜRST KADAU.
Haltet ein, o Jarsyb, werter Freund, und belasst die Klinge, wo sie ist.
Des Königs Hof ist nicht der Ort für nutzlos' Schwur und Waffengang.
Im Hause König Atvaras, da gilt das Wort und nicht das Schwert;
Obwohl, wenn ich' s so recht bedenk,
Der König schwach und hoch betagt des Tags danieder im Siechenbett -
Was braucht die Macht noch solch ein Mann?
Der Löw' ist matt und ohne Nutz', das Rudel giert nach junger Kraft;
Es ist nicht weit die richt'ge Stund', wo ein junger Leu erhebt sein Haupt
Und schlägt die Krallen in den Thron!

BAJANAI:
Was sagt Ihr, Herr?
In dieser Stund zum Thron? Mein Fürst, ich bin dabei!

JARSYB.
Ich schwör zu streiten Tag und Nacht, bis dieses Reich in Eurer Hand.
Die Banner hoch auf Turm und Zinn', und Ihr, Fürst Kadau, nehmt den Thron!

FÜRST KADAU:
Gemach, o Freunde, zunächst ist Zeit, des Königs Sinn mit schlauem Wort
Fortzuziehen von Partunas.

JARSYB:
Ein schwerlich Ding. Ist bei Hofe doch der Menessit gelitten wohl,
Der König gar, der greise Mann, betrachtet ihn an Sohnes Statt.

FÜRST KADAU:
An Sohnes Statt! Mit welchem Recht?
Bin ich nicht besser mit dem Schwert?
Befehl ich nicht das stärk're Heer und hab errungen größten Ruhm?
In Silber schwelg ich und in Gold, besitze Festen hoch an Zahl.
Doch er ist's, den der König will!
Den Thron besteigen soll er bald und herrschen über Mensch und Land.
Und was bleibt mir? Nur Hohn und Spott!
Ist solch der Lohn für Borovit?

JARSYB:
Niemals, mein Fürst, das darf nicht sein!
Sagt nur ein Wort, wir schlagen zu.

BAJANAI:
Ob's König ist, ob Partunas, wir töten ihn, gebt nur Befehl!

FÜRST KADAU:
Ich höre wohl, Ihr steht in Treu, wack're Kerls, zu meinem Haus.
So nehm ich hier das Schicksal an:
Tod dem Herrn von Partunas!
(Er streckt seinen Gefolgsleuten die Hand entgegen.)

JARSYB und BAJANAI:
Tod dem Herrn von Partunas!
(Sie schlagen in Fürst Kadaus Hand ein.)



Kollegiale Grüße
Hubert

Inselchen

Versuch

von Inselchen (09.07.2009, 16:58)
Lieber Hubert,

ich hab mir diesen Ausschnitt mehrfach durchgelesen, kann aber nicht sagen, was nicht stimmt, kann sagen, was ich vertanden habe und welche Fragen sich mir stellen. Es liegt vielleicht daran, dass ich Dinge im Vorfeld nicht weiß.
Vielleicht führt das ja weiter.

Also, ich habe es so verstanden, dass die Gefolgsleute von Fürst Kadau einen Anschlag auf Partunas versucht haben, der offensichtlich gewarnt worden ist.
König Atvaras ist alt und möchte Partunas, den er an Sohnes Statt angenommen hat, weil er offensichtlich von ihm überzeugt ist, den Thron übergeben, aber Fürst Kadau spekuliert auf den Thron und fragt nach dem Recht, warum der König Partunas vorzieht, da er selber ja mit dem Schwert besser sei.
An Sohnes Statt annehmen, bedeutet ja, ihm auch nach seinem Ableben seine Macht als Nachfolger zu übertragen.

In welcher verwandtschaftlichen Beziehung steht Fürst Kadau zu dem König? Hat der König keine eigenen Kinder ? Wäre Fürst Kadau entweder von der Blutsverwandtschaft her oder von den Gesetzen besonderer Kriegserfolge der rechtmäßige Thronfolger, dem der König aber bewusst Partunas vorzieht?

Was hätte es genutzt, wenn Partunas dem Anschlag zum Opfer gefallen wäre, wäre dann Fürst Kadau automatisch der rechtmäßige Erbe?

„Ob's König ist, ob Partunas, wir töten ihn, gebt nur Befehl!“
Wäre tatsächlich die beste Chance Fürst Kadau, den König durch Intrigen umzustimmen und dann zu töten oder auf dessen Tod zu warten?
Erst sagt der Fürst ja, es wäre das Beste, den König umstimmen zu wollen, dann aber kommt: Andererseits..... Würde der Fürst automatisch König, wenn Atvaras und/oder sein Schützling tot sind und wenn, warum?
Grüßle Elfie

HuWes
Beiträge: 129
Registriert: 03.02.2008, 19:22

Re: Versuch

von HuWes (11.07.2009, 16:29)
Antworten auf viele Fragen ... cheezygrin

Inselchen hat geschrieben:
Also, ich habe es so verstanden, dass die Gefolgsleute von Fürst Kadau einen Anschlag auf Partunas versucht haben, der offensichtlich gewarnt worden ist.


Das ist so richtig erkannt.

Inselchen hat geschrieben:
König Atvaras ist alt und möchte Partunas, den er an Sohnes Statt angenommen hat, weil er offensichtlich von ihm überzeugt ist, den Thron übergeben, aber Fürst Kadau spekuliert auf den Thron und fragt nach dem Recht, warum der König Partunas vorzieht, da er selber ja mit dem Schwert besser sei.

An Sohnes Statt annehmen, bedeutet ja, ihm auch nach seinem Ableben seine Macht als Nachfolger zu übertragen.


Auch das ist so richtig.

Inselchen hat geschrieben:
In welcher verwandtschaftlichen Beziehung steht Fürst Kadau zu dem König? Hat der König keine eigenen Kinder ? Wäre Fürst Kadau entweder von der Blutsverwandtschaft her oder von den Gesetzen besonderer Kriegserfolge der rechtmäßige Thronfolger, dem der König aber bewusst Partunas vorzieht?


Fürst Kadau ist wie Partunas nicht mit dem König verwandt. Da der König keine eigenen Kinder hat, stirbt mit ihm diese Herrscherlinie aus. Es ist daher an Atvaras, die Nachfolge zu regeln. Es gibt aber nur zwei mögliche Kandidaten: Kadau, der mächtigste Fürst im Reich, und Partunas, nicht so mächtig wie Kadau, dafür aber moralisch integer.

Inselchen hat geschrieben:
Was hätte es genutzt, wenn Partunas dem Anschlag zum Opfer gefallen wäre, wäre dann Fürst Kadau automatisch der rechtmäßige Erbe?


Damit wäre nur noch ein qualifizierter Kandidat übrig: Fürst Kadau. Es gibt Unruhen im Reich, da der König sehr alt ist und kaum noch als Herrscher in Erscheinung tritt. Die inneren Unruhen sind zum Teil von Kadau bewusst herbeigeführt, weil Partunas dann zur Befriedung ausgeschickt wird. Sollte Partunas in so einem Zusammenhang getötet werden, kann Kadau die Nachfolge antreten, ohne größere Befürchtungen haben zu müssen, dass seine Intrigen aufgedeckt werden.

Inselchen hat geschrieben:
„Ob's König ist, ob Partunas, wir töten ihn, gebt nur Befehl!“
Wäre tatsächlich die beste Chance Fürst Kadau, den König durch Intrigen umzustimmen und dann zu töten oder auf dessen Tod zu warten?
Erst sagt der Fürst ja, es wäre das Beste, den König umstimmen zu wollen, dann aber kommt: Andererseits..... Würde der Fürst automatisch König, wenn Atvaras und/oder sein Schützling tot sind und wenn, warum?


Wenn der König ermordet würde, dann wäre Kadau als möglicher Nachfolger im Volk umstritten und verhasst. Also muss der König sein natürliches Ende finden. Partunas kann am Hofe nur beseitigt werden, wenn er beim König in Ungnade fällt, ihm ein Verrat oder eine Intrige gegen den König nachgewiesen werden kann. Deshalb muss Partunas gegenüber dem König durch Kadau als unwürdig und verräterisch dargestellt werden. Ihn einfach zu beseitigen, hätte fatale Folgen für einen späteren König Kadau. Getötet werden kann Partunas nur weit weg vom Königshof - doch genau das hat Partunas vermieden. Die beschriebene Schlacht fand ohne ihn statt.

Bei meiner Frage geht es aber nicht so sehr um den Inhalt der Szene, sondern mehr um die Charakterisierung der Figuren und - vor allem - um den Sprachstil. Wirken die Dialoge eckig, unrund, unrhythmisch? Bleibt der Leser bei den Dialogen an einigen Stellen hängen?

Der Text ist in seiner Sprache heftig kritisiert worden. Deshalb hier die Frage an die Gemeinschaft, wo etwas an diesem Text nicht stimmt.

Ich hatte hier auf mehr Rückmeldungen gehofft, insbesondere weil die poetische Prosa hier einen recht hohen Stellenwert verzeichnet und sogar literaturwissenschaftliche Anspielungen in manchen Kritiken gemacht wurden. Ohne diese Kommentare zu anderen Texten hätte ich meinen Text hier nie eingestellt. Es ist kein Null-Acht-Fünfzehn-Text.

Kollegiale Grüße
Hubert

Inselchen

Der Schwur

von Inselchen (11.07.2009, 16:46)
Lieber Hubert,

ich weiß nun nicht, wer sich an dem Sprachstil stößt. Er ist sehr gehoben und ich musste mich auch sehr konzentrieren.

Ich würde wünschen, dass noch einige mitlesen, was da unrund sein soll. Meine Fragen ergaben sich ja deshalb, weil ich nicht den ganzen Inhalt kenne.

Ich kenne die Kritiken nicht, weiß aber eins:

Den Nagel, der hervorsticht, schlägt man ein.

Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, die Kritiker mal genau definieren zu lassen, was genau sie stört. Sachliche begründete Argumente nimmt man ja gerne entgegen.

Was ich bisher gelesen habe, hat mich sehr interessiert und mir sprachlich auch gefallen.
Elfie

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