Neuling - mit zu derbem Buch

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dado
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Neuling - mit zu derbem Buch

von dado (24.07.2009, 00:04)
Hallo zusammen

Ich arbeite gegenwärtig an meinem ersten Buch. Sollte eigentlich eine unterhaltsame, humorvolle Geschichte werden, süffig zu lesen.

Leider bin ich etwas abgedrifftet. Einige Kapitel sind so derb geworden, dass ich mich:

erstens: nicht mehr getraue das buch unter meinem bürglichen Namen laufen zu lassen (Arbeitskollegen) oder es nicht weiterverfolge

zweitens: mich frage ob denn überhaupt irgendwer auf der welt noch die literarische manifestation von sex, drugs und exzessen lesen will

Kann mir jemand einen Input geben dazu?

Vielen Dank.
ich schreibe, also bin ich..?

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Benni125
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Re:

von Benni125 (24.07.2009, 00:24)
Wäre nett mal etwas zu lesen... davon. Das ist natürlich schwer zu entscheiden... Der Fetisch eines jeden liegt woanders, so dass es nicht unnormal wäre, wenn jemand auch das derbste Buch lesen würde ("Feuchtgebiete"?)
Wenn du nun aber slebst nicht so recht dahinter stehst...?! Wichtig ist was du davon hälst. Sollte es nun der Fall sein, dass du dich für das ein oder andere Kapitel schämst, schreib es um. Machs etwas "blumiger". Ich meine für das Wort "Sex", gibt es neben "f****" und "b*****" auch noch andere blumigere umschreibungen. Ich hoffe ich krieg hier jetzt keine auf den Deckel. :oops:
Gott sei dank, die worte werden versteckt ^^

dado
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Re:

von dado (24.07.2009, 00:29)
hallo benni

danke für deinen denkanstoss, den werd ich beherzigen. zu gegebener zeit sende ich Dir gerne einen auszug.


besten dank und eine gute restliche nacht
ich schreibe, also bin ich..?

hwg
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Re:

von hwg (24.07.2009, 06:36)
Hi dado,

in der Literatur gibt es nichts, was nicht erzählbar wäre.

Außerdem: Es ist alles schon einmal geschrieben worden, nur nicht von jedem... :lol: (Abgewandeltes Zitat von Karl Valentin).

Wenn Du meine Meinung zu Deinem Text wissen willst, kannst Du mir einen kurzen Auszug davon mailen (hwg@nawon.at), ich antworte Dir dann innerhalb einer Woche.

Gruß Hans
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Bau Pau - Blauer Elephant

Re:

von Bau Pau - Blauer Elephant (24.07.2009, 07:42)
Dado,

ich sehe kein Problem in so einem Text. Meinst Du, irgendwer schert sich einen Sch****dreck darum, ob die Leute NOCH eine Schnulze mit Herzschmerz und schlechtem Sex hören wollen? Wohl kaum, die Superstars und Teeniebands und wer-auch-noch singen einfach. Scheinbar erfolgreich, wenn ich das richtig sehe. Ich würd's wenigstens mal anlesen, je nach Laune und Lage. Die Ergüsse der Madame Roche fand ich nun wenig anregend und wenig lesbar, aber das ist Geschmackssache, ich mag Avocados halt nicht.
Also, solange sich alles im legalen Rahmen bewegt, ist es doch ok. Und für ein genaueres Urteil erbiete auch ich mich, eine Leseprobe durchzusehen. Darfst Du mir gerne als PN senden, oder auch an eine private E-Mail Adresse, die Du auf Anfrage per PN erhälst.

Liebe Grüße,

Bau Pau

dado
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Re:

von dado (24.07.2009, 10:31)
Thanks vielmal für die Inputs.

Frage:

was heisst es: sich im legalen rahmen bewegen. ist es nicht so, dass in der literatur über alle bereiche des lebens, inklusive drogen etc geschrieben werden darf?
darf denn kunst nicht alles?

grüsse
dado
ich schreibe, also bin ich..?

Bau Pau - Blauer Elephant

Re:

von Bau Pau - Blauer Elephant (24.07.2009, 10:39)
Also, hm... Gute Frage. Ich gehe einfach mal davon aus, dass sich auch da gewisse Grenzen ergeben, was die Verherrlichung von Gewalttaten bspw. angeht. Von der Verbreitung von diversen Ideologien mal ganz abgesehen.

Nachdenkliche Grüße,

Bau Pau

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Zeitl0ch
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Re:

von Zeitl0ch (24.07.2009, 10:55)
Ich war mal Redakteur einer studentischen Literaturzeitschrift. Wir bekamen immer einen Haufen Texte vorgelegt und haben demokratisch ausgewählt, was wir veröffentlichen. Ich erinnere mich noch gut an ein Kurzdrama, das vor Pornographie nur so strotzte. Die Ausdrucksweise war dermaßen übertrieben, dass ich einen Lachkrampf beim Lesen bekam. So war es wohl auch vom Autor erwünscht.
Ich fand den Text also sehr wirkungsvoll und war deshalb für eine Veröffentlichung. Aber worauf ich hinauswill: Das Empfinden für solche Dinge ist bei verschiedenen Lesern sehr unterschiedlich. Andere Redaktionsmitglieder haben sich mit der für sie selbst schwer zu begründenden Auffassung, so etwas könne man irgendwie nicht veröffentlichen, schließlich durchgesetzt.
Hätten wir den Text veröffentlicht, hätte es vielleicht auch eine rufschädigende Gegenkampagne der lautesten Campusfeministinnen gegeben.
In meinen Augen steht bei solchen Texten der kathartische Effekt im Vordergrund, und der ist durchaus immer dem Sinn nach hochmoralisch.
Wenn du hier mal die Suchfunktion benutzt für das Stichwort Katharsis, findest du einen alten Eintrag von mir zu diesem Thema, eher in bezug auf klassische Dramatik und Drehbücher, aber die Übertragung des Sinns auf Pornographie und Drogenliteratur dürfte nicht schwerfallen.
Ich bin nur auch im Zweifel, ob Katharsis beim Rezipienten immer auf die richtige Art ankommt, wo sie doch ein so häufiges Motiv der Kunst ist. Allzuoft sieht man in der Gesellschaft die Nachahmung des in den Medien Dargebotenen.
Gefahr der Nachahmung aber so in den Vordergrund zu stellen, wie es weniger intellektuelle Linke oft tun, ist allerdings sicher zu naiv und verrät eben Unkenntnis des Katharsiseffekts.

dado
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Re:

von dado (24.07.2009, 11:23)
aha, nun wirds spannend.
gemäss meinem wissensstand wird in der modernen literatur eher zersplitterte katharsis verwendet - tendenziell ohne roten faden durch das gesamtwerk und ohne moralischen anspruch auf - sagen wir -weltverbesserung oder humanismus.
Bitte korrigiert mich, es ist durchaus möglich, dass ich nicht das "grosse Bild" sehe.

nun stellt sich die frage, ob denn der katharsische effekt auch als intellektuell korrekter rechtfertigungsversuch für Kunst "jenseits der politischen Grenzen" herhalten kann/muss/darf.

losgelöst von meinem persönlichen projekt stellt sich ferner eine interessante frage:
Wäre es denn grundsätzlich zulässig resp. vertretbar, scheinheiligerweise geilheit, drogensucht, mord, gier, sowie sämtliche schwarzen Seiten des menschlichen Daseins hinter einer pseudointellektuellen Fassade zu verbergen?


@Bau Pau: Guter Input, da ich mich von bedenklichen Ideologien sowieso fern halte, laufe keine Gefahr mit dem Verfassungsschutz und Karlsruhe in Berührung zu kommen. Gewalt: Gibts mir sowieso schon zu viel (hab u. A. deshalb den TV verschrottet).
Aber du hast recht. Ich glaube da zeigt die Moral der Literatur die Grenzen.
ich schreibe, also bin ich..?

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (24.07.2009, 12:58)
Hi Dado,
es hat mich mal geschockt, als ich festgestellt habe, dass eigentlich nichts mehr schocken kann.
Okay, manches wird bei manchem noch Entrüstung hervorrufen, bei anderen widerum wirst du allenfalls ein laues Lächeln hervorrufen.
Selbst wenn man glaubt, Grenzen überschritten zu haben, wird es immer noch jemanden geben, der sagt: "Wie, das war alles?"

Ich würde es für interessant halten, wenn man nicht durchgehend versucht, zu schocken, sondern urplötzlich.
Im übertragenden Sinne: Es gab mal eine Werbung für ... ? Playstation? Da wurde eine schöne, friedliche Landschaft gezeigt, mit schmeichelnder, beruhigender Musik, und gerade als man dachte - jetzt wirds aber öde - sprang irgendein zombiehaftes Ungetüm ins Bild und brüllte.
Wenn man das in eine literarische Form bringt (natürlich nicht zwangsläufig mit Zombies) erreicht man schon einiges.

Ich persönlich finde soetwas guit - zumal es in jedem Fall unterhaltsam ist. So oder so. cheezygrin

Gruß
Hakket

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Zeitl0ch
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Re:

von Zeitl0ch (24.07.2009, 13:05)
Ja, zersplitterte Katharsis sehe ich da auch, weiß aber, dass vor allem selbst kreative Rezipienten an solchen Kunstformen gerade das Abreagieren schätzen und sich gesellschaftlich konsequent respektvoll, tolerant und gelassen verhalten, bei gleichzeitigem Riesenspaß an vulgärsten künstlerischen Ausdrucksformen.
Na ja, wie ich schon oft sagte, bin mit betagteren Punks befreundet. Da geht es immer nach dem Motto: Das muss alles raus, damit letztendlich der Frieden gewahrt bleibt. Es gibt auch Psycho-Nischen, wo es härter zugeht. Aber auch da verstehen sich heutzutage die meisten Protagonisten darauf, unter anderen Umständen ganz moralisch zu bleiben.
Ich empfinde die Kunstszene als immer noch hochmoralisch, auch wenn die Moral meist unausgesprochen bleibt und einfach nur gelebt wird.

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Benni125
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Re:

von Benni125 (24.07.2009, 13:10)
Das war Nescaféwerbung. Ja ich erinnere mich auch. Sollte die aufputschende Wirkung von Nescafé nahebringen. Sehr gut wie ich fand. ^^ (Ich hab bald einen Herzinfakt bekommen)

Stefan Lamboury

Re:

von Stefan Lamboury (24.07.2009, 13:23)
Was hast du damit für ein Problem, ich bezeichne es als Lob, wenn Leute glauben sie haben es mit einem geisteskrankem Sadisten zu tun. Ich habe tatsächlich schon Leute gehabt die mir sagten, sie würden langsam Angst vor mir bekommen, weil sie glauben, dass meine teilweise grausamen Fantasien irgendwann mal in der Realitiät landen könnten.

Wenn der Leser glaubt er hat es mit einem geistesgestörten Psychopathen zu tun, ist das für mich Lob genug. Auf dem Papier mache ich vor keinem Thema halt, mir ist kein Thema zu heiss oder heikel um es nicht niederzuschreiben. Ich will teilweise, dass der Leser abgestoßen und gefesselt zu gleich ist, wenn ich das geschafft habe, habe ich genau das erreicht, was ich erreichen wollte.

Wenn der Leser damit ein Problem hat, ist das nicht mein Problem.

Schönen Gruß

Stefan Lamboury

http://stefanlamboury.npage.de/willkommen_79769456.html

Richymuc
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Re:

von Richymuc (24.07.2009, 13:41)
Hallo

Geht nicht- gibts nicht!

Der fällt mir der Minus Mann von Heinz Sobota ein.
Das ist wirklich heftig, deftig und versaut.
Es wurde übrigens ein Bestseller.

Falls es tatsächlich zu heftig wird, kann man imer noch unter einem Pseudonym veröffentlichen.
Gabi Mustermann wäre als versauter Name nicht schlecht.

Wenn man sich die Bestenliste von BOD ansieht, kann man erkennen auf was die Leser stehen cheezygrin
Ich denke Du liegst nicht ganz falsch im Thema thumbbup

Also lass es krachen!
Gruß Richard
www.richymuc.de
Der Satirische Kreuzfahrt-Flüsterer ISBN 978-3-8370-9816-7
Feindschaftsbuch ISBN 978-3-8370-9803-7
Das erotische Freundschaftsbuch ISBN 978-3-8391-0037-0
NEU: http://www.youtube.com/watch?v=t25CNmrKaZ4

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Sylvia B.
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Re:

von Sylvia B. (24.07.2009, 14:28)
und ich kann mich an Diskussionen bei Buchvorstellungen erinnern....
und ich denke, irgendwo sind Grenzen....
www.forentroll.com
www.sylvia-b.de
Sylvia B. ist Mitautorin in der Schriftstellergemeinschaft

›Ein Buch lesen‹ www.ein-buch-lesen.de
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