Protestwähler

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hugo-wolff
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Re:

von hugo-wolff (06.04.2016, 15:54)
Matthias schrieb:

"Wer sich um den sozialen Frieden sorgt, sollte keinen Unfrieden stiften."

Dieser Satz gehört in Arnos Poesie-Album. Er beinhaltet den 1. Teil aller Lösungen derzeitiger Probleme. Der 2. Teil ergibt sich im Austausch von Meinungen, Standpunkten, Lösungsvorschlägen - stets unter der Voraussetzung, daß man sein Gegenüber ernst nimmt und toleriert. Merke: Es gibt keine einzige Wahrheit.

Matthias schrieb weiter:

"In diesem Sinne würde auch mich der Fortgang der Flüchtlingsbefürchtungen in Deiner Umgebung interessieren."

Die kommen schon in 2 Jahren! Höchste Zeit, in Panik zu geraten!

In diesem Zusammenhang ist der Spiegel-Artikel "Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg" lesenswert. Nur 2 Zeilen daraus:

[Zitat] Allein in Westdeutschland suchten damals zehn Millionen Menschen Zuflucht. Die Vertriebenen wurden als "Polacken" und "Zigeuner" angefeindet. [Zitat Ende]

Hat sich wohl nicht viel geändert in den letzten 71 Jahren, scheint's mir...

Hugo

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (06.04.2016, 16:46)
hugo-wolff hat geschrieben:
Matthias schrieb:

"Wer sich um den sozialen Frieden sorgt, sollte keinen Unfrieden stiften."


Hat es diesen "sozialen Frieden" eigentlich je gegeben?

Wenn ich in meine eigene Vergangenheit blicke, bis weit in meine Kindheitstage, dann habe ich so etwas wie einen "sozialen Frieden" nie entdecken können.

Angefangen von den Jugendrevolten in den späten 1950ern (die ich nicht erlebt habe),
über die "68er"-Phase von Mord an Benno Ohnesorg und den Studentenkrawallen (die ich nur am Fernseher gesehen habe),
der politische Hass in der Bevölkerung gegen den "Vaterlandsverrräter" Brandt wegen seiner Ostverträge und der abschließenden Regelung zur Oder-Neiße-Grenze,
weiter über die Anschläge der Baader-Meinhof-Gruppe (ich kann mich noch sehr genau an die Fahndungsplakate erinnern, wo man genüsslich die gefassten oder getöteten Terroristen rot durchkreuzt hat);
die Thesen von "keine Macht für niemand" und dem Kapitel der Berufsverbote;
der Blick in die Mündung so mancher Maschinenpistole bei einer Verkehrskontrolle 1977 im "Deutschen Herbst";
die in den Innenstädten randalierende Punker-Szene (die mich ein Auto gekostet hat);
der spießbürgerliche Wunsch vieler Rentner gegenüber der Generation unter 30: "Geh doch nach drüben!";
die Friedensbewegung gegen das Nachrüstungskonzept (genau gegen jenes Konzept, was letztlich die Ostblockmächte in die Knie gezwungen hat - und nicht die vielen Friedenstauben);
die Straßenschlägereien zwischen Punkern, Poppern und Teds;
die vielen, vielen Streiks für mehr Geld, weniger Arbeitsplatzabbau, gegen Einführung heute alltäglicher Technologien;
die Ausplünderung der Betriebe in der ehemaligen DDR;
die brennenden Häuser in Rostock-Lichtenhagen, in Mölln, in Solingen;
die Demonstrationszüge rechtsradikalen Packs in meiner damaligen Wohnstraße;
die politische Wiederauferstehung rechter Parteien in deutschen Parlamenten;
eine angeblich moderne Partei, die Sex mit Kindern als tolerabel diskutiert;
der Kampf gegen die "Agenda 2010" (die uns heute im europäischen Vergleich deutlich besser dastehen lässt, als es z. B. Frankreich betrifft);
die langen Zeiten ohne Mindestlohn, als Menschen für 3 Euro die Stunde - oder weniger - gearbeitet haben;
eine Kirche, die jahrzehntelang Kindesmissbrauch deckt;
das Aufkommen von Verschwörungstheoretikern der heftigsten Sorte im Internet;
der Aufstieg der Religion als Wert- und Beschimpfungsmaßstab gegenüber Anders- oder Nichtreligiösen;
und vor allem: Das ständige Herunterbeten, dieses Land sei kein demokratisches Land (weil dieses Land in seinen Handlungen nicht das macht, was der herumkrakeelende Wirrkopf will).

Wie kann man sich um einen "sozialen Frieden" sorgen, wenn es so etwas eigentlich nie gegegen hat?
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Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (06.04.2016, 20:49)
hugo-wolff, du bist noch einer, der ohne ausreichende Kenntnisse gern den Mund aufmacht. Ich selbst gerate keineswegs in "Panik", ich ziehe ja ohnehin weg. Mir tut's leid, um die, die zurückbleiben müssen. Ich spreche hier also nicht für mich, sondern für den bisher schon von Verslumung bedrohten Berliner Norden. Übrigens habe ich nirgendwo geschrieben, die Flüchtlinge kämen in zwei Jahren. Der Senat will sein Programm insgesamt (ca. 30 Standorte) in etwa zwei Jahren realisiert haben. Sie können also schon diesen Herbst hier sein. Aber genaues Lesen stört wohl nur, wenn man Stimmung machen will.

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Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (06.04.2016, 21:16)
Hinweis:

mtg's Fragenkatalog von heute Morgen an mich war auch zu "Schaffensfreude" gepostet. Ich habe ihn dort beantwortet.

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hugo-wolff
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Re:

von hugo-wolff (06.04.2016, 22:43)
Arno,
Du bist ein selbstgefälliger, arroganter Mann, der nicht mit Kritik umgehen kann und glaubt, immer Recht zu haben.

Das, was ich als 2. Teil einer Lösung für die hier angesprochene Problematik schrieb (Austausch von Meinungen, Standpunkten, Lösungsvorschlägen - stets unter der Voraussetzung, daß man sein Gegenüber ernst nimmt und toleriert) ist mit Dir nicht zu erreichen.

Gerne zitiere ich nochmals Matthias an dieser Stelle: "Wer sich um den sozialen Frieden sorgt, sollte keinen Unfrieden stiften."

Genau das aber tust Du.

EOD
Hugo

hugo-wolff
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Re:

von hugo-wolff (06.04.2016, 23:32)
Siegfried schrieb:

"Hat es diesen "sozialen Frieden" eigentlich je gegeben?"

Ja, es hat ihn nicht nur gegeben, es gibt ihn nach wie vor. "

Vergleichen wir doch einmal unseren derzeitigen Wohlstand, unsere sozialen Errungenschaften, unseren inneren Frieden mit dem der meisten anderen Länder dieser Welt, dann werden wir, wenn schon nicht zufrieden (denn wer ist das schon), ein wenig demütig. Dann sollten wir die Unruhestifter unter den Politikern, den Medien, den Randerscheinungen in der Parteienlandschaft und den selbsternannten (Terror-)Experten vielleicht nicht ganz so viel Aufmerksamkeit schenken.

Siegfried, Du zählst all die scheußlichen Dinge auf, die in diesem Land seit den 60ern passiert sind. Daran gibt es nichts zu beschönigen. Doch halten wir uns auch vor Augen, was unser Volk aus dem kaputten Deutschland seit dem 2. Weltkrieg erschaffen hat. Die vielen Krisen, die Du aufgezählt hast, haben unser Sozialgefüge manchmal durchgeschüttelt, aber nicht ernsthaft gestört. Ich bin ein "Kind" der 68er und ich habe genug Tiefen mitgemacht, um die Höhen zu schätzen.

Kürzlich hat ein Komiker in einem Fernsehstudio demonstriert, wie groß die Gefahr durch Flüchtlinge für Deutschland wirklich ist: Wenn die 120 Zuschauer im Studio die Bevölkerung unseres Landes repräsentieren, dann kommen 1 1/2 Flüchtlinge auf sie.

Ich will hier nichts beschönigen, weder die Vorfälle am Kölner Bahnhof noch anderswo, wo sich diese "Gäste" nicht an die Gesetze halten. Aber von den 80 Millionen Einwohnern hierzulande leben die meisten in "sozialem Frieden". Lassen wir uns das von Demagogen nicht kaputt reden.

Hugo

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (07.04.2016, 06:46)
Arno Abendschön hat geschrieben:
Hinweis:

mtg's Fragenkatalog von heute Morgen an mich war auch zu "Schaffensfreude" gepostet. Ich habe ihn dort beantwortet.

Arno Abendschön


Zwar weiß ich nicht, mit wem du sprichst, aber wenn es ihm/ihr hilft, können wir den anderen Thread gern verlinken. Bitte sehr:

http://www.bod.de/autorenpool/schaffens ... rt,30.html

Gruß,
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (07.04.2016, 08:30)
@ Siegfried und Hugo

Zum sozialen Frieden gehört u.a. die Befriedigung des subjektiven Gerechtigkeitsgefühls. Und da sehe ich seit den 90ern einen eindeutigen Trend zur Unzufriedenheit. Das liegt einerseits an einer übersteigerten Erwartungshaltung gegenüber dem "Staat", bei der gern vergessen wird, dass wir alle "der Staat" sind, andererseits aber auch daran, dass sich einige gedanklich komplett aus dem Staat verabschiedet haben und sich für nichts verantwortlich fühlen. (Zum Beispiel wird zwar in gewissen Kreisen gern bei jeder Kleinigkeit die Polizei gerufen, aber für die Gehälter der Polizisten sollen gefälligst andere aufkommen.)
Auch der unerschütterliche Glaube an ein stetiges, nimmer endendes Wachstum spielt dabei eine Rolle. Man erwartet, dass es einem besser gehen sollte als den Eltern, weil es in den vorangegangenen Generationen so gewesen war. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus: Nicht nur die Ärmeren kommen trotz Fleiß auf keinen grünen Zweig, sondern auch die sogenannte Mittelschicht gerät finanziell immer mehr ins Straucheln, während viele Wohlhabende stetig reicher werden. Gern wird da eine radikale Umverteilung gefordert, aber die würde meines Erachtens nicht zwangsläufig zum sozialen Frieden beitragen, weil sie sowohl die Erwartungshaltung der einen steigern als auch anderen Bürgern als Rechtfertigung eines weiteren gedanklichen Rückzugs aus dem Staat dienen würde.
Es ist schwierig, eine für alle gerechte Lösung zu finden, in der Leistung honoriert, Hilfsbedürftigen geholfen wird und finanziell Leistungsfähige gefordert werden, aber es ist höchste Zeit, dass man endlich Schritte in diese Richtung unternimmt. Stattdessen schiebt man sich auf allen Ebenen gegenseitig die Schuld zu und freut sich über jeden, den man zum Sündenbock erklären kann. Es ist zwar inzwischen ein abgedroschener Spruch, der durch sämtliche Satiremühlen gedreht wurde, aber nicht die Flüchtlinge, sondern die Steuerflüchtlinge sind unser größtes Problem. Da ist sowohl die Legislative als auch jeder einzelne in der Pflicht. Legale Schlupflöcher müssen geschlossen und dürfen nicht geschaffen werden. Und das Unrechtsbewusstsein bezüglich illegaler Methoden muss endlich in den Köpfen ankommen.
Wenn ich im kleinen Kreis erwähne, dass ich gern Steuern bezahle und mich lediglich darüber ärgere, wofür sie teilweise verwendet werden, werde ich angesehen, als sei ich nicht ganz bei Trost. Eine Gesellschaft, in der der Austausch von illegalen Steuertricks ganz normal zum Smalltalk gehört, ist in meinen Augen krank. Wir müssen endlich anfangen, gewissenhaft unseren Pflichten nachzukommen, statt ständig so viel wie möglich für uns herauszuholen. Der Schulabschluss darf nicht mehr davon abhängen, ob die Eltern bei den Hausaufgaben helfen können (oder wollen). Und jeder sollte sich überlegen, was er für die Gemeinschaft tun könnte. Stattdessen werden neuerdings Menschen, die ihre Freizeit für ehrenamtliche Tätigkeiten opfern, als grenzdebile Spinner hingestellt. Wenn es ein Zeichen für Intelligenz ist, nur an sich zu denken und sich für nichts und niemanden verantwortlich zu fühlen, dann bin ich gern "dumm".

Gruß,
Monika
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mtg
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Re:

von mtg (07.04.2016, 08:47)
Auch wenn ich weder Siegfried noch Hugo bin: Well said! thumbbup
Monika K. hat geschrieben:
Wenn ich im kleinen Kreis erwähne, dass ich gern Steuern bezahle und mich lediglich darüber ärgere, wofür sie teilweise verwendet werden, werde ich angesehen, als sei ich nicht ganz bei Trost.

Diesen Gesichtsausdruck durfte ich sogar schon bei einem Mitarbeiter des Finanzamtes erleben, als ich Ähnliches sagte. Steuern zahlen müssen heißt nämlich Geld verdient zu haben. Komischerweise ist das Verdienen okay, aber das Bezahlen anrüchig … oder auch: Was interessiert mich die Pflicht, wenn ich doch das (bzw. ein wie auch immer und mittlerweile aus den abstrusesten Mülleimern zusammengezimmertes) Recht auf etwas habe?

Gerade Freiberufler und Selbständige – vor allem im kreativen Bereich – erleben nicht erst seit gestern, dass sie möglichst 200% Leistung zu höchstens 20% der angemessenen Kosten bringen sollen. Und leider sind die Zeiten ja nicht mehr so rosig, dass man sich deswegen angewidert wegdrehen könnte …

Angewidert bin ich derzeit von ganz anderen Sachen … aber das nur am Rande.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (07.04.2016, 08:58)
Sorry, ich wollte niemanden ausschließen, sondern lediglich andeuten, worauf sich meine Antwort bezieht.

Wenn ich mir dann ansehe, für was für einen überflüssigen Sch... das am Finanzamt vorbeigeschmuggelte Geld ausgegeben wird, könnte ich mich erst recht hintersinnen. dozey:
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (07.04.2016, 20:15)
mtg hat geschrieben:
Auch wenn ich weder Siegfried noch Hugo bin: Well said! thumbbup


Dem kann ich mich nur anschließen.

Ich selbst gehe davon aus, dass die soziale Unzufriedenheit ihre Wurzeln in den 80ern hat, wo es ganz massiv um die Präsentation von Statussymbolen ging. Jeder wollte irgendwie den Sozialneid Anderer erzeugen. Heute stecken wir in einer Situation, die man mit diesem Satz charakterisieren kann:

"Wir arbeiten für Geld in Jobs, die wir hassen, um dann die Scheiße zu kaufen, die wir nicht brauchen" (frei nach Tyler Durden - Fight Club)

Mich stört immer wieder, wie sehr die Leute den Staat in Anspruch nehmen (oder etwas von ihm fordern), selbst aber nichts für die Gemeinschaft leisten wollen. Der Spruch von John F. Kennedy hat mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit:

"Frage nicht, was dein Land für dich tun kann - frage, was du für dein Land tun kannst."

Wenn jeder nur etwas mehr diesen Spruch beherzigen würde, dann ginge es uns allen besser. Vermutlich.
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Bardioc
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Re:

von Bardioc (19.04.2016, 11:44)
Monika K. hat geschrieben:
Zum sozialen Frieden gehört u.a. die Befriedigung des subjektiven Gerechtigkeitsgefühls. Und da sehe ich seit den 90ern einen eindeutigen Trend zur Unzufriedenheit. Das liegt einerseits an einer übersteigerten Erwartungshaltung gegenüber dem "Staat", bei der gern vergessen wird, dass wir alle "der Staat" sind, andererseits aber auch daran, dass sich einige gedanklich komplett aus dem Staat verabschiedet haben und sich für nichts verantwortlich fühlen. (Zum Beispiel wird zwar in gewissen Kreisen gern bei jeder Kleinigkeit die Polizei gerufen, aber für die Gehälter der Polizisten sollen gefälligst andere aufkommen.)

Dann gehöre ich wohl zur letzeren Gruppe, obwohl ich mich für eine ganze Menge verantwortlich fühle.

Wenn jemand nicht weiß, daß der Staat wir alle sind, dann könnte der basierend auf der Alltagserfahrung im Umgang mit dem Staat leicht auf die Idee kommen, daß der Staat die gesamte personelle und institutionelle Infrastruktur ist, mit der die Bürger, das Staatsvolk, das Stimmvieh verwaltet werden. Ich denke, daß man ganz anders an die Sache herangehen sollte.

Auch der unerschütterliche Glaube an ein stetiges, nimmer endendes Wachstum spielt dabei eine Rolle.

Wer glaubt das? Die Politiker, die ständig vom Wachstum schwafeln, oder die Bürger? Ich denke, daß hier die Bürger schon viel weiter als die Politiker sind.

Man erwartet, dass es einem besser gehen sollte als den Eltern, weil es in den vorangegangenen Generationen so gewesen war.

Diese Erwartung ist doch ganz natürlich!

Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus: Nicht nur die Ärmeren kommen trotz Fleiß auf keinen grünen Zweig, sondern auch die sogenannte Mittelschicht gerät finanziell immer mehr ins Straucheln, während viele Wohlhabende stetig reicher werden.

Ja, so sieht die Wirklichkeit aus. Sehen das die Politiker nicht? Sind sie blind? Sehen sie nicht, wohin ihre Politik führt? Oder -- welch ketzerischer Gedanke -- soll es vielleicht genau so sein, nur dürfen das die Politiker nicht zugeben ...

Gern wird da eine radikale Umverteilung gefordert, aber die würde meines Erachtens nicht zwangsläufig zum sozialen Frieden beitragen, weil sie sowohl die Erwartungshaltung der einen steigern als auch anderen Bürgern als Rechtfertigung eines weiteren gedanklichen Rückzugs aus dem Staat dienen würde.

Das ist dualistisch gedacht, so wirst Du nie eine Lösung finden. Wenn ein Staat eine in sich ungerechte Wirtschaftsordnung, ungerechte Gesetze und ein ungerechtes Geldsystem hat, wie soll da Gerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit entstehen?

Es ist schwierig, eine für alle gerechte Lösung zu finden, in der Leistung honoriert, Hilfsbedürftigen geholfen wird und finanziell Leistungsfähige gefordert werden, aber es ist höchste Zeit, dass man endlich Schritte in diese Richtung unternimmt.

Es ist schwierig, in unserem System eine für alle gerechte Lösung zu finden, ... also muß man das System verändern, so daß für alle gerechte Lösungen von selbst entstehen können.

Stattdessen schiebt man sich auf allen Ebenen gegenseitig die Schuld zu und freut sich über jeden, den man zum Sündenbock erklären kann.

Und warum tut man das wohl, wenn doch relativ leicht zu erkennen wäre, was geändert werden muß, damit sich bessere Lösungen von selbst ergeben? Oder sind die Politiker wirklich so blöd?

Es ist zwar inzwischen ein abgedroschener Spruch, der durch sämtliche Satiremühlen gedreht wurde, aber nicht die Flüchtlinge, sondern die Steuerflüchtlinge sind unser größtes Problem.

Vor einiger Zeit gab es eine Nachricht (Zeitung?), in der ein Steuerfahnder seinen Job mit einem Fahrradfahrer (oder ähnlichem) verglich, der einem Rennfahrer hinterherfahren müsse, weil die Steuerfahnung nicht gut genug ausgestattet ist. Was folgern wir daraus? Ja, richtig, die Steuerfahnung ist nur eine Scheinbehörde, damit das Stimmvieh denkt, daß unser Staat ein Interesse daran hat, Steuerflüchtlinge zu verfolgen.

Da ist sowohl die Legislative als auch jeder einzelne in der Pflicht. Legale Schlupflöcher müssen geschlossen und dürfen nicht geschaffen werden.

Und was sind legale Schlupflöcher? Ja, genau, legal! Also sind es keine Schlupflöcher, sondern die -- wenn auch für den Normalbürger unverständliche -- Gesetze. Und wer hat die gemacht? Die vom Stimmvieh gewählte Legislative!

Und das Unrechtsbewusstsein bezüglich illegaler Methoden muss endlich in den Köpfen ankommen.

Eben haben wir gesehen, daß auch legale Sachen zu Problemen führen. Vielleicht wäre es besser, wenn wir ein Bewußtsein dafür entwickeln würden, daß auch Recht/Rechtsprechung/Gesetze/Legalität letztlich zu Unrecht/Ungerechtigkeit führen kann?

Wenn ich im kleinen Kreis erwähne, dass ich gern Steuern bezahle und mich lediglich darüber ärgere, wofür sie teilweise verwendet werden, werde ich angesehen, als sei ich nicht ganz bei Trost.

Nun ja, weißt Du wirklich, wofür die vielen Steuergelder verwendet werden? Wenn das, was auf bestimmten Webseiten zu finden ist, auch nur zu einem winzigen Teil stimmt, wofür die Steuergelder verwendet werden, dann würdest Du auf unseren Staat fluchen und die Politiker in die tiefste Hölle verwünschen.

Eine Gesellschaft, in der der Austausch von illegalen Steuertricks ganz normal zum Smalltalk gehört, ist in meinen Augen krank.

Sprichst Du hier aus eigener Erfahrung? Wenn ja, in welchen Kreisen verkehrst Du ...

Wir müssen endlich anfangen, gewissenhaft unseren Pflichten nachzukommen, statt ständig so viel wie möglich für uns herauszuholen.

Hättest Du sowas auch in 1933 bis 1945 gesagt, oder zu Zeiten der DDR?

Der Schulabschluss darf nicht mehr davon abhängen, ob die Eltern bei den Hausaufgaben helfen können (oder wollen).

Hängt denn der Schulabschluß davon ab?
Die Schulen werden immer schlechter, weil die schulische Erziehung in die falsche Richtung geht (Aus der Sicht der Mächtigen -- und das sind nicht die Politiker=Politdarsteller -- geht sie in die richtige Richtung.)

Verheerender Bildungsabbau in vollem Gange?
Lehrplan 21 – macht er unsere Kinder krank?
Ritalin bei ADHS – unwirksam und gesundheitsschädlich
Steuerung der Schüler durch Kompetenzen?
PISA - Bildungsreform im Sinne der Globalisten
Tiefpunkt der Menschenrechtslage für Familien

Und jeder sollte sich überlegen, was er für die Gemeinschaft tun könnte.

Hättest Du sowas auch in 1933 bis 1945 gesagt, oder zu Zeiten der DDR?

Es hängt vielleicht von der Art des Staates ab, ob die Menschen was für den Staat tun wollen oder nicht. Und da heute viele Menschen nichts für den Staat tun wollen, folgt im Umkehrschluß ...

Stattdessen werden neuerdings Menschen, die ihre Freizeit für ehrenamtliche Tätigkeiten opfern, als grenzdebile Spinner hingestellt. Wenn es ein Zeichen für Intelligenz ist, nur an sich zu denken und sich für nichts und niemanden verantwortlich zu fühlen, dann bin ich gern "dumm".

Ich habe noch nie davon gehört, daß sowas gemacht wird.

Bardioc
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Re:

von Bardioc (19.04.2016, 11:53)
Siegfried hat geschrieben:
Mich stört immer wieder, wie sehr die Leute den Staat in Anspruch nehmen (oder etwas von ihm fordern), selbst aber nichts für die Gemeinschaft leisten wollen. Der Spruch von John F. Kennedy hat mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit:

"Frage nicht, was dein Land für dich tun kann - frage, was du für dein Land tun kannst."

Wenn jeder nur etwas mehr diesen Spruch beherzigen würde, dann ginge es uns allen besser. Vermutlich.

Hättest Du das auch 1933 bis 1945 oder in der DDR gesagt?

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mtg
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Re:

von mtg (19.04.2016, 12:19)
Bardioc hat geschrieben:
Siegfried hat geschrieben:
Mich stört immer wieder, wie sehr die Leute den Staat in Anspruch nehmen (oder etwas von ihm fordern), selbst aber nichts für die Gemeinschaft leisten wollen. Der Spruch von John F. Kennedy hat mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit:

"Frage nicht, was dein Land für dich tun kann - frage, was du für dein Land tun kannst."

Wenn jeder nur etwas mehr diesen Spruch beherzigen würde, dann ginge es uns allen besser. Vermutlich.

Hättest Du das auch 1933 bis 1945 oder in der DDR gesagt?

Kann es sein, dass da jemand den Unterschied zwischen einer Diktatur und einer Demokratie erklärt haben möchte?

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (19.04.2016, 12:39)
@Bardioc
Dass ich damals den Thread mit meiner Gedichtvorstellung für themenfremde Diskussionen freigab, heißt nicht, dass du ihn jetzt in den nächsten 20 Jahren regelmäßig nach Lust und Laune hochziehen und mit deinen hinter reißerischen Titeln verborgenen Links zu meist äußerst zweifelhaften Quellen vollmüllen darfst. Haben dir deine Eltern denn keine Manieren oder ein angemessenes Sozialverhalten beigebracht? Was bildest du dir eigentlich ein? Ich habe keine Lust, in meiner Textvorstellung regelmäßig zu kontrollieren, welche verfassungsfeindliche Propaganda du denn diesmal wieder hier verklappt hast. Dafür ist mir meine Zeit zu schade! Hiermit ist die Freigabe des Threads für jede weitere themenfremde Diskussion aufgehoben. Wenn du diesen Thread noch einmal hochziehst, betrachte ich das als Kaperung und werde BoD um Löschung des gesamten Threads bitten. Wenn man hier den kleinen Finger reicht, willst du sofort die ganze Hand und den Arm noch dazu. So viel zum Thema "überzogene Erwartungshaltung" ... :twisted:

Monika
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