Neuling - mit zu derbem Buch

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augustina
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Re:

von augustina (03.08.2009, 16:18)
Hi dado,

vielleicht wäre für dein erstes Buch ein Thema besser, das dich nicht selber verschreckt?

Schreiben kann man wahrlich über alles, aber hinter dem Geschriebenen muss man schon stehen (können). Ich habe einen Eheroman geschrieben, bei dem der Protagonist eine fetischistische Neigung hat. Mich hat der psychol. Hintergrund gereizt und zu dem Buch veranlasst. Ich selber habe damit nix damit am Hut. Deshalb kostete es mich einige Überwindung, manche recherchierte Szene auch wirklich authentisch zu schreiben.

Überlege dir, was du mit dem Buch wem sagen willst. Das Thema, dein Anliegen, deine Gedanken und Gefühle sind wichtig. Wenn du hier Klarheit hast, kannst du auch frei über alles schreiben. Nur glaubhaft muss es sein. Ich habe in meinem Umfeld auch Köpfe erröten sehen, wenn sie nur das Buchthema hörten - ohne zu wissen, worum es eigentlich geht. Auch fühlst du dich nicht besser, wenn du dich hinter einem Pseudonym versteckst. Ist das nicht die Flucht des Autors vor sich selber?

Auch wenn es belehrend klingt, ich könnte kein Buch schreiben ohne Prämisse. Wenn du die kennst, dann schreibe, was dir auf der Seele brennt und was dir dein geistiges Auge an Bildern beschert.

Übrigens habe ich Leserbriefe von s.g. Betroffenen bekommen, die sich für die Ehrlichkeit und Offenheit des Buches bedanken. Was kann es für einen Autor schöneres geben?

Viel Mut und Erfolg thumbbup wünscht dir

augustina
"Die Regenmantelfrau ... von der Verdrängung einer unbändigen Leidenschaft"

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LordKotz
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Re:

von LordKotz (03.08.2009, 16:25)
Moinsen, 'Du kennst Lord Kotz? Das ist wie man mir immer wieder gerne bestätigt auch jenseits des guten Geschmacks :twisted:
An ihm scheiden sich die Geister 50% wollen gerne immer mehr und mehr und mehr von seinen Abenteuern lesen und die andere Hälfte verteufelt mich wo sie kann! Das geht sogar soweit das in div. Foren ganze Threads nur über mich bestehen in denen man sich nahezu genauso zu mir auslässt wie es der Lord tun würde.
Was ich mit der langweiligen Geschichte sagen will:
Die Geschmäcker sind verschieden und wenn Du selbst meinst es sei "Hart" oder so, dann sei Dir bewußt Du könntest auf dem Index landen...aber was wäre im Bezug auf das Interesse des Lesers besser?
Also Ausprobieren!
Wenn Du es mit selbstherrlichen Arroganzlingen zu tun hast, lächle einfach in dem Wissen, dass Arroganz die Karikatur des Stolzes ist.
www.oliver-wehse.de

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S.Schunck
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Re:

von S.Schunck (04.08.2009, 12:30)
Stefan Lamboury hat geschrieben:
Wenn der Leser glaubt er hat es mit einem geistesgestörten Psychopathen zu tun, ist das für mich Lob genug.

Wenn der Leser damit ein Problem hat, ist das nicht mein Problem.


Hallo Stefan,

Das Problem bei Geschichten, die Darstellungen von Gewalt enthalten, ist oft das, dass, neben diesen tollen Zeichnungen von eben solchen Akten, der Rest auf der Strecke und das allgemeine Niveau auf ein Minimum begrenzt bleibt.

Ich bin schon auf einige Autoren gestoßen, die "auf Teufel komm raus" schockieren wollten. Und meiner Erfahrung nach, schafft das von zehn Autoren nur einer. Ich war mal auf deiner Seite und habe mir die Leseprobe deiner Anthologie durchgelesen - und finde, dass es einfach nur B-Horror-Movie-Niveau hat und dazu noch schlecht geschrieben ist. Das soll jetzt keine alles vernichtende Kritik sein, sondern dir nur deine Einstellung gegenüber deinen Lesern vor Augen führen.

Natürlich kann jeder Autor im Prinzip schreiben, was er will. Gerade dann, wenn er ubhängig und keinem Verlag o.ä. Rechenschaft schuldig ist. Aber wenn die schreiberische Qualität unter dieser zu gewollten "Schockiererei" zu sehr leidet, wird der Leser dieselbe Einstellung dem Autoren gegenüber an den Tag legen wie du ihm: ist mir egal!

Und wer, gerade als neuer Autor, gelesen werden will, sollte meiner Meinung nach eine andere Einstellung an den Tag legen. Denn sonst werden dich die Leser (wenn es überhaupt welche geben sollte) nicht als psychopathischen, sondern als nicht sehr talentierten Autoren bezeichnen, der neben billigen Schock-Effekten nicht viel auf die Reihe kriegt...
www.stefanschunck.de

Frauen, Freunde und das Leben an sich
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Taraxa
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Re:

von Taraxa (12.08.2009, 13:30)
Ich würde das Thema gerne nochmal aufgreifen.

Ich finde es immer schwierig entscheiden, wie weit darf ich eigentlich gehen in einem Buch.

Dabei muss es nicht nur um Sexualität gehen. Gewalt gehört zum Mensch sein auch dazu. Das heißt ja nicht wir WOLLEN sie. Oder wir WOLLEN das ausleben. Aber es GIBT sie. Vielfältig und teils extrem pervers ( bitte nicht unbedingt nun eine Diskussion darüber was Pervers ist.) Und mal ehrlich, wer war nicht schon so stinksauer auf jemand, dass man sich genüßlich ausmalte, das und das würde ich gerne... ABER NIE TUN WÜRDE!!

Ich kann die Bedenken verstehen, zu sagen, ich veröffentliche das lieber nicht unter meinem Namen.
- Denn kennt man dich, und du bist privat eher das "sanfte Lämmchen" sind alle geschockt und fragen dich wie du so "kranke" Sachen schreiben kannst
- bist du eher "wild" hast vl in deinem Leben mal mit Drogen, wie hier im Beispiel angegeben, zu tun gehabt, heißt es, ach guck mal, so Scheiß hat der gemacht...

Ich habe unzählige Einzelszenen und Kurzgeschichten, die wohl unter den Bereich Pornographie laufen könnten, die niemand je las. Teils mit gewaltätiger Handlung.
Wenn ich an mein neues Buchprojekt denke, MÜSSTE ich teils sehr brutale Szenen Schreiben. Darf man nicht? Warum?
Ist das nicht ein Teil der menschlichen Gesellschaft? Auch wenn sie keiner haben will. Natürlich nicht. Aber tod schweigen? Wie das absolut Böse denn darstellen, wenn man eigentlich nur brav an der Oberfläche bleiben MUSS. Manche Bücher oder auch Filme ohne diese Darstellung der Bösartigkeit, bei denen einem vielleicht auch übel wird, wäre für mich kein guter Film bzw Buch, wenn es darum geht zu zeigen, was die Gegenseite leisten muss, um das ausmerzen.

Ich selbst war immer der Meinung, ein Buch ist ein Buch. Wem es zu krass ist, wird es nicht lesen. Es gibt zig Horrorbücher oder Thriller, die einen kaum noch loslassen. Also die "Bilder" darin. Wo man sich echt fragt, Himmel wie kann der AutorIn das schreiben. Sich das vorstellen? Oder wie eine Person aus meinem Umfeld dann gerne sagt: Der muss krank im Kopf sein, so was schreiben.
Aber wieso? Jeder von uns, der kein Kind mehr ist, vielleicht einige Jahre auf dem Buckel hat, weiß, die Welt hat Dinge zu bieten, mit denen man bitte NIEMALS in Berührung kommen mag.

Ein Buch ist doch nicht dafür da, für einen Staat, eine Gesellschaftsordnung, einer Lobby, oder ähnliches Werbung zu machen...
Menschen haben so viele Gesichter. Diese Darstellen, heißt das wirklich der Autor ist "krank". Oder wagt er schlicht nur, darüber "berichten" dass es mehr gibt wie die normale alltägliche Welt. Vielleicht seine Art zu sagen: Passt auf. Seit wachsam. Ist es denn nicht der Mensch, der so was auslebt, der nicht "normal" ist, statt dem Autor, der das einfach nur aufgreift??
In meinen Augen keine Gewaltverherrlichung, wenn ich z.B von einem Sadisten schreibe und was er tut. Zumindest nicht, solange ich auch eine Gegenpartei habe, die diesen Sadisten versucht das Handwerk zu legen!
Und in manche Bücher gehört auch einfach die "derbe" Darstellung von Sex.
Und umschreiben...
Hat mal einer die Gralsgeschichten von P.Berling gelesen?
Da ist so derart umschrieben, dass man Szenen oft mehrfach lesen muss, bis man kapiert, ob der vom kämpfen, essen oder Blumengarten schreibt, oder aber vom Geschlechtsakt. Da wird es echt anstrengend, mit dem Umschreiben ;)
Aber es ist eben sein Stil.

Ich kann dir nicht die Entscheidung abnehmen, unter welchem Namen du das veröffentlichst. Die Frage ist doch eher, ob du ÜBERHAUPT den Mut hast?
Welche Zielgruppe magst du erreichen ?
Verkraftest du die wahrscheinlich teils harte Kritik?
Und, da du dein Buch mehr oder weniger selber promoten musst, wie willst du das machen, wenn du Angst hast, man bringt DICH damit in Verbindung?

So genug gebabbelt ;) Viel Spaß beim Schreiben. Entscheiden kannst ja auch, wenn du fertig bist :D
Homepage: http://erwaehlt.jimdo.com/

Buch: Erwählt ISBN 978-3-8370-9769-6, Paperback, 636 Seiten hier bei BoD !

Video: http://www.youtube.com/watch?v=_OwDFMt7l88

Blog: http://erwaehlt.blogspot.com/

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